ZEICHEN nach CHARLES SANDERS PEIRCE

Teoría del signo en Charles Sanders Peirce

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Zeichen / Signifikant / Symbol / Behaviorismus / Pragmatismus / Zeichen nach Ch. W. Morris / Vermittlung

 

Zeichen nach Ch. S. PEIRCE

Die von Peirce vorgeschlagenen triadischen Unterscheidungen des Zeichens:

 

 Zeichen

 als solches

Qualizeichen

ein Farbfleck in einem abstrakten Bild, die Farbe eines Anzugs usw.

Sinzeichen

das Porträt der Mona Lisa, die Direktaufnahme eines Ereignisses im Fernsehen, ein Verkehrszeichen ...

Legizeichen

eine ikonographische Konvention, das Modell des Kreuzes, der Typ »Tempel mit kreisförmigem Grundriss« ...

 

 In Beziehung

 zum Objekt

Icon

das Porträt der Mona Lisa, ein Diagramm, eine Strukturformel ...

Index

ein Anzeigepfeil, ein nasser Fleck auf dem Boden ...

Symbol

das Signal für verbotene Fahrtrichtung, das Kreuz, eine ikonographische Konvention

 

 

In Beziehung

zum Interpretans

Rhema

irgendein visuelles Zeichen, wenn es Terminus einer möglichen Aussage ist

Dicent

zwei visuelle Zeichen, die so miteinander verbunden sind, dass daraus ein Verhältnis hervorgeht

Argument

ein visueller syntagmatischer Komplex, der Zeichen verschiedenen Typs zueinander in Beziehung setzt. Z. B. die Gesamtheit der Verkehrskommunikationen: »(da) Rutschgefahr, (folglich) Geschwindigkeitsbegrenzung auf 60 km«.

 

Aus dieser raschen Klassifizierung ist leicht ersichtlich, wie dann verschiedene Kombinationen möglich sind (die Peirce vorausgesehen hat) wie z. B. in ikonisches Sinzeichen, ein ikonisches Legizeichen usw.

Peirce bemerkte, dass ein Index etwas sei, was die Aufmerksamkeit auf den angezeigten Gegenstand mittels eines blinden Impulses richte. Und zweifelsohne schließe ich von Anfang an, wenn ich einen nassen Fleck sehe, dass Wasser gefallen ist; ebenso wie ich, wenn ich einen Verkehrspfeil sehe, dazu gebracht werde, mich in die angezeigte Richtung zu bewegen. Jeder visuelle Index teilt mir aber – durch einen mehr oder weniger blinden Impuls – auf Grund eines Systems von Konventionen oder eines Systems von erlernten Erfahrungen etwas mit. Ich schließe nur dann von den Spuren auf der Erde auf die Anwesenheit eines Tieres, wenn gelernt habe, eine konventionelle Beziehung zwischen diesem Zeichen und diesem Tier herzustellen. Wenn die Spuren Spuren von etwas sind, was ich noch niemals vorher gesehen habe (und von dem mir niemals gesagt wurde, welche Art von Spuren es hinterlässt), dann erkenne ich den Index nicht als Index, sondern interpretiere ihn als einen natürlichen  Zufall.

Man kann also mit einer gewissen Sicherheit behaupten, dass alle als Indices interpretierbaren visuellen Phänomene als konventionelle Zeichen betrachtet werden können. Ein plötzlich aufleuchtendes Licht, das mich die Augenlieder niederschlagen lässt, veranlasst ein bestimmtes Verhalten durch einen blinden Impuls, aber es tritt kein Semioseprozess ein; es handelt sich einfach um einen physikalischen Stimulus (auch die Tiere würden die Augen schließen). Wenn ich aber dagegen vom rötlichen Schein, der sich am Himmel ausbreitet, auf den bevorstehenden Sonnenaufgang schließe, dann antworte ich schon auf die Anwesenheit eines durch Erlernung erkennbaren Zeichens. Der Fall der ikonischen Zeichen liegt anders und wirf mehr Fragen auf.

Peirce definiert die Icone als die Zeichen, die ihren Gegenstand hauptsächlich durch ihre »Ähnlichkeit« (2.276) und dank der mit dem Gegenstand gemeinsamen Eigenschaften (2.247) darstellen können. [...]

Die Definition des ikonischen Zeichens hat einen gewissen Erfolg gehabt und ist von Morris wiederaufgenommen worden (dem sie ihre Verbreitung verdankt, auch weil sie einen der bequemsten und offensichtlich zufriedenstellendsten Versuche darstellt, ein Bild semantisch zu definieren). Für Morris ist dasjenige Zeichen ikonisch, das einige Eigenschaften des dargestellten Gegenstandes besitzt, oder besser, das »die Eigenschaften seiner Denotata hat« (Morris, 1946). [...]

Das ganze Problem liegt darin, welchen Sinn man dem Ausdruck »in eigenen Aspekten« geben soll. Ein ikonisches Zeichen ist der bezeichneten Sache in einigen Aspekten ähnlich. Das ist eine Definition, die zwar den gesunden Menschenverstand zufriedenstellen kann, nicht aber die Semiotik.“

[Eco, Umberto: Einführung in die Semiotik. München: Wilhelm Fink, 1972, S. 197-201]

Semiose, semiosis

“Bei Peirce  impliziert  das triadische Verhältnis der  Zeichenglieder einen Prozess, den sog. Zeichenprozess, die Semiose. “All dynamical action, or action of brute force, physical or psychical, either takes place between two subjects [ ... ] or at any rate is a resultant of such actions between pairs. But by ‘semiosis’ I mean, on the contrary, an action, or influence, which is, or involves, a cooperation of three subjects, such as a sign, its object, and its interpretant, this tri‑relative influence not being in any way resolvable into actions between pairs. Semeiosis [σημεοσις] in Greek of the Roman period, as early as Cicero’s time, if I remember rightly, meant the action of almost any kind of sign; and my definition confers on anything that so acts the title of a ‘sign’.” (“Jede dynamische Aktion oder Aktion roher Kräfte, sei sie physisch oder psychisch, findet entweder zwischen zwei Subjekten statt oder ist jedenfalls eine Resultante solcher Aktionen zwischen Paaren. Aber unter ‘Semiosis’ verstehe ich im Gegensatz dazu eine Aktion oder einen Einfluss, der ein Zusammenwirken dreier Subjekte ist oder einbezieht, wie dies beim Zeichen, seinem Objekt und seinem Interpretanten der Fall ist, wobei dieser dreistellige Einfluss auf keine Art und Weise in Aktionen zwischen Paaren aufgelöst werden kann. Semeiosis [σημεοσις] hieß, wenn ich mich recht erinnere, im Griechisch der römischen Periode, bereits zu Ciceros Zeiten, die Aktion fast jeder Art von Zeichen; und meine Definition belegt alle Dinge, die so agieren, mit dem Titel ‘Zeichen’.” (Peirce, CP 5.484)

Nach Peirce ist die Semiose ein kontinuierlicher Zeichenprozess, der auf der Interpretation eines Zeichens durch ein anderes beruht. Jakobson hat diesen Prozess als Übersetzungsprozess beschrieben. […]     die Bedeutung jedes sprach­lichen Zeichens ist seine Übersetzung in ein weiteres, alternatives Zeichen, insbesondere in ein Zeichen, ‘in dem es weiter entwickelt wird’, wie Peirce, der tiefschürfendste Erforscher der Natur des Zeichens, wiederholt gesagt hat.” (Jakobson, S.W. 11, 1971: 261)

Auch in der Biosemiotik wird unter Semiose eine Übertragung von Zeichen bzw.  eine Interpretation verstanden, durch die Zeichen repliziert und weiter ent­wickelt werden. Beispiele solcher dynamischen Reproduktionen reichen für Sebeck vom genetischen Kode durch alle Stufen der Informationsübermittlung bis zum Sprechen, Handeln und Denken des Menschen. Die Replikation eines Gedankens in einem anderen Gedanken, der den ersten übersetzt oder interpretiert, ist danach analog mit der biologischen Reproduktion der Art oder der funktionellen Reproduktion des Subjekts im Objekt. Ein mathematisches System solcher Analogien wird in René Thoms Theorie der Katastrophen entwickelt.” [Abraham, W., Bd. 2, S. 750]

Semiotik (bzw. nach Ch. S. Peirce "Semeiotic") ist der wissenschaftliche Name für die Zusammenfassung der Lehre von den Zeichen als solchen, ihrer Unterscheidung und Klassifikation, ihrer Methodologie und ihrem Gebrauch. Dabei ist der naive Zeichenbegriff (und damit die vorwissenschaftliche S.) vom wissenschaftlichen Zeichenbegriff (und damit von der heutigen wissenschaftlichen S. oder allgemeinen Zeichentheorie) zu unterscheiden. Der naive Zeichenbegriff, gelegentlich auch als umgangssprachlicher, also nicht terminologisierter und undefinierter Zeichenbegriff bezeichnet, hat sich im wesentlichen im unmittelbaren, situationsgebundenen Gebrauch entwickelt und ist weniger als theoretisches denn als technisches Gebilde zu verstehen. Der theoretische Zeichenbegriff hingegen hat sich im Rahmen der spekulativen und theoretischen Intelligenz des menschlichen Bewusstseins überhaupt und gewisser seiner spezifischen Wissenschaften wie etwa der Metaphysik, Mathematik, Logik, Erkenntnistheorie, Rhetorik, Poetik, Ästhetik u. dgl. gemäß den Erfordernissen der "Mitteilbarkeit", "Beweisbarkeit" sowie "Fundierbarkeit" der Beschreibungen, Aussagen, Lehrsätze usw. herausgebildet. Im allgemeinen gesehen ist die Geschichte des theoretischen Zeichenbegriffs von Aristoteles und Euklid über Leibniz, Arnauld und Lambert bis zu Bolzano und Peirce sehr viel genauer bekannt als die Geschichte des naiven, umgangssprachlich eingebetteten Zeichenbegriffs, dessen einzelne Phasen noch kaum unterschiedlich beschrieben, geschweige genauer er forscht worden sind. Gelegentlich stellt man im Rahmen des naiven Zeichenbegriffs "natürliche" und "künstliche" Zeichen gegenüber. Aber schon die Schwerfälligkeit der Definitionsversuche, die zumindest seit der "Logik von Port Royal" (1662) aufgetaucht sind, macht deutlich, dass es keine natürlichen Zeichen (als vorgegebene) gibt, sondern nur natürliche Phänomene, die, wie jedes Zeichen, von einem natürlichen Zeichenbenutzer zum Zeichen erklärt wurden. Was nun das "Zeichen als solches", also das zentrale tragende (Forschungs‑)Objekt der S., angeht, so ist es stets als ein thetisches Gebilde aufzufassen. Jede Einführung eines Zeichens ist eine Zeichengebung, und eine Zeichengebung ist immer eine Zeichensetzung. Sie entstammt der setzenden Intention des denkenden Bewusstseins. Aber gleichwohl darf man in der Zeichengebung keinen elementaren, einfachen, homogenen Akt sehen. Der thetische Prozess ist vielmehr ein zusammengesetzter, mehrphasiger Vorgang. Die Einführung des Zeichens erfolgt selektiv, thetisch und zuordnend; und dieser dreiphasigen Einführung entspricht es, daß ein Zeichen erstens als "Mittel" aus einem gewissen relevanten und disponiblen Repertoire selektiert werden muss, zweitens auf ein gewisses intendiertes Objekt bezogen, ihm also zugeordnet werden muss, und drittens als dieses Objekt in einem Zusammenhang, in einem Kontext, der selbstverständlich wiederum aus dem vorgegebenen Repertoire zu bilden ist, erklärt werden kann.

So erweist sich bereits von seiner thetischen Einführung her das Zeichen als ein triadisches Gebilde. Peirce hat als erster die triadische Natur der Zeichen erkannt und sprach dementsprechend von der triadischen Zeichenrelation, die dadurch bestimmt ist, dass jedes Zeichen, sofern es der Repräsentation dient, ein repräsentierendes Mittel, ein repräsentiertes Objekt und eine erklärende, kontextliche Repräsentation des repräsentierten Objektes, "Interpretant" genannt, unterscheidbar enthalten muss. In dieser triadischen Zeichenrelation erweist sich die Folge "Mittel ... .. Objektbezug" und "Interpretant" als eine geordnete Relation; diese Ordnung gehört wesentlich zum Zeichen, und sie hebt hervor, dass zwar ein Zeichen kein Gegenstand, sondern eben eine Relation ist, aber genau aus diesem Grund, wie Peirce bemerkte, jeder beliebige Gegenstand zum Zeichen erklärt werden kann. Versteht man unter ZR die triadische Zeichenrelation, unter Z(M) das Zeichen

als "Mittel", unter Z(O) das Zeichen als "Objektbezug‑ (d.h. als "bezeichnetes" Objekt) und unter Z(I) das Zeichen als (zeicheninterner) "Interpretant" (d.h. als Kontext der "Bedeutung"), dann lautet die formale Definition des Zeichens als triadisches Repräsentationssehema: ZR = R [Z(M), Z(O), Z(I)].

Peirce hatte nun weiterhin bereits erkannt, daß jedes Korrelat dieser Zeichenrelation, also Z(M), Z(O) und Z(I), wenn es der Forderung triadischer Repräsentierbarkeit eines beliebigen Sachverhaltes differenzierend, graduierend und vollständig entsprechen soll, selbst wieder einer triadischen inneren Relationalität genügen müsse, derart dass es durch eine Trichotomie von (gewissermaßen stellenwertigen) Übergangs- oder Subzeichen konstituierbar ist. Die Einführung der Trichotomie für "M" geht davon aus, dass ein "Mittel" primär aus dem Bereich der sinnlichen Wahrnehmung stamme, also als bloße Qualität ("Quali‑Zeichen") selektiert wird, sekundär jedoch als bestimmte, raumzeitliche bzw. gestaltlich fixierte, singuläre Qualität ("Sin‑Zeichen") benutzbar ist und drittens zu einem konventionellen, gewissermaßen legalisierten Mittel der Repräsentation ("Legi‑Zeichen") entwickelt werden kann (z.B. zu einem "Wort", einer "Form" u. dgl.). Die Trichotomie des "Objektbezugs" ("0") unterscheidet zwischen dem objektbezogenen Subzeichen "Icon" (das mindestens in einem Merkmal mit seinem "Objekt" übereinstimmt, also ein "Abbild" bzw. "Bild" dieses "Objekts" im Sinne einer selektiven Abstraktion liefert), dem objektbezogenen "Index" (der stets einen kausalen, phänomenalen oder formalen Zusammenhang mit seinem bezeichneten Objekt besitzt, wie z. B. die Himmelsrichtung "Nord" den durch die Magnetnadel angezeigten physikalischen Zusammenhang mit dem Nordpol aufweist) und schließlich dem objektbezogenen "Symbol", das seiner Einführung nach völlig unabhängig vom bezeichneten Objekt als purer Name fungiert. Was schließlich die Trichotomie von "I", also des kontextlichen "Interpretanten", angeht, so unterschied Peirce hier zwischen "Rhema", "Dicent" und "Argument", die wir heute als "offenen", "geschlossenen" und "vollständigen" bzw. als "weder wahr noch falschen", "wahren oder falschen" und "nur wahren" Kontext bzw. "Interpretanten" definieren. Damit ergibt sich als Vollständige Zeichenrelation: VZR=R [M (Qua, Sin, Leg), 0 (Ic, In, Sy), I (Rhe, Dic, Arg)]. Aus diesem vollständigen Zeichen werden nun nach Peirce, unter Voraussetzung, daß auch die Subzeichenfolgen stets eine triadisch geordnete Folge in Richtung degenerierender (fallender) oder generierender (steigender) Semiotizität bilden, zehn so genannte Zeichenklassen, triadische Kombinationen selektierter Subzeichen, konstituiert. Jede dieser Zeichenklassen definiert jeweils ein vollständig triadisch realisiertes Zeichen als funktionsfähiges Repräsentationsschema.

Ich gebe im folgenden nur die drei Hauptzeichenklassen rhematischer, dicentischer und argumentischer Ordnung an:

1. das rhematisch‑iconische QualiZeichen;

2. das dicentisch‑indexikalische SinZeichen;

3. das argumentisch‑symbolische Legi‑Zeichen.

Im ganzen setzen sich die zehn Zeichenklassen aus sechs rhematischen, drei dicentischen und nur dem vorstehend genannten einen vollständigen argumentischen Zeichen zusammen. Während die drei Hauptzeichenklassen drei vollständige Zeichen der drei Hauptrealitätsthematiken des "Mittels", des "bezeichneten Objekts" und des "bedeutenden Interpretanten" realisieren, also vollständige Realitätsthematiken, wie wir sagen, repräsentieren, lassen sich dementsprechend aus den sieben Nebenzeichenklassen nur Zwischenstufen der Realitätsthematiken, also Zwischenrealitätsthematiken, entwickeln. Das semiotische Transformationsverfahren, aus der Zeichenklasse die zugehörige Realitätsthematik zu gewinnen, heißt semiotische Dualisation; allerdings setzt dieses Verfahren die numerisch‑kategoriale Notation der Zeichen bzw. der Zeichenklassen bzw. der Vollständigen Zeichenrelation voraus, die im folgenden kurz erörtert wird.

Peirce hat im Zusammenhang mit seiner triadisch‑relationalen Zeichenvorstellung ein Kategoriensystem entwickelt, das, sofern er diese Kategorien als "Erstheit ... .. Zweitheit" und "Drittheit" einführte, sowohl dem fundierenden wie auch dem repräsentierenden und graduierenden Aspekt seiner Zeichenrelation entspricht. Peirce sprach von Fundamentalkategorien. Der triadischen Relation der Zeichen ist fundierend die triadische Relation der Kategorien zugeordnet. Man kommt leicht darauf, dass der Relation [Z(M), Z(O), Z(I)] die Relation ("Erstheit", "Zweitheit", "Drittheit") koordiniert werden kann und daß dabei "Erstheit" durch "Zweitheit" durch ".2." und "Drittheit" durch ".3." notierbar ist. Die Subzeichen der Trichotomie der "Erstheit" bzw. von "M" können dann durch "Erstheit der Erstheit" ("1.1"), "Zweitheit der Erstheit" ("1.2") und "Drittheit der Erstheit" ("1.3") repräsentiert werden, wodurch also "Quali‑Zeichen", "Sin‑Zeichen" und "Legi‑Zeichen" numerisch und kategorial notiert sind. Entsprechend sind die Trichotomie (Icon, Index, Symbol) des "Objektbezugs" und die Trichotomie (Rhema, Dicent, Argument) des "Interpretanten" durch (2.1, 2.2, 2.3) und (3.1, 3.2, 3.3) darstellbar. Das vollständige Zeichen ergibt sich als VZR = [. 1. (l. 1, 1.2, 1.3), .2.(2.1, 2.2, 2.3), .3.(3.1, 3.2, 3.3)].

Die vollständigen Zeichen der Hauptzeichenklassen sind dementsprechend folgendermaßen zu fixieren: 1. die rhematische Klasse: 3.1 2.1 1. 1; 2. die dicentische Klasse: 3.2 2.2 1.2; 3. die argumentische Klasse: 3.3 2.3 1.3. Dualisation nennen wir nun den Prozeß der Vertauschung des Vorderglieds der Subzeichen mit ihrem Hinterglied, verbunden mit der Umkehrung der Reihenfolge der Subzeichen. Die dualisierte Form der Zeichenklasse (bzw. der Zeichenthematik) heißt semiotische Realitätsklasse (bzw. Realitätsthematik).

Man erkennt leicht, daß die Zeichenthematiken der Hauptzeichenklassen durch Dualisation (x) zu den Hauptrealitätsthematiken der Korrelate der triadischen Zeichenrelation führen:

Hauptzeichenklassen x Realitätsthematiken

3.1 2.1 1.1 x 1.1 1.2 1.3

................    ...............

3.2 2.2 1.2 x 2.1 2.2 2.3

................    ...............

3.3 2.3 1.3 x 3.1 3.2 3.3

Die S. liefert also mit der numerisch‑kategorialen Schreibweise eine Möglichkeit, zwischen der semiotischen Zeichenthematik als solcher und der dazugehörigen oder involvierten Realitätsthematik der Zeichenbezüge zu unterscheiden und dabei die reinen, vollständigen Realitätsthematiken der "Erstheit" (M), der "Zweitheit" (0) und der "Drittheit" (1) von den gemischten, unvollständigen oder Zwischenrealitätsthematiken thematisch, insbesondere erkenntnistheoretisch, zu trennen. Das wird in der Theorie der semiotischen Inklusionsstufen im Zusammenhang mit der Ausdifferenzierung der semiotischen Objekt‑ und Interpretantenbegriffe geleistet, was hier aber nicht behandelt werden kann. Doch muss noch angeführt werden, dass das "Zeichen" bzw. die triadische Zeichenrelation, die Zeichenklasse etc. keineswegs nur als Repräsentationsschema, sondern auch als Kommunikationsschema aufgefasst werden muss bzw. fungiert. Während im semiotischen Repräsentationssehema die triadische Relation primär die Funktion der Substitution ausübt, übernimmt sie im semiotischen Kommunikationsschema in erster Linie die Funktion der Transmission, also der Vermittlung. Dementsprechend ist für das Repräsentationsschema der "Objektbezug", aber für das Kommunikationsschema der "Mittelbezug", das Medium der Vermittlung, das "Repertoire" das entscheidende Bestimmungsstück. Auch spielt sich der eigentliche semiotische Prozess der Repräsentation zeichenintern ab, während er in der Kommunikation wesentlich die zeichenexterne (reale) Beziehung zwischen einem expedientellen, selektierbaren (erkenntnistheoretischen) Weltobjekt und einem perzipientellen, selektierenden (erkenntnistheoretischen) Bewusstsein zu berücksichtigen hat. Doch kann auch dieser Aspekt des semiotischen Theoriensystems hier nur genannt, nicht ausgeführt werden.“

[Braun, E./Radermacher, H.: Wissenschaftstheoretisches Lexikon. Graz/Wien/Köln: Styria, 1978, S. 532f.]

Das Zeichen bzw. Symbol und sein Interpretant nach Peirce

„Wenn Derrida die Sicherheit des Code-Modells bestreitet, so tut er das auf dem Boden jenes minimalen Konsensus mit Searle, der darin besteht, keine Zuflucht zum Begriff einer (transzendentalen) Individualität zu nehmen. Der Regularitätsfetischismus, dem die szientistischen Sprachphilosophen huldigen, man drollige Züge annehmen – Derrida denkt dennoch nicht daran, die gemeinsame epistemologische Prämisse, dass Kodifikation und Iterabilität Namen eines Begriffs sind, anzufechten. Jeder erneute Gebrauch eines Zeichens, so ist seine Ansicht, modifiziert dessen Bedeutung und ficht die Vorstellung an, dass der Code mit der Sicherheit einer Maschine über seine Anwendung gebietet. Was nicht angefochten wird, ist indes der Begriff des Code selbst und die Vorstellung, dass sich der Sinn immer nur auf dem Umweg über seine Konvention zugänglich ist.

An dieser Argumentation fällt zweierlei auf. Derrida hält die Kodifikation der Zeichen – in kantischer Tradition – für eine blo0 hypothetische Maßgabe. Und er begründet das damit, dass die Verwendung (oder die Lektüre) eins Zeichens dieses Zeichen verändere («l’itération ... travaille, altère toujours ce qu’elle paraît reproduire. (...) L’itération altère, quelque chose de nouveau a lieu» [Ll i]). Er identifiziert also den Abstand zwischen je zwei Verwendungen einer «marque». Hier scheint mir in der Tat ein category mistake vorzuliegen. (Searle bezeichnet ihn in seiner Reply als Verwechslung von «type» und «token». Das scheint mir zu kurz gegriffen, denn eine mögliche Pointe von Derridas Argument ist ja die, dass wiederholter Gebrauch eines Typs diesen nicht unverändert lasse – also von der token-Ebene her anfechte.)

Denn der Begriff der Kompetenz oder des Code (oder auch der Iterabilität) bezeichnet ja, wie gesagt, ein System reiner Virtualitäten; und aktuelle Bedeutsamkeit erwerben die Elemente der langue ja erst durch ihre Anwendung-in-Situation. Zwischen der Potenz des allgemeinen Schematismus und der konkreten Schemaverwendung besteht zwar allerdings eine Kluft; aber es ist nicht die Kluft zwischen zwei realen Bedeutungen, sondern zwischen einer Sinn-Möglichkeit und ihrer schöpferischen Verwirklichung. Es gibt keine Regel, die ihre eigene Anwendung wie eine notwendige Folge aus ihren Prämissen determinierte.

Nun spricht zwar auch Derrida von einem «Abstand (écart) zwischen dem minimalen Sinnmachen einer Zeichenkette (Konformität mit dem Code, Grammatizität usw.) und dem angemessenen Verständnis der Bedeutungsintention» (Limited Inc, possibilité 1, c). Man könnte diese Formulierung (für die es nichts Vergleichbares bei Searle gibt) so verstehen, als wolle Derrida eine notwendige Voraussetzung für die Bedeutungshaftigkeit von Zeichen (ihre Grammatizität) von einer bewirkenden Ursache ihres Sinnmachens unterscheiden und als spreche er das Kriterium für die aktuelle Bedeutsamkeit ihrer Anwendung-in-Situation zu. Die Codifikation wäre alsdann die Instanz, ohne welche nicht gesprochen werden kann, die aber darum nicht schon die Wirkursache für die mögliche Signifikanz der Zeichen ist. Ein Zeichensystem muss – wie jeder Apparat von Handlungsanweisungen und Rezepten – stumm bleiben, solange keiner ihn interpretiert. Niemals entspricht der Spielrege als solcher ein Zug im Spiel selbst. Vor allem darum, weil die Zeichen (wie Ch. S. Peirce gezeigt hat), um sich unter einer bestimmten Hinsicht auf Gegenstände beziehen zu können, eines Kommentars oder einer Interpretation bedürfen, die sich nicht als Ergebnis einer einfachen Deduktion aus ihrer Grammatik begreifen läßt. Deduktionen lassen sich grundsätzlich nur im homogenen Feld der Struktur (dessen, was Peirce idea oder object nennt) und nicht des angewandten Zeichens (des interpretierten representamen (geben). Die struktural-horizontale Beziehung des Zeichens zu allen anderen Zeichen und ihren Objekten wird von einer zweiten gleichsam vertikalen Beziehung gekreuzt: der der Zeichen zu ihren Benutzern. Das Zeichensystem funktioniert auf der Ebene des gesprochenen Worts nur, wenn eine Interpretaionsgemeinschaft und letzten Endes ein Individuum seinen Verwendungssinn zuvor festgelegt, d. h. das Abbildungsverhältnis zwischen den kodifizierten Zeichen und ihren Gegenständen von Grund auf hervorgebracht hat, um es im Lauf der Geschichte immer wieder neu festzusetzen. Auf diese Weise bleibt das System der Zeichen rückgebunden an symbolische Handlungen und an normative Entscheidungen, die von der Ebene der sozialen Interaktion ausgehen.

Zwar nicht in Limited Inc, wohl aber in der Grammatologie (Ffm. 1874, 83-87) hat sich Derrida zu Peirce geäußert. Ich referiere dies kurz, um Searles Peirce-Nachfolge desto leichte abheben zu können. Nun, Derrida versteht den Entwurf einer Semiotik als Vorschlag zu einem entgrenzten Spielmodell, das seinem Begriff des ‘texte général’ entgegenkommt. Zeichen – Peirce sagt: ‘symbols’ – entstehen nie aus originären Anschauungen, die sie symbolisch rückvergegenwärtigen, sondern immer aus anderen (wenn auch nicht unbedingt gleichartigen) Zeichen: «It is only out of symbols that a new symbol can grow. Omne symbolum de symbolo» (Ch. S. Peirce, Writings Selected, London 1940, 115). Damit scheint jeder Versuch abgeschnitten, die Ebene der Semiotik – die nun ihrerseits nicht mehr durch eine wahrheitswertfunktionale (also nicht-formale) Logik gebändigt wird – zu überschreiten. Die «Indefinitheit des Verweises» ist für Derrida Peirces eigentliche Entdeckung. Und sie schließt ein, dass es kein Ding an sich geben kann, auf das sich das differentielle Spiel der «Marken» als auf sein eigentliches Zentrum oder seinen Ursprung beziehen könnte. «Das so genannte ‘Ding selbst’», schreibt er, «ist immer schon ein representamen, das der Einfältigkeit der intuitiven Evidenz entzogen ist», und fährt fort: «Das representamen kann nur funktionieren, indem es einen Interpretanten hervorbringt, welcher seinerseits zum Zeichen wird und so ad infinitum. Die Identität des Signifikats mit sich selbst verbirg und verschiebt sich unaufhörlich.»

Der Schluss-Satz betont am deutlichsten die Konsequenz, auf die es Derrida ankommt: Peirce habe gezeigt, dass das Zeichen nur in der anschaulichen Präsenz eines Repräsentierten seine Bewährung findet, dass es ohne feste Identität mit sich ist, dass es von seiner Struktur gezwungen wird, «es selbst und ein Anderes zu sein, als eine Verweisungsstruktur zu entstehen und sich von sich selbst zu trennen». Was er geflissentlich übersieht, ist freilich die Funktion, die Peirce dem Interpretanten zuerkannt hatte und die keineswegs, wie Derrida schreibt, ‘vom representamen hervorgebracht wird’. Die Formulierung ist zumindest missverständlich. Im Sprachprozess wird zwar permanent der Interpretant dem Zeichen zugeschlagen, insofern er dessen Bedeutung modifiziert und konstituiert («The interpretant becoming in turn a sign, and so on ad infinitum», sind Peirces eigene Worte) – doch ist dieser Prozess der Symbolwerdung des Interpretant einsinnig und nicht umkehrbar. Niemals ‘generiert’ ein Zeichen einen Interpretant, über dessen Vermittlung es hier und jetzt Sinn erwirbt. Der Interpretant ist vielmehr eine singuläre Stiftung der verstehenden und sich auf seine Welt entwerfenden Individualität. Und insofern sie ins Spiel kommt, ist der geschlossene Stromkreis eines autonomen Verweisungszusammenhanges der Zeichen eben doch unterbrochen. Nicht in dem Sinne, als gäbe es folglich eine systematisch ungebundene, frei vagierende oder geisterhafte Größe, die den Bedingungen der Symbolisierung entglitte. Die ‘Unaussprechlichkeit’ des individuellen Interpretanten im Augeblick seiner Schöpfung ist nicht so etwas wie eine logische Alternative zum ‘Sagbaren’ der zeichenvermittelten Kommunikation. Sie ist genau dasjenige, was macht, dass das sagbare hier und jetzt diesen bestimmten Sinn hat.”

[Frank, Manfred: „Die Entropie der Sprache. Überlegungen zur Debatte Searle-Derrida.” In: ders.: Das Sagbare und das Unsagbare. Studien zur neuesten französischen Hermeneutik und Texttheorie. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1980, S. 169-172]

„La semiótica llega a ser una disciplina independiente con la obra del filósofo americano Charles Sanders Peirce (1839-1914). Para él, es un marco de referencia que incluye todo otro estudio:

«Nunca me ha sido posible emprender un estudio sin concebirlo como un estudio semiótico».

De allí que los textos semióticos de Peirce sean tan variados. Nunca dejó una obra coherente que resumiera las grandes líneas de su doctrina. Esto ha provocado durante mucho tiempo y aun hoy cierto desconocimiento de sus doctrinas, tanto más difíciles de captar puesto que cambiaron de año en año.

La primera originalidad del sistema de Peirce consiste en su definición del signo. He aquí una de sus formulaciones:

Un Signo, o Representamen, es un Primero que mantiene con un Segundo, llamado su Objeto, tan verdadera relación triádica que es capaz de determinar un Tercero, llamado su Interpretante, para que éste asuma la misma relación triádica con respecto al llamado Objeto que la existente entre el Signo y el Objeto.

Para comprender esta definición debe recordarse que toda la experiencia humana se organiza, para Peirce, en tres niveles que él llama la Primeridad, la Secundidad y la Terceridad y que corresponden, en líneas muy generales, a las cualidades sentidas, a la experiencia del esfuerzo y a los signos. A su vez, el signo es una de esas relaciones de tres términos: lo que provoca el proceso de eslabonamiento, su objeto y el efecto que el signo produce, es decir, el interpretante. En una acepción vasta, el interpretante es, pues el sentido del signo; es una acepción más estrecha, es la relación paradigmática entre un signo y otro: así, el interpretante es siempre un signo que tendrá su interpretante, etc.: hasta el infinito, en el caso de los signos »perfectos«.

Podríamos ilustrar este proceso de conversión entre el signo y el interpretante medante las relaciones que mantiene una palabra con los términos que, en el diccionario, la definen: sinónimos o paráfrasis, términos cuya definición podrá formularse pero que siempre estará compuesta de palabras.

El signo no es un signo si no puede traducirse en otro signo en el cual se desarrolla con mayor plenitud.

Es preciso subrayar que esta concepción es ajena a todo psicologismo: la conversión del signo en interpretante(s) se produce en el sistema de signos, no en el espíritu de los usuarios – por  consiguiente, no deben tomarse en cuenta algunas fórmulas de Peirce, como él mismo lo sugiere, por lo demás:

He agregado ‚sobre una persona’ como para echarle un hueso al perro, porque desespero de hacer entender mi propia concepción, que es más vasta.

El segundo aspecto notable de la actividad semiótica de Peirce es su clasificación de las variedades de signos. Ya hemos advertido que la cifra tres representa aquí un papel fundamental (como el dos en Saussure); el número total de variedades que Peirce distingue es de sesenta y seis. Algunas de sus distinciones son hoy muy corrientes, como, por ejemplo, la de signo-tipo y signo-ocurrencia (type y token, o legisign y sinsign).

Otra distinción conocida, pero con frecuencia mal interpretada, es la de icono, índice y símbolo. Estos tres niveles del signo todavía corresponden a la gradación Primeridad, Secundaridad, Terceridad, y se definen de la siguiente manera:

Defino un Icono como un signo determinado por su objeto dinámico en virtud de su naturaleza interna.

Defino un Índice como un signo determinado por su objeto dinámico en virtud de la relación real que mantiene con él.

Defino un Símbolo como un signo determinado por su objeto dinámico solamente en el sentido en que será interpretado.

El símbolo se refiere a algo por la fuerza de una ley; es, por ejemplo, el caso de las palabras de la lengua. El índice es un signo que se encuentra en contigüidad con el objeto denotado, por ejemplo, la aparición de un síntoma de enfermedad, el descenso del barómetro, la veleta que indica la dirección del viento, el ademán de señalar. En la lengua, todo lo que proviene de la deixis es un índice: palabras tales como yo, tú, aquí, ahora, etc. (son pues, »símbolos indiciales«). Por fin, el icono es lo que exhibe la misma cualidad, o la misma configuración de cualidades, que el objeto denotado, por ejemplo, una mancha negra por el color negro; las onomatopeyas; los diagramas que repoducen relaciones entre propiedades.

Peirce esbozan una subdivisión de los iconos en imágenes, diagramas y metáforas. Pero es fácil ver que en ningún caso puede asimilarse (como suele hacerse, erróneamente) la relación del icono a la de parecido entre dos significados (en términos retóricos, el icono es una sinécdoque, más que una metáfora: ¿puede decirse que la mancha negra se parece al color negro?). Es menos posible aún identificar la relación de índice con la de contigüidad entre dos significados (en el índice, la contigüidad existe entre el signo y el referente, no entre dos entidades de la misma naturaleza). Por lo demás, Peirce llama la atención contra tales identificaciones.“

[Ducrot, Oswald / Todorov, Tzvetan: Diccionario enciclopédico de las ciencias del lenguaje. Buenos Aires: Siglo XXI, 1974, pp. 104-106]

Ver también:

Eduardo Forastieri-Braschi: “Gracián, Peirce: conceptos, signos”. En:

http://www.unav.es/gep/AF/Gracian.htm