WISSENSCHAFTSTHEORIE UND LINGUISTIK  

Teoría de la ciencia y lingüística

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Sprachwissenschaft / Philologie / Linguistik / Kognitive Linguistik / Kognition / Behaviorismus / Chomsky / Kategorienfehler / Induktion – Deduktion / Abduktion / Mythos / Mythos in der psychoanalytischen Theorie / Mythos und Ideologie / Kultur / Theorem / Axiom / System / Struktur / Notwendige vs. hinreichende Bedingung / Vollständigkeit / Widerspruchsfreiheit

 

„Der beste Gottesbeweis nutzt nichts, wenn er nicht geglaubt wird.“

[Motte-Haber, H. (1985): Handbuch der Musikpsychologie. Laaber: Laaber-Verlag, S. 155]

„Die Theorie bestimmt, was wir beobachten können.“ (Albert Einstein)

»Denn zur Richtigkeit einer ästhetischen Analyse gehört die Zustimmung desjenigen, dem man die Analyse vorlegt. Der Unterschied zwischen Grund und Ursache lässt sich folgendermaßen verdeutlichen: Zur Ermittlung eines Grundes gehört als wesentlicher Bestandteil die Zustimmung des Betreffenden, während die Ermittlung einer Ursache experimentell durchgeführt wird« (Vorlesungen 1930-1935, 197/8).

[Ludwig Wittgenstein, zitiert nach Frank, Manfred: „Wittgensteins Gang in die Dichtung“. In: Frank, M. / Soldati, G.: Wittgenstein – Literat und Philosoph. Pfullingen: Verlag Günther Neske, 1989, S. 70, Anm. 13]

»Ich könnte sagen: Wenn der Ort, zu dem ich gelangen will, nur auf einer Leiter zu ersteigen wäre, gäbe ich es auf, dahin zu gelangen. Denn dort, wo ich wirklich hin muss, dort muss ich eigentlich schon sein. Was auf einer Leiter erreichbar ist, interessiert mich nicht« (WA 8, 460)

[Wittgenstein, Ludwig, zitiert nach Frank, Manfred: „Wittgensteins Gang in die Dichtung“. In: Frank, M. / Soldati, G.: Wittgenstein – Literat und Philosoph. Pfullingen: Verlag Günther Neske, 1989, S. 69, Anm. 3a]

„Es hat in der Vergangenheit ganz andere Arten, Wissenschaft zu betreiben, gegeben als die, welche uns durch den heutigen Wissenschaftsbetrieb vorexerziert wird.  Historische Beispiele für andere Arten von Naturwissenschaft bilden etwa: die aristotelische Physik; die Astronomie des Ptolomäus; die Optik von Newton; die Elektrizitätslehre von Benjamin Franklin; die Phlogistonchemie. Der heutige Naturforscher hat die Neigung, hier einfach von veralterten Anschauungen oder sogar von Mythen zu sprechen. Zweierlei kann man einer solchen Einstellung entgegenhalten: Erstens: ist diese Grenzziehung unfundiert; denn wie kann man von Mythen sprechen, wenn diese, wie sich zeigen lässt, durch ähnliche Methoden und aufgrund gleicher Vernunftgründe geglaubt wurden wie die heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse? Zweitens: Welche Garantie haben wir denn, dass man in näherer oder fernerer Zukunft über Relativitätstheorie und Quantenphysik nicht ähnlich denken wird? Zu behaupten, dies sei ausgeschlossen, wäre nichts weiter als Ausdruck intellektuellen Hochmutes und überdies eine irrationale Verabsolutierung der heute üblichen Methoden sowie der heute für gültig angesehenen Auffassungen.“ (Stegmüller 1979, S. 736 f)

„Die Kluft zwischen «wissenschaftlicher» Gewissheit und «gesellschaftlicher» Gewissheit konstituiert den Unterschied zwischen wissenschaftlichen Hypothesen und Gesetzen auf der einen Seite und semiotischen Codes auf der anderen. Die Notwendigkeit wissenschaftlicher Beweise hat wenig gemein mit der Notwendigkeit semiotischer Beweise. Für die Wissenschaft ist der Wal ein Säugetier, in der Kompetenz vieler Menschen jedoch ist er eben der Walfisch. Wissenschaftlich gesehen ist eine Zitrone notwendigerweise eine Zitrusfrucht, aber nicht notwendigerweise gelb. Für einen Leser von Gedichten jedoch (Montale: »Le trombe d’oro della solarità«) ist die Zitrone eine gelbe Frucht, und dass sie eine Zitrusfrucht ist, ist ganz und gar irrelevant.

Deshalb sind auf der semiotischen Ebene die Bedingungen der Notwendigkeit eines Zeichens gesellschaftlich bestimmt, entweder aufgrund schwacher Codes oder aufgrund starker Codes. Auf diese Weise kann ein Ereignis ein sicheres Zeichen sein, selbst wenn es das wissenschaftlich nicht ist. Diese Hierarchie semiotischer Notwendigkeit unterstützt die korrelativen Verbindungen zwischen Antezedentien und Konsequenzen und macht sie so stark wie die Korrelationen zwischen Ausdruck und Inhalt.”

[Eco, Umberto: Semiotik und Philosophie der Sprache. München: Wilhelm Fink Verlag, 1985, S. 65]

„Ohne Kenntnis der Wissenschaftsgeschichte können weder gegenwärtige Prozesse verstanden noch zukünftige Entwicklungslinien prognostisch erfasst werden; dieser aktuelle Bezug der Wissenschaftsgeschichte gilt für jede Wissenschaft und für jeden wissenschaftlich Tätigen. Er verlangt, in der Wissenschaftsgeschichte einen Teil der Ideengeschichte der Menschheit zu sehen, aufzuzeigen, welche Aufgaben sich die Wissenschaft zu verschiedenen Zeiten gestellt hat und welche Methoden sie jeweils für angemessen hielt, diese Aufgaben zu lösen. Für uns bedeutet das, die Entwicklung der Linguistik im Zusammenhang mit dem Gesamtdenken der Zeit zu verfolgen, unter dem Aspekt von Kontinuität und Diskontinuität die wechselnden Gegenstände und Methoden in ihrer Beziehung untereinander und zu den Nachbarwissenschaften zu erforschen.“

[Bartschat, Brigitte: Methoden der Sprachwissenschaft. Von Hermann Pauli bis Noam Chomsky. Berlin: Erich Schmidt, 1996, S. 9]

„Die Wissenschaftsphilosophie, die sich in den 70er Jahren in der Polizistenrolle gefiel und dabei den aufgrund seiner Kampfesaspekte leicht widerlegbaren Marxismus nicht im Hinblick hierauf, sondern geisteinengend aufgrund seiner spekulativ ungesicherten Entwurfsdimension widerlegen wollte, schränkte die kreative Dimension des Geistes dabei über weite Felder ein. An diesen Folgen des Kreativitätsverlustes kranken wir noch heute. Es schient daher heilsam, einmal zu betrachten, wie innerhalb der Naturwissenschaft selber die aus dem «Chaos» steigenden Kräfte sich in der Perspektive eines zusätzlichen Beobachters bündeln können und dabei höchst schöpferische Kosmosentwürfe tätigen können.”

[Linke, Detlef: Einsteins Doppelgänger. Das Gehirn und sein Ich. München: C. H. Beck, 2000, S. 75]

Wolfgang Stegmüller: Eine Theorie ist zunächst nichts anderes als ein auszufüllender Rahmen, wie das Heisenberg in seinem letzten Fernsehauftritt ausdrücklich gesagt hat.. Die wissenschaftliche Entwicklung erfolgt zunächst immer so, dass man innerhalb eines akzeptierten Rahmens, z.B. des von Newton gesetzten Rahmens, arbeitet und dass darin auch Erfolge erzielt werden. Plötzlich treten wirklich diese Krisen auf, von denen Thomas Kuhn spricht. Deren Effekt ist es, dass dann einige Leute versuchen, den alten Rahmen durch etwas Neues zu ersetzen. Am Anfang gibt es nur Teilerfolge, weil die Vertreter des alten Paradigmas, sprich: der alten Theorie, ebenso wie ihre Vorgänger, bereits Jahrhunderte darin gearbeitet haben, während die Neuerer ja erst anfingen. Das sieht dann so aus, als handle es sich um einen irrationalen Streit, während in Wahrheit nichts anderes vorliegt, als dass die einen im alten Rahmen die Probleme doch noch zu lösen und damit die Krise zu überwinden versuchen, während die Jüngeren davon überzeugt sind, eine neue Rahmenentdeckung gemacht zu haben, die letzten Endes zum Ziel führen wird, aber erfordert, dass man noch viele Detailuntersuchungen innerhalb des grundsätzlich neuen theoretischen Rahmens anstellt. Das war so im Übergang von der Newtonschen Physik zur Relativitätstheorie und auch beim Übergang von der deterministisch orientierten Physik, einschließlich Einstein, zur Quantenphysik.

Florian Rötzer: Gibt es bestimmte Verfahren oder Methoden, die Wissenschaften ganz allgemein auszeichnen? Nelson Goodman ist etwa der Überzeugung, dass es verschiedene Wissenschaften gibt, die jeweils verschiedene Version der Realität erzeugen. Das ist eine andere Variante der Rahmentheorie. Ist es realistisch, den jeweils einzelnen Wissenschaften zuordnbaren Welten eine prinzipielle Heterogenität zuzusprechen, oder lässt sich doch von der Wissenschaft sprechen, die in Unterabteilungen zerfällt?

Stegmüller: Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass dies ein schwerwiegendes wissenschaftsphilosophisches Problem ist, das man heute noch nicht lösen kann. Die Vertreter des Wiener Kreises haben sehr lange das Konzept einer Einheitswissenschaft gehabt, also dass man mit den schon vorhandenen Ergebnissen zeigen kann, dass es eine solche Einheitswissenschaft Gibt. Ob deren Verwirklichung jemals möglich sein wird, selbst wenn man sich auf die theoretischen Wissenschaften allein beschränkt, scheint mir eine völlig offene Frage zu sein. Sicher ist dies aber nicht möglich, wenn man sowohl historisch als auch systematisch arbeitende Wissenschaften zusammenfassen will, denn diese haben verschiedene Interessen und Zielsetzungen. Geht es den einen um die Untersuchung historischer Einzeltatsachen, so den anderen um die Untersuchung allgemeiner Gesetzmäßigkeiten und allgemeiner theoretischer Zusammenhänge. Der Mensch hat die Neigung, irgendwie eine Einheit zu suchen. Das kommt nicht nur im Theismus zur Geltung, sondern auch in den Wissenschaften, also zu glauben, dass es doch möglich sein müsse, eine Vereinheitlichung alles systematischen Wissenschaften zu erreichen. Ich bin mir aber nicht einmal so sicher, dass dies in der Physik glücken wird, und schon gar nicht, wenn man zur Physik sämtliche andere systematischen Wissenschaften hinzunimmt. Was Sie also gefragt haben, ist ein interessantes Problem, zu dem ich persönlich beim jetzigen Erkenntnisstand keine Antwort zu geben wage.“

[Rötzer, Florian (Hg.): Denken, das an der Zeit ist. Frankfurt/Main: Suhrkamp, 1987,  S. 289-290]

Fakten

N. Chomsky unterscheidet zwischen linguistischen Fakten und Daten. Daten gewinnt der Linguist aus der Beobachtung der Form und der Verwendung von Äußerungen. Die zu entdeckenden Fakten der Sprachstruktur bilden insgesamt die Grammatik der Sprache. Linguistische Darstellungen auf der Ebene der Daten sind beobachtungsadäquat; beschreibungsadäquat sind sie erst, wenn sie alle Fakten im Zusammenhang erklären können. (Adäquatheitsebenen / Beschreibungsadäquatheit).“ [Lewandowski, Th., Bd. 1, S. 191]

„Die Gegenüberstellung von Einstein und Bohr machte in großer Klarheit deutlich, dass Tatsachen nicht für beide das Gleiche bedeuten und nicht in gleicher Weise gegeben sein können. Folgerichtig weist EINSTEIN die Quantenmechanik als unvollständig zurück, weil sie manches, was in seinen Augen eine Tatsache ist, nicht erfasst, während Bohr leugnet, dass es sich dabei überhaupt um Tatsachen handelt.“ 

[Hübner, K. (1978): Kritik der wissenschaftlichen Vernunft. Freiburg-München: Karl Alber, 1978, S. 198]

„Wir sind davon ausgegangen, dass die Linguistik das ‚wissenschaftliche’ Studium von Sprache sei; notwendige Vorbedingung dafür war es, dass es empirisch ausgerichtet ist. Wenn die Semantik als Teilgebiet der Linguistik gelten soll, so muss sie in gleicher Weise wissenschaftlichen Charakter haben. Die genaue Festlegung dessen, was ‚wissenschaftlich’ oder ‚empirisch’ bedeutet, kann natürlich in unterschiedlicher Weise erfolgen – eine wichtige Voraussetzung für wissenschaftliche Untersuchungen ist es gleichwohl, dass Aussagen innerhalb der Disziplin – zumindest prinzipiell – durch Beobachtung verifizierbar sein müssen. Dieses Prinzip lässt sich im Bereich der Phonetik relativ leicht verwirklichen, doch leider bietet sich für die Semantik keine vergleichbare Möglichkeit an.

Will die Linguistik den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erheben, so dürfen ihre Aussagen nicht auf die Klärung von Einzelfällen abzielen, sondern müssen versuchen, Gesetzmäßigkeiten aufzudecken. Dieses Ziel hat de Saussure mit seiner Distinktion von Sprache (langue) und Sprechen (parole) vor Augen gehabt. Die Unterscheidung tauchte in den Werken Noam Chomskys und denen seiner Nachfolger wieder auf: dort wird von Kompetenz und Performanz gesprochen. (...) Beiden geht es im wesentlichen darum, alle individuellen und zufälligen Faktoren (beim Sprechen oder bei der Performanz) auszuschalten und darauf zu bestehen, dass die Linguistik mit der Sprache (im Sinne der Kompetenz) zu befassen hat. Während aber für Saussure und Chomsky Sprache oder Kompetenz eine Art idealisierten System ohne klare empirische Basis darstellen, denke ich eher an Generalisierungen. (...) Wichtig ist es freilich, sich stets zu vergegenwärtigen, dass weder in der Literaturwissenschaft noch in der Psychiatrie die Möglichkeit zu Untersuchungen von individuellen Fällen bestünde, wenn man kein generalisiertes ‚normales’ Muster zum Vergleich heranziehen könnte.“

[Palmer, Frank: Semantik. Eine Einführung. München: C. H. Beck, 1977, S. 14-15]

„Unter Wissenschaftlichkeit versteht man ja Objektivität, und das ist sicher richtig, dass man die subjektiven Voraussetzungen, die man sonst mitbringt und unter denen man alles beobachtet, unter kritischer Kontrolle hat. Die Feststellungen der Wissenschaft müssen daher im Prinzip für jedermann einsichtig und nachvollziehbar werden und der Idee nach objektive Erkenntnis ermöglichen. Das ist alles in Ordnung. Aber man vergessen nicht, was Objekt auf deutsch heißt. Es heißt «Gegenstand». Gegenstand ist Widerstand. [...]

In meinem Buch «Wahrheit und Methode» begann ich meine Überlegungen zunächst mit der Kunst und nicht mit der Wissenschaft, auch nicht mit den Geisteswissenschaften. Denn in ihnen ist es wiederum die Kunst, welche die grundlegenden Fragen des Menschseins in einzigartiger Weise zur Erfahrung bringt, und zwar so, dass kein Widerstand oder Einwand dagegen aufkommt. Ein Kunstwerk ist wie ein Vorbild.

Es ist sozusagen unwiderleglich. Da ist zum Beispiel das, was man ein Gedicht nennt. Man denke daran, was «Gedicht» heißt. Ja, man müsste wieder lateinisch können. Gedicht kommt von dicere und dictare, das heißt, es ist ein Diktat. Das Gedicht ist das, was durch seine Art, wie es etwas sagt, überzeugend ist. Das gilt zwar von allem rhetorischen Gebrauch der Rede auch. Aber das Gedicht ist immer wieder überzeugend und sogar immer mehr überzeugend, je besser man es kennt. Niemand würde auch nur versuchen, dagegen den Einwand zu erheben, dass man das schon kennt.”

[Gadamer, Hans-Georg: “Vom Wort zum Begriff” (1995). In: Grondin, Jean (Hrg.): Gadamer-Lesebuch. Tübingen: Mohr, 1997, S. 105]

„Vielleicht wird manchem Leser der Titel „Wissenschaftstheorie der Linguistik“ etwas eigenartig vorkommen. Er wurde mit Absicht gewählt. Einmal, um die Skepsis gegenüber der etablierten Wissenschaftstheorie zum Ausdruck zu bringen, die alle Wissenschaften mehr oder weniger über denselben Kamm schert. Zum andern, um programmatisch zum Ausdruck zu bringen, dass die methodischen und theoretischen Grundlagen der Linguistik einer Klärung bedürfen, wobei die Sprachwissenschaft, wie sie sich uns heute darstellt, zum Teil selbst zum Gegenstand der Untersuchung zu machen ist.

Ich möchte im folgenden einige Thesen formulieren, die mein eigenes Verständnis der Wissenschaftstheorie in Bezug auf die Linguistik wiedergeben. Ich unterstelle damit nicht, dass diese Thesen von allen Teilnehmer des Kolloquiums geteilt werden. Einige Thesen sind prononciert und hoffentlich geeignet, zum Widerspruch zu reizen.

Thesen

1.   Keine Wissenschaft beginnt damit, zunächst ihre Grundlagen zu entwickeln. Erst wenn sich eine Wissenschaft ein Stück weit entfaltet hat, wird die Frage sinnvoll, auf welche Grundlagen sie sich eigentlich stützt, welche Kriterien, Methoden, Erkenntnisinteressen sie hat. Wissenschaftstheorie setzt die Existenz von Wissenschaften voraus; die Beschäftigung mit Wissenschaftstheorie setzt Kenntnis von Wissenschaften voraus. Das ist eigentlich eine selbstverständliche Einsicht, da ohne Kenntnis des Gegenstands keine Theorie zu diesem Gegenstand möglich ist. Ich betone dies deshalb, weil gelegentlich Äußerungen laut werden, dass man sich auf wissenschaftliche Fragestellungen erst einlassen darf, wenn man die Grundlagen für diese Beschäftigung schon geklärt hat. Es ist aber so, dass sich erst im Rahmen der wissenschaftlichen Tätigkeit herausstellt, welche Grundlagen benötigt werden.

2.   Wissenschaftstheorie bezieht sich zunächst immer auf einzelne Wissenschaften oder bestimmte Gruppen von Wissenschaften, nicht auf Wissenschaft schlechthin. Es ist zwar möglich, dass wir über Begriffe wie Wissen, Methode, Definition, Argumentation, Hypothese, Erklärung usw. philosophieren, aber dabei stützen wir uns weniger auf den Gebrauch dieser Begriffe in den verschiedenen Wissenschaften als auf unseren umgangssprachlichen Umgang mit diesen Begriffen (der zweifellos von den einzelnen Wissenschaften her geprägt ist, aber ebenso auch von unseren vorwissenschaftlichen Fragestellungen). Ich stelle mir also vor, dass sich zu den einzelnen Wissenschaften oder Gruppen von Wissenschaften je eigene Wissenschaftstheorien entwickeln, die die spezifischen Verfahren dieser Wissenschaften zum Gegenstand haben. Erst auf einer weiteren Stufe kann sich sinnvoll eine allgemeine Wissenschaftstheorie entwickeln, die sich gleichermaßen auf die philosophische Klärung allgemeiner Begriffe, die in allen Wissenschaften vorkommen, stützt, wie auch die gemeinsamen Grundlagen der Wissenschaften und ihre spezifischen Unterschiede herauszuarbeiten sucht. Um dies tun zu können, muss die allgemeine Wissenschaftstheorie ihrerseits auf spezielle Wissenschaftstheorien zu den einzelnen Wissenschaften zurückgreifen können.

3.   Die Methode von Wissenschaftstheorie ist die analytische Rekonstruktion. Sie rekonstruiert idealtypisch das Vorgehen und evtl. die Entwicklung einer Wissenschaft, d. h. bezogen auf die Normalfälle und die vorherrschenden Paradigmen dieser Wissenschaft, unter Berücksichtigung ihres Gegenstandes und ihrer Zielsetzungen. Insofern kann auch Wissenschaftstheorie empirisch genannt werden; ihr Erfahrungsfeld sind die allgemeinen und je besonderen wissenschaftlichen Tätigkeiten und deren Ergebnisse. Zugleich verhält sich Wissenschaftstheorie kritisch zu den Verfahren der betreffenden Wissenschaft; sie gibt Klärungen und Korrekturen, und entwickelt Modelle, wie in der Wissenschaft vernünftigerweise vorgegangen werden sollte. Insofern ist Wissenschaftstheorie wertend und normsetzend.

4.   Die etablierte Wissenschaftstheorie nimmt für sich in Anspruch (mehr oder weniger, zum Teil rigoros, zum Teil auch toleranter), für alle Wissenschaften Allgemeingültiges sagen zu können; sie bewegt sich demgemäß auf einer Ebene erheblicher Allgemeinheit, die oft nicht mehr für die Tätigkeit einzelner Wissenschaftler in ihren Disziplinen vermittelbar ist. Orientiert war diese Wissenschaftstheorie zum Teil an der Idee einer Einheitswissenschaft, ihr Ausgangspunkt war die philosophische Klärung grundlegender Begriffe, und ihre Entwicklung vollzog sich in der logisch‑analytischen Rekonstruktion der Wissenschaftssprache, insbesondere der Sprache von Theorien. Viele wissenschaftlichen Tätigkeiten wurden so gar nicht Gegenstand der Wissenschaftstheorie; psychologische und soziologische Fragestellungen zum Forschungsprozess blieben weitgehend unberücksichtigt.

5.   Die etablierte Wissenschaftstheorie hat sich in ihrer faktischen Entwicklung durchaus auch auf bestimmte Einzelwissenschaften gestützt, mindestens in dem Sinne, dass gewisse Leistungen dieser Wissenschaften als paradigmatische Fälle herangezogen wurden. Erstens wurden Wissenschaften mit präzise formulierten Theorien herangezogen (also vor allem die mathematische Physik), zweitens Wissenschaften mit präzisen Messinstrumenten (also vor allem die experimentelle Physik), und drittens schließlich Wissenschaften mit entwickelter technologischer Komponente (also vor allem Physik und Chemie). Derartige Wissenschaften galten als entwickelte Wissenschaften, nach ihrem Vorbild ließen sich Modelle konstruieren, die die Entwicklung anderer Wissenschaften vorantreiben sollten. Besonders für Disziplinen wie die Biologie, Psychologie und Soziologie galt Langezeit die Orientierung an den Modellen der etablierten Wissenschaftstheorie als wünschenswert.

6.   Wissenschaftstheoretische Reflexion entsteht nicht von ungefähr, sondern nur wenn spezifische Bedürfnisse dazu vorliegen. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn sich eine bestimmte Wissenschaft in einer Krisensituation befindet, sei es temporär, sei es permanent: d. h. wenn tradierte Paradigmen dieser Wissenschaft fragwürdig geworden sind, oder wenn konkurrierende Paradigmen vorliegen, und sich die Wissenschaftler darüber klar werden müssen, welche von ihnen ihren Zielen gemäßer sind. Eine derartige Situation dürfte gegenwärtig für die Sprachwissenschaft vorliegen.

7.   Das Auftreten wissenschaftstheoretischer Reflexion in den Einzelwissenschaften muss noch unter einem weiteren Gesichtspunkt gesehen werden. Wissenschaften, die eine technologische Komponente besitzen (wie insbesondere die Physik und Chemie), erfahren durch die Existenz dieser Technologien bereits eine gewisse Kontrolle und Stabilisierung. Solange nicht die Technologien selbst fragwürdig werden, benötigen diese Wissenschaften keine ausgeformte Wissenschaftstheorie. Der praktische Physiker steht nicht vor dem Problem konkurrierender Grundlagenparadigmen der Physik. Auf der anderen Seite sind Wissenschaften ohne technologische Komponente wahrscheinlich grundsätzlich krisenanfälliger und benötigen zu ihrer Kontrolle permanenter wissenschaftstheoretischer Reflexion. Sicherlich sind auch hier Phasen unterschiedlicher Intensität unterscheidbar; auch ist zu beobachten, dass häufig ersatzweise die Orientierung an Modellen anderer Wissenschaften gesucht wird. In diese Klasse von Wissenschaften ist zweifellos auch die Sprachwissenschaft einzuordnen; und gerade in ihr mangelt es nicht an Fremdorientierungen (biologistische und psychologistische Modelle, kybernetische und systemtheoretische Modelle, Orientierungen an der etablierten Wissenschaftstheorie, usf.)

8.  Die faktische Entwicklung der etablierten Wissenschaftstheorie und das Bedürfnis der Einzelwissenschaften nach wissenschaftstheoretischer Reflexion scheinen in einem Widerspruch zueinander zu stehen. Wissenschaften wie die Linguistik, die der wissenschaftstheoretischen Reflexion bedürfen, haben bislang keinen nennenswerten Beitrag zur Entwicklung einer allgemeinen oder auch nur für die Linguistik spezifischen Wissenschaftstheorie geleistet. Auf der anderen Seite liefern solche Einzelwissenschaften, die in ihrer Alltagspraxis kein besonderes Bedürfnis nach wissenschaftstheoretischer Reflexion besitzen, gerade die Voraussetzungen, die bei der Entwicklung der etablierten Wissenschaftstheorie ständig herangezogen werden; sie liefern solche Voraussetzungen, weil sie – gerade wegen des Vorhandenseins einer technologischen Komponente – entfalteter und konsistenter sind; aber wegen ihrer relativen Konsistenz benötigen sie die etablierte Wissenschaftstheorie nur marginal.

9.   Ich glaube, dass man deshalb langfristig eine Krise der etablierten Wissenschaftstheorie wird prognostizieren können; und zwar wird sie aus deren ebengenannten Widerspruch resultieren – sofern dieser Widerspruch ins Bewusstsein treten wird. Die etablierte Wissenschaftstheorie arbeitet für oder auf der Basis von Einzelwissenschaften, die sie nur wenig benötigen; und solche Einzelwissenschaften (wie die Linguistik), die der wissenschaftstheoretischen Reflexion bedürfen, können mit der etablierten Wissenschaftstheorie nur wenig anfangen – sie werden deshalb deren als allgemeingültig beanspruchte Paradigmen Stück für Stück in Frage stellen. Dieser Prozess kann von der etablierten Wissenschaftstheorie sicher zum Teil dadurch aufgefangen werden, dass sie ihre eigenen Prämissen relativiert, und auch dadurch, dass sie sich expliziter als bisher den Verfahren und der Geschichte einzelner wissenschaftlicher Disziplinen zuwendet.

10.      Ich möchte abschließend, nach dieser allgemeinen Einordnung, einige Aufgaben formulieren, wie sie sich meiner Auffassung nach einer Wissenschaftstheorie der Linguistik stellen. Diese Aufgaben sind nicht heute, und auch nicht morgen einlösbar, sondern stecken nur eine Richtung ab.

(a) Untersuchung der Prozesse, die zu entwickelten sprachwissenschaftlichen Gegenständen führen: wie Teile und Verfahren der sozialen Alltagspraxis (Sprachbewusstsein, Sprachenkontakt, Diskursregeln) in institutionelle Sprach‑ und Kommunikationszusammenhänge transformiert werden (Verkehrssprachen, wissenschaftliche Kommunikation, politisch-juristische Kommunikation, ökonomisch‑bürokratische Kommunikation).

(b) Untersuchung der Prozesse, die zur Entwicklung von Sprachwissenschaft geführt haben oder zukünftig beitragen können: wie Teile und Verfahren der sozialen Alltagspraxis in systematisch organisierte sprachwissenschaftliche Aktivitäten transformiert werden.

(c) Untersuchung der Systematik der Linguistik im Hinblick auf die tatsächlichen und antizipierten Praxisfelder der Linguistik: welche Zielsetzungen, Perspektiven und praktischen Probleme zu welchen systematisch organisierten Teilbereichen und Teilaktivitäten innerhalb der Linguistik führen, und welche theoretischen Kriterien in diesen Zusammenhängen begründbar sind.

(d) Untersuchung der historischen Krisen und Übergänge innerhalb der Entwicklung der Sprachwissenschaft: welche systematischen Paradigmen zu welchen historischen Entwicklungsstufen gehören, und aufgrund welcher Prozesse Paradigmen innoviert und abgelöst und evtl. auch wieder neu aufgegriffen werden.”

[Wunderlich, Dieter (Hrsg.): Wissenschaftstheorie der Linguistik. Kronberg: Athenäum Verlag, 1976, S. 1-3]

Ein Philosoph baut sich ein imponierendes Gedankengebäude, um selber dann in einer Hundehütte zu hausen.

„Sich in der Philosophie um die Aufklärung des Undurchsichtigen zu bemühen, ist nicht besonders verlockend; denn als Strafe für Misserfolg droht bloß Konfusion, als Lohn des Erfolges winkt bloß Banalität. Jede Lösung, ist sie erst einmal gefunden, ist bald langweilig; und es bleibt nur die Bemühung übrig, das ebenso langweilig zu machen, was noch dunkel genug ist, um uns zu fesseln.“

[Nelson Goodman: The structure of appearance. Cambridge, Mass., 1951, S. XV]

„Mein Werk bestehe aus zwei Teilen: Aus dem, der hier vorliegt, und aus alledem, was ich nicht geschrieben habe. Und gerade dieser zweite Teil ist der Wichtigste.“ [Kampits: Wittgenstein, S. 99]

„Wir fühlen, dass selbst, wenn alle möglichen wissenschaftlichen Fragen beantwortet sind, unsere Lebensprobleme noch gar nicht berührt sind. Freilich bleibt dann eben keine Frage mehr; und dies eben ist die Antwort.“

[Wittgenstein, T 6.52; zit. Kampits: Wittgenstein, S. 98]

„Der Philosoph ist nicht Bürger einer Denkgemeinde. Das ist, was ihn zum Philosophen macht.

Manche Philosophen (oder wie man sie nennen soll) leiden an dem, was man »loss of problems«, »Problemverlust« nennen kann. Es scheint ihnen dann alles ganz einfach, und es scheinen keine tiefen Probleme mehr zu existieren, die Welt wird weit und flach und verliert jede Tiefe; und was sie schreiben, wird unendlich seicht und trivial. Russell und H. G. Wells haben dieses Leiden.“

[Kenny, Anthony (Hg.): Ludwig Wittgenstein. Ein Reader. Stuttgart: Reclam, 1996, S. 349]

„In den Tälern der Dummheit wächst für den Philosophen noch immer mehr Gras, als auf den kahlen Höhen der Gescheitheit. (Wittgenstein, Zettel 1949)

[Wittgenstein: Werkausgabe Band 8. Frankfurt/Main: Suhrkamp, 1984, S. 564]

„Der Gruß der Philosophen untereinander sollte sein: »Lass dir Zeit!«

[Wittgenstein: Werkausgabe Band 8. Frankfurt/Main: Suhrkamp, 1984, S. 563]

„Steige immer von den kahlen Höhen der Gescheitheit in die grünenden Täler der Dummheit.“

[Wittgenstein: Werkausgabe Band 8. Frankfurt/Main: Suhrkamp, 1984, S. 557]

„Die Philosophen, die glauben, dass man im Denken die Erfahrung gleichsam ausdehnen kann, sollten daran denken, dass man durchs Telefon die Rede, aber nicht die Masern übertragen kann.

Ich kann auch nicht die Zeit als begrenzt empfinden, wenn ich will, oder das Gesichtsfeld als homogen etc.“ [Wittgenstein, L.: Zettel 256. Werkausgabe Band 8. Frankfurt/Main: Suhrkamp, 1984, S. 331]

“Sind die Rosen rot im Finstern? ­– Man kann an die Rose im Finstern als rot denken.

(Dass man sich etwas »denken« kann, sagt nicht, dass es Sinn hat, es zu sagen.)”

[Wittgenstein, L.: Zettel 250. Werkausgabe Band 8. Frankfurt/Main: Suhrkamp, 1984, S. 329]

Kuhn (1962; deutsch 1973) hat das "naive" methodologische Falsifikationskonzept des Popperschen Kritischen Rationalismus aufgrund seiner historischen Analyse eindeutig zurückgewiesen:

„Kein bisher durch das historische Studium wissenschaftlicher Entwicklung aufgedeckter Prozess hat irgendeine Ähnlichkeit mit der methodologischen Schablone der Falsifikation durch unmittelbaren Vergleich mit der Natur.“ (Kuhn 1973, 110; vgl. auch 194f. und 1974).

Nach Kuhns Auffassung wird die Falsifikation (i. S. einer Widerlegung und Zurückweisung einer Theorie (eines "Paradigmas") nicht durch das Auftauchen empirisch widersprechender Erfahrung bewirkt, sondern findet ‑ aus logischen und praktischen Gründen – erst beim Vorhandensein einer alternativen Ersatztheorie statt.

Im Kuhnschen Konzept spielt der Begriff des "Paradigmas" eine zentrale Rolle. Un­ter diesem Begriff subsumiert er die Gesamtheit von Vorstellungen und Überzeugungen, die die Wissenschaftlergemeinschaft ("scientific community") eines bestimmten Forschungsgebiets zu einer bestimmten Zeit gemeinsam teilen und die durch die wissenschaftliche Ausbildung tradiert werden. Diese gemeinsamen Vorstellungen und Überzeugungen umfassen u.a. Ansichten über ". . . die Beschaffenheit der Welt . . , über die Konzepte zu ihrer theoretischen Erfassung, über den Bereich der vordringlich zu untersuchenden Probleme, über die Art des methodischen Vorgehens .... über den Bereich annehmbarer Lösungen für ein Problem und über potentielle Anwendungen" (Spiegel‑Rösing 1973, 58). – Der Kuhnsche Paradigma‑Begriff ist relativ komplex und vieldeutig. Masterman (1974) zählt nicht weniger als 21 ver­schiedene Bedeutungen, in denen der Begriff bei Kuhn (1973) verwendet wird und fasst diese auf drei Dimensionen zusammen: der metaphysischen Dimension (Paradigmen als Glau­benssätze, Spekulationen, Organisationsprinzipien der Wahrnehmung), der soziologischen Dimension (Paradigmen als anerkannte wissenschaftliche Errungenschaften, als etwas wie eine akzeptierte Gerichtsentscheidung) und der konstruktiv–operativen Dimension (Paradigmen als Werkzeuge, Instrumente, illustrierende Analogien und Beispiele).

Auf der Grundlage dieses Paradigmen‑Begriffs unterscheidet Kuhn zwei Arten wissenschaftlicher Entwicklungsphasen: Perioden "normaler Wissenschaft" und "wissenschaftliche Revolutionen". Normalwissenschaftliche‑Stadien sind gekennzeichnet durch die Ausarbeitung eines herrschenden Paradigmas: Hier sind Wissenschaftler nicht mit der Kritik vorhandener wissenschaftlicher Problemlösungen beschäftigt, sondern damit, ein herrschendes Paradigma (eine Theorie) immer mehr zu präzisieren, auszuweiten etc. Wissenschaftliche Tätigkeit bezieht sich in diesen Phasen auf das Lösen von "Rätseln" (puzzle), d.h. das Ausfüllen und Komplettieren von noch unterbestimmten Stellen des Paradigmas / der Theorie nicht auf Aktivitäten, die das Paradigma grundsätzlich zur Disposition stellen.

Durch die zunehmende Präzisierung /Ausweitung des vorherrschenden Paradigmas werden jedoch gleichzeitig auch die Chancen seines Versagens erhöht: Je exakter und umfassender die paradigmenbeherrschende Theorie ist, desto empfindlicher wird sie für Fehlschläge. Die normalwissenschaftliche Tätigkeit erarbeitet so die Voraussetzungen und Möglichkeiten für die Beseitigung ihres eigenen Paradigmas. – Fehlschläge (sog. "Anomalien") des Paradigmas in normalwissenschaftlichen Perioden werden zunächst nicht der Theorie, sondern dem jeweiligen Wissenschaftler angelastet (da er die Problemlösungsmöglichkeiten des Paradigma nicht in optimal‑adäquater Weise genutzt hat); innerhalb der Wissenschaftlergemeinschaft herrscht ein Widerstand gegen die Wahrnehmung paradigmengefährdender Anomalien. Nicht vereinzelte Fehlschläge, sondern erst massenhaft auftretendes Versagen der Anschauungen, Methoden, Theorien etc. des Paradigmas stürzen dieses in eine "Krise". Erst jetzt wird innerhalb der Wissenschaftlergemeinschaft begonnen, über mögliche Alternativen zum herrschenden Paradigma nachzudenken. Jedoch wird auch in diesen Entwicklungskrisen das Paradigma nicht verworfen, solange kein Ersatz für das vorhandene Instrumentarium in Sicht ist. Erst beim Auftauchen eines alternativen Paradigma-„Kandidaten“ kann eine Ablösung, ein Paradigmawechsel, eine wissenschaftliche Revolution, stattfinden.

Die Begriffe der Verifikation und Falsifikation fallen in diesem Konzept in gewisser Weise zusammen (bzw. werden sinnlos): Die "Falsifikation" des alten Paradigmas bedeutet gleich­zeitig die "Verifikation" des neuen. –  Herausragende Beispiele für solche wissenschaftlichen Revolutionen und Paradigmen sind im naturwissenschaftlichen Bereich etwa die Übergänge vom geozentrischen (Ptolemäischen) zum heliozentrischen (Kopernikanischen) System in der Astronomie, von der (Newtonschen) Korpuskular‑ zur Wellentheorie des Lichts (von Huygens) in der Physik oder auch das Periodensystem der Elemente (von Mendelejew und Meyer) in der Chemie.

Das Überwechseln von Wissenschaftlern vom alten in das neue Paradigma in revolutionären Phasen ist für Kuhn weniger ein rationaler Vorgang, sondern vor allem eine Sache des G l a u b e n s (er nennt diesen Vorgang "Konversion"): Die Krise des alten Paradigmas veranlasst den Wissenschaftler, zu konvertieren, ohne dass er einen schlüssigen Beweis für die überlegene Problemlösungspotenz des neuen Paradigmas besitzt.

In logischer Hinsicht hält Kuhn das alte und das neue Paradigma für u n v e r e i n b a r und nicht miteinander zu vergleichen (inkommensurabel). Er hält den revolutionären Paradigmawechsel für einen Prozess, der dem psychologischen Vorgang des Gestaltwandels ("gestalt switch") analog ist: Die Umstrukturierungsprozesse vollziehen sich nicht durch Änderung der Reizvorlagen, sondern durch einen Auffassungswechsel (wie bei "Kipp‑Bildern" in der Wahrnehmungspsychologie). Kuhn glaubt an die Mehrdeutigkeit der Realität und hält wissenschaftliche Theorien letztlich nicht für begründbar.

Der Fortschritt wissenschaftlicher Erkenntnis vollzieht sich nach diesem Konzept kon­tinuierlich und kumulativ (d.h. durch Anhäufung, Summierung von Wissen) in normalwissen­schaftlichen Perioden, insgesamt jedoch – bedingt durch die revolutionären Paradigmenwechsel – diskontinuierlich (in Form von Sprüngen) und nicht kumulativ. Der Fort­schritt wird nicht – als Wahrheitsannäherung (Zu‑etwas‑hin‑Entwicklung), sondern als letztlich ungerichteter Prozess (lediglich von etwas weg) angesehen. – Zur Darstellung und Kritik dieses Ansatzes vgl. Kuhn (1973, 1972); Spiegel‑Rösing (1973); die Beiträge in Lakatos und Musgrave (1974) und Diederich (1974).

In der Weiterentwicklung des Programms des Kritischen Rationalismus vor allem durch Lakatos (vgl. etwa 1974) zum sog. "verfeinerten" oder "raffinierten Falsifikationismus " wird versucht, das Konzept und die Beobachtungen Kuhns zur Art der Theorieentwicklung in der Wissenschaft mitzuerklären und zu verarbeiten. Dabei sind es vor allem die Probleme der von Kuhn behaupteten Immunität von Theorien (Paradigmen) gegenüber widersprechender Erfahrung (d.h. Theoriebeibehaltung trotz empirischer Falsifikation) und das des völlig "unkritischen" Forschers der normalwissenschaftlichen Periode, die dem Wissenschaftsverständnis des Kritischen Rationalismus diametral entgegenstehen (und entsprechend quer im Magen liegen: Popper 1974 hält den Kuhnschen Normalwissenschaftler für eine kritiklose, dogmatische, schlecht ausgebildete und bemitleidenswerte Person; für Lakatos 1974 wird Wissenschaftslogik bei Kuhn zur "Massenpsychologie" / "mob psychology").

Die Problematik des Verhältnisses von Theorie und Empirie und der epistemologischen Unsicherheit von Beobachtungsaussagen (vgl. oben) wird bei dieser "Verfeinerung" so gedeutet, dass – da der Wahrheitswert von Beobachtungssätzen bzw. Tatsachenfeststellungen nicht zwei felsfrei festgestellt werden kann – die Nichtübereinstimmung von theoretischen und empirischen Aussagen nicht eine Falsifikation, sondern lediglich ein Widerspruch darstellt, der u. U. sowohl zuungunsten der Theorie als auch der Empirie behoben werden kann: Alle Sätze – theoretische und empirische – sind hiernach "unheilbar fallibel". Wissenschaftliche Entwicklung geschieht nicht durch die Konfrontation von Theorien und Fakten, sondern durch die Konkurrenz alternativer Theorien und deren Inkonsistenzen mit experimentellen Daten.

Innerhalb dieses "raffinierten" Ansatzes bekommt der Begriff der Falsifikation einer Theorie eine veränderte Bedeutung: Eine Theorie wird falsifiziert nicht durch einen (wohlbestätigten) widersprechenden experimentellen Befund, sondern durch den Vorschlag einer Ersatztheorie, wenn diese (1) den nicht‑widerlegten Gehalt der Ursprungstheorie ebenfalls erklärt, (2) darüber hinaus einen "Gehaltsüberschuss" gegenüber der Ursprungstheorie besitzt (d.h. mehr und neuartige Tatsachen erklärt und voraussagt) und (3) wenn ein Teil dieses Gehaltsüberschusses empirisch bewahrt ist.

Als Grundeinheit des raffinierten Falsifikationismus nach Lakatos fungiert nicht mehr die einzelne Theorie, sondern eine Aufeinanderfolge von Theorien, eine "Theorienreihe oder ein "Forschungsprogramm". Solche Forschungsprogramme bestehen aus einem "harten Kern" und einer "positiven Heuristik": Der harte Kern enthält einige zentrale, konventionell akzeptierte und (häufig) u n w i d e r l e g b a r e  A n n a h m e n (vergleichbar der metaphysischen Dimension des Kuhnschen Paradigmas); die positive Heuristik besteht aus einem Programm (Regeln, Vorschlagen, Hinweisen etc.) zur Konstruktion eines "Schutzgürtels" von Hilfshypothesen zur Verteidigung des Kerns, zur Definition von Problemen etc., ‑ wobei nur dieser Gürtel von Hilfshypothesen (und nicht der Kern selbst) durch empirische Überprüfungen modifiziert, neu geordnet oder ersetzt werden kann.

Die Wissenschaftlichkeit eines Programms bemisst sich nach seinem heuristischen Po t e n t i a l, d. h. seiner Fähigkeit zur Antizipation, Erklärung und zum "Verdauen" neuer Tatsachen. – Eine Programmentwicklung ist progressiv ("progressive Theorienreihe" bzw. "progressive Problemverschiebung"), wenn die Modifikation des Schutzgürtels (der Hilfshypothesen) einen Gehaltsüberschuss gegenüber dem Theorie‑Vorläufer besitzt und wenn dieser Überschuss sich auch (zumindest teilweise) empirisch bewährt. Ein degenerativer Wandel eines Forschungsprogramms liegt entsprechend vor, wenn die Neuordnung der Hilfshypothesen einen solchen "gehaltssteigernden" Effekt nicht produzieren kann. – "Falsifikation" einer Theorie in einer "Reihe" bedeutet, dass sie durch eine Theorie mit höherem / besser bewährtem Gehalt überholt wird. Die Elimination eines ganzen Forschungsprogramms (d. h. des "harten Kerns" und seiner Regeln zur Konstruktion von "Schutzgürteln") wird bewirkt durch die Konfrontation mit einem konkurrierenden Programm, das sowohl den Erfolg des alten Programms erklären kann, als auch dieses durch zusätzliches "heuristisches Vermögen" ("explanatorisches Potential", d.h. Fähigkeit des Programms zur Antizipation theoretisch neuartiger Tatsachen) überholt – wobei eine vergleichende Beurteilung alternativer Programme jedoch häufig erst lange Zeit im Nachhinein möglich ist.

In seinem Erklärungsansatz zur historischen Entwicklung der Wissenschaft (bzw. einzelner wissenschaftlicher Programme) unterscheidet Lakatos (etwa 1974a) zwischen der "internen" und der "externen" Geschichte eines Forschungsgebiets: Die (primäre) interne Geschichte wird rational erklärt durch wissenschaftstheoretisch begründete normative Methodologien (wobei die "Methodologie wissenschaftlicher Forschungsprogramme" nach Lakatos einen solchen "intern‑rationalen" Erklärungsansatz darstellen soll); der verbleibende nicht‑rationale Anteil der Wissenschaftsgeschichte muss durch eine ergänzende (sekundäre) "externe" Theorie erklärt werden – die ("sozio‑psychologische") externe Geschichte. (In einer Erwiderung auf Lakatos, die sich vor allem auf seinen Erklärungsansatz zur Wissenschaftsgeschichte bezieht, kritisiert Kuhn 1974a, 318 – m. E. sehr zu recht – dass ". . . das, was Lakatos als Geschichte begreift, keineswegs Geschichte ist, sondern eine Philosophie, die Beispiele fabriziert"; zur Darstellung und Kritik des Ansatzes von Lakatos vgl. u.a. Hucklenbroich 1972; Münch 1972).

Das programmatische Aufgeben eines "T h e o r i e n monismus" (d.h. des Strebens nach einer einzigen gültigen realitätsabbildenden Theorie) zugunsten eines "Theorien-Pluralismus" (bzw. "Theorienanarchismus"), der permanenten Konkurrenz alternativer Theorien als Erkenntnismodell des "späten" Kritischen Rationalismus (vgl. Spinner 1974), wird von Feyerabend dem "enfant terrible" des Kritischen Rationalismus auf die Spitze des Methodenanarchismus getrieben: Da ein so komplexer Gegenstand wie Wissenschaft sich der Analyse und Anleitung durch Bearbeitungsregeln, die normativ und ohne Rücksicht auf die ständig wechselnden Verhältnisse aufgestellt werden, widersetzt, lehnt er methodologische Wissenschaftskriterien vollständig ab zugunsten einer "kreativen Irrationalität" und vertritt die methodenbezogene Devise des "anything goes“. [...]

Hier gegen Ende unserer Betrachtung der Struktur und Entwicklung wissenschaftlicher (psychologischer) Theorien soll noch in Ansätzen auf eine Bewertungsdimension von Theorien eingegangen werden, die Anhaltspunkte bezüglich ihres Entwicklungsfortschritts liefert, mit deren Hilfe (zumindest unter bestimmten Umstanden) unterschieden werden kann zwischen einem bloßen (ungerichteten) Theorienwandel und der Vorwärtsentwicklung, dem qualitativen Fortschritt von Theorien: dem Konzept der theoretischen "Tiefe" (nach Bunge; vgl. 1967, 1, 506ff.; 1973, 9]ff.).

Die "Tiefe" von Theorien wird von Bunge (1967, 1, 508) über drei (eng miteinander zusammenhängende) Gesichtspunkte bestimmt:

§      Den epistemologischen Aspekt: "Tiefe" Theorien enthalten Begriffe und Hypothe­sen, die sich auf nicht‑beobachtbare Sachverhalte beziehen, Konstrukte hohen Niveaus (im Gegensatz zu Annahmen, die lediglich Oberflächen‑ bzw. Beobachtungseigen­schaften betreffen).

§      Den ontologischen Aspekt: "Tiefe" Theorien enthalten hypothetische Annahmen über "Mechanismen" innerhalb des abgebildeten Objektsystems, die den (beobachtbaren) Fakten bzw. Verhaltensweisen des Systems zugrunde liegen und diese erklären können.

§      Den logischen Aspekt: "Tiefe" Theorien sind in hohem Maße logisch organisiert, d.h. formalisiert und axiomatisiert, so dass ihre wesentlichen und unverzichtbaren Komponenten erkennbar sind und ihr logisches Erklärungsvermögen hoch ist.

Bunge verdeutlicht diese "Tiefen"‑Dimension anhand der Gegenüberstellung von zwei Theorie‑Versionen, den "Black‑Box‑Theorien" und den "Translucid‑BoxTheorien". Diese beiden Theorie‑Formen (die hier als Extreme eines Kontinuums gegenübergestellt werden, wobei eine Reihe von Zwischenformen – "grey box theories" –  möglich ist) enthalten jeweils ein unterschiedliches Modell ihres Gegenstandes: Black‑Box‑Theorien modellieren ihren Gegenstand auf eine Weise ohne "innere" Strukturen und Mechanismen; sie thematisieren lediglich den (beobachtbaren) "System‑Input" und den resultierenden (ebenfalls beobachtbaren) System‑Output – die Eingangsbedingungen und die folgenden Reaktionen, die "Oberflächen‑Erscheinungen" des Systems. Im Bereich de Psychologie tritt ein solches Black‑Box‑Modell in klassischer (mit pragmatistischen und empiristischen Argumenten gerechtfertigter) Weise in behavioristisch‑verhaltenstheoretischen Konzeptionen auf, deren relevante Variablen auf den "Organismus" (= Black Box) einwirkende Reize (Stimuli, "S") und von ihm produzierte Antwortreaktionen ("R") darstellen. – Demgegenüber beziehen sich Translucid‑Box‑Theorien auf Modelle, die die "Binnenstrukturen" des Objekts, die "inneren" – das "äußere" Verhalten erklärenden – Bedingungen und Mechanismen des Systems abbilden. Es wird hier gewissermaßen versucht, in die "Schwarze Kiste" hineinzuleuchten und sie durch einen (strukturierten) Komplex immer elementarerer Bestandteile (wiederum "Black Boxes") auszudifferenzieren (vgl. Bunge 1967, 1, 511; Raeithel 1976). [...]

Block‑Box‑Modelle und ‑Theorien besitzen – auf der Ziel‑ und Zweckdimension –  ihre Vorteile vor allem im pragmatischen Bereich der Anwendung, der Technologie.

Der Autofahrer verwendet am Steuer seines Wagens ein Black‑Box‑Modell (Annahmen über System‑Inputs / Bedienungsvorgange und entsprechende Outputs / "Reaktionen" des Autos) und "vergisst" weitestgehend alle Kenntnisse über die "inneren" Mechanismen seines Wagens (wie sie etwa der Konstrukteur oder der Kfz‑Meister notwendig gebrauchen); in bestimmten Zusammenhängen der Physik (bei "kleinen Geschwindigkeiten") wird in aller Regel statt der ("tieferen") speziellen Relativitätstheorie auf die Gesetze der (theoretisch weniger "tiefen") "klassischen Physik" zurückgegriffen.

Diese pragmatische Bevorzugung von Black‑Box‑Theorien (bzw. Theorien geringerer "Tiefe") hat seine Gründe vor allem in deren vielseitigen Verwendbarkeit und der größeren Allgemeinheit, in ihrer Sicherheit und Einfachheit, die sie in Anwendungskontexten handhabbarer machen als komplexere Translucid‑Box‑Theorien. – Andererseits besitzen solche "einfachen" Theorien und Modelle eine Reihe von Nachteilen, die unter wissenschaftlichen Zielsetzungen ihre Brauchbarkeit stark einschränken: Sie sind inhaltsarm, besitzen geringe Prüfbarkeit und nur bescheidenen heuristischen Wert. Die Ziele der wissenschaftlichen (Funktions‑) Erklärung der theoretischen Konstruktion und Herstellung (im Gegensatz zur praktisch‑technologischen Manipulation und Kontrolle) von Objekten, Strukturen und Prozessen verlangen ein möglichst weitgehendes "Tiefenwachstum" von Theorien, die Orientierung auf Translucid-Box‑Modelle (was sich längerfrisig selbstredend auch in einer verbesserten Technologie niederschlägt).

Durch die Gegenüberstellung von Black‑Box‑ und Translucid‑Box‑Theorie ist ebenfalls die Dimension der historischen Entwicklung, des "Reife"‑Gewinns von Wissenschaft charakterisiert (vgl. Bunge 1967, 1, 511): Black‑Box‑Modelle dominieren in Stadien der Theorieentwicklung, in denen vor allem die Ordnung und Organisation von Daten, ihre Systematisierung – weniger ihre Interpretation – im Mittelpunkt stehen. Der historische Fortschritt geht von der Ansammlung von Daten-Paketen, über "phänomenologische" Vermutungen schließlich zum Entwurf von Mechanismus‑Hypothesen – und damit zu (zunehmend "tiefen") Translucid‑Box‑Modellen und ‑Theorien.“

[Breuer, Franz: Einführung in die Wissenschaftstheorie für Psychologen. Münster: Aschendorff, 21978, S. 82-96]

„Toda visión panorámica de un paisaje se realiza siempre desde un punto en el que se coloca el objetivo. El valor de la copia dependerá no sólo de saber hacer, de la pericia del fotógrafo, sino también de la calidad del objetivo mismo. En ciencia «el cristal con que se mira» un área del saber es el método. Partimos del convencimiento de que:

§     Ningún método es perfecto.

§     Todos son perfectibles (por desarrollo o por corrección). Los descubrimientos realizados desde una metodología pueden no pocas veces ser asimilados sin romper la coherencia interna por otros métodos.

§     La diversidad en las descripciones dependen no pocas veces de la perspectiva. Sucede como en el cuento de Algazel que recuerda G. Bueno. Unos ciegos hablan del elefante según la experiencia que habían tenido: «el que palpó su oreja, decía que era un cojín; el que palpó su pata, decía que era una columna, y el que tocó el comillo, aseguró que era un cuerno gigante» (G. Bueno, 1976: 9).

[...] La lengua es un objeto funcional y no hay mejor ni más sencilla forma de describirla que analizándola en sus funciones.

La función está por encima de la sustancia. Un mismo pedazo de madera, sin variar su composición material, puede convertirse alternativamente en palo de escoba, para de mesa coja, bastón de anciano, garrote de abuela o espada de niño según las funciones que desempeñe.

Ahora bien, a pesar de esta prioridad, la forma, o, mejor, la función necesita de la sustancia para realizarse, para encarnarse. La Lingüística no puede sentar sus reales ni en la sustancia ni en la forma pura. Del primer supuesto nacería una disciplina que nada podría avanzar sobre el conocimiento del lenguaje. De la segunda perspectiva se originan opciones teóricas estériles. No podemos describir ni el plano fónico ni el semántico de modo adecuado sin acudir a la sustancia conformada. El cenema y el lexema sin rasgos distintivos de sustancia son puras entelequias, objetos inefables. Por ello, aunque proclamo mi admiración hacia la hermosa catedral teórica que es la glosemática, prefiero asentarme en el funcionalismo realista que ha engendrado la Fonología y la misma Semántica Estructural. Procuro mantenerme siempre dentro de la inmanencia interna de que habla Jakobson. [...]

El despliegue de las llamadas leyes fonéticas en el siglo pasado y el desarrollo esplendoroso de la Fonología en el presente influyeron en la expansión de un principio no suficientemente corroborado: que el significante posee naturaleza exclusivamente fónica. Este axioma unido al principio saussureano de correspondencia biunívoca entre los dos planos del signo (tantos significados cuantos significantes, y viceversa) condujo inexorablemente hacia una posición teórica, defendida por algunos funcionalistas, que en otro lugar he denominado monismo semántico.

El monismo conduce a sostener, por ejemplo, que bajo las expresiones bote, pupila, bota, cardenal, mono, radio, etc., existe un solo significado (pues sólo habría un solo significante). Esta suposición teórica conduce a la esterilidad descriptiva, bien por vía de hecho (no hay rasgos comunes entre los diferentes sentidos de cada signo), bien por la vía de razón (se sienta el principio de que el significado es indescriptible).

Al igual que hacía Trujillo (1976) vengo defendiendo desde hace años la necesidad de diferenciar expresión (hecho puramente fónico) de significante (que incorpora datos fónicos distintivos y rasgos pertinentes de otra naturaleza). Tal opción teórica – que considero de enorme importancia – permite ofrecer una solución a los tradicionales problemas de la sinonimia y homonimia-polisemia.”

[Gutiérrez Ordóñez, Salvador: Introducción a la semántica funcional. Madrid: Síntesis, 1989, p. 12-13]

Metateoría de la lógica

La Metateoría consiste sobre todo en estudiar si los cálculos lógicos responden a cierto tipo de requisitos. Estos requisitos son, fundamentalmente, tres.

1.  El requisito de consistencia. Un cálculo es consistente si y sólo si no es posible demostrar en él una fórmula y su negación.

2. El requisito de completud o completitud. Un cálculo es completo cuando en él se pueden demostrar todas las fórmulas verdaderas construibles con sus símbolos.

3. El requisito de decibilidad. En rigor, llamar «decidible» a un cálculo es una figura de dicción. Decidibles serán, en todo caso, las fórmulas del cálculo, y no el cálculo como tal. Se acostumbra a decir que un cálculo es decidible cuando dispone de al menos un procedimiento para decidir, en un número finito de pasos reglamentados, si una fórmula es verdadera o no (y, por ende, en el caso de que el sistema sea completo, si es o no derivable en él).

Por lo que se refiere al cálculo de enunciados, cumple con los dos primeros requisitos.

También el cálculo de predicados de primer orden reúne los requisitos de consistencia y completud.

Importante es la demostración del carácter completo de la lógica cuantificacional elemental, llevada a cabo por Kurt Gödel en 1930. El cálculo de predicados de primer orden no es decidible, en su conjunto. Lo son ciertos estratos – como la lógica de predicados monádicos – o ciertos conjuntos de fórmulas – ciertos tipos de expresiones de la lógica de predicados poliádicos –, pero la lógica de predicados poliádicos es, como tal, indecidible, y, por lo tanto, lo es también la lógica general de predicados, que la incluye. Lo demostró Alonzo Church en 1936.

En cuanto a la lógica cuantificacional superior, Kurt Gödel, el que probó en 1930 la completud de la lógica elemental, demostró, en un celebérrimo trabajo publicado en 1931, que es imcompleta: mientras que las verdades formales acerca de cualesquiera individuos pueden ser organizadas en un cálculo lógico que las fundamente, las verdades acerca de cualesquiera conjuntos de individuos (o acerca de cualesquiera predicados de individuo) no pueden ser presentadas en su totalidad como el conjunto de los teoremas de un sistema lógico. El hecho de que León Henkin, en 1950, haya matizado el teorema de Gödel mostrando la posibilidad de alcanzar en lógica cuantificacional superior una cierta completud, una completud secundum quid, apenas priva a dicho resultado metateórico de su impacto sobre la lógica formal, sobre la filosofía de la lógica, y, en definitiva, sobre la filosofía a secas.”

[Deaño, Alfredo: Introducción a la lógica formal. 2. Lógica de predicados. Madrid: Alianza Ed., 1975, p. 200-201]

Holístico

1.     De acuerdo con Escribano (1990c: 179) es casi imposible para el lingüista actual no alinearse en uno de los dos bandos de una de las grandes polémicas contemporáneas basada en la psicología: la que enfrente a quienes sostienen concepciones holísticas, esto es, globales, con quienes defienden concepciones modulares, esto es, analíticas. Para los primeros no hay una facultad del lenguaje específica y diferenciada, sino que el lenguaje es una manifestación más de la actividad de unos mecanismos de cognición generales y homogéneos (Skinner, 1957). La segunda concepción es racionalista, conocida sobre todo a través de las obras de Chomsky, y sostiene que la mente tiene una estructura modular altamente diferenciada, constituida por sistemas autónomos regidos por principios específicos de cada dominio que interaccionan entre sí, uno de los cuales sería la facultad del lenguaje.

2.     También emplea Escribano (1990c: 179-80) la dicotomía anterior para aludir a dos estrategias distintas de división del trabajo entre la lingüística y otras disciplinas. La ‘holística’, de carácter abarcador o imperialista (por ejemplo, las teorías de Petöfi, van Dijk, Hymes, etc.), debe dasr cuenta de la conducta lingüística sin restricciones. En la visión ‘modular’, de carácter restrictivo (por ejemplo, las teorías de Saussure, Hjelmslev, Chomsky), la lingüística sólo es una de las ciencias que se reparten el dominio epistemológico del lenguaje, junto a la teoría de la comunicación, la psicología cognitiva, la sociología, etc.”

[Alcaraz Varó, Enrique / Martínez Linares, María Antonia: Diccionario de lingüística moderna. Barcelona: Editorial Ariel, 1997, p. 287]

 «Así funciona el método científico. Cuando se comprueban muchas predicciones de una misma hipótesis, ya se le da la categoría de Teoría. Sé que esto parecerá una contradicción para muchos, pero es así: la palabra "teoría", en ciencia, tiene un significado distinto del que tiene a nivel popular. Mientras que en el lenguaje de la calle se entiende como una idea que es posible que sea cierta, en ciencia, por el contrario, una "teoría" es una idea que se ha demostrado sobradamente.»

[Manuel Soler: “¿Desciende el hombre del mono?”, en El País, 23.02.2008]

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“Aunque todas las posibles preguntas de la ciencia recibiesen respuesta, ni siquiera rozarían los problemas de nuestra vida”. [Ludwig Wittgenstein: Tractatus logico-philosophicus]