STADIUM

Estadio

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Verbkategorien / Aspekt / Aktionsart / Tempus / Zeit         

 

„Unter „Stadium“ verstehen wir die Unterscheidung zwischen Abgeschlossenheit und Nicht-Abgeschlossenheit des durch das Verb bezeichneten Vorgangs oder Zustands und zwar zu dem Zeitpunkt, von dem her Vorgang oder Zustand gesehen werden; zur Abgeschlossenheit kommt die Vorstellung fortdauernder Einwirkung hinzu: ha cantado einerseits gegen cantaba andererseits im ‘indicativo’; haya cantado gegen cantara (cantase) im ‘subjuntivo’. Es wird hier also entweder insistiert auf der Abgeschlossenheit (von einem bestimmten Zeitpunkt aus gesehen), oder dieser Gesichtspunkt spielt keine Rolle (No creo que haya venido und No creía que hubiera (hubiese) venido gegen No creía que viniera (viniese); das Plusquamperfekt ist aber hier dem zusammengesetzten Perfekt nicht ganz analog. Wir haben somit ‘subjuntivo’, was „Zeit“ und „Stadium“ angeht, eine zum Indikativ analoge Situation.“ [Cartagena / Gauger, Bd. 2, S. 488-489]

„Die Kategorie „Stadium“ bezieht sich auf die Opposition zwischen ‘pretérito perfecto’ und der Form  tener  +  participio einerseits, ‘pretérito imperfecto’ andererseits:

Die Kategorie „Stadium“ ist in der Grammatik noch nicht sehr geläufig. Reid (1955:23-28) gebraucht für sie den englisch entsprechenden Terminus „stage“; Christmann gebraucht „Stadium“; auch Eberenz nimmt den Begriff und Terminus „Stadium“ auf. In der Tat ist es sehr wichtig, zwischen Aspekt zund Stadium klar zu unterscheiden.

Beim Aspekt geht es um perfektive (vorganghafte) und imperfektive (zustandhafte) Sicht.

Beim Stadium geht es um eine Unterscheidung anderer Art: darum, ob das durch das Verb Gemeinte als zu einem bestimmten Zeitpunkt abgeschlossen herausgestellt wird oder nicht und ob es als einwirkend auf die ins Auge gefasste Situation gesehen wird oder nicht. Also An- oder Abwesenheit der Betonung von Abgeschlossenheit und Einwirkung. Die Abgeschlossenheit, um die es beim Stadium geht, ist somit sehr spezifischer Art: etwas ist abgeschlossen, aber so, dass es eigentlich nicht abgeschlossen ist, dass vielmehr, als Resultat des Abgeschlossenen, etwas vorliegt, das die Situation jetzt prägt. Abgeschlossen - von der Gegenwart her gesehen - ist ja auch das durch das ‘preterito perfecto simple’ und ‘pretérito imperfecto’ Gemeinte:

Entonces me dijo ...

Entonces era él muy viejo ya y ya no podía viajar como antes.

Es geht beim Stadium um ergebnishafte, resultative Abgeschlossenheit, nicht um Abgeschlossenheit schlechthin. Das resultative Element ist ungleich wichtiger als das der Abgeschlossenheit, das nicht selten als einziges genannt wird. Eberenz sucht, Stadium durch die Ausdrücke „perfektiv“ und „nicht-perfektiv“ zu fassen, die für die Kategorie des Aspekts weit besser passen als für die des Stadiums und in der Tat zumeist (und auch von uns) für diese Kategorie verwendet werden; treffend ist dagegen die Formulierung der Real Academia Española, die freilich den Begriff „Stadium“ nicht verwendet, zum pretérito perfecto: „Significa en la lengua moderna la acción pasada y perfecta que guarda relación con el presente“.

Was den Gebrauch des ‘pretérito perfecto’ angeht, unterscheiden sich gesprochene und geschriebene (und selbst die literarische) Sprache kaum. Bevorzug jedoch in einem großen Teil von Hispanoamerika von canté gegenüber he cantado; dasselbe gilt für Galicien und Asturien; in Madrid wird umgekehrt oft das ‘pretérito perfecto’ bevorzugt.

Einige Beispiele sollen die Opposition verdeutlichen:

¡Hemos vivido tan tranquilos todos estos años!... - dijo, como síntesis de sus impresiones en aquel momento.

Hier ist gerade gemeint, dass dies ruhige Leben jetzt aufgehört hat, aber so, dass das, was war, das Jetzt bestimmt; was das ‘pretérito perfecto’ meint, wird hier beinahe expliziert („síntesis de sus impresiones“). Oder:

... hemos gozado de la inverse potencia, la de alucinarnos, la de imaginar que somos ya lo que ni hemos sido ni somos.

Also, dass wir uns dieser Fähigkeit „erfreut haben“, bestimmt uns jetzt in dem, was wir sind; dass andererseits das ‘pretérito perfecto’ nicht einfach Gegenwart meint, zeigt die syntagmatische Gegenüberstellung hemos sido - somos.  Oder:

Ha sido una pesadez, en vaguedad, en tópicos y en falta de sentido del humor. Hace mucho tiempo que no me aburría tanto.

      (Manuel Fraga Iribarne zur Presse, unmittelbar nach einer Rede von Felipe González in den „Cortes“).

Also Nachwirkung: ich bin jetzt bestimmt durch das, was nun vorbei ist; das aburría gehört zum - imperfektiven - Aspekt.

Fíjate que aquí han venido personas que se conocían vagamente o eran enemigos, y después de charlar durante horas se han hecho amigüísimos, incluso se han casado.

Han venido ist lebendiger, stärker resultativ bezogen auf das, was ist, als es vinieron wäre; klar ist das resultative Moment in se han hecho amigüísimos und se han casado.  Oder:

Y ahí está su hermano Nicolás, que creyeron todos que se moría y se ha recuperado.

Se ha recuperado streicht heraus - gegenüber einem möglichen se recuperó - „und lebt immer noch“, „das ist jetzt die Lage“.

He sido fumador y creo que es noecesario ...

Der Schreiber meint „ich bin jetzt Nichtraucher“, aber dass er Raucher war, wird als einwirkend gesehen, konkret etwa im Sinne eines „daher gilt, was ich sage“.

¡Lo he dicho sin cesar, desde que el Señor dispuso que surgiera el Opus Dei!

„Ich habe es immer wieder gesagt“, das heißt gleichsam: Ich bin der, der, gewissermaßen dies immer wieder gesagt hat.

Nun zu tener + participio:

¿Cuáles son a su entender, los más grandes y perentorios problemas que tiene planteados nuesto país?

Hier ist tener durch haber austauschbar, weil es ja nicht das Land selbst ist, das diese Probleme sich stellte: Probleme, die unser Land als ihm gestellte (gleichsam: als ihm gestellt worden seiende) hat und die es jetzt kennzeichnen.  Oder:

Los periódicos tenían compuestas, desde muchos días antes, las páginas con las referencias históricas.

Hier wäre Ersatz durch haber möglich; tener aktualisiert natürlich das resultative Element. Ebenso:

Daniel Fujardo, según tenían convenido, le llamó inmediatamente por teléfono.

Auch sogar:

A Manolo le encantó la misión, porque tenía muy estudiado el problema.

Zusammenfassend:

Zum Teil ist das ‘pretérito perfecto’ mit dem ‘pretérito perfecto simple’, zum Teil mit dem ‘pretérito imperfecto’ austauschbar, stets jedoch betont es gegenüber diesen Tempora das Element des Einwirkens, des Resultativen, wie dies besonders in dem formelhaften Redeschluss He dicho zum Ausdruck kommt. Insofern hat es einen starken Bezug zur Gegenwart; es ist aber doch nicht schlechthin Gegenwartstempus. Letzteres zeigen Gegenüberstellungen, wie sie in Texten nicht selten erscheinen:

Manuel Álvarez Ortega fue, ha sido y es muy amigo mío  (F. Umbral).

Ganz entschieden stärker bringt die Verbalperiphrase tener + participio dies resultative Element zum Ausdruck. Ihr Gebrauch geht sehr weit; jedoch ist dies eine normative, nicht eine deskriptive Feststellung - ausgeschlossen bei intransitiven Verben und bei transitiven, die „absolut“ gebraucht werden, also nicht:

*Tengo estado en Montevideo.

*Juan tiene sido soldado.

*Tengo comido con gusto.

Oft hat die Periphrase auch eine intensivierende Wirkung:

¡Cuántas veces se lo tengo dicho!

¿No te lo tengo dicho muchas veces?

Auch andere Verben können übrigens eine solch resultative Priphrase bilden:

El piensa que nos lleva engañados y va a salirle cara la equivocación (R. J. Sender).“

[Cartagena / Gauger, Bd. 2, S. 428-431]