STILISTIK

Estilística

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Logik / Rhetorik / Topik / Dialektik / Textlinguistik / Poetik / Verslehre

 

Stilistik

  1. Theorie des literarischen Stils,
  2. Analyse und Beschreibung gleichzeitig oder nacheinander auftretender Stile (deskriptive bzw. historisch-deskriptive Stile),
  3. Anleitung zu einem vorbildlichen (Schreib-)Stil (normative Stilistik).

Die Stilistik ist Nachfolgerin der Rhetorik, die schon früh eine literarische Theorie entwickelte, die mit gewissen Modifikationen bis ins 18. Jh. Bestand hatte: Mit der Entwicklung des Geniekults und der Individualisierung des Werkbegriffs bricht das System der Rhetorik mit seinen festen Gattungsbegriffen und normativen Stilprinzipien zusammen. Die neu sich bildende Stilistik wählt als zentrale Kategorie den »Ausdruck«; sie bezieht sich genet. auf die Natur des Autors und auf überindividuelle Faktoren, wie Nation, Gruppe, Gesellschaft, Zeit. Sind Positivismus und geistesgeschichtl. Schule in dieser Hinsicht verwandt, so stellt jedoch die Geistesgeschichte dem Kausalismus und Atomismus des Positivismus den Erlebnisbegriff und die ganzheitl.-organische Deutung des Kunstwerks gegenüber.

Auf diesem Boden entsteht die historisch-deskriptive genet. Stilistik, die über die Individualstile zu Synthesen als National- und Epochenstile strebt, wobei der Stilbegriff häufig als Form und Inhalt übergreifendes Korrelat eines individuellen oder überindividuellen geistigen Typus verstanden wird.

Andererseits wird der Begriff des Organischen selbst problematisiert: der Nachweis der Einheit von Form und Gehalt verdrängt den genet. Aspekt: der Stil wird gleichrangiger, wenn nicht privilegierter Ausgangspunkt der werkimmanenten Interpretation. Ähnliche Ziele, aber unter Verzicht auf den Intuitionismus dieser Richtung, verfolgt die auf dem Schichtenmodell des Kunstwerks basierende funktionale Stilistik.

Demgegenüber steht einerseits eine Neubegründung des genet. Ansatzes in der soziologischen Methode, die Stil und Inhalt, Stil und äußere Wirklichkeit dialektisch zu vermitteln sucht; andererseits eine Renaissance des rhetorischen Ansatzes in der linguistisch orientierten Stilistik, die, vom Strukturalismus ausgehend, stilistische Elemente als Konstanten innerhalb der Architektur des Sprachsystems bestimmt, in ihrer genet. Richtung Stilmerkmale als Abweichung von einer qualitativen oder quantitativen Norm objektiv zu erfassen sucht, und schließlich der lange vernachlässigten Dimension der Wirkungsforschung neue Anstöße gibt.

Die normative Stilistik spielt auf Grund der histor. Bedingungen bei der Entstehung und Entwicklung der Stilistik stets nur eine marginale, zumeist auf Zweckprosa eingeschränkte Rolle. Ansätze liegen vor in den Typologien der stilistischen Möglichkeiten einer Sprache, in der Beschreibung der Stilebenen, sowie in der vergleichenden Stilistik.“ [Metzler Literaturlex., S. 444-445]