STRUKTURALISMUS

Estructuralismo

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Zeichen (Beitrag von Lamiquiz, Vidal) / Saussure

 

„Während der Strukturalismus das Ziel hatte, durch Analysieren von parole-Äußerungen das langue-System zu entdecken, ist es das Anliegen eines generativen Sprachmodells, die Kompetenz des Sprechers/Hörers nachzubilden. Der Strukturalismus suchte eine unendliche Menge vorliegender Sätze zu beschreiben, die gTG, eine unbegrenzte Menge von Sätzen zu erzeugen.

[Pelz, Heidrun: Linguistik. Eine Einführung. Hamburg: Hoffmann und Campe, 21996, S. 170]

Strukturalismus [Auch: Strukturale / Strukturalistische / Strukturelle Sprachwissenschaft].

Wissenschaftsgeschichtliche Sammelbezeichnung für verschiedene, sich auf F. de Saussure berufende, im einzelnen aber stark voneinander abweichende sprachwiss. Richtungen in der ersten Hälfte des 20. Jh. Je nach theoretischem Vorverständnis wird der Begriff S. in unterschiedlicher Weise verwendet: im engeren Sinne bezieht er sich auf die Phase der Sprachwiss. vor Chomskys »Syntactic structures«, im weiteren Sinne wird er – z. B. in Bierwisch [1966] und Motsch [1974] – auf alle Sprachtheorien angewendet, die sich auf eine »isolierte Untersuchung des Sprachsystems« beziehen; in diesem weiteren Verständnis von S. ist die generative Transformationsgrammatik inbegriffen. Als wichtigste Zentren des »klassischen« Strukturalismus gelten die sich vor allem mit der Rezeption von de Saussure beschäftigende Genfer Schule, der Amerikanische Strukturalismus Bloomfieldscher Prägung sowie der Distributionalismus, der Kopenhagener Linguistenkreis mit Hjelmslevs Glossematik, die Londoner Schule (auch: Kontextualismus) und die vor allem von Trubetzkoy und Jakobson repräsentierte Prager Schule. Allen strukturalistischen Varianten gemeinsam sind gewisse wissenschaftstheoretische Prämissen, die einerseits mit dem Einfluss des logischen Empirismus (Vgl. Carnap) zusammenhängen (der davon ausgeht, dass alle wiss. Aussagen als Strukturaussagen formulierbar seien), zum anderen aus der gemeinsamen Reaktion gegen den von den Junggrammatikern im 19. Jh. vertretenen (positivistischen) Atomismus sprachwiss. Betrachtung resultieren.

Wenngleich F. de Saussure den »Struktur«-Begriff in seinem posthum (auf Grund von Vorlesungsmitschriften aus den Jahren 1906-1911) veröffentlichten »Cours de Linguistique Générale« [1916] noch nicht verwendet, sondern stattdessen von système und mèchanisme spricht, gilt er dennoch als der »Ahnherr« und Wegbereiter des S. und sein »Cours« als Zusammenfassung von Grundprinzipien strukturalistischer Sprachbeschreibung. De Saussure geht davon aus, dass Sprache ein präzis erfassbares relationales System von formalen (nicht substantiellen) Elementen ist. Die Erforschung ihrer internen Beziehungen versteht er als die zentrale Aufgabe einer Sprachwiss., die (frei von Rückgriffen auf psychologische oder geisteswiss. Erklärungshilfen) sich als eine autonome Wissenschaft versteht.

Folgende Grundannahmen de Saussures gelten als konstitutiv für strukturalistische Sprachanalysen:

a) »Sprache« kann unter drei verschiedenen Aspekten betrachtet werden, als Langue (= im Gehirn aller Sprecher einer bestimmten Sprache gespeichertes System), als Parole (= aktuelle Sprechtätigkeit in konkreten Situationen) und als faculté de langage (= generelle Fähigkeit zum Erwerb und Gebrauch von Sprache), wobei Langue und Parole sich gegenseitig bedingen. Untersuchungsgegenstand der Sprachwiss. ist die Langue, die aber ihrerseits nur über eine Analyse der Äußerungen der Parole beschrieben werden kann.

b) Sprache im Sinn von Langue wird als ein System von Zeichen aufgefasst. Jedes Zeichen besteht aus der Zuordnung von zwei (sich gegenseitig bedingenden) Aspekten, dem konkret materiellen Zeichenkörper (z.B. seine akustische Lautgestalt) sowie einem begrifflichen Konzept. (Vgl. hierzu Bezeichnendes vs. Bezeichnetes.) Die Zuordnung dieser beiden Aspekte zueinander ist »willkürlich« (frz. arbitraire), d.h. sie ist sprachspezifisch verschieden und beruht auf Konvention.

c)  Diese sprachlichen Zeichen bilden ein System von Werten, die zueinander in Opposition stehen. Jedes Zeichen ist definiert durch seine Beziehung zu allen anderen Zeichen desselben Systems. Durch dieses Prinzip des »Kontrast« ist das grundlegende strukturalistische Konzept des »distinktiven Prinzips« charakterisiert.

d) Diese Element-Relationen lassen sich auf zwei Ebenen analysieren; einmal auf der syntagmatischen, d.h. linearen Ebene des Miteinandervorkommens, zum anderen auf der paradigmatischen Ebene der Austauschbarkeit von Elementen in bestimmter Position. Vgl. Paradigmatische vs. Syntagmatische Beziehung.

e) Da Sprache als Zeichensystem aufgefasst wird, muss ihre Analyse unter streng synchronischem Aspekt, d.h. als Beschreibung eines zu einem bestimmten Zeitpunkt bestehenden Zustandes betrieben werden. Vgl. hierzu Synchronie vs. Diachronie.

f)  Sprachanalyse beruht auf einem repräsentativen Corpus, dessen Regularitäten durch die beiden Analyseschritte der Segmentierung und Klassifizierung bestimmt werden, wobei die Segmentierung der syntagmatische, die Klassifizierung der paradigmatischen Ebene zuzuordnen ist. Vgl. hierzu auch Distribution.

Zentrale Untersuchungsebene des S. war zunächst, vor allem in der Prager Schule, die Phonologie, an deren überschaubarem Inventar von Elementen und Kombinationsmöglichkeiten strukturalistische Analysemethoden erprobt und differenziert wurden. Die Übertragung der an der Phonologie (und Morphologie) entwickelten Methoden auf syntaktische Analysen führte zu Phrasenstrukturgrammatiken, während in der Semantik die Grenzen dieser Verfahren am deutlichsten wurden, wie sich im Zusammenhang mit Komponentenanalysen bzw. der Wortfeld-Diskussion nachweisen lässt.

Während S. im engeren Sinne sich auf die von de Saussure System-Gedanken ausgehenden sprachwiss. Richtungen bezieht, verwendet man S. im weiteren Sinne als Gesamtbezeichnung für anthropologische, ethnologische, geisteswiss., literatur-theoretische und psychologische Forschungen, die in Analogie zum S. der Sprachwiss. – anstatt genetisch von historischen Voraussetzungen auszugehen, sich auf synchronische Zustandsanalysen konzentrierten, um den Nachweis universeller, unter der Oberflächen sozialer Beziehungen wirksamer Strukturen zu führen, vgl. hierzu vor allem R. Barthes, C. Lévi-Strauss.“ [Bußmann, H., S. 743-745]

Der europäische Strukturalismus stammt im Grunde von F. de Saussure, Cours de linguistique générale, Lausanne 1916, obwohl viele andere Gelehrte fast  gleichzeitig und manchmal auch früher strukturelle und funktionelle  Prinzipien formuliert haben, wie z.B. G. von der Gabelentz, A. Marty, J.  Haas in der deutschsprachigen Welt; A. Noreen und O. Jespersen in  skandinavien, J. Baudouin de Courtenay, L. Scerba in Russland usw. Man hat  gerade bei F. de Saussure die Ideen des Sprachsystems, des sprachlichen  Wertes und der funktionellen Opposition klar formulier gefunden und diese  Ideen als Grundlagen für die weitere Entwicklung der Methodik der  Sprachanalyse übernommen. Das ist erst mit der Entstehung der Phonologie  oder der funktionellen Phonetik geschehen.

Als Geburtsakt der Phonologie betrachtet man das sog. "phonologische  Manifest", ein Bericht, der von N. S. Trubetzkoy, Roman Jakobson und S.  Karcevskij auf dem ersten internationalen Linguistenkongress in Den Haag  1928 vorgetragen wurde. Gleichzeitig erschien in Kopenhagen das Buch von L.  Hejelmslev, Principes de grammaire générale (1928), in welchem zum Teil  ähnliche Ideen auf dem Gebiet der Grammatik vertreten wurden.

Die ersten wirklichen Anwendungen der neuen Prinzipien auf das Gebiet der Grammatik erschienen aber einige Zeit später. Als erste methodologisch  klar formulierte Arbeit gilt in dieser Hinsicht R. Jakobson, Beitrag zur  allgemeinen Kasuslehre, TCLP VI, Prag 1936. Als weitere wichtige Schritte  in derselben Richtung, wenn auch nicht ohne theoretische und praktische  Abweichungen, kann man erwähnen L. Hjelmslev, Omkring sprogteoriens  grundlaeggelse, Kopenhagen 1943; A. W. de Groot, Structurele Syntaxis, Den  Haag 1949; M. Sánchez Ruipérez, Estructura del sistema de aspectos z  tiempos del verbo griego antiguo, Salamanca 1954.

Der nordamerikanische Strukturalismus geht zurück auf E. Sapir, Langue, New  York 1921 und vor allem auf L. Bloomfield, Language, New York 1933. 

Grundprinzipien:

Es handelt sich um

a) das Prinzip der Funktionalität 

b) das Prinzip der Opposition 

c) das Prinzip des Systems 

d) das Prinzip der Neutralisation 

Eine strukturelle sprachliche Einheit existiert in einer Sprache nur wenn  sie funktionell ist, d.h. auf dem Gebiet der Phonetik, nur, wenn sie  Bedeutungen unterscheiden kann. Die materiellen Variationen werden folglich  von der Funktion her in Einheiten organisiert.

Resümierend können wir sagen, dass das Wesentliche für die Sprachanalyse  die gegenseitige Abhängigkeit zwischen Form und Funktion, Ausdruck und  Inhalt ist: man hat auf einer Ebene eine Einheit, wenn man auch auf der  anderen ebene eine Einheit hat. Wenn die Ersetzung einer Form durch eine  andere eine Veränderung auch auf der Ebene des Inhalts einschließt,  handelt es sich um formelle Einheiten. Wenn die Ersetzung einer Bedeutung  durch eine andere eine Veränderung auch auf der Ebene der Form  einschließt, handelt es sich um inhaltliche Einheiten. Sonst handelt es  sich um "Varianten" auf der Ebene der Form, um "Variationen" auf der Ebene  des Inhalts. Die Ersetzung von Formen oder von Bedeutungen ist gerade die  grundlegende methodologische Probe der strukturellen Linguistik und heißt  Kommutation.

Das Prinzip der Opposition: Die funktionelle Einheiten existieren, weil  sie "oppositiv" sind: sie sind durch gewisse Merkmale gekennzeichnet, die  nicht fehlen können und die sie von jeder anderen Einheit in derselben  Sprache trennen.

Das Prinzip des Systems: Durch die funktionellen Oppositionen werden die  Einheiten in Systeme organisiert: sie stellen nicht bloße Reihe dar,  sondern eine systematische Gestaltung. Normalerweise organisiert eine  geringe Zahl von Merkmalen das ganze System.

Das Prinzip der Neutralisation: Die Oppositionen funktionieren nicht  immer: in gewissen Umgebungen können sie aufgehoben ("neutralisiert")  werden.“

[Coseriu, Eugenio: Das romanische Verbalsystem. Tübingen: G. Narr, 1976, S.  37-39, 52 und 54]

«Estructuralismo. Dirección de la lingüística que concibe el lenguaje como un conjunto de elementos solidarios que constituyen entre sí una estructura. El movimiento estructuralista arranca de F. de Saussure (1916), y ha dado lugar a tres importantes escuelas en Europa: la de Ginebra (Ch. Bally, A. Sechehaye, H. Frey), la fonológica de Praga (R. Jakobson, Trubetzkoy, Trnka), y París (Martinet), y la estructuralista propiamente dicha, de Copenhague (Hjelmslev, fundador de la Glosemática, Uldall, Bröndal, Togeby, Holt, etc.). En América, el estructuralismo se ha desarrollado grandemente por obra de Bloomfield, Sapir, Bloch, Hall, Harris, Kahane, Pike, Trager, etc. Con la concepción estructuralista, la Lingüística se incorpora a un movimiento que ha irrumpido en todas las ciencias, y que arranca de la llamada Gestaltpsychologie, ’psicología de la estructura’, surgido en los primeros años del siglo como reacción contra el asociacionismo.»

[Lázaro Carreter, F.: Diccionario de términos filológicos, p 175]

„En otro orden de cosas, no es totalmente cierto que la corriente formalista (estructuralista) prescinda aquí [tema: la pasiva] del significado. Ni lo hace en este tema, ni en ningún otro. El estructuralismo lo que niega es la predominancia del contenido sobre la forma.  Gramaticalmente sólo son interesantes aquellos que se conforman, o si se prefiere, que se manifiestan a través de un significado específico. De hecho Alarcos no niega la existencia de contenidos pasivos, sino el hecho de que a estos les corresponda una forma de expresión. Por tanto, es la solidaridad entre una forma de expresión y una forma de contenido lo que le puede dar validez a la pasiva. Lógicamente la única forma de averiguar esa relación es a través del análisis de la expresión, nunca del contenido.

Si se descubre que aquella no es específica de un contenido determinado, como sucede en castellano, debe rechazarse lingüísticamente.“ 

[Iglesias Bango, M.: La voz en la gramática española. Univ. de León, 1991, p. 212 s.]

„La gramática de dependencias o de valencias es un modelo muy utilizado en el estructuralismo europeo actual y, sin embargo, muy difícilmente puede ser considerada como variante del estructuralismo, si bien muchos de los estructuralistas europeos actuales se inserten dentro de una concepción dependencial de las estructuras sintagmática. En efecto, si tomamos como principio estructural básico la distinción entre lengua y habla, y la utilización del principio de la oposición de las unidades lingüísticas, pronto podremos observar que tanto en la teoría valencial de L. Tesnière como en las nuevas teorías de dependencias, no se ve claro, desde mi punto de vista, si se formalizan unidades de lengua o unidades de habla (expresiones de textos concretos). Por otra parte, el principio de la oposición de las unidades lingüísticas en niveles diferenciados no aparece. Tampoco la determinación clara de los tipos de relaciones paradigmáticas y sintagmáticas que, como es sabido, al menos desde F. de Saussure, constituyen la base de lo que se ha denominado el estructuralismo europeo (predominantemente paradigmático) y el estructuralismo norteamericano (predominantemente sintagmático).

Por otra parte, desde nuestro punto de vista, no es convincente la argumentación de L. Tesnière sobre las docotomías lengua/habla saussureanas y érgon/enérgeia de W. von Humboldt. En efecto, el autor francés nos habla de «parole» como de actividad y de «langue» como resultado de esta actividad que aparece bajo una forma tangible e inmutable que se impone a una colectividad dada, identificando, además, la lengua y el habla con el érgon y la enérgeia humboldtianos.“    

[Báez San José, V.: Fundamentos críticos de la Gramática de Dependencias. Madrid: Síntesis, 1988, p. 11-12]