TAGMEMISCHE GRAMMATIK

Gramática tagmémica

(Recop.) Justo Fernández López

 

Tagmemische Grammatik

(Tagmemik) / tagmemic grammar (tagmemics) / (grammaire) tagmémique / (gramática) tagmémica

Die Tagmemik ist eine zu Anfang der Fünfzigerjahre von K. L. Pike begründete grammatische Theorie; sie ist benannt nach der als Slot-Filler-Korrrelation konzipierten Einheit des Tagmens. Dieser janusköpfige Begriff wird in der Tagmemik wie folgt definiert:

„The tagmeme unites in a single unit a function (= slot, d. Verf.) in a larger structure and a class of items fulfilling that function (= fillers, d. Verf.); it is defined as the correlation of a grammatical function or slot with a class of mutually substitutable items occurring in that slot.“ (B. Elson, V. Pickett 1964, p. 54)

Sätze werden nun als Sequenzen von Tagmemen analysiert. Die dabei verwendeten formalen Notierungen haben allgemein die Form

A = B:b C:c D:d ... N:n.

P. M. Postal hat gezeigt, dass die tagmemischen Formeln nur notationstechnische Varianten einer finiten Menge kontextfreier Phrasenstrukturregeln darstellen. Insgesamt versucht Postal zu beweisen, dass ‘tagmemics is a subtype of the theory of PSG [phrase structure grammar]“.

[Welte, W.: Moderne Linguistik: Terminologie / Bibliographie, Bd. 1, S. 193-194]

Tagmemik

Wichtige Richtung des Amerikan. Strukturalismus, die sprachliche Regularitäten im Zusammenhang mit soziokulturellem Verhalten zu beschreiben versucht. Die methodische Ausrichtung ist einerseits durch die praktischen Erfordernisse der Bibelübersetzung in zum Teil unerforschte exotische Sprachen geprägt, andererseits stark von L. Bloomfield und dem Konzept der Deskriptiven Linguistik beeinflusst. Als Hauptvertreter gilt K. L. Pike, dessen Werk mit dem programmatischen Titel: Language in relation to a unified theory of the structure of human behavior 1954-1960 erschien. Gemäß seinem Ansatz, eine Art universelle Taxonomie menschlichen Verhaltens zu entwerfen, geht Pike von einer engen systematischen Verflechtung der verschiedenen Beschreibungsebenen aus. Die kleinsten funktionellen Formelelemente aller Ebenen nennt er (in Anlehnung an Bloomfield) Tagmeme und definiert sie als Korrelate von syntagmatischen Funktionen (z.B. Subjekt, Objekt) und paradigmatischen Füllungen (z.B. Nomen, Personalpronomen, Eigennamen als mögliche Einsetzungen für die Subjektposition). Mehrere Tagmemen fügen sich zusammen zu Syntagmemen (»Konstruktionen«). Die Verflechtung der hierarchischen Ebenen (z.B. der Syntax in: Wort, Phrase, Satz, Satzkomplex, Absatz, Diskurs) ergibt sich dadurch, dass die Formelemente eines Tagmems höherer Ebene (z.B. »Satz«) als Syntagmeme der nächst tieferen Ebene (also »Phrase«) analysiert werden. [...] Forschungsschwerpunkte der T. beziehen sich auf semantisch-ethnolinguistische Probleme (z.B. Untersuchungen von Verwandtschaftsbezeichnungen in verschiedenen Sprachen), vor allem aber auf die Einbeziehung nonverbaler, paralinguistischer Aspekte in die Sprachbeschreibung.“ [Bußmann, H., S 769-770]