WITTGENSTEIN, Ludwig

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Gebrauchstheorie der Bedeutung / Sinn und Bedeutung bei Ludwig Wittgenstein / Logik / Sprachspiel / Abbildungstheorie

 

»Ich könnte sagen: Wenn der Ort, zu dem ich gelangen will, nur auf einer Leiter zu ersteigen wäre, gäbe ich es auf, dahin zu gelangen. Denn dort, wo ich wirklich hin muss, dort muss ich eigentlich schon sein. Was auf einer Leiter erreichbar ist, interessiert mich nicht« (WA 8, 460)

[Wittgenstein, Ludwig, zitiert nach Frank, Manfred: „Wittgensteins Gang in die Dichtung“. In: Frank, M. / Soldati, G.: Wittgenstein – Literat und Philosoph. Pfullingen: Verlag Günther Neske, 1989, S. 69, Anm. 3a]

Ludwig Wittgenstein (1889-1951)

Österr.-engl. Philosoph, 1939-1947 Professor in Cambridge, Hauptvertreter der analytischen Philosophie des 20. Jh. [...] Unter dem Einfluss der Ideen G. Freges ging Wittgenstein bald seinen eigenen Weg und begann, eine umfassende Theorie über die Grundlagen der Logik und die Wirkungsarten der Sprache zu entwickeln. Dieses Projekt verfolgte er mit großem Eifer während seines Einsiedlersdasein in Norwegen 1913-1914 und während der Kriegsjahre, in denen er sich freiwillig als Artillerist an die Ostfront meldete. Ergebnis dieser Studien ist der Tractatus Logico-Philosophicus, der 1921 auf dt. und 1922 auf engl. erschien. Mit dem Verfassen dieses Werks hielt Wittgenstein seine philos. Aufgabe für beendet. Nach der Entlassung aus ital. Kriegsgefangenschaft ließ er sich deshalb als Volksschullehrer ausbilden, um 1920 in einem kleinen österr. Dorf Lehrer zu werden. [...] 1929 kehrte er nach Cambridge zurück, um dort seine philos. Arbeiten fortzusetzen. In der Zwischenzeit hatte er aber zu gewissen Kernpunkten des Tractatus eine kritische Haltung eingenommen. Seine Vorlesungen und Notizen aus den Jahren 1930-36 zeigen die Entwicklung neuer Gedanken, die er seit 1936 zu einem Werk zusammenzustellen begann, welches das wichtigste seiner Spätphilosophie werden sollte: die Philosophische Untersuchungen. 1939 übernahm er G. E. Moores Professur in Cambridge. [...] Er starb 1951 in Cambridge. [...]

Beherrschendes Thema in W. Philosophie ist zweifellos die Sprache, deren Wirkungsweisen er zu erklären sucht. Im Tractatus betrachtet er die Sprache primär als Mittel, um sich im Denken die Wirklichkeit zu vergegenwärtigen – um für uns und andere darzulegen, wie sich die Dinge verhalten. [...]

Obwohl nicht strittig ist, dass sich Wittgensteins spätere Schriften, besonders seine Philosophische Untersuchungen, kritisch mit dem Tractatus auseinandersetzen, ist die Interpretation des Wandels kontrovers. Folgende Merkmale lassen sich jedoch hervorheben: Erstens ändert Wittgenstein seine Auffassung bezüglich der Funktion der Sprache. Ihre primäre Aufgabe wird nun nicht mehr in der Wiedergabe der nichtsprachlichen Wirklichkeit bestimmt. Die grundlegende und sinnvolle Funktion der Sprache ist jetzt die eines zwischenmenschlichen Mittels der Mitteilung. [...] Wichtige Gründe für eine solche neues Perspektive liefern seine Argumente für die Bedeutung des Regelbegriffs und gegen die Möglichkeit einer Privatsprache.

Zweitens kritisiert Wittgenstein die Verwendung formallogischer Systeme als idealisierte Modelle der philosophischen Analyse der Alltagssprache. Statt dessen operiert er mit sog. Sprachspielen. Diese stehen immer in – vorliegenden oder erfundenen – Praxiszusammenhängen, in denen sprachliche Aktivitäten unlöslich mit nichtsprachlichen verflochten sind. [...] Die philosophische Klärung eines problematischen Begriffs besteht gemäß Wittgenstein darin, das betreffende Sprachspiel zu beschreiben und den Gebrauch des Begriffs darzulegen. Für Wittgenstein erhellt sich demgemäß die Bedeutung eines Ausdrucks durch die Bestimmung seines Gebrauchs. [...] Philosophie ist eine Aktivität, ein fortwährender therapeutischer Einsatz zur Lösung von Problemen, die aufgrund unserer eingewurzelten, fehlerhaften Vorstellungen über die Wirkungsweise der Sprache entstehen. [...] Die Sprache ist eine unsystematische Sammlung verschiedenartiger Aktivitätsformen – Sprachspielen; es hat daher keinen Sinn, nach dem Wesen der Sprache zu suchen. Es gibt vielerlei Sprachen. Nach Dummet und Kripke lehnt Wittgenstein wohl die Theorie des Tractatus ab, insbesondere dessen Grundthese, dass die Bedeutung eines Satzes durch seine Wahrheitsbedingung festgelegt ist. Der Ablehnung dieser Grundthese folgt jedoch nicht ein Verwerfen jeglicher Möglichkeit, eine Theorie über die Wirkungsweise der Sprache zu entwickeln. Vielmehr zeigt Wittgenstein – und das ist der rote Faden durch alle seine Untersuchungen –, dass die Bedeutung eines Satzes von den Bedingungen her festgelegt wird, unter denen er mit Recht gebraucht werden kann (sog. Behauptbarkeitsbedingungen). [...] Seine neuen Schlüsselbegriffe - ‹Gebrauch›, ‹Kriterium›, ‹Sprachspiel›, ‹Lebensform› u. a. – können als Grundbegriffe einer solchen Theorie angesehen werden.”

[Hügli, Anton/Lübcke, Poul (Hg.): Philosophielexikon. Personen und Begriffe der abendländischen Philosophie von der Antike bis zur Gegenwart. Reinbek: Rowohlt, 1991, S. 2625-629]

„Wittgenstein hat gegenüber Versuchen, eine Theorie der Sprache zu entwickeln, entschieden Reserve geübt. Den systematischen Grund für die Deutung der Sprachanalyse als einer bloß therapeutisch wirksamen Tätigkeit vermute ich in der Verabsolutierung eines einzigen, nämlich des interaktiven Gebrauchs der Sprache, demgegenüber der kognitive kein Recht behält.

Nach Einführung seines Sprachspielmodells hat Wittgenstein, wenn ich recht sehe, seinen Theorieverzicht nicht mehr, wie noch im Tractatus, begründet. Er mag Gründe gesehen haben, um die Wege zu einer transzendentalen oder zu einer empirischen oder zu einer konstruktivistischen Sprachtheorie für ungangbar zu halten. Der Sprachtranszendentalismus, der eine die Gegenstände möglicher Erfahrung konstituierende «Sprache überhaupt» rekonstruieren will, vernachlässigt den nicht-kognitiven Sprachgebrauch. Der Sprachempirismus, der ein auf beobachtbare Vorgänge oder Episoden zurückgeführtes Sprachverhalten analysieren will, verfehlt (wie auch die kunstvolle Konstruktion von Sellars zeigt) die intentionale Struktur der Sprache. Und der Sprachkonstruktivismus schließlich verzichtet von vornherein auf eine Analyse natürlicher Sprachen. Offen bleibt noch eine Alternative: Warum sollten sich nicht universale Regelsysteme finden und rekonstruieren lassen, nach denen wir Interaktionszusammenhänge, also die symbolische Realität der Gesellschaft erzeugen? Wittgensteins Untersuchungen verdanken sich der Reflexion auf die Tätigkeit einer therapeutisch eingestellten Sprachanalyse. Hätte er eine Theorie der Sprachspiele entwickeln wollen, so hätte diese die Form einer Universalgrammatik annehmen müssen. Denn Wittgenstein befasst sich nicht mit der Grammatik der Sätze, die in Äußerungen verwendet werden, sondern mit der Grammatik dieser Äußerungen selber, d.h. mit den Regeln der Situierung von Sätzen. Andererseits ist die Rede von einer grammatischen Struktur der Sprachspiele nicht bloß eine pseudolinguistische Floskel. Wittgenstein bringt damit zum Ausdruck, dass seine Untersuchungen auf der Ebene logischer oder begrifflicher Analyse von Sinnzusammenhängen liegen und nicht auf der Ebene einer empirisch gerichteten Pragmatik, die Vorgänge der Sprachverwendung in einem sprachunspezifischen Rahmen als zeichenkontrollierte Verhaltensweisen oder als selbstgeregelte Informationsflüsse auffasst.

Nicht einmal ein handlungstheoretischer Begriffsrahmen würde einer theoretisch verwendeten Sprachspielanalyse gerecht. Man kann zwar sagen, dass die Sprachspielgrammatik aus Regeln für eine situationsgerechte Verwendung von symbolischen Ausdrücken besteht; aber diese Regeln sind konstitutiv: durch sie werden zugleich die Situationen der möglichen Verwendung symbolischer Ausdrücke hervorgebracht. Die kommunikative Lebensform selber ist von der Grammatik der Sprachspiele abhängig. Diese Pointe wird durch den partikularistischen Zug der Wittgensteinschen Spätphilosophie verwischt. Sobald wir nach einer Theorie aller möglichen Sprachspiele fragen, kommt die Pointe zum Vorschein; darin liegt nämlich die Frage nach jenem Regelsystem, mit dessen Hilfe wir Situationen möglicher Verständigung über Gegenstände (und Sachverhalte) erzeugen. Der phänomenologische Versuch einer Klärung der allgemeinen Strukturen der Lebenswelt kehrt dann in Gestalt des sprachtheoretischen Versuchs wieder: die allgemeinen Strukturen der kommunikativen Lebensform in der Universalpragmatik von Sprachspielen überhaupt aufzufinden und zu rekonstruieren. Während die Lebensweltanalyse dem Muster einer Konstitutionstheorie der Erkenntnis folgt, richtet sich die Untersuchung der kommunikativen Lebensform (als Bedingung aller möglichen Sprachspiele) nach dem Muster einer universalistisch eingestellten generativen Sprachanalyse.”

[Habermas, Jürgen: “Sprachspiel, Intention und Bedeutung. Zu Motiven bei Sellars und Wittgenstein”. In: Wiggershaus, Rolf (Hrg.): Sprachanalyse und Soziologie. Die sozialwissenschaftliche Relevanz von Wittgensteins Sprachphilosophie. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1975, S. 337-338]

“Tal vez fuera más fecundo plantearse la hipótesis de que la condición de filósofo por excelencia del siglo XX la haya adquirido Wittgenstein por su particular forma de ejercer el pensamiento, por su concreta manera de entender la tarea de filosofar. Una manera que, se suele señalar desde una perspectiva académica erudita, inspira el giro de la filosofía analítica hacia el lenguaje ordinario, pero que, si ampliamos el foco de nuestra atención, podremos comprobar que implica una forma completamente distinta de entender el objeto de la filosofía en cuanto tal.  Forma que bien pudiera resumirse así: la disposición teórica por la que se atribuye un valor de conocimiento al lenguaje común con el que todos operamos normalmente resulta ampliable a esa otra instancia que, por analogía, podríamos denominar discurso ordinario.

Cabría afirmar entonces, parafraseando a otro autor de esta misma corriente (John L. Austin), que nuestro común stock de ideas incluye todas las distinciones que a los hombres les han parecido dignas de establecer, así como las conexiones que les han parecido dignas de hacer en el curso de la vida de muchas generaciones. No se trata sólo de un cambio de acento, sino de un reordenamiento teórico de consecuencias extremadamente importantes. Porque ya no procederá que el filósofo se siga aplicando a las tradicionales tareas de fundamentación previa -o de crítica a la falta de fundamentación, que tanto da a estos efectos- de cualquier afirmación, sino que lo procedente será que se ocupe en analizar la función de todas esas ideas, valores o concepciones que sin duda compartimos.

Alguien podría objetar que, soslayando el debate acerca de la fundamentación, se esquiva el problema del origen de buena parte de lo compartido. Incluso ese mismo alguien podría -rizando el rizo de su recelo- advertir que por semejante vía podríamos terminar encontrándonos con la restauración de nociones y categorías que, de presentar explícitamente su árbol genealógico, tenderíamos a rechazar. Tal vez sí, pero no se alcanza a ver qué tendría eso de malo, si lo restaurado soporta bien la prueba de la crítica. En realidad, ya no parece jugarse gran cosa en este orden de discusiones. Es el mecanismo mismo de la sospecha, inspirador de buena parte de los esquemas teóricos dominantes a lo largo del siglo XX, el que parece haber saltado por los aires. Lo que importa, en suma, de un pensamiento es qué horizonte discursivo abre o en qué articulación entra con nuestra experiencia, no de dónde proviene o a qué tipo de supuestos últimos remite.  El valor de una idea ha de medirse por los efectos -de todo tipo- que produce.

Acaso sean más bien éstas las razones por las que, en algunos textos de Wittgenstein, uno se siente como en casa. Porque nos permiten liberarnos de la lógica de los superyoes doctrinales, de las tutelas filosóficas de cualquier signo -tutelas que en el pasado parecían doblar al pensamiento como su sombra ineludible-, y esa liberación genera sus efectos específicos. La crítica wittgensteiniana a la expectativa de la fundamentación del discurso habilita un espacio para la reconciliación con todas aquellas ideas -por más sospechosas que pudieran haber resultado en su momento- que acrediten su utilidad para la vida, por decirlo a la nietzscheana manera. Dicho espacio no dispone de una estructura previa ni de una arquitectura preestablecida, sino que posee la fluidez y la complejidad de nuestro propio vivir. Aquello que pensamos conforma una frágil unidad, caótica y desdibujada. Pensamos diversas cosas, de muy distinto tipo y al mismo tiempo. Liberándonos de las tutelas, nos liberamos simultáneamente de una objeción. Ha perdido gran parte de su sentido el viejo reproche de eclecticismo. Probablemente, el eclecticismo sea hoy lo más parecido al mestizaje en materia de pensamiento.

Acaso el conjunto de lo anterior se deje condensar en una sola afirmación: Wittgenstein puso las condiciones para una nueva mirada, tanto sobre el mundo como sobre el pensamiento mismo. Ése era, a fin de cuentas, uno de los consejos que gustaba de repetir a sus alumnos: ‚No pienses, mira’. Lo que equivalía a decir: pon los medios para que lo real muestre toda su riqueza, te regale todos sus tesoros.  Recuerda los momentos en los que tu convencimiento de que aquella situación carecía de todo sentido fue lo que te permitió vivirla libre, intensamente, y aprende de la experiencia. Ten el mínimo de ideas previas y, sobre todo, procura no ponerlas por delante de lo que haya que pensar, como carreta delante de bueyes. En definitiva, no hagas caso de la vieja máxima. Atrévete a ignorar. Únicamente así terminarás por saber.”

[Cruz, Manuel: “Cincuenta años en la estela de Wittgenstein”. En:  EL PAÍS - sábado, 28 de abril de 2001]