TABUWORT

Tabú

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Euphemismus

 

Tabu (von polynesisch tapu, »verboten«).

Bezeichnung für Unberührbares in der religiösen Vorstellung des Eingeborenen der pazifischen Inseln. Das Berührungsverbot hängt mit der Vorstellung der Primitiven zusammen, dass bestimmte Dinge und Tiere, Totems, aber auch Menschen über besonders starke Seelenkräfte verfügen. Sie sind mana, d. h. mit magischen Kräften geladen. Daher ist es gefährlich, sie zu berühren. Zu den Personen, die mana‑geladen und damit tabu sind, zählen z. B. Häuptlinge, Medizinmänner, auch Wöchnerinnen, Menstruierende u. a. m. FREUD entdeckte eine Übereinstimmung zwischen den Tabus, speziell den Sexualtabus der Primitiven und den Symptomen der Zwangsneurose. Als Merkmale der Übereinstimmung zählt er folgende auf:

1.   Die Unmotiviertheit der Verbote,

2.  ihre Befestigung durch eine innere Nötigung,

3.  die Verschiebbarkeit und die Ansteckungsgefahr durch das Verbotene und

4.   dass Tabus wie Neurosen der Anlass für die Ausbildung von bestimmten Geboten und zeremoniellen Handlungen sind.

Aus der Gleichsetzung von Tabu mit dem Zwangsverbot des Neurotikers folgerte Freund: «Das Tabu ist ein uraltes Verbot, von außen (von einer Autorität) aufgedrängt und gegen die stärksten Gelüste der Menschen gerichtet. Die Lust, es zu übertreten, besteht in derem Unbewussten fort; die Menschen, die dem Tabu gehorchen, haben eine ambivalente Einstellung gegen das vom Tabu Betroffene. Die dem tabu zugeschriebene Zauberkraft führt sich auf die Fähigkeit zurück, die Menschen in Versuchung zu führen; sie benimmt sich wie eine Ansteckung, weil das Beispiel ansteckend ist und weil das Verbotene Gelüste im Unbewussten auf anderes verschiebt. Die Sühne der Übertretung des Tabu durch einen Verzicht erweist, dass der Befolgung des Tabu ein Verzicht zugrunde liegt.» (Totem und Tabu, S. 42)

Im Gegensatz zu FREUDs pessimistischer Auffassung vom Tabu als eines heimtückischen Mittels, die Menschen einerseits in Versuchung zu führen und andererseits dafür zu bestrafen, sieht JUNG – gestützt auf die Ergebnisse seiner eigenen Forschungsexpeditionen zu primitiven Völkern – das Tabu anders. Für ihn ist das Tabu ein psychisches Schutzinstrument, und die Bewusstseinsentwicklung und den erreichten Stand des Ich-Bewusstseins der einzelnen Individuen abzusichern. «Weil die Persönlichkeit für das Leben der Gemeinschaft so überaus wichtig ist, so wird auch alles, was ihre Entwicklung stören könnte, als Gefahr empfunden», sagt JUNG. «Die größte Gefahr aber ist die vorzeitige Auflösung des Prestige durch einen Einbruch der Kollektivpsyche. Die unbedingte Geheimhaltung ist eines der bekanntesten primitiven Mittel zur Beschwörung dieser Gefahr ... Durch die Verflachung und schließlich Auflösung der herausdifferenzierten und durch magisches Prestige geschützten Persönlichkeit in der Kollektivsprache entsteht ein Seelenverlust beim Einzelnen, weil nämlich eine wichtige Leistung unterlassen oder wieder rückgängig gemacht wurde. Deshalb stehen auf Tabuverletzungen drakonische Strafen, welche der Wichtigkeit der Situation durchaus entsprechen. Solange man die Dinge bloß kausal als historisches Überbleibsel und Metastase aus dem Inzesttabu betrachtet ..., verstehe man keineswegs, wozu all diese Maßnahmen gut sein sollten. Wenn wir aber vom finalen Standpunkt aus das Problem auffassen, dann wird vieles hell, was vorher dunkel war. Für die Entwicklung der Persönlichkeit ist strenge Unterscheidung von Kollektivpsyche unbedingtes Erfordernis, denn jede mangelnde Unterscheidung bewirkt ein sofortiges Zerfließen des Individuums im Kollektiven» (Bez. zw. Ich u. Unbew., S. 31)”

[Doucet, Friedrich: Psychoanalytische Begriffe. Vergleichende Darstellung Freud-Adler-Jung. München: Heyne, 1972, S. 163-164]

Tabu umfasst die Wortverbote (die Verschweigung des Gottesnamens bei den Juden, daher die schwankende Transkription Jehova/Jachwe, die Totem- und Schutznamen, die Ausdrucksskrupel der Précieuses im Frankreich des XVII Jh., die Euphemismen und Sprachprüdereien. Alle diese Phänomene beruhen auf dem Glauben an die magische Kraft des Wortes. In säkularisierter Sprache kommt diese am meisten noch in der Dichtung zum Ausdruck.“ [Heupel, C., S. 239]

Tabuwort

Wort, dem auf Grund magischer Vorstellungen Beschwörungskraft zugesprochen wird, dessen Referent etwas den Menschen Bedrohendes darstellt; Tabuwort soll deshalb nicht ausgesprochen, die gefährliche Erscheinung nicht durch Namennennung «berufen» werden; Tabuwort wird vermieden oder durch Hüllwort ersetzt; z.B. Teufel, stattdessen: der Leibhaftige, Böse, Gottseibeiuns u. a.“

[Ulrich, Winfried, Linguistische Grundbegriffe, S. 118]

"Tabú

A. Tabu, Verbot; I. Taboo; F. Tabou, Mot interdit.

Voz polinesia que, en Lingüística, se utiliza para designar cualquier palabra que, por motivos religiosos, supersticiosos o de índole social, es evitada, por el hablante, el cual debe aludir al concepto mediante un metáfora, una perífrasis (en este sentido, son tabúes muchos eufemismos) o una deformación del vocablo propio. En este último caso, la palabra resultante es llamada por los lingüistas franceses mot taboué, ‘palabra «tabuizada»’, la cual aparece frecuentemente en juramentos y exclamaciones: ¡mecachis!, ¡joroba! Vid. Eufemismo, Atracción afectiva."

[Lázaro Carreter, F., Diccionario de términos filológicos, p. 387]

Perífrasis

Rodeo que se emplea para expresar un concepto único. Puede ser de varios tipos:

A)    Perífrasis gramatical, que procede de la falta de una voz única para expresar un concepto único. Las más importantes, dentro de este tipo, son las perífrasis verbales o conjugaciones perifrásticas, en las que se unen un verbo auxiliar y el infinitivo, el gerundio o el participio del verbo auxiliado. Con ellas se logran precisiones de tiempo, modo y aspecto inexpresables con los recursos de la conjugación no perifrástica: acaba de llegar, anda preocupándose de todo, tengo que irme, se echó a llorar. El verbo auxiliar suele estar total o parcialmente gramaticalizado.

B)    Perífrasis tabú. Sirve para aludir a personas o cosas que no deben ser designadas por su nombre (vid. Tabú).

C)    Perífrasis literaria, que se practica para evitar la palabra (elisión) con fines eufemísticos, embellecedores, o simplemente como alarde de ingenio. Por ejemplo, Calderón llama al cielo, perifrástica y metafóricamente, mentira azul de las gentes. Un tipo especial de perífrasis literaria es la alusión, usada abundantemente por Góngora, mediante la cual se «pone en contacto una noción real con un sistema fijo de referencias ...; lo normal es que una palabra como álamo se vea siempre acompañada por una misma alusión mitológica (los álamos, plantas en que fueron convertidas las hermanas de Faetón» (Dámaso Alonso).”

[Lázaro Carreter, F., Diccionario de términos filológicos, p. 319]