SPRECHAKTTHEORIE

Teoría de los actos de habla

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Sprechakte / Sprechakte und Satzmodus / Performativa / Illokution / Phrastic, Tropic, Neustic / Funktionale Grammatik / Äußerung und Satz / Meinung und Äußerung / Meinen und Sagen / Subjekt der Aussage vs Subjekt des Aussagens / Sprachfunktionen (Beitrag von Klaus Brinker)

 

Siehe ausführlich bei:

Schneider, Hans Julius: Phantasie und Kalkül. Über die Polarität von Handlung und Struktur in der Sprache. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1992. Kap. II: Form und Funktion, Gehirnmechanismus oder Tätigkeit: Wovon handelt eine ‘Theorie der Sprachkompetenz’? Die Kontroverse zwischen A. N. Chomsky und J. R. Searle.

„Wenn ein Diplomat »ja« sagt, meint er »vielleicht«; wenn er »vielleicht« sagt, meint er »nein«; und wenn er »nein« sagt, ist er kein Diplomat.

Wenn eine Dame »nein« sagt, meint sie »vielleicht«; wenn sie »vielleicht« sagt, meint sie »ja«; und wenn sie »ja« sagt, ist sie keine Dame.“ (Voltaire)

[Zit. nach Posner, Roland: „Bedeutung und Gebrauch der Satzverknüpfer in den natürlichen Sprachen“. In: G. Grewendorf (Hrsg.), Sprechakttheorie und Semantik. Frankfurt, 1979, S. 345]

„The problem (or at least an important problem) of the theory of language is to describe how we get from the sounds to the illocutionary acts. (Searle 1975: 38)“

[zit.: Zaefferer, Dietmar: „Sprechakttypen in einer Montague-Grammatik“. In: G. Grewendorf (Hrsg.), Sprechakttheorie und Semantik. Frankfurt, 1979, S. 386]

Sprechakttheorie [Auch: Sprechhandlungstheorie]. Beeinflusst durch die Philosophie der Alltagssprache, besonders aber durch die Gebrauchstheorie der Bedeutung des späten Wittgenstein, entwickelten J. L. Austin (1962) und J. R. Searle (1969) eine systematische Darstellung dessen, was wir tun, wenn wir sprechen, vgl. den Titel von Austins Abhandlung „How to do things with words“. Nicht einzelne Wörter oder Sätze gelten als Grundelemente der menschlichen Kommunikation, sondern bestimmte Sprechhandlungen, die durch ihre Äußerung vollzogen werden, nämlich illokutive Akte (vgl. Illokution) oder Sprechakte im engeren Sinn. Insofern betreibt die Sprechakttheorie Sprachtheorie als Teil einer umfassenden pragmatischen Handlungstheorie. Jeder Sprechakt setzt sich aus mehreren simultan vollzogenen Teilakten zusammen.

Searle unterscheidet zwischen:

(a)  Äußerungsakt (Lokution): Artikulation sprachlicher grammatischer Ordnung;

(b)  propositionalen Akt (Proposition): Inhaltsformulierung der Äußerung durch Referenz (Bezugnahme auf Objekte der außersprachlichen Welt) und Prädikation (Zusprechen von Eigenschaften), vgl. dieser Pilz (= Referenz) ist giftig (= Prädikation).

       Auf die Proposition bezieht sich

(c)  der illokutive/illokutionäre Akt, der angibt, wie die Proposition aufzufassen ist, d. h. der illokutive Akt zeigt die kommunikative Funktion der Sprechhandlung an, wie z. B. etwas behaupten, feststellen oder vor etwas warnen. In den seltensten Fällen wird die illokutive Funktion explizit durch ein performatives Verb in der 1. Pers. Sing. Präs. Ind. ausgedrückt (Hiermit warne, behaupte, verspreche ich ...). Wo dies nicht der Fall ist (wie in allen nicht problematisierten Kommunikationssitationen) sind Mittel wie Intonation, Akzent, Satzmodus, Adverbien, Partikeln oder Modus illokutive Indikatoren, in diesen Fällen spricht man von „primär performativen“ Sprechakten, bei der häufig vorkommenden Abweichungen von wörtlich indizierter und tatsächlicher Illokution von „Indirekten“ Sprechakten. Illokutive Akte können Wirkungen haben, die mit ihnen nicht konventionell verbunden sind; sind diese sogen. „perlokutionären Effekte“ vom Sprecher beabsichtigt, hat der Sprecher gleichzeitig mit dem illokutionären Akt auch einen

(d)  perlokutiven Akt vollzogen (Perlokution).

Damit die Äußerung eines gegebenen Satzes als illokutiver Akt „glückt“, müssen nach Searle neben allgemeinen Ein- und Ausgabebedingungen (Bedingungen für sinnvolles Sprechen und Verstehen) charakteristischerweise Bedingungen vierfacher Art erfüllt sein, deren je spezifische Ausprägung für die Klassifikation von Sprechakten entscheidend ist:

(a)  Bedingungen des propositionalen Gehalts,

(b)  Einleitungsbedingungen,

(c)  Aufrichtigkeitsbedingen,

(d)  wesentliche Bedingungen; dabei hat (d) das Format einer Konstitutiven Regel, (a)-(c) entsprechen dagegen Regulativen Regeln.

Die Formulierung der Bedingungen für das Gelingen von Sprechakten als Regeln für den Gebrauch der entsprechenden illokutiven Indikatoren wird bei Searle durch das sog. „Prinzip der Ausdrückbarkeit“ ermöglicht, das allein die bei Sprechakten vorgenommene Gleichsetzung von (an sich pragmatischer) Sprechaktanalyse erlaubt.

Diese Gleichsetzung ist umstritten: entsprechend kann man zwischen zwei unterschiedlichen Forschungsrichtungen unterscheiden: einer eher semantisch orientierten Sprechakttheorie (die sich mit der Analyse sprechaktbezeichnender Ausdrücke beschäftigt) und der pragmatisch orientierten Sprechhandlungstheorie (die von Kommunikationsabläufen ausgeht und die diesen zugrunde liegenden Handlungsmuster untersucht). Zur Kritik an der Sprechakttheorie vgl.: Streeck: „Speech acts in interactioin: A critique of Seale“. In: Discourse Processes. Norwood 3, 1980, S. 133-154; Bremerich-Voss, A.: Zur Kritik der Sprechakttheorie: Austin und Searle. Weinhein, 1981.“ [Bußmann, H., S. 226-228]

Sprechakt

Von J. L. Austin in How to do Things with Words (1955, 1962 posthum erschienen) eingeführter Begriff, um den Handlungsakt sprachlicher Äußerungen zu bezeichnen. Austin untersucht in seinen Vorlesungen, inwiefern mit dem Äußern von Sätzen folgender Art Handlungen vollzogen werden: «Ich warne dich vor dem Hund», «Morgen komme ich», «Ich verspreche, dich nie wieder zu verlassen», «Öffne das Fenster» usw. Um das alte Vorurteil, Sprache diene ausschließlich zur deskriptiven Beschreibung der Welt, zu widerlegen, weist Austin auf Äußerungen hin, die zwar eine deskriptive Form haben, aber nichts feststellen, sondern Handlungen vollziehen.

Austin unterscheidet zunächst zwischen performativen und konstativen Äußerungen. Während für konstative Äußerungen gilt, dass sie wahr oder falsch sein können, haben performative Äußerungen zwei Merkmale: dass sie den Vollzug von Handlungen darstellen und dass sie weder wahr noch falsch sind. Die für sie relevante Beurteilungsdimension ist nicht die der Wahrheit, sondern die des Glückens bzw. Nicht-Glückens. Austin stellt einen Katalog von fünf Punkten zusammen, die erfüllt sein müssen, wenn eine sprachlich performierte Handlung erfolgreich sein soll: Sie muss z.B. aufgrund einer Konvention formuliert sein, die ihrerseits auf die richtige Situation angewendet werden muss; sie muss korrekt im Sinn der Konvention und vollständig sein; sofern sie Absichten und Gefühle darstellt, muss der Sprecher diese auch tatsächlich haben – eine performative Äußerung kann nicht erfolgreich sein, wenn ich zwar verspreche zu kommen, aber gar nicht die Absicht habe zu kommen.

Später hat Austin diese Unterscheidung aufgrund theorieimmanenter Schwierigkeiten zugunsten einer neuen aufgegeben. Diese neue Distinktion beruht auf der Einsicht, dass nicht bloß mit einigen sprachlichen Ausdrücken, sondern mit allen Äußerungen Handlungen vollzogen werden. Seine Theorie der Sprechakte untersucht systematisch diesen Handlungscharakter. Austin beschreibt nun drei Aspekte eines S.:

  1. den lokutionären,
  2. den illokutionären und
  3. den perlokutionören Akt.

Während der lokutionäre Akt bloß den Akt des Etwas-Sagens bedeutet («Der Hund ist bissig»), wird mit dem illokutionären Akt das Gesagte in einer bestimmten Weise verwendet, etwa als Warnung, Rat oder Empfehlung. Dieser Akt kennzeichnet den eigentlichen Handlungscharakter der Äußerung. Der perlokutionäre Akt schließlich bezeichnet eine Handlung, die darauf abzielt, einen bestimmten Effekt hervorzurufen, z.B. den, dass jemand aufgrund meiner Warnung (illokutionärer Akt) «Der Hund ist bissig» den Weg durch den Garten zum Haus meidet (perlokutionärer Akt). Der Unterschied dieses Akts zum illokutionären besteht in erster Linie darin, dass er nicht wie letzterer kraft einer Sprachkonvention nach Regeln vollzogen wird.

Nach dem Tod Austins (1960) wurde die Sprechakt-Theorie (die Theorie der illokutionären Akte) in zwei Hauptrichtungen weiterentwickelt. Die eine – vertreten von u. a. D. Bennett, P. Grice, S. Schiffer und P. F. Strawson – erklärt und systematisiert die Begriffe der Theorie mit Hilfe von Grices Analyse des Begriffs der «Kommunikationsabsicht». Die zweite, die vor allem durch Searle vertreten ist, beschreibt die Sprechakte in erster Linie als eine Art regelgeleiteter Handlungen. Nach Searle lässt sich die semantische Struktur einer Sprache «als eine auf Konventionen beruhende Realisierung einer Serie von Gruppen zugrunde liegender konstitutiver Regeln begreifen». Beide Richtungen teilen die Annahme, dass das Studium von Sprechakte Ausgangspunkt für die Darstellung der Semantik einer natürlichen Sprache sein muss. Diese Annahme ist neuerdings von Dummett und den Anhängern der sog. formalen Semantik, u. a. Davidson, scharf kritisiert worden.”

[Hügli, A. / Lübcke, P. (Hg.): Philosophielexikon. Personen und Begriffe der abendländischen Philosophie von der Antike bis zur Gegenwart. Reinbek: Rowohlt, 1991, S. 543-544]

Die Sprechakttheorie

“Die zuerst von philosophischer Warte vorgebrachte Auffassung setzt menschliche Kommunikation gleich mit der Äußerung von Sprechakten durch den Sprecher und ihrer Interpretation durch den Hörer. Dabei ist der Ablauf zwischen Sprecher und Hörer durch Konventionen sozialer Art genauso gesteuert wie Verhalten außersprachlicher Art (Händeschütteln, Verbeugen etc.). Der weite Bereich menschlicher Kommunikation lässt sich in eine Vielzahl solcher Sprechakte aufschlüsseln, in denen man gewissermaßen Grundelemente der Kommunikation sehen kann. Freilich ist man auch hier von einer umfassenden und systematischen Aufstellung weit entfernt, wobei bereits jetzt vorausgesehen werden kann, dass auch diesem Bereich aus hier immer wieder aufgeführten Gründen die Lösung aller Probleme versagt bleiben wird. Teilweise deckt sich die Gliederung in Sprechakte mit den weiter oben erwähnten, die zuerst aus einer soziolinguistischen Fragestellung heraus im unsystematischer Art zur Diskussion gestellt wurden: Danksagung, Drohung, Versprechen, Warnung, Zustimmung etc.

Schon in der relativ kurzen Zeit seit Bestehen der Sprechakttheorie bildeten sich unterschiedlichste Vorstellungen von Gliederungsprinzipien. So unterscheiden sich z. B. die Ideen des deutschen Philosophen Habermas von denen seiner oben genannten Kollegen. In einer überaus schnellen Entwicklung, die typisch für die moderne Linguistik zu sein scheint, kristallisierte sich eine Reihe von Diskussionen heraus, die, wollte man detaillierte Wiedergabe anstreben, den Rahmen einer solchen Einführung einmal mehr sprengen würden. Eine von Austin vorgeschlagene Gliederung in den Anfängen der Entwicklung soll hier stellvertretend für später verfeinerte Gliederungssysteme einmal den Ansatz pragmatischer Analysen grundsätzlich aufzeigen, wobei anzumerken ist, dass zum Teil von ihm selbst, zum Teil von anderen Anhängern dieser Richtung Verfeinerungen und Modifizierungen im Lauf der Entwicklung vorgenommen wurden, die aber das Grundsystem im wesentlichen nicht berühren.

1. Der lokutionäre Akt

Darunter versteht Austin zunächst den eher formalen Aspekt einer Äußerung im Hinblick auf deren phonetische, morphologische, syntaktische und semantische Ausprägung. Eine Äußerung wie Have you had any difficulties in finding our house? ist daher, als Lokution betrachtet, zunächst einmal nichts mehr als ein Fragesatz, unabhängig davon, was ein Sprecher damit meinen oder wie ein Hörer diese Äußerung verstehen könnte. Eine Lokution ist demnach die abstrakte Vorstellung einer sprachlichen Äußerung, die von allen Begleitumständen wie Situation, Intentionen, Konventionen etc. losgelöst analysiert wird.

Natürlich ist eine solche Loslösung absolut künstlich und wohl auch nur zum Zwecke der Erkenntnis gerechtfertigt. Auch Austin war klar, dass jeder lokutionäre Akt im allgemeinen automatisch auch den Vollzug eines illokutionären Aktes bedeutet.

2. Der illokutionäre Akt

Hier wird für Austin eine Handlung vollzogen, indem etwas gesagt wird. Auf das o. g. Beispiel bezogen bedeutet dies, dass der Sprecher mit der Äußerung dieser Frage bestimmte Intentionen verknüpft hat; er kann sie z. B. als reine Informationsfrage, aber auch als versteckten Vorwurf an den zu spät gekommenen Gast gemeint haben. Im letzteren Falle könnte natürlich die Funktion der Kritik durch sprachliche und außersprachliche Hinweise deutlicher gemacht werden. Die so genannte illokutionäre Rolle, also der Hinweis darauf, wie etwas gemeint ist, käme daher bei folgender Äußerung die möglicherweise noch mit einem vorwurfsvollen Blick auf die Uhr verbunden ist ‑ klarer zum Ausdruck: You obviously must have had difficulties in finding our house. Auf der rein sprachlichen Ebene hingegen kann die illokutionäre Rolle von Äußerungen durch sog. explizit performative Formeln ausgedrückt werden, die in der Regel aus einem Subjekt der ersten Person, der entsprechenden Präsensform eines sog. performativen Verbs, dem Element hereby sowie dem Obliquus der 2. Person bestehen: "I hereby [verb] you that . . .", wobei verb hier stellvertretend für ein performatives Vcrb gebraucht wird; im Englischen sind dies z. B. advise, bet, criticize, order, promise, u. a., bei denen im Gegensatz zu einem Verbum wie walk die sprachliche Form gleichzeitig die Handlung selbst darstellt. Dies gilt jedoch nur für die 1. Pers. Sing. im Präs. Ind. Andere Formen, wie z. B. die 2. Pers. Sg., können in der performativen Formel logischerweise nicht an die Stelle des Subjekts treten, da sonst Sprecher und Vollzieher der Handlung nicht mehr identisch sind und die Aussage somit keinen performativen Charakter mehr hätte. Auf das o. g. Beispiel angewandt, könnte eine eventuelle Kritik am Zuspätkommen des Gastes mit Hilfe der folgenden performativen Formel noch deutlicher gemacht werden: I hereby criticize you for coming so late. Wie oben schon erwähnt, können neben suprasegmentalen Faktoren wie Intonation und Betonung auch außersprachliche Elemente wie Stirnrunzeln, finsterer Blick etc. illokutionäre Rollen anzeigen. Durch all diese Faktoren kann in einer formal gesehen neutralen Frage ein Vorwurf, eine Bitte, ein Befehl o. ä. impliziert sein.

Natürlich kann das eingangs genannte Beispiel wirklich auch nur in seiner Grundbedeutung als Informationsfrage gemeint gewesen sein. Auch hier hätte, im Blick auf die richtige Interpretation seitens des Hörers, Klarheit geschaffen werden können durch den Zusatz: I am just asking. Missverständnisse können also entstehen, wenn der Hörer eine Äußerung auf eine Weise interpretiert, wie sie vom Sprecher nicht gemeint war, oder aber wenn er umgekehrt feine Intentionen des Sprechers nicht versteht, weil diese subtil versteckt sind. Der o. g. Satz kann, muss aber nicht Kritik enthalten. Man sieht, wie hier menschliches Naturell, Temperamente, unterschiedliche Lebenserfahrungen und ebenso unterschiedliche Ausprägungen von Humor, Ironie, ja die weite Welt psychologischer Differenzierungen zum Tragen kommt. Das gilt besonders für sog. verdeckte Sprechakte, bei denen der Sprecher die illokutionäre Rolle zwar impliziert, aber nicht explizit nennt und auch die Intentionen nicht offen legt, die er mit der Äußerung verbindet.

Diesen verdeckten Sprechakten stehen die vorgenannten offenen gegenüber, bei denen die illokutionäre Rolle der Äußerung unmissverständlich mitgeteilt wird und der Sprecher den Hörer über seine Intentionen nicht im unklaren lässt.

3. Der perlokutionäre Akt

Darunter verstand Austin das vom Sprecher beabsichtigte Erzielen von Wirkungen und Folgen (Gefühle der Angst, der Freude, oder auch Zustandsveränderungen): he finally convinced/annoyed/delighted/moved me. Dabei wird klar, dass auf der linguistischen Seite gewisse Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um den Resultatscharakter innerhalb des perlokutionären Aktes herzustellen: die geeigneten Verben, ein Tempus der Vergangenheit und entsprechende Subjekt‑ und Objektverhältnisse. Allerdings ergibt sich auf sprachlicher Ebene auch eine klare Abgrenzungsmöglichkeit zwischen dem perlokutionären und dem illokutionären Akt, da der letztere ja durch die performative Formel explizit gemacht werden kann, der erstere hingegen nicht: die Äußerung I hereby frighten you versetzt den Angesprochenen noch nicht in Furcht. Auch gibt es sprachliche Äußerungen, deren Folgen voraussagbar sind, weil sie auf Konventionen beruhen. Sie zählen nicht zum perlokutionären Akt, sondern werden dem illokutionären Akt zugeordnet. So gilt die Aussage des Standesbeamten I hereby pronounce you man and wife als Eheschließung.

Perlokutionäre Akte, also Effekte sprachlicher Äußerungen, lassen sich jedoch nicht immer dahingehend bestimmen, ob sie beabsichtigt waren oder nicht. Oft ist überhaupt nicht voraussehbar, wie ein Hörer auf eine bestimmte Äußerung reagieren wird (häufig wird diese Überlegung von Sprechern ja gar nicht angestellt). Hier zeigt sich das weite Feld unterschiedlicher menschlicher Erfahrung. Was für einen Hörer erfreulich ist, kann für einen anderen aufgrund der unterschiedlichen Lebenssituation manchmal äußerst verletzend sein. Man denke hier an die vielen Fragen auch oft harmloser Neugierde, besonders nach Ehestand, Gesundheit, Kindern, Examina u. ä., die den Gefragten in größte Verlegenheit bringen können, und die dieser oft als taktlos interpretiert, obwohl sie vielleicht gar nicht so gemeint waren. Eine wichtige Rolle spielen hierbei Präsuppositionen, unter denen die für Sprecher und Hörer jeweils unterschiedlichen Voraussetzungen (Erziehung, Erfahrung, Bildung, Vorwissen etc.) verstanden werden, auf denen eine Gesprächssituation aufbaut. So setzt ein Sprecher mit der Frage How is your husband? das Leben des Ehemannes voraus und richtete daher eine in der Tat schmerzvolle Frage an eine Frau, deren Mann vielleicht erst vor kurzem verstorben ist.

Trotz der erwähnten Versuche und Ansatzpunkte zu einer Dreigliederung des Sprechaktes in lokutionären, illokutionären und perlokutionären Akt dürfen die Schwierigkeiten und Probleme natürlich nicht übersehen werden, die eine solche modellhafte Einteilung mit sich bringt. Die Möglichkeiten und Grenzen dieses Ansatzes liegen auch hier in der Komplexität menschlichen Handelns und Fühlens begründet, und dies umso mehr, als hier versucht wird, die außersprachlichen Zusammenhänge in vollem Umfang mit der sprachlichen Ebene zu integrieren. Vielleicht ist bei der o. g. Einteilung der illokutionäre Akt doch das zentrale, umfassendste Element. Ob sich dieses Konzept jedoch trotz der angesprochenen Schwierigkeiten für die systematische Analyse menschlichen Sprechens und Handelns fruchtbar machen lässt, wird sich erst noch erweisen müssen.”

[Nickel, Gerhard: Einführung in die Linguistik: Entwicklung, Probleme, Methoden. Berlin: Schmidt, 21985, S. 150-154]

Sprechakttheorie (Sprechhandlungstheorie) [engl. speech act theory]

Von J. L. Austin (1911-1960) entwickelter Begriff (Austin 1962), lange Zeit verkannt in seiner Bedeutung, heute jedoch in der Linguistik allgemein akzeptiert als systematischer Teil der Pragmatik. Vorläufer und Zudenker zur Sprechakttheorie Austins und später J. R. Searles (1969) waren die englische Philosophie der Alltagssprache (Ordinary Language Philosophy) sowie die Gebrauchstheorie der Bedeutung («meaning ist use») des späteren L. Wittgenstein.

Die Sprechaktheorie analysiert die Rolle, die Äußerungen (utterances) für das Sprecher- und Adressatenverhalten in der zwischenmenschlichen Kommunikation spielt. D.h. die Äußerung wird nicht als zufällige, höchst variable Form einer virtuellen Satzform betrachtet (dies sei Angelegenheit der eigentlichen Grammatik(theorie)), nicht also als parole-Element, sondern als systematisierbare kommunikative Handlung (locutionary act = Äußerungsakt), dessen Systembezug von den Sprechabsichten (seinem Handlungsplan, in dem die Einzeläußerung eine bestimmte Position einnimmt) bei der Äußerung und den absehbaren, d.h. planbaren bzw. handlungsvernunftbestimmten Wirkungen auf den Hörer gesteuert wird. Den ersten, sprecherorientierten Anteil an der Sprechaktsystematik nannte Austin die ILLOKUTIVE WIRKUNG (illocutionary force), den zweiten, hörerorientierten die PERLOKUTIVE WIRKUNG (perlocutionary force).

Folgende Sprechakttypen werden unterschieden (Searle 1975): REPRÄSENTATIVA (zur Darstellung eines als wahr oder falsch beurteilbaren Sachverhalts); DIRECTIVA (zur Veranlassung einer bestimmten Handlung beim Adressaten); KOMMISSIVA (mit denen der Sprecher eine Verpflichtung zu einer künftigen Handlung eingeht); EXPRESSIVA (zum Ausdruck der Haltung zu einem Sachverhalt: etwa Dankbarkeit, Mitleid, Glückwunsch); DEKLARATIVA (womit ein Sprechakt direkt vollzogen wird: etwa die Taufformel, sofern sie ein Priester bei einer richtigen Zeremonie spricht). Verben, die für solche Sprechakttypen stehen (vgl. in der Reihenfolge der 5 Typen oben: berichten, feststellen – befehlen, bitten – geloben, sich verweigern – sich entschuldigen, danken - «ich taufe Dich hiermit», «Ich, die Königin von Holland, erkläre Sie hiermit zum Beamten auf Lebenszeit») nenn man SPRECHAKTVERBEN.

Wesentlich in der Theorieentwicklung ist der Schritt Searles, die abstrakten Sprechakttypen in Beziehung zum semantischen und syntaktisch-prosodischen Anteil der Äußerung zu setzen. Die Schwierigkeit einer reinen Sprechakttheorie ist ja die, dass bezüglich der Sprechaktbedeutung einer Äußerung nichts von der sprachlich-grammatischen Form hier eingrenzbar ist. So kann, etwa irgendein starkes Autoritätsverhältnis zwischen zwei Kommunikationspartnern vorausgesetzt, eine formale Frage oder Feststellung als DIREKTIV zu verstehen sein; etwa ein General in (bloßer) Anwesenheit seines Adjutanten: «Hier ist es aber kalt» oder «Ist es hier eigentlich nicht zu kalt?», dem Adjutanten damit signalisierend, dass er das Fenster schließen soll – völlig ohne imperativische Form oder ein vorgeschaltetes performatives Verb «ich bitte/befehle, dass das Fenster geschlossen wird». Nach Searle (1969) setzt sich jeder Sprechakt (als Einzeläußerung) aus 3 Teilakten zusammen:

a)     einem Äußerungsakt (grammatische Ordnung lexikalischer Elemente, ihre phonologische Realisierung);

b)     einem propositionalen Akt (semantische Beziehung der Wörter zueinander und referentielle Beziehung zur Dingwelt); und

c)      dem illokutiven Akt, der die Handlungsabsicht, die kommunikative Funktion des Sprechakts darstellt.

Diese letzte Funktion kann explizit durch ein performatives Verb wie «ich behaupte: ...», «ich fragen: ...», «ich befehle, dass ...» ausgedrückt werden; meist aber bleibt die Sprechaktindikation indirekt, d.h. sprachlichen Mitteln wie Intonation, Kontrastakzent, Wortstellung, bestimmten Wortarten (wie Frageworten), Adverbien und Partikeln (vgl. etwa Kommst du eigentlich? Kommst du denn?; vgl. Kommst du auch? Kommst du a u c h?) und schließlich modustragenden Elementen überlassen (vgl. DIREKTER ≠ INDIREKTER SPRECHAKT).

Im Unterschied zu referenzsemantischen Urteilen wahrheitsfunktionaler Art zum propositionalen Gehalt einer Äußerung gehört zur Beurteilbarkeit des illokutiven Anteils die Erfüllung bestimmter Bedingungen (felicity conditions, d.h. Bedingungen dafür, dass der Sprechakt gelingt, d.h. sinnvoll ist und als Sprechakt verstanden wird). Nach Searle sind dies 4 Bedingungen: (a) solche des Propositonsgehalts (der lexikalischen Referenz und der semantischen Beziehung der Wörter untereinander); (b) solche der richtigen Einleitung; (c) Aufrichtigkeitsbedingung; und (d) die konstruktive Bedingung des spezifischen Sprechakts, in den die eigentlichen illokutiven und perlokutiven Merkmale eingehen.

Je nach dem Theorieinteresse, vor allem aber nach der Sicht dazu, ob eine direkte, formal-regulative Beziehung zwischen illokutivem Typ und semantisch-grammatischen Ausdrucksmitteln besteht, lässt sich eine semantisch orientierte Sprechakttheorie (Vanderveken 1983, Searle/Vanderveken 1985) und ein pragmatischer, handlungstheoretischer bzw. konversationsanalytischer Ansatz unterscheiden. In diesen 2. Ansatz geht die Überzeugung ein, dass sich feste, kausale Beziehungen zwischen Illokutionstypen und grammatisch formalen Eigenschaften der Sprache nicht herstellen lassen.” [Abraham, W., S. 796f.]

Acto de habla

Un ‘acto de habla’ es la emisión de un enunciado en un contexto dado para llevar a cabo los fines de la interacción comunicativa, tales como solicitar información, ofrecerla, pedir y ofrecer disculpas, expresas nuestra indiferencia, nuestro agrado o desagrado, etc. La teoría de los ‘actos de habla’, que se basa en la idea de que siempre que emitimos un enunciado estamos realizando acciones o cosas por medio de palabras, fue formulada en los años sesenta por el filósofo británico J. L. Austin (1962) en su célebre libro Cómo hacer cosas con palabras, y fue desarrollada más tarde por el filósofo norteamericano J. R. Searle (1969). Austin concibió la teoría para demostrar, con lo que él llamó falacia descriptiva, que una oración declarativa no se usa siempre para describir un hecho o estado de cosas. Por ejemplo, cuando usamos oraciones como «Yo os declaro marido y mujer» en el contexto apropiado no estamos describiendo algo sino haciendo algo. [...]

Poco se han analizado los actos de habla conjuntos, es decir, los actos en los que más de dos participantes coordinan intencionadamente sus acciones, con el find e tener éxito en la comunicación. Casi todas las teorías formuladas sobre los actos de habla se refieren a lo que se llama actos de habla canónicos, en los que hay un solo emisor y un solo receptor, los cuales pueden ser, a su vez, actos de habla directos y actos de habla indirectos. Todo ‘acto de habla canónico’ consta de: (a) un acto locucionario/locutivo; (b) un acto illocucionario/ilocutivo, que realmente constituye el núcleo del ‘acto de habla’; (c) un acto perlocucionario/perlocutivo.

Desde otros puntos de vista se pueden hacer más clasificaciones de los ‘actos de habla’ (Searle, 1976; Bach, 1982). La de Searle, que sólo trata de los ‘actos ilocucionarios’, está muy ampliamente aceptada, ya que ha servido de punto de partida de otros muchos intentos de creación de tipologías de ‘actos de habla’ (Hancher, M., 1979: 1-14). Cinco son los grupos más destacados de esta clasificación: los representativos, los directivos, los comisivos, los expresivos y los declarativos.”

[Alcaraz Varó, Enrique / Martínez Linares, María Antonia: Diccionario de lingüística moderna. Barcelona: Editorial Ariel, 1997, p. 14-15]