SYNCHRONIE vs. DIACHRONIE

Sincrónico vs. Diacrónico

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Diachronisch / Langue, Parole. System, Norm, Rede / Synchronie, Diachronie. System, Norm / Wiederholte Rede / Grammatikalisierung [Kritik von Marcial Morera]  

 

Synchronie vs. Diachronie

Neben der Unterscheidung von Langue vs. Parole methodisch wichtigste Unterscheidung F. de Saussures für die Auffassung und Untersuchung von Sprache als geschlossenem Zeichensystem. Nur auf der Achse der Gleichzeitigkeit lässt sich Sprache als System von Werten beschreiben, in dem der Wert des einzelnen Elements sich aus dem relationalen Kontext aller Werte ergibt. Synchronie bezieht sich auf einen zeitlich fixierten Zustand. Diachronie dagegen auf Veränderung eines Sprachzustandes in unterschiedlichen Zeitintervallen.

Die Abwertung historischer Sprachbetrachtung, die als Gegenreaktion auf die vorausgegangene Historisch-Vergleichende Sprachwissenschaft der Junggrammatiker zu verstehen ist, hat ihrerseits Kritik hervorgerufen, vgl. u.a. W. v. Wartburg, A. Martinet, E. Coseriu; entsprechend gibt es eine lebendige diachronische (historische) Sprachwiss. strukturalistischer Prägung. Gegen die Unterscheidung Synchronie vs. Diachronie als Realunterscheidung überhaupt wendet sich z.B. Coseriu sowie die unter dem Einfluss W. Labovs stehende (poststrukturalistische) Sprachgeschichtsforschung.“ [Bußmann, H., S. 760-761]

„Wenn wir die „Rede“, d. h. das Funktionieren der Sprache im Sprechen erklären wollen, warum man nämlich so oder so sagt, müssen wir die Einzelsprache in dem entsprechenden Augenblick untersuchen; wenn wir die Sprache erklären wollen, warum die Sprache so oder so gebildet ist, müssen wir ihre Geschichte untersuchen. Das bedeutet gerade, dass man das Funktionieren der Sprache auf dem synchronischen Gebiet erklären muss.“

[Coseriu, E.: Das romanische Verbalsystem. Tübingen: Gunter Narr, 1976, S. 24]

„Für Coseriu sind die Begriffe »Sprache« und »Veränderung« nicht trennbar, da ja das Wesen der Sprache enérgeia ist. Wir werden im Folgenden zu zeigen versuchen, dass diese Auffassung auf einem Denkfehler beruht. Zuvor aber wollen wir betonen, dass sie dennoch etwas Wahres enthält, zumal wenn man sie zunächst nur als eine Berichtigung eines Saussureschen Fehlers betrachtet.

Es ist nämlich sehr leicht einzusehen, dass der Saussuresche »Sprachzustand« nichts anderes ist als eine Epoche in der Entwicklung einer Sprache, während welcher die Veränderungen im Vergleich zu den Erhaltungen relativ gering sind. Saussure selbst war ja bereit, eine solche Epoche über hundert Jahre auszudehnen. Ein »Sprachzustand« innerhalb eines solchen Zeitraumes ist aber natürlich nichts, das aus dem historischen Zusammenhang herausfällt oder ihm gar methodologisch entgegengesetzt werden könnte. Diesen Gegensatz konnte Saussure sozusagen nur erschleichen, indem er den Sprachzustand unberechtigterweise unter dem Decknamen »synchronisch« gleichsetzte mit »Funktionszusammenhang«. In der Tat ist ja dieser a-historisch und das Wort »chronos« ganz unangebracht zu seiner Charakterisierung. Dass der Terminus »synchronisch geschaffen wurde, kann man nur aus dem antithetischen Denken Saussures erklären, der einem dialektischen Gegensatz zuliebe (»diachronisch« – »synchronisch«) ein methodologisches Zwitterwesen schuf, das zugleich ‚historischer’ Sprachzustand und ‚a-historischer’ Funktionszusammenhang sein wollte. Nur der letztere lässt sich von der historischen (besser vielleicht: »etymologischen«) Betrachtungsweise trennen. Zwischen Sprachzustand und Sprachentwicklung hingegen besteht kein wesentlicher Gegensatz.

Es ist schon so, dass die von uns untersuchten traditionell gebundenen Sprachen sich immer verändern. Soweit Coseriu dies betont, ist alles richtig. Nun aber kommen wir zu einem falschen Schluss in seinem Denken: Aus der Tatsache, dass eine Traditionssprache sich notwendigerweise verändert, folgt nicht, dass »Veränderlichkeit« ein Wesensmerkmal der »Sprache an sich« ist. Ich habe den Verdacht, dass der Verf. »wirklich« und »wesentlich« verwechselt. Dieser Verdacht wird dadurch verstärkt, dass er der wirklichen Sprache (lengua concreta) eine Scheinsprache (lengua abstracta) gegenüberstellt. Angeblich offenbart die erstere den Wesenszug des Sprachlichen, nämlich Veränderung, die andere hingegen schafft die Illusion der Unveränderlichkeit (S. 10).

Ist dadurch nun die Veränderlichkeit als Wesensmerkmal der Sprache erwiesen? Ich vermag das nicht zu glauben. Im Gegenteil, man kann mit guten Gründen den Spieß auch umdrehen, indem man sagt, die lengua bastracta ist eine sachgemäße Abstraktion, die alle »wesentlichen« Aspekte des Gegenstandes bewahrt und nur die akzidentellen ausblendet; nicht alles was »wirklich« ist ist auch »wesentlich«. So kommt man also zu dem Schluss, dass die Wesensmerkmale des Sprachlichen besser in der lengua abstracta zu erkennen sind als in der lengua concreta.

Tatsächlich lässt sich ja denn auch zeigen, dass sich die Begriffe »Sprache« und enérgeia sehr wohl trennen lassen. – Ich kann mir sehr gut eine Kunstsprache vorstellen, die in erster Linie nicht historisch, sondern technologisch studiert werden kann. Ja, eine solche Kunstsprache mag selbst gewisse Mechanismen eingebaut haben, die eine Anpassung an zukünftige Ausdrucksprobleme vorsehen, die also ein nach der Zukunft hin »offenes« System vorstellen. Die Naturwissenschaftler haben ja auf anderen Gebieten derartige »kluge« Maschinen schon konstruiert. Eine solche Kunstsprache wäre ganz ohne Zweifel ein érgon, nicht eine enérgeia. Sie wäre vor allem unzweifelhaft »wesentlich« Sprache, obgleich sie das Akzidenz der traditionsgebundenen Freiheit und daher Veränderlichkeit nicht einschließt.

Es scheint uns sicher zu sein, dass Coserius Lösung der Saussureschen Aporie in Wahrheit eine Scheinlösung ist. Auf dem Gebiet der Sprachtheorie ist nicht unbedenklich, zwischen Sprachwirklichkeit und Sprachmethode einen Gegensatz zu konstruieren. Jedenfalls ist ein solcher Gegensatz unfruchtbar für die Auflösung des Saussureschen Dilemmas. Er ist zu ersetzen durch den anderen »Funktionelle« und »Etymologische Methode«. Man sollte die Frage »Warum verändern sich die Sprachen?« durch die Frage »Was ist der Erklärungswert der etymologischen Methode?«. – Coseriu zeigt öfter seine Bewunderung für Kant. Er hätte von dem Königsberger Philosophien lernen können, dass es ein Denkfortschritt ist, die Frage »Was ist ein Ding an sich?« zu ersetzen durch die Frage »Warum erkennen wir ein Ding notwendigerweise in gewissen Formen?«

[Sandmann, M.: „Eugenio Coseriu: Sincronía, Diacronía e Historia. El Problema del cambio lingüístico. Montevideo: Universidad de la República, 1958.“ In: Zeitschrift für Romanische Philologie (Tübingen: Niemeyer), Bd. 76, 1960, S. 138-141]

„Tanto el sentido predicativo como el sentido perifrástico de un verbo son meras variantes del uso de su valor fundamental. El planteamiento historicista decimonónico que acabamos de comentar llega incluso a suponer que las variantes intermedias son fases de transición en que todavía la lengua no ha llegado a su estado ideal. Se ignora así que, en todas las etapas de su existencia, el idioma presenta una situación perfecta.“

[Morera, Marcial: Diccionario crítico de las perífrasis verbales del español. Pt°. del Rosario, 1991, p. 44]

“La distinción entre ‘sincrónico’ y ‘diacrónico’ propuesta por Ferdinand de Saussure (Cours, partes 2 y 3) tiene, al parecer, antecedentes en Comte, Brentano y Wilhelm von Humboldt, entre otros. En un sentido muy amplio, tal distinción puede ejemplificarse en dos «sistmas» filosóficos: los de Descartes y Vico respectivamente.”

[Ferrater Mora, José: Indagaciones sobre el lenguaje. Madrid: Alianza Editorial 1970, p. 215 n. 18]