SOZIOLINGUISTIK

Sociolingüística

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.: Varietätenraum / Diasystem / System - Norm - Rede

 

Die Entwicklung der Soziolinguistik:

“Die Entwicklung dieser Disziplin hat zwar in den letzten Jahren an Bedeutung und Intensität zugenommen, lässt sich aber auch auf eine Reihe von Gedanken früherer Zeiten zurückführen. Bereits Humboldt sah den Zusammenhang zwischen Sprache und Gesellschaft, wenn auch mehr im Sinne Whorfs im Rahmen der sog. linguistischen Relativitätshypothese, wonach Sprachstruktur und Gesellschaftsstruktur sich gegenseitig bedingen. Auch de Saussure sah in der Sprache eine soziale Institution (fait social), ohne allerdings diesen Gesichtspunkt systematisch zu berücksichtigen. Die sog. anthropologische Linguistik, besonders in den USA in Verbindung mit der Analyse unbekannter Indianersprachen betrieben, führte ebenfalls zu einem verstärkten Interesse an den Zusammenhängen zwischen sozio‑kulturellen und linguistischen Faktoren. […]

Die Aufgabenbereiche einer modernen Soziolinguistik ergeben sich z. T. in Reaktion auf die Annahme des idealisierten Sprecher‑Hörer‑Verhältnisses der TG, die keimfreie Sprache außerhalb der Gesellschaft in einem sozialen Vakuum untersuchte. Es wurde die Forderung laut, Sprache so zu untersuchen, wie sie tatsächlich gebraucht werde, wobei man auf die Analyse einer Reihe sozialer Faktoren nicht verzichten könne. Diese Faktoren können nach drei Schwerpunkten untergliedert werden:

1.  Soziale Merkmale der Sprecher und Hörer wie z. B. Alter, Beruf, Geschlecht"", Gruppenzugehörigkeit, Klassenzugehörigkeit.

2.  Die dem Sprecher zugrundeligende Intention. Aggressivität, Bitten, Entschuldigungen, Rechtfertigung, Überredung u. a.

3.  Situationsfaktoren (u. a. Ort und Zeit) spielen im Zusammenhang mit dem zweiten Faktor oft eine große Rolle. So wird z. B. der Angestellte im Büro seinem Vorgesetzten gegenüber sprachlich anders auftreten als bei einem zufälligen Zusammentreffen in einer Bar oder im Urlaub. In Verbindung mit (2) wird er sich sehr wahrscheinlich bei der Beantragung einer Höherstufung, also in einer Bittsituation, eines anderen Stilregisters bedienen als bei einer nüchternen Berichterstattung.

Es zeigt sich hier die Verflochtenheit verschiedenster Faktoren, deren Hierarchisierung häufig nicht einfach ist. Manche Merkmale wie z. B. die des Geschlechtes, scheinen in modernster Zeit aufgrund der Emanzipationsbestrebungen der Frauen, besonders in gebildeten Kreisen städtischer Population, weniger wichtig zu sein, als sie es noch vor einigen Dekaden waren. Selbstverständlich lassen sich diese Faktoren auch auf internationaler Ebene miteinander vergleichen.” 

[Nickel, Gerhard: Einführung in die Linguistik: Entwicklung, Probleme, Methoden. Berlin: Schmidt, 21985, S. 140-141]

Soziolinguistik

1. Soziolinguistik analysiert das “Sprachverhalten in gegebenen Situationen unter dem Aspekt sozialer Rollen” (N. Dittmar). Ihr Gegenstand ist also ganz allgemein die komplexe Beziehung zwischen Sprache und Gesellschaft, die wechselseitige “Bedingtheit von Sozial‑ und Sprachstruktur”, wie sie am besten an einzelnen Gruppensprachen (Dialekten, Soziolekten) und Sprechereignissen (“speech events”) in einer Sprachgemeinschaft dargestellt werden kann. Sie ist als selbständige Disziplin der strukturalen Sprachwissenschaft erst seit den frühen sechziger Jahren in Zusammenarbeit von Soziologen, Anthropologen, Verhaltensforschern und Linguisten vor allem in Amerika und England ausgebildet worden. Ihre theoretische Grundlegung greift zurück auf die These von der linguistischen Relativität, die Sapir und Whorf aus Humboldts Auffassung vom ”Weltbild” der Sprache entwickelten: Sprachform und Sprachleistung sind abhängig von nichtsprachlichen Sachverhalten und Aktivitäten. Im Gegensatz zur Psycholinguistik, welche das Verhältnis von Sprache und Denken in der Ontogenese betrachtet, betont sie dabei jedoch den kollektiven Aspekt, den sozialen Kontext, den Vorgang der Sozialisation. Als interdisziplinäres Forschungsgebiet ist sie allerdings “not simply an amalgam of linguistics and sociology. It embraces, in principle at least, every aspect of structures and use of language that relates to its social and cultural functions” (J. Lyons). Sie versucht demgemäß eine systematische Beschreibung von Korrelationen und Isomorphien sowie eine adäquate Erklärung von Funktionen und Interdependenzen, und zwar unter einer dreifachen Fragestellung:

a) Wie beeinflusst der Sozialstatus oder die soziale Situation den Sprachstatus?

b) Wie wirkt Sprache als “soziale Kontrolle”?

c) Wie lassen sich Bezugseinheiten finden für soziolinguistische Analysen? Dabei berührt sie vielfach die Grenzen einer weiter zu fassenden Sprachsoziologie.

2.         Nach Wunderlich lassen sich vier mögliche Begriffe von Soziolinguistik unterscheiden:

a) ein weitester Begriff, der den “gesellschaftlichen Aspekt von Kommunikation mit dem individuellen Aspekt” verbindet;

b) ein weiter Begriff, der sich nur “auf den Zusammenhang der verschiedenen unmittelbaren Faktoren innerhalb einzelner Kommunikationsprozesse” bezieht;

c) ein enger Begriff, bei dem “Typen von Sprachkodes mit soziologischen Parametern korreliert werden”;

d) ein anderer enger Begriff, in dem “Äußerungsverhalten mit soziologischen Parametern (als Kennzeichnungen von Status, Beruf usw. von Sprechern und evtl. auch Umständen der sozialen Situation)” in Beziehung treten.

Im ersten und zweiten Fall nähert sich die Soziolinguistik der Pragmalinguistik, die eine Typisierung der Sprachverwendung in Richtung auf das Sprecher‑Hörer‑Modell oder die Äußerungssituation erstrebt. Im anderen Verständnis haben sich zwei Forschungsansätze herausgebildet, die auch in Deutschland die bisherige Diskussion weitgehend bestimmten:

a) Die Kode‑Theorie vom schichtenspezifischen Sprachgebrauch (B. Bernstein, U. Oevermann; auch Defizithypothese genannt). Danach verfügen Angehörige verschiedener sozialer Schichten über jeweils besondere sprachliche Kodes, d.h. verbale Planungsstrategien, die ihr Sprachverhalten sowie ihre kognitiven Leistungen determinieren (restricted code bei der Unterschicht, elaborated code bei der Mittelschicht).

b)  Die Differenz‑Konzeption vom Situationsspezifischen Sprachgebrauch (W. Labov, D. Hymes). Sie vertritt die These von der funktionalen Äquivalenz der verschiedenen sprachlichen Systeme. Entsprechend versucht sie eine deskriptive Analyse der Elemente von Sprechereignissen (Teilnehmer, Form, Kanal, Kode, Thema, Situation) sowie eine Beschreibung ihrer Konkurrenzen und Regularitäten.

3.  Das in den letzten 15 Jahren sprunghaft gestiegene Interesse an der Soziolinguistik lässt sich auf das Unbehagen sowohl gegenüber der traditionellen Sprachwissenschaft mit ihrer vornehmlich diachronisch‑historischen Betrachtungsweise wie auch gegenüber der Systemlinguistik als “Musterbeispiel gesellschaftlich entfremdeter Wissenschaft” (U. Ammon) zurückführen. Die Soziolinguistik betonte dagegen stets den engen Zusammenhang zwischen sozialen, sprachlichen, psychologischen und pädagogischen Problemen. Allerdings offenbaren die skizzierten Ansätze auch das Dilemma der Soziolinguistik zwischen Soziologie und Linguistik. Bernsteins Theorie sieht Sprache nur als “Qualität der Sozialstruktur” (B. Bernstein), ohne jedoch wichtige Bezugsbegriffe wie ”soziale Schicht” und “Kode” oder das Wechselverhältnis von linguistischen und sozialkulturellen Regeln bzw. zwischen Sprachkompetenz und Sprachperformanz genügend zu klären; seine Arbeitsmethoden und Beobachtungstechniken widersprechen oft den Erfordernissen moderner empirischer Forschung. Sie führte zudem zu einer ziemlich unfruchtbaren, politisch bestimmten Sprachbarrierendiskussion und zu formal orientierten Ausgleichsangeboten (“kompensatorische Spracherziehung”). Die Differenzkonzeption wiederum ist zu eng mit der interaktionistischen Handlungstheorie verbunden (Interaktion), erklärt ebenfalls nicht die soziologischen Parameter und präzisiert kaum, in welcher Hinsicht Sprachformen gleichwertig sind. Eine Grundforderung an die Soziolinguistik bleibt es daher, das jeweilige Gesellschafts- und Menschenbild genauer zu reflektieren, ein brauchbares soziolinguistisches Differential zu entwickeln, pragmalinguistische Gesichtspunkte (im Sinne der Kommunikations und Sprechakttheorie) stärker einzubeziehen, Themenbereiche wie Spracherwerb, Sprachentwicklung und Sprachwandel systematischer zu berücksichtigen.”

[Wolff, G.: „Soziolinguistik“. In: Braun, Edmund / Radermacher, Hans: Wissenschaftstheoretisches Lexikon. Graz / Wien / Köln: Styria, 1978,  S. 537‑539]

«Diasistema

Fue José Pedro Rona, en 1970, quien se planteó el problema de dar a la Sociolingüística un enfoque estructural y coherente. Empezó por delimitar varios conceptos diferentes que etán incluidos en el término lengua. Rona distingue tres conceptos diferentes de lengua:

- L1  = lengua, que se opone a habla.

- L2  = lengua, opuesta a los dialectos y variedades regionales.

- L3  = lengua con sus dialectos y variedades opuestas a otras lenguas.

En la L3  es donde se puede estudiar la estratificación interna que posee la de una comunidad lingüística. Por tanto, excluye del estudio sociolingüístico, a L1  y L2.

Rona distingue dos clases de Sociolingüística:

- La estrictamente lingüística, que estudia la estratificación interna de L3.

-La extralingüística, que se enfrenta con las influencias de la sociedad sobre L3 y de los efectos de L3 sobre la sociedad.

Este autor, para el concepto de L3  adopta el término de diasistema que abarcaría tanto los aspectos horizontales y geográficos como los verticales o diastráticos.

Según Rona el diasistema ideal estaría representado por un cubo con tres ejes:

Los tres ejes del cubo reciben los nombres de:

a)     Eje diatópico: representa el estudio de la L3 en el espacio. La disciplina lingüística que se ha ocupado de ello ha sido la Geografía Lingüística, que busca la diversidad de realizaciones según los puntos geográficos para representarlos posteriormente en mapas (Cartografía Lingüística). La Dialectología ha sido principalmente buscadora de diferentes usos lingüísticos en el espacio, en las monografías sobre hablas locales.

b)     Eje diastrático: representa el estudio de la diversidad lingüística según los estratos sociales donde tenga lugar. En este eje importa, sobre todo, comprobar las distintas pronunciaciones y hábitos lingüísticos por estamentos sociales. En los trabajos dialectológicos de la Escuela Española de Lingüística se había tenido en cuenta, antes de aparecer el estudio matemático de estos hechos, la íntima vinculación entre los factores lingüísticos y los factores sociales, en el desarrollo de los cambios lingüísticos.

c)      Eje diacrónico: representa el estudio de los usos lingüísticos en el transcurso del tiempo. Este estudio ha sido practicado en España en la escuela de Menéndez Pidal, en el análisis de la Paleo-geografía Lingüística; en ella se analizan las varias etapas de un cambio en los documentos antiguos, pudiendo observar el desarrollo total de una evolución durante varios siglos.

El análisis de la estratificación interna del diasistema impondría:

a.      Descripción de un conjunto de idiolectos diatrópica, diastrática y diacrónicamente, o sea, un idiolecto de un estrato socio-cultural teniendo en cuenta el espacio y el tiempo.

b.      La comparación de los usos de unos estratos sociales con otros.

c.       El influjo de un estrato sobre otro, observando la interrelación que existe entre el modo de hablar de unas y otras clases sociales.

Eugenio Coseriu, entre el hablar individual y el sistema abstracto de una lengua, introduce el concepto de norma que es variable según los límites y la índole de la comunidad social. El esquema que propone Coseriu para representar estos datos es el que sigue:

Coseriu explica su esquema como sigue:

1.      El cuadro mayor A-B-C-D representa el hablar efectivamente comprobado, es decir, los actos lingüísticos concretamente registrados en el momento de su producción.

2.      El cuadro intermedio a-b-c-d representa el primer grado de abstracción, es decir, la norma, que contiene sólo lo que en el hablar concreto es repetición de modelos anteriores.

3.      El cuadro menos a’-b’-c’-d’ representa el segundo grado de abstracción o formalización, es decir, el sistema, que contiene sólo lo que en la norma es forma indispensable y oposición funcional.

La lengua vulgar española tiene gran difusión y coincide, en muchos rasgos, en las diversas regiones castellanas de España e Hispanoamérica. El castellano vulgar es el fondo común del pueblo rústico, del bajo pueblo ciudadano e, incluso, del habla descuidada de la gente culta en muchas realizaciones fonéticas.

El habla vulgar se caracteriza por rasgos diferenciadores en el léxico: - mercar por comprar, mesmo, nacencia, endenantes -, especialmente en la fonética – áora por ahora, cuerta por corta, paine por peine, rial por real, piazo por pedazo, anque por aunque -, y en algunos usos morfológicos – la reuma, la fantasma, la vinagre

[Pérez Moreta, J. / Viudas Camarasa, A.: Lengua española. Madrid: ed. sm, 1992, pp. 306-308]