THETA THEORIE

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Bindungstheorie / Kasustheorie

 

Theta-Theorie [Abk.: J-Theorie]

In der GB-Theorie N. Chomskys jene Theoriekomponente der Universalgrammatik, die zwischen den Thematischen Relationen (»Theta-Rollen« genannt) und ihren syntaktischen Realisierungen als bestimmte Argumente eines Prädikates vermittelt. Das sogen. »Thetakriterium« besagt, dass jeder thematischen Rollen genau ein Argument entsprechen muss und umgekehrt, wobei Argumente bestimmte referentielle NPs sind, nicht aber expletive Elemente wie z.B. es in: Es gingen drei Räuber in den Wald. Den J-Kriterium zufolge sind daher ungrammatisch: *Es gingen in den Wald (ein Argument zuwenig) oder *Drei Räuber gingen in den Wald das gestohlene Bier (ein Argument zu viel). Eine präzise Formulierung des J-Kriterums ist erst unter Rückgriff auf den Begriff der Kette möglich.

Von der Unterscheidung verschiedener thematischer Rollen machen verschiedene Theoriebereiche Gebrauch.“ [Bußmann, S. 787-788]

Die Theta-Theorie

In jedem Satz übernehmen die einzelnen Argumente bestimmte semantische Rollen. So hat ein Argument, meist als Subjekt (im Aktiv), die Aufgabe, den Täter oder AGENS einer Handlung darzustellen, ein anderes Argument stellt den PATIENS (der die Handlung erfährt) dar. Die Argumente stehen also in einer bestimmten semantischen Relation zum Prädikat, oder man sagt, sie realisieren eine bestimmte thematischen Rolle oder Theta-Rolle. Welche Rollen vergeben werden und wer welche Rolle übernimmt, hängt vom «Drehbuch» für den Satz ab. Es ist das Verb, das die thematischen Rollen, die im Satz realisiert werden müssen, bestimmt. Deshalb sagt man, das Verb theta-markiert (theta vom griechischen Buchstaben è, für thematisch) seine Argumente. Die Idee der Vergabe von semantischen Rollen geht auf Fillmore (1968) zurück, der AGENS, PATIENS etc. als Tiefenkasus bezeichnet hatte. [...] AGENS, PATIENS, THEMA etc. sind Theta-Rollen.”

[Müller, Natascha / Riemer, Beate: Generative Syntax der romanischen Sprachen. Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch. Tübingen: Stauffenburg Verlag, 1998, S. 32]