VORGANGSPASSIV

Pasiva perifrástica

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Passiv / Zustandspassiv / Diathese / Medium / Medialkonstruktionen / Vox  / Topik vs. Prädikation / Thema-Rhema-Struktur / Funktionale Satzperspektive / Topic vs. comment

 

Vorgangspassiv: Die mit dem Hilfsverb werden [sp. ser] gebildete Passivform des Dt.

Zustandspassiv: Die mit dem Verb sein [sp. estar] gebildete.

Vorgangspassiv

Im Unterschied zum Zustandspassiv mit dem Hilfsverb werden gebildete Passivform des Dt.: Die Polizei wurde gewarnt.“ [Bußmann, H., S. 842]

„Wie aus den Angaben zur Frequenz der einzelnen ser-Passivtypen hervorgeht, erscheinen die zeitlich begrenzt-nichtdauernden sowie die zeitlich begrenzt-dauernden Verben hauptsächlich in den perfektiven Vergangenheitsformen, bei den zeitlich nichtbegrenzt-dauernden Verben hingegen lässt sich eine Tendenz erkennen, die auf eine vorwiegende Verwendung in den imperfektiven Tempora verweist. Somit scheint insbesondere die Relation zwischen Aktionsart und Tempus für die zahlenmäßige Verteilung und damit auch gleichzeitig für die Typologisierung der ser-Passiv ausschlaggebend zu sein.“   

[Hohn-Berghorn, Maria: Periphrastische Passivkonstruktionen im geschriebenen Spanisch der Gegenwart. Versuch einer syntaktisch-semantischen Analyse. Würzburg, 1983. (Diss.), S. 306]

„Dass im Falle der zeitlich begrenzten Verben eine Disposition für die Verwendung in den perfektiven Tempora vorhanden ist, gibt die statistische Analyse unseres Hauptkorpus deutlich zu erkennen. Während ser-Passivformen von zeitlich begrenzt-nichtdauernden und zeitlich begrenzt-dauernden Verben in den aspektuell perfektiv determinierten Tempora relativ häufig vorkommen, erscheinen sie in den aspektuell imperfektiv determinierten Tempora nur sporadisch. Das Verhältnis ist etwa 5:1.

Diese Interdependenz von Tempus bzw. implizitem Aspekt und Aktionsart erkannte bereits Bello. Er hatte beobachtet, dass das spanische Passiv im Präsens und Imperfekt kaum zum Ausdruck einer punktuellen Handlung verwendet wird, während sein Gebrauch in den perfektiven Zeiten keinerlei Beschränkungen unterworfen ist.“  

[Hohn-Berghorn, Maria: Periphrastische Passivkonstruktionen im geschriebenen Spanisch der Gegenwart. Versuch einer syntaktisch-semantischen Analyse. Würzburg, 1983. (Diss.), S. 307]

„Wie Gili Gaya bemerkt, wird die weitgehende Inkompatibilität des präsentischen bzw. imperfektischen ser-Passivs mit der „perfektiven“, d.h. in unserer Terminologie zeitlich begrenzt-nichtdauernden bzw. zeitlich begrenzt-dauernden Natur eines Verbums von vielen grammatischen Übungsbüchern ignoriert. So bedient sich Castro Alonso (1969) zur Illustration der passivischen Diathese folgender Beispielsätze:

(?)  Una manzana es comida por pedro.

(?)  El pan es comido por Pedro.

Auch Gauger (1978:23) greift bei seiner Beschreibung des Vorgangspassivs auf den in dieser Form kaum akzeptablen Beispielsatz (?) la puerta es abierta zurück. Derartige Sätze sind zwar nicht ungrammatisch, sie sind jedoch im Spanischen kaum akzeptabel. Von den Informanten werden sie nicht als falsch bezeichnet, sie werden jedoch zumeist als zu gesucht und überspitzt abgelehnt. In Verbindung mit bestimmten Adverbialbestimmungen scheinen sie allerdings akzeptiert zu werden. So wurde der Satz ahora la puerta es abierta por el portero von allen von uns befragten Informanten als durchaus gebräuchlich bezeichnet. Mit welchen Ergänzungensbestimmungen zeitlich begrenzte Verben ohne stilistische Sonderfunktion in den imperfektiven Tempora möglich sind, wäre im einzelnen nachzuprüfen“  

[Hohn-Berghorn, Maria: Periphrastische Passivkonstruktionen im geschriebenen Spanisch der Gegenwart. Versuch einer systanktisch-semantischen Analyse. Würzburg, 1983. (Diss.), S. 308-309]

„Die Auffassung von der „durativen“ Natur von ser im Gegensatz zur nichtdurativen Natur von estar mag in den meisten Fällen aus einer Gegenüberstellung singulärer Satzpaare abgeleitet sein – so etwa la casa es edificada im Gegensatz zu la casa está edificada – die auf einen objektiven Unterschied in der außersprachlichen Realität verweisen. Auch Einzelbeobachtungen, denen zufolge ser häufiger in Verbindung mit zeitlich nichtbegrenzten Verben, estar hingegen häufiger in Verbindung mit zeitlich begrenzten Verben auftreten soll, mögen zum Entstehen dieser These beigetragen haben. Ob den weitgehend inhaltsleeren Auxiliarelementen ser und estar aber überhaupt eine Aktionsart zugeschrieben werden kann, ist unserer Ansicht nach fraglich.“

[Hohn-Berghorn, Maria: Periphrastische Passivkonstruktionen im geschriebenen Spanisch der Gegenwart. Versuch einer syntaktisch-semantischen Analyse. Würzburg, 1983. (Diss.), S. 309-310]

„Die Verben werden nach dem problematischen Kriterium Aktionsart in transformativ-resultative einerseits und kursive andererseits eingeteilt (Helbig, 1987: 219). Während transformative Verben den Übergang eines Vorgangs (Zustands) in einen anderen bezeichnen, drücken kursive Verben die Dauer eines Vorgangs aus.  Diese Unterscheidung der Verben nach den Aktionsartkriterien transformativ bzw. kursiv wurde von Heringer übernommen. Eingeführt hatte diese Begriffe M. S. Ruipérez in seiner Arbeit Estructura del sistema de aspectos y tiempos del verbo griego antiguo, Salamanca, 1954, S. 52.

Schoenthal (1976: 73) wertet ihr Korpus quantitativ hinsichtlich der Aktionsart der Verben aus:

 

Häufigkeit des Verbtyps in %

transformativ

durativ

transformativ/durativ

werden-Passiv

81,5

10,0

8

sein-Passiv

64,9

16,9

5,2

Die dritte Gruppe kann sowohl zur ersteren als auch zur letzteren gehören. Trotzt Verwendung der gleichen Verbtypologie kommen Schoenthal und Helbig zu unterschiedlichen Ergebnissen.“

[Maier, Irmgard: Passivparadigma im Spanischen und im Deutschen. Frankfurt a. M.: P. Lang, 1995, S. 312-313]

„Die Aussagen zu den Restriktionen des sein-Passivs stützen sich auf sehr vage semantische Begriffe. Dem Kriterium Aktionsart fehlt es an Prägnanz, um geeignete Verbkategorien formulieren zu können. [Ein neuer Zugriff zu diesem Problem] wird nur möglich durch die Verlagerung des Fokus der Aktionsart der Verben hin zu den Relationen im Satz. Dies genau ist der Standpunkt der Relationalen Grammatik.“

[Maier, Irmgard: Passivparadigma im Spanischen und im Deutschen. Frankfurt a. M.: P. Lang, 1995, S. 62-63]

“Son imperfectos todos los tiempos simples de la conjugación española, con excepción del pretérito perfecto simple. Son perfectos el perfecto simple [indefinido] y todos los tiempos compuestos con el auxiliar haber.“ [RAE: Esbozo, p. 367]

La pasiva se forma por composición del auxiliar ser con el participio: el presidente fue asesinado. El presente y el imperfecto expresan una acción duradera o repetida, indican verdades generales y pueden tener carácter narrativo (presente histórico): los trabajos de alcantarillado de esta casa son ejecutados por la casa Moreno (la acción ha principiado y continúa), el monarca era elegido entre los hermanos del rey muerto (acción repetida), los hijos son queridos por los padres (verdad general), sus siete cabezas y la de Nuño Salido son llevadas a Córdoba, y Almanzor las presenta a su prisionero (presente histórico). Pero no sirven para expresar una acción que coincide con el momento en que se habla. No se dice el niño llora porque es lavado por la madre. El pretérito y el futuro y otras formas de las mismas categorías se usan ilimitadamente. Sin embargo, se puede observar en general que la pasiva castellana ya en tiempos antiguos se emplea menos que la latina, y su uso sigue disminuyendo por el incremento de la pasiva refleja.

[Hanssen, Federico: Gramática histórica de la lengua castellana. Halle, 1913, p. 245]

“Las pasivas perifrásticas del castellano muestran cierta preferencia hacia los verbos léxicamente delimitados (por ejemplo, construir frente a odiar, un verbo sin límite) y hacia las formas verbales perfectas, como ilustran los contrastes entre El edificio fue construido por la empresa y *Juan fue odiado por su primo o El edificio (fue/ha sico) construido por la empresa y ??El edificio (era/es) construido por la empresa, que resulta extraña aislada del contexto.”

[Elena de Miguel: “El aspecto léxico”, en: Bosque, Ignacio / Demonte, Violeta (eds.): Gramática descriptiva de la lengua española. Madrid: Real Academia Española / Espasa Calpe, 1999, Vol. 2, p. 2992]