TRANSFORMATIONSGRAMMATIK

Gramática transformacional

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Generative Transformationsgrammatik (GTG) / Bindungstheorie / GB-Theorie / ECP / Logische Form / Regierende Kategorie

 

Transformationsgrammatik [Abk. TG]

(1)  Oberbegriff für jede Generative Grammatik, die Transformationsregeln verwendet.

(2)  Im engeren Sinn die von N. Chomsky entwickelte Theorie der (generativen) T., deren Ziel es ist, durch ein System von expliziten Regeln das (dem aktuellen Sprachgebrauch zugrunde liegende) implizite Wissen von Sprache abzubilden.

Im Unterschied zum taxonomischen Strukturalismus von Harris, Bloomfield u. a. der auf Segmentierung und Klassifizierung, d.h. der Katalogisierung konkreter Sprachdaten beruht, bezieht sich Chomskys Modell auf vom kompetenten Sprecher bewertete Daten, auf die sprachlichen Intuitionen, die ein kompetenter Sprecher bezüglich seiner Sprache explizieren kann.

Wissenschaftlich steht Chomsky in der Tradition des Rationalismus von Leibniz und Descartes. Mit dem Ausbau des Konzepts der »angeborenen Ideen« wendet sich Chomsky gegen die behavioristische Sprachauffassung des Amerikan. Strukturalismus und erweitert seine Grammatiktheorie zu einer Theorie des Spracherwerbs, indem er die Entwicklung der Kompetenz durch einen angeborenen Spracherwerbsmechanismus auf der Basis von grammatischen Universalien erklärt.  Dabei hat die Theoriebildung Vorrang vor der Datenanalyse, d.h. die T. geht deduktiv vor, indem sie Hypothesen über den sprachlichen Erzeugungsmechanismus aufstellt unter besonderer Berücksichtigung des »kreativen« Aspekts des Sprachvermögens. Dies gilt bereits für die erste, durch Chomskys [1957] erschienenes Buch Syntactic Structures begründete These der T.: Eine endliche Menge von Kernsätzen, die durch kontextfreie Phrasenstrukturregeln erzeugt werden, bilden die Basis für die Anwendung von Transformationsregeln, die einen prinzipiell unendlichen Gebrauch von endlichen Mitteln gewährleisten.

In der zweiten Phase der T. dokumentiert durch Chomskys [1965] erschienene Abhandlung Aspects of the theory of syntax, wird die ursprünglich nur syntaktische Theorie zu einer allgemeinen Grammatiktheorie erweitert, in die auch Phonologie und Semantik einbezogen sind. Kennzeichnend für dieses sogen. »Aspekte-Modell« (auch: Standardtheorie, Abk.: ST) sind folgende Revisionen bzw. Erweiterungen gegenüber dem Ansatz von 1957: Die Grammatik (im Sinn einer umfassenden Sprachtheorie) besteht aus einer generativen syntaktischen Komponente sowie den interpretativen semantischen und phonologischen Komponenten. Basis der Syntax ist, die durch kontextfreie Phrasenstrukturregel (dir durch Selbsteinbettende Konstruktion auch Rekursivität gewährleisten, was im früheren Modell durch generalisierende Transformationen erreicht wurde) und die durch Lexikonregeln erzeugte Tiefenstruktur, die als abstrakte, zugrunde liegende Strukturebene alle semantisch relevanten Informationen enthält und die Ausgangsebene für die semantische Interpretation von Sätzen ist. (Vgl. hierzu im Rahmen der Interpretativen Semantik die Arbeiten von Katz). Durch Bedeutungsneutrale Transformationen wie Tilgung, Umstellung u. a. werden die entsprechenden Oberflächenstrukturen erzeugt, die die Basis für die phonologisch-phonetische Repräsentation bilden. Kritik an diesem Konzept setzte sich vor allem mit der Rolle der Semantik auseinander, da die semantische Interpretation eines Satzes auch von Phänomenen der Oberflächenstruktur (wie Intonation, Wortstellung, Thema-Rhema-Problemen) abhängt, und führte in den 60er und 70er Jahren zur Entwicklung zweier konkurrierender Richtungen: der Generativen Semantik sowie der »Erweiterten Standardtheorie« (= engl. Extended Standard Theory, Abk. EST), vgl. hierzu auch Lexikalistische vs. Transformationalistische Hypothese.

Die durch Jackendoff [1972] und Chomsky [1972] angeregten Revisionen der »Standardtheorie« bestehen einerseits in einer Einschränkung der Reichweite von Transformationen durch universelle Beschränkungen, andererseits in einer veränderten Auffassung von der semantischen Interpretation, die sich nunmehr – in jeweils deutlich zu unterscheidender Weise – sowohl auf die Tiefen- als auch auf die Oberflächenstruktur bezieht.

Die in der Folgezeit (seit 1973) unter der Bezeichnung »Revidierte Erweiterte Standardtheorie« (REST) vollzogene Veränderungen gegenüber der »Erweiterten Standardtheorie« betreffen vor allem

(a)  die genaue Abgrenzung und Definition der einzelnen gramm. Komponenten (vgl. Modularität), insb. die strikte Trennung zwischen Syntax und Semantik (sowie Phonologie, Stilistik, Pragmatik);

(b)  die Verwendung der (in der Phonologie entwickelten) Markiertheitstheorie;

(c)  die Reduzierung der Transformationen auf strukturerhaltende Umstellungstransformationen bzw. auf die Anweisung »Bewege Alpha« (vgl. hierzu unter Transformation, Move-a);

(d)  universell zu formulierende Beschränkungen, die mit psychologisch interpretierbaren Universalien korrespondieren und durch einzelsprachliche Parameter spezifiziert werden;

(e)  die Einführung von »Spuren« als abstrakte (leere) Kategoialknoten der Oberflächenstruktur, die die ehemalige Position umgestellter NP-Konstituenten markieren und ermöglichen, dass

(f)   die semantische Interpretation nur noch über einer einzelnen Ebene, der durch semantische Information aus der Tiefenstruktur angereicherten Oberflächenstruktur (der sogen. S-Struktur, engl surface structure) operieren; vgl. Spurentheorie.

In der sogen. GB-Theorie von Chomsky [1981] erhält der Begriff der Rektion eine zentrale Bedeutung; innerhalb der Kerngrammatik wird eine stärkere Modularisierung der Syntax angestrebt; Phänomene der Einzelsprachen sollen durch geeignete Parametrisierungen erfasst werden.“ [Bußmann, S. 801-803]