SPEKULATION

Especulación

(Recop.) Justo Fernández López

 

Spekulation (von lat. speculari, auskundschaften, beobachten).

1.      Rein betrachtendes (theoretisches), d.h. ein nur auf Erkenntnis (griech. theoria) gerichtetes Denken, das keine praktischen – technischen oder moralischen – Ziele verfolgt.

2.      Indirekte Erkenntnis Gottes aus der Schöpfung. Die Spekulation nimmt das Geschaffene als einen »Spiegel« (lat. speculum), in dem sich seine Ursache oder sein Grund erblicken lässt, also Gott (Scholastik).

3.      Theoretischer Gebrauch der Vernunft, der über die Grenzen jeder möglichen Erfahrung hinausgeht (Kant); Versuch, mit Hilfe der Vernunft synthetische Sätze a priori über die Wirklichkeit aufzustellen.

4.      Ein Denken, das hinter die selbstverständliche Alltagserfahrung zu deren Grundlage zurückgehen will. Diese Spekulation fasst die Welt als zusammenhängendes Ganzes auf und fragt nach ihrem einheitsstiftenden Grund, dem Absoluten; als spekulative Philosophie gibt ihr Hegel eine Sonderbedeutung.

5.      Denken, das die entgegengesetzten Bestimmungen einer Sache – letztlich der Wirklichkeit selber – in einer Einheit zusammenhält, in der Einheit des Begriffs. Solches Denken ist spekulativ-dialektisch. Spekulation und Erfahrung schließen sich nicht aus; vielmehr sagt Hegel im Rahmen seiner Aristoteles-Interpretation: »das Empirische, in seiner Synthesis aufgefasst, ist der spekulative Begriff«.

6.      (Abwertend:) Abstraktes, bloß theoretisches Denken; ein Denken, das willkürliche Konstruktionen vornimmt – ohne Grundlage in der Erfahrung und damit in der Wirklichkeit. Den Gegensatz zur Spekulation in diesem Sinn bilden erfahrungsorientierte Denkformen, insbesondere diejenigen der empirischen Wissenschaften.“

[Hügli, A. / Lübcke, P. (Hg.): Philosophielexikon. Personen und Begriffe der abendländischen Philosophie von der Antike bis zur Gegenwart. Reinbek: Rowohlt, 1991, S. 535-536]