TOPIK vs. PRÄDIKATION

Topic vs. comment

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Thetisch vs. Kategorisch / Thema - Rhema / Topic vs. comment / Topos

 

Topik vs. Prädikation:

(1)     Gliederung von Sätzen in Satzgegenstand (>das, worüber etwas ausgesagt wird<) und Satzaussage (>das, was darüber ausgesagt wird<). In diesem Sinne spricht man auch vom „logischen“ bzw. „thematischenSubjekt vs. Prädikat oder Thema vs. Rhema. Eine allgemein akzeptierte Definition des Begriffspaares steht aus. Allerdings gibt es einige heuristische Kriterien, mit deren Hilfe man in vielen Fällen das T. identifizieren kann. So stellt ein Satz, in dem ein bestimmtes Element X Topik ist, eine Antwort auf die Frage What about X? dar. Vgl. den Satz Philip traf Caroline gestern, der als Antwort eher auf die Frage Was ist mit Philip? als auf Was ist mit Caroline? passt. Somit ist Philip als bevorzugtes T. des Satzes und traf Caroline gestern als P. über dieses T. ausgewiesen. Allerdings ist auch die Interpretation von Caroline als T. möglich (wenn auch unnatürlich).

Sgall [1974] schlägt eine Einbettung der zu testenden Konstituente X in eine performative Formel Ich sage dir über X, dass Y  vor. Die aufgrund solcher Tests identifizierte T./P.-Relation ist unabhängig von der Gliederung einer Äußerung nach kommunikativen Gesichtspunkten (Thema vs. Rhema). So kann das T. nicht als alte, bekannte bzw. vorerwähnte Information definiert werden. Als Antwort auf die Frage Wer traf Caroline? ist Philip im obigen Satz T. und zugleich die neue, nicht vorerwähnte Information.

Obwohl T. und P. als semantische bzw. pragmatische Relationen gelten, werden sie durch verschiedene syntaktische Eigenschaften der Sätze gesteuert. Es gibt eine starke Tendenz, das T. eines Satzes als syntaktisches Subjekt auszudrücken. Das gilt besonders für die ideur. Sprachen, die man als „subjekt-prominent“ klassifiziert. Aber auch hier kann man durch bestimmte Konstruktionen ein Nicht-Subjekt als T. kennzeichnen, vgl. die Spaltsatz-Konstruktion Was diesen Mann betriff, dem gebe ich kein Geld und die Linksversetzung Diesem Mann, dem gebe ich kein Geld. In „topic-prominenten“ Sprachen (wie Koreanisch, Japanisch, Tagalog) kann hingegen jedes beliebige Satzglied mittels bestimmter Partikeln oder Affixe als T. gekennzeichnet werden. Ferner gilt die satzinitiale Stellung eines Satzgliedes als T.-Kriterium. Auch die Passivierung verändert die T.-P.-Struktur eines Satzes: Ich half dem Kind vs. Dem Kind wurde von mir geholfen.

Wichtigste semantische Eigenschaft eines T. ist seine referentielle (d.h. spezifische) Interpretation. Insoweit korreliert T./P. mit den semantischen Grundfunktionen der Referenz und Prädikation. In der Äußerung Es kam ein Bus gibt es keine spezifische, referentielle Konstituente, die als T. fungieren könnte, womit dieser Satz als „thetisch“ ausgewiesen ist. Äußerungen mit einer T.-P.-Struktur nennt man demgegenüber „kategorisch“. Die T.-Relation ist für die Beschreibung vieler sprachlicher Regularitäten nicht nur in topikprominenten, sondern auch in subjektprominenten Sprachen relevant.

(2)    Gliederung von Äußerungen nach kommunikativen Gesichtspunkten in bekannte bzw. alte und unbekannte bzw. neue Information. Vgl. Thema vs. Rhema.

Die beiden Verwendungsweisen der Begriffe T./P. werden in der Forschung häufig nicht deutlich genug voneinander unterschieden, woraus häufig terminologische Unklarheiten und Mischdefinitionen resultieren. So findet man in den beiden Bedeutungsvarianten von (1) und (2) statt „Topik“ auch „Thema“ und statt „Prädikation“ auch „Comment“ oder „Fokus“ (in unterschiedlichen Paarungen).“ [Bußmann, H, S. 794-796]