SIGNIFIKANT nach JACQUES LACAN 

und dem POSTSTRUKTURALISMUS

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Psychoanalyse und Sprache / Signifikant / Zeichen / Zeichen nach Lacan / Symbol / Signifikat / Bedeutung

 

Das Unbewusst und die Sprache bei Jacques Lacan

„Zunächst seien die wichtigsten linguistischen Termini genannt, auf die sich Lacan stützt und die bei ihm zum Teil eine zusätzliche Bedeutung erhalten, bzw. in bestimmte Bedeutungszusammenhänge eingebaut werden, die sich nicht ohne weiteres aus der Kenntnis des Cours de linguistique générale von Ferdinand de Saussure ableiten lassen. Beginnen wir mit signifiant (der Signifikat, das Bezeichnende) und signifié (das Signifikat, das Bezeichnete, das Bedeutete). De Saussure benannte mit signifiant das Lautbild des sprachlichen Zeichens, z. B. Baum. Signifié ist die dem Lautbild korrespondierende Vorstellung (1967, Seite 79). Schematisch wird die Beziehung zwischen signifiant und signifié ausgedrückt in dem Saussureschen Algorithmus

S

s

wobei der Trennungsstrich den Zugang zur signification (Bedeutung) verhindert. Lacan verwendet die Trennung der beiden Sprachebenen in der Geltungsbereichen:

1. unterscheidet er auf der Ebene der bewussten Sprache zwischen signifiant und signifié;

2. unterscheidet er zwischen der bewussten Sprache und der unbewussten Sprache.

Auf dieser Ebene ist die Schranke besonders beweglich. Durch die Analyse kann ein Individuum immer mehr Zugang zu den Sprachinhalten seines Unbewussten bekommen. In diesem Sinne legt Lacan übrigens Freuds Postulat »Wo es war, soll ich werden« aus. In seiner Sprache, die sich nur schwer erschließt, klingt das wie folgt: »Da, wo Es gerade eben war, wo Es fast war, zwischen dieser Auflöschung, die noch leuchtet und diesem Werden, das stockt, kann ich zum Sein kommen, indem ich aus meinem Sagen verschwinde« (1966, S. 801).

3. Lacan vollzieht die Trennung zwischen den elementaren signifiants als dem Inhalt des Unbewussten eines Subjekts und dem Imaginären dieses Subjekts. [...] Die beiden Elemente des sprachlichen Zeichens, für das de Saussure die Benennung Symbol ablehnt, weil es sich um eine beliebige Beziehung handle, werden bei Lacan über die Benennung der materiellen Sprachgrundlage hinaus im Zusammenhang mit verbalen und nicht-verbalen symbolischen Strukturen verwendet. Übrigens lässt sich Lacan hinsichtlich der Beliebigkeit der Beziehung bei Symbol und Zeichen nicht festlegen.

Auf dem Kongress in Rom gab Lacan 1953 in einem Diskussionsbeitrag folgende Definition von signifiant und signifié:

»Signifiant ist die Gesamtheit der materiellen Elemente der Sprache, die durch eine Struktur verbunden sind; das signifiant ist die materielle Grundlage der Rede: ‚der Buchstabe’ oder die Töne. Es ist weder Signal noch Zeichen der Sache, nicht mehr als das signifié. Das signifié es der allen gemeinsame Sinn einer Erfahrung, von der in einer Rede berichtet wird; es wird sichtbar in der Globalität der aufeinanderfolgenden signifiants und lässt sich im signifiant des Satzes nirgendwo einordnen« (zit. nach Rifflet-Lemaire, 1970, S. 89).

Lacan will zeigen,  und das ist sein origineller Beitrag, dass das signifiant getrennt von seiner Bedeutung und ohne Kenntnis des Subjekts wirken kann. Wird beispielsweise in Gegenwart eines Kindes ein Paarungsakt vollzogen, dessen Bedeutung das Kind infolge seiner biologischen Unreife nicht erfassen kann, so wird dieses Ereignis im Unbewussten des Kindes niedergeschrieben, und zwar in „Buchstaben“, in reinen signifiants, aber ohne die dazugehörige Bedeutung. Wir wissen, dass das gleiche Ereignis, später erlebt, nachträglich – das ist ein Terminus, den Lacan besonders hervorhebt [sie hier: Nachträglichkeit] – seine volle Bedeutung erlangt.

Ein anderes Beispiel für die Wirkung des signifiant ohne Kenntnis des Subjekts und ohne Kenntnis der Bedeutung ist das Symptom. Lacan sagt im Rapport de Rome: »Das Symptom ist das signifiant eines verdrängten signifié, ein im Fleisch niedergeschriebenes Symbol; es partizipiert an der Sprache.«

Das Symptom partizipiert an der Sprache, insofern es die Manifestation der unbewussten Mechanismen der Verdichtung und der Verschiebung darstellt, die Lacan mit den rhetorischen Figuren Metapher und Metonymie vergleicht. Die gleichen Mechanismen liegen auch der Traumarbeit und den anderen Bildungen des Unbewussten zugrunde, die Freud in der Traumdeutung und in der Arbeit Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten beschrieben hat. Man darf es wohl als ein Verdienst von Lacan herausstellen, dass er an die von Freud herausgearbeiteten Beziehungen zwischen den sprachlichen Bildungen und den Bildungen des Unbewussten angeknüpft hat zu einer Zeit, als die Ergebnisse der Sprachwissenschaft noch nicht oder nicht in diesem Umfang, wie das heute der Fall ist, in die psychoanalytischen Fragestellungen einbezogen wurden.

In La chose freudienne spricht Lacan von signifiant und signifié als von Beziehungsnetzen, die sich nicht decken, wobei aber die Struktur des Signifikantennetzes den Fadenlauf des Netzes der signifiés bestimmt. Verglichen mit der synchronischen und diachronischen Sprachwissenschaft bestimmt Lacan das Signifikantennetz als »... die synchronische Struktur des Sprachmaterials, und zwar auf den verschiedenen Ebenen der Sprache, angefangen von den Phonemoppositionen bis zu den zusammengesetzten Wendungen ...« »Das Netzt der signifiés ist die diachronische Gesamtheit der konkret formulierten Reden ...« (1966, S. 414).

Wenn Lacan in der gleichen Arbeit sagt, dass das signifiant allein die theoretische Kohärenz des Ganzen als Ganzes garantiert, so übernimmt er die Beurteilung de Saussures, der die synchronische Betrachtungsweise der diachronischen überordnet. [...] Die signifiants der Rede und die signifiants als Bildungen des Unbewussten sind eingefügt in die Kette einer symbolischen Ordnung, chaîne des signifiants (Signifikantenkette, Kette des Bezeichnenden). [...]

Lacan erläutert die Signifikantenkette an den Vorgängen in Edgar Allen Poes Erzählung Der gestohlene Brief.“

[Moersch, Emma: „Zum Begriff des Unbewussten bei Jacques Lacan“. In: Psyche. Zeitschrift für Psychoanalyse und ihre Anwendungen. 28. Jg., 4. Heft, April 1974, S. 329-332]

„Aber der Phallus ist nicht eigentlich ein Objekt, sondern ein Agens, eine verborgen bleibende Macht, die das Begehren antreibt. Sagen wir mit Lacan: Der Fallus ist etwas Abwesendes, Unsichtbares, ein Signifikant, was wörtlich übersetzt «Zeichenmacher» heißt.”

[Widmer, Peter: “Die Utopie der Weiblichkeit.” In: texte 1/1992, S. 71]

Aufstieg und Fall des Signifikanten

Um die Behandlung der strukturellen Linguistik für Lacan richtig zu verstehen, darf man deren innere Widersprüchlichkeit nicht übersehen, denn die Schriften Saussures bilden nicht so sehr den Ort, an dem die Linguistik sich als strenge Wissenschaft konstituiert, als vielmehr den Schauplatz, an dem die Struktur der Sprache und die Beziehung zum Subjekt als Fragen inszeniert werden. Diese Inszenierung geht nur zum Teil bewusst vor sich, denn ihre radikale Ausführung lässt sich nicht innerhalb der Linguistik vollziehen, sofern diese das Problem des Subjekts als solches nicht zu stellen vermag. Saussures diakritische, differentielle Bestimmung des Sprachsystems als Artikulation erschüttert zwar die traditionellen Begriffe von Objekt (als Referent) und von Subjekt (als individuellem Sprecher, als kollektivem Subjekt der Linguistik), diese Erschütterung wird aber zum Teil gemildert oder verschleiert, damit die Linguistik sich als Wissenschaft behaupten kann. Wie wir gesehen haben, liegt der Hauptwiderspruch bei Saussure in seiner Bestimmung der Differenz als Prinzip der Signifikation einerseits und ihre ,Konkretisierung" in der Totalität des Zeichens, in der Gegensätzlichkeit der binären Opposition andererseits. Genau an diesem neuralgischen Punkt setzt Lacans Sprachtheorie an, um sich dann mit – und gegen – Saussure zu entwickeln.

Die Instanz des Buchstabens im Unbewussten oder Die Vernunft Freuds wurde 1955 geschrieben, drei Jahre nach dem Rom-Diskurs, in dem zum ersten Male die Funktion des Sprechens und der Sprache in der Psychoanalyse mit Hilfe von Saussureschen Begriffen dargelegt worden ist. Diese Rede, die den Charakter des Manifests trägt, ebenso wie der 1953 gehaltene Vortrag über Die Freudsche Sache (La chose freudienne ou Sens du retour à Freud en psychanalyse) besteht nicht zuletzt in einer polemischen Abgrenzung des Lacanschen Ansatzes von den damals vorherrschenden Tendenzen der Psychoanalyse – vor allem der Ich-Psychologie einerseits und der Neuro-Physiologie andererseits –, einer Abgrenzung, die zwar die Bedeutung der Saussureschen Sprachtheorie für die Psychoanalyse verkündet, sie aber in keinerlei Weise ausführt. Erst in dem Vortrag über die Instanz des Buchstabens beginnt Lacan seine Karten auf den Tisch zu legen, wobei er gleichzeitig deutlich macht, dass es zur Natur seines Denkens als einer »Lehre« im emphatischen Sinne – un enseignement gehört, einige Trümpfe immer in der Hand zu behalten. Die Struktur und den Status der Argumentationsweise, die aus dieser Strategie hervorgehen, werden wir zu untersuchen haben. Dennoch ist es zunächst zweckmäßig, mit diesem Aufsatz – der, wie Lacan sagt, halbwegs zwischen Geschriebenem und Gesprochenem sich befindet – zu beginnen, und dann auf die allgemeineren Ausführungen der frühen Vorträge zurückkommen zu können.

Es ist der Saussuresche Begriff des Signifikanten, der Lacans Ausgangspunkt bildet. Die versteckte Problematik dieses Begriffes, wie wir sie auszuführen versucht haben, wird ohne Umstand von Lacan hervorgezerrt, mit einem Handstreich, indem er die Saussuresche Formel für das Zeichen ganz einfach auf den Kopf stellt. Hatte Saussure die radikale Heterogenität der zwei Ordnungen der Signifikanten und Signifikaten als Arbitrarität und Differenz betont, so hob er schließlich die Heterogenität in der Totalität des konkreten Zeichens auf. Diese Aufhebung, eine unumstößliche Tatsache der kommunikativen Sprache, impliziert letztlich die Unterordnung der Sprache als Artikulation unter dem Sinn und damit auch unter den zunächst ausgeklammerten Referenten. Dieser Sinn regelt und bestimmt das Spiel der Differenz als binäre Opposition, ohne dass die Frage zu Ende gedacht wurde, wie ein Sinn sich vor diesem Spiel – vor der Artikulation – konstituieren könnte oder wie er außerhalb der  »amorphen Masse« des Gedankens zu bestehen vermöge. Jedenfalls, von der Totalität des Zeichens her gedacht, ist es also kein Zufall, dass Saussure das Signifikat oben, den Signifikanten unten hinstellt. Und es ist ebenfalls nicht zufällig, dass sein Diagramm des Sprachzeichens ein Bild benutzt, um jenes Signifikat darzustellen, das er zuerst »Begriff« und dann eben signifié benennt. Soll das Zeichen als konkretes Element der Sprache begriffen werden, und diese wiederum als geschlossenes System von Gegensätzen, so kann es nur das Signifikat sein, welches das System schließt und das Zeichen isoliert. Und obwohl Saussure innerhalb der Sprache zwischen Bedeutung (signification), die eine Idee repräsentiert, und Wert, als sprachimmanente, diakritische Relation, unterscheidet, das letzte Wort hat immer der Sinn; wie könnte es auch anders sein, sofern die Sprache vom Wort her gedacht wird, da das Wort sich nur durch den Sinn bestimmt.

Dagegen und ohne ein Wort darüber zu verlieren dreht Lacan ganz einfach das Saussuresche Zeichen um. Doch die Beziehung von Signifikant und Signifikat wird nicht einfach umgekehrt, sie wird auch verdreht. Die Saussuresche Symmetrie, die letztlich auf dem Vorrang des Signifikanten beruht, wird verschoben: der Strich, der bei Saussure die zwei Dimensionen des Zeichens voneinander zwar trennte, aber nur, um sie dann im totalen Zeichen um so endgültiger zu vereinen, wird nunmehr zu einer »barre« – einer Sperre, die zwar Bedeutung (signification) ermöglicht, aber, wie Lacan schreibt, ihr gleichzeitig widersteht. (Signifikant und Signifikat, so Lacan, bezeichne »ordres distincts et séparés initialment par une barrière résistante à la signification«, Schriften II, 21). Damit wird nicht nur die Trennung von Signifikant und Signifikat hervorgehoben, sondern etwas, was bei Saussure nur implizit und widersprüchlich vorhanden ist: das Primat des Signifikanten vor dem Signifikat als seinem Produkt. Dieses Primat des Signifikanten wiederum bedeutet, dass die Sprache nicht mehr als Repräsentation aufgefasst wird, sondern als differentielle Artikulation. Wenn also Lacan schreibt, dass »es keine Bedeutung geben (könne), die sich anders als durch die Verweisung auf eine andere Bedeutung erzeugte«, so folgert er daraus, dass »die Funktion des Signifikanten (nicht) darin bestehen kann, das Signifikat zu repräsentieren«, und »dass der Signifikant seine Existenz keiner irgendwie gearteten Signifikation« schuldet. Im Gegenteil, das Signifikat wird erst durch seine Verweisung auf andere Signifikate, das heißt durch den Signifikanten, zum Signifikat mit sich identisch. Und diese Identität muß daher als ein Effekt des Signifikanten gedacht werden, sofern dieser den Prozess der Signifikation als Artikulation, als Spiel der Differenz, bestimmt. Denn der Signifikant, als Bewegung dieser Differenz, wird koextensiv mit der Sprache selbst, sofern diese nicht mehr als Pepräsentation, sondern als Artikulation gedacht wird: »Die Struktur des Signifikanten ist, wie man es gemeinhin über die Sprache selbst zu sagen pflegt, dass er artikuliert sei.«

Damit wird allerdings nicht lediglich die metaphysische Auffassung der Sprache als Repräsentation kritisiert, sondern gleichzeitig die von dieser Sprachauffassung getragene Ontologie: der Vorrang des Dinges, des Referenten; der Status des Objektes wird radikal problematisiert. Nachdem man gezeigt hat, »wie der Signifikant tatsächlich in das Signifikat eingeht, und zwar in einer Gestalt, die nicht immateriell« sein kann, stellt sich erneut die Frage »seines Ortes in der Realität«. Um diese Frage zu illustrieren, führt Lacan ein Beispiel an, das den Saussureschen Baum – womit dieser das Zeichen darstellt – in einem merkwürdigen Licht erscheinen lässt. Der Baum wird nämlich durch zwei Wörter ersetzt: Herren und Damen.

Die Verdoppelung des Signifikanten in Herren und Damen scheint der Saussureschen Differenz eher angemessen zu sein als das vereinzelte Wort »Baum«. Aber es sind erst die Signifikate, die Lacan ausgewählt hat, welche die Differenz wirklich potenzieren: die zwei Türen erhalten ihre reelle Bedeutung erst durch die Materialisierung des Signifikanten in der Gestalt der Schilder, die die »urinäre Segregation verwirklicht, welche die westliche Kultur nicht weniger als die der ‚primitiven’ Gesellschaften auszeichnet«. Ohne den Signifikanten also kein Signifikat und ebenfalls kein identifizierbarer, bestimmbarer Referent. Aber wie steht es mit dem Subjekt, mit den Herren und Damen, die von dem Signifikanten bei der Erledigung ihrer Bedürfnisse geführt werden? Um diese Frage zu beantwiorten, erzählt Lacan eine kleine, wahre" Geschichte:

Ein Zug läuft in einen Bahnhof ein. Ein Knabe und ein Mädchen, Bruder und Schwester, sitzen einander in  einem Abteil arn Fenster gegenüber, wobei sie die Gebäude am Bahnsteig vorbeigleiten sehen. Nachdem der Zug gehalten hat, sagt der Junge: »Schau, wir sind in Damen!’ – ,Dummkop!’ erwidert die Schwester, siehst du nicht, dass wir in Männer sind?«

Sind wir hier mit einem einfachen Beispiel einer Standpunktphilosophie konfrontiert? Kaum, denn das erste, was Lacan zufolge gesehen werden muss, ist, dass »die Schienen (les rails: und die Geschichte ist auch eine raillerie, ein Scherz) die Sperre (la barre) des Saussureschen Algorithmus materialisieren«, und zwar »in einer Weise, die suggeriert, dass ihr Widerstand anders als bloß dialektisch sein könnte«. Das Subjekt hier wird buchstäblich von der Sperre getragen, die Signifikant von Signifikat trennt: sein Ort ist auf dem Gleis, und zwar auf einem, das gleichzeitig entgleist. Denn der Streit zwischen dem Mädchen, das in »Männer« angekommen sein will, und dem Knaben, für den der Ort nur »Damen« heißen kann, lässt sich insofern schwerlich schlichten, als es um die Beziehung der Geschlechter geht, das heißt um eine Differenz, die die von ihr erzeugte Identität einem Ort zuweist, in dem sie nie ganz zu Hause sein kann. Es ist nicht zufällig, das dieser Ort in dem zitierten Beispiel ein Abort ist. Und ebenso wenig, dass dessen Türen zu sind. Denn – und dies ist wohl für Lacan das wichtigste an der Geschichte –

man müsste – und dies ist in der Tat das hier passende Bild – keine Löcher vor den Augen haben (,n’avoir pas les yeux en face de trous’), um sich über den jeweiligen Ort des Signifikanten und des Signifikates verwirren zu lassen, um nicht verfolgen zu können, aus welchem strahlenden Mittelpunkt der Signifikant sein Licht in den Schatten der unvollzogenen Bedeutungen vorauswirft.

[Weber, Samuel: Rückkehr zu Freud. Jacques Lacans Ent-Stellung der Pschoanalyse. Wien: Passagen Verlag, 1990, S. 61-66]

Symbolismus in der Psychoanalyse

„Wir haben es im Bereich der Sexualsymbolik immer wieder mit Texten zu tun, die sich nicht ganz verraten; der Interpret ist gehalten, auf Andeutungen zu reagieren, wobei er sich selbst als sexuelles Wesen notwendig mit ins Spiel bringt. Vielleicht hat man dem Sexualbereich überhaupt einen besonderen semiologischen Status zuzuerkennen. Schmetterlinge werden durch spezifische Duftstoffe zum Weibchen geführt und zur Begattung angeregt, wobei es offenbar unsinnig wäre, von der chemischen Analyse eines solchen Stoffes Aufschluss über Wesen und Funktion der Fortpflanzung zu erhoffen. Gewiss, Menschen sind keine Insekten, sie sind ausgerüstet, eine komplexe Vielfalt von Signalen zu verarbeiten; doch auch für sie kommt es in diesem Zusammenhang offenbar weniger als sonst auf Isomorphie von »signifiant« und »signifié« an. Ob Bäume, Waffen oder Obelisken »phallisch« sind, kann weder die Natur noch die Technik noch auch die Formenanalyse entscheiden. Das ganz Explizite wird pornographisch oder lehrbuchhaft und entbehrt des Stimulus, den die Anspielung ausübt. Diese aber setzt nicht nur Abstimmung von »Sender« und »Empfänger« voraus, sondern auch grundsätzlich Entsprechung in deren Konstitution. Wo das Einverständnis nicht gesichert ist, bleiben mehrfache Möglichkeiten des Verständnisses und Missverstehens – auch von Seiten des späteren literarischen Interpreten. Eben darin freilich liegt ein spielerischer Reiz, auf den wir im Grunde nicht verzichten möchten.

Ein deutsches Volksschulkind soll im Religionsunterricht gesagt haben, Adam und Eva seien aus dem Paradies vertrieben worden, »weil sie den Rasen betreten haben«. Die Autorität des Polizeistaates mit der allgegenwärtigen, amtlich gestelzten Aufschrift »Das Betreten des Rasens ist verboten« wird hier ins Metaphysische verlängert und ad absurdum geführt. Ob freilich dieses Kind die Antinomie zwischen dem Lustvoll-Vegetabilischen und einer Verbotsethik nicht im Grund doch richtig erfasst hat, dies zu entscheiden bleibt, je nach Einstellung zu Mythos, Symbolik und Tiefenpsychologie, uns Interpreten überlassen.”

[Burkert, Walter: “Die betretene Wiese. Interpretationsprobleme im Bereich der Sexualsymbolik”. In: Duerr, Hans Peter (Hrg.): Die wilde Seele. Zur Ethnopsychoanalyse von G. Devereux. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1987, S. 42]

Die Nachträglichkeit der Bedeutung

Es ist fast unnötig, auf die besonderen politischen Ausmaße des Moments, in dem sich a von I absondert, aufmerksam zu machen: Sie bestehen einfach ausgedrückt darin, dass man ein ideologisches Gebilde nicht allein aus dem Mechanismus der symbolischen Überdeterminierung erklären kann – die Ideologie stützt sich immer auf ein additives Element, das sich der Kategorie des Symbolischen entzieht. Lacan hat diese Dimension am deutlichsten in seinem »Graphen des Begehrens« entwickelt [Schriften II, S. 165ff.], dessen zwei Ebenen genau die symbolische Identifizierung und ihr Jenseits darstellen. Dieser Graph wurde in vier aufeinander folgenden Formen artikuliert; wollen wir ihn erklären, so sollten wir uns nicht auf die letzte, vollständigste Form beschränken, da die Folge der vier Formen nicht auf eine graduelle lineare Vervollkommnung reduziert werden kann – sie impliziert die retroaktive Veränderung der vorangegangenen Formen. So kann zum Beispiel die letzte, vollendete Form, welche die Artikulierung der oberen Hälfte des Graphen enthält, nur begriffen werden, wenn wir sie als eine Ausarbeitung der Frage »Che vuoi?« verstehen, welche uns die vorhergehende Form stellt, das heißt nur in ihrem Unterschiedensein von der vorangegangenen Form. Wenn wir vergessen, dass diese obere Hälfte nichts anderes ist als eine Artikulierung der inneren Struktur einer Frage, welche vom Ort des Anderen ausgeht, mit dem das Subjekt jenseits jeglicher symbolischer Identifizierung konfrontiert wird, so verfehlen wir notwendigerweise die Entwicklung des Problems. – Beginnen wir nun mit der ersten Form, mit der »Elementarzelle des Begehrens«:

Was wir hier vor uns haben, ist ganz einfach die graphische Dar­stellung der Beziehung zwischen Signifikant und Signifikat. Be­kanntlich stellte Saussure diese Beziehung bildlich als zwei parallele Wellenlinien oder zwei Oberflächen desselben Blattes dar: Das lineare Fortschreiten des Signifikats verläuft parallel zur linearen Artikulierung des Signifikanten. Lacan strukturiert diese doppelte Bewegung ganz anders: Eine mythische, präsymbolische Intention (mit Δ bezeichnet) »durchsteppt« die Signifikanten­kette, jene Reihe von Signifikanten, die durch den Vektor S-S' gekennzeichnet ist. Das Produkt dieses Steppens (das heißt »das, was auf der anderen Seite herauskommt«, nachdem die mythische reale Intention durch den Signifikanten hindurchgeht und aus ihm heraustritt) ist das durch das Mathem $ gekennzeichnete Subjekt (das geteilte, gespaltene Subjekt, und gleichzeitig der ausgelöschte Signifikant, der Mangel des Signifikanten, das Leere im Netz der Signifikanten). Schon diese minimale Artikulierung zeugt von der Tatsache, dass wir es mit einem Prozess der Ausrufung von Individuen als Subjekten zu tun haben (von Individuen, dieser präsymbolischen, mythischen Einheit; auch bei Althusser ist das »Individuum«, das als Subjekt angerufen wird, begrifflich nicht definiert, es ist einfach ein hypothetisches X, das vorausgesetzt werden muss). Der »Stepppunkt« ist der Punkt, durch welchen das Subjekt an den Signifikanten »angeheftet« wird, und gleichzeitig der Punkt, der das Individuum als Subjekt anruft, indem er sich mit dem Ruf eines bestimmten Herrensignifikanten (»Kommunismus«, »Gott«, »Freiheit«, »Amerika«) an es wendet – mit einem Wort, er ist der Punkt der Subjektivierung der Signifikantenkette.

Ein auf dieser elementaren Stufe des Graphen entscheidendes Merkmal ist, dass der Vektor der subjektiven Intention den Vektor der Signifikantenkette retroaktiv, in rückwärtiger Richtung, durchsteppt: Er tritt an einem Punkt aus der Kette aus, der vor dem Punkt liegt, an dem er in sie eingedrungen ist. Lacan betont hier den retroaktiven Charakter des Bedeutungseffekts im Hinblick auf den Signifikanten, dieses Zurückbleiben des Signifikats hinter dem Fortschreiten der Signifikantenkette: Der Bedeutungs­effekt, wird immer nachträglich erzeugt. Die frei flottierenden Signifikanten, deren Bedeutung noch nicht fixiert ist, folgen einander, bis zu dem Moment, zu dem ein Signifikant retroaktiv die Bedeutung der Kette an einem bestimmten Punkt – an genau jenem Punkt, an dem die Intention die Signifikantenkette kreuzt und durchquert – fixiert, die Bedeutung an den Signifikanten heftet, das Gleiten der Bedeutung stoppt. Um dies richtig zu verstehen, müssen wir nur an die Funktionsweise des ideologischen  »Steppens« denken. Im ideologischen Raum flottieren Signifikanten wie »Freiheit«, »Staat«, »Gerechtigkeit«, »Frieden« usw.,  deren Kette dann ein Herrensignifikant hinzugefügt wird (»Kommunismus« etwa), der retroaktiv  ihre (kommunistische) Bedeutung festlegt – »Freiheit« wird allein dadurch wirklich, dass sie die formale bürgerliche Freiheit überwindet, welche nur eine Form von Sklaverei ist; der »Staat« ist das Mittel, mit dessen Hilfe die herrschende Klasse die Bedingungen ihrer Herrschaft sichert; Marktwirtschaft kann niemals »gerecht« sein, weil gerade die Form des Tauschs von Arbeit und Kapital Ausbeutung impliziert; Krieg ist der Klassengesellschaft als solcher inhärent, nur die sozialistische Revolution kann dauerhaften »Frieden« bringen usw. (Ein demokratisches und liberales »Steppen« führt natürlich zu einem ganz anderen Artikulieren von Bedeutung, ein konser­vatives »Steppen« erzeugt eine Bedeutung, die im Gegensatz zu den beiden genannten Feldern steht.) Wie Jacques Alain Miller hervorgehoben hat, können wir bereits auf dieser elementaren Stufe die Logik der Übertragung feststellen, also jenen Grundmechanismus, der die den Übertragungsphänomenen eigene Illusion erzeugt: Übertragung ist die Kehrseite des Zurückbleibens des Signifikats in Bezug auf den Strom der Signifikanten; sie besteht in der Illusion, dass die Bedeutung eines bestimmten Elements (das retroaktiv durch die Intervention des Herrensignifikanten fixiert wurde) von Anfang an als dessen immanentes Wesen gegenwärtig war. Wir sind »in der Übertragung«, wenn es uns vorkommt, als sei wirkliche Freiheit »ihrem Wesen nach« der bürgerlichen formalen Freiheit entgegensetzt, als sei der Staat »seinem Wesen nach« nur ein Werkzeug der Klassenherrschaft usw. Das Paradoxon liegt natürlich in der Tatsache, dass diese Übertragungsillusion notwendig ist; an ihr lässt sich sogar der Erfolg des »Steppvorgangs« ablesen: Das «Steppen« ist nur insofern erfolgreich, als es seine eigenen Spuren verwischt.

Dies ist demnach die fundamentale Lacansche These hinsichtlich der Beziehung von Signifikant und Signifikat: Anstelle des linea­ren, immanenten notwendigen Fortschreitens, das heißt der Entfaltung der Bedeutung, ausgehend von einem anfänglichen Keim, haben wir einen radikal zufälligen Prozess retroaktiver Bedeu­tungsproduktion. Auf diesem Weg gelangt man zur zweiten Form des Graphen des Begehrens, zu der Bestimmung der beiden Punkte also, an denen die Intention  Δ die Signifikanten­kette kreuzt: A und s(A), der große Andere und das Signifikat als dessen Funktion:

[Zizek, S.: Der erhabenste aller Hysteriker. Lacan Rückkehr zu Hegel. Wien-Berlin: Turia & Kant, 1991, S. 177.180]

„Eine andere Möglichkeit sehe ich darin, Lacans Begriff der Bedeutung einer näheren Betrachtung zu unterziehen. Wenn wir von Bedeutung sprechen, so können wir verschiedene Facetten im Umfeld eines sprachlichen Ausdrucks hervorheben, was im folgenden grob skizziert werden soll. Wir können im Sinne der Bedeutung der Eigennamen bei Frege den sachlichen Referenten im Auge haben, den eine Wortvorstellung impliziert. Es würde der Annahme entsprechen, die Frau wäre jenseits und vor aller Beschreibung ein von ihrer Biologie her zu erfassendes Wesen. Dies sei als ontologische Interpretation der Bedeutung aufgefasst. Hier wäre französisch von "dénotation" zu sprechen. Lacans Bezugnahmen auf Frege sind allerdings im beobachteten Zeitraum nur sehr spärlich, und er spricht rund um das Seminar III, wenn er von Bedeutung spricht, nicht von "dénotation", sondern von "signification".

Bedeutung als "signification" kann zweifach verstanden werden. Wir können wie in überkommenen Theorien mentaler Repräsentation von der Vorstellung sprechen, die sich uns mit einem Wort verbindet. Die Angst vor der Frau erzeugt im einzelnen Menschen Verschlingungsphantasien. Bezeichnen wir ein solches, mit einem Vorstellungsinhalt gleichgesetztes Verständnis der Bedeutung als psychologische Interpretation der Bedeutung. Die andere Möglichkeit besteht mit Saussure davon auszugehen, dass für die Verbindung zwischen Bezeichnendem und Bezeichnetem vor allem der sprachliche Kontext entscheidend ist, was im Gegensatz zu den ersten beiden Interpretationen einen Verzicht auf eine starre Relation zwischen einem Wort und seiner Bedeutung beinhaltet. Dies sei hier im Hinblick darauf, dass Festlegungen von Bedeutungen in diesem Fall nur in Übereinkunft zwischen den Mitgliedern einer Sprachgemeinschaft getroffen werden können, konventionelle Auslegung der Bedeutung genannt.

Die ontologische Interpretation der Bedeutung im Sinne Freges spielt, wie gesagt, bei Lacan keine Rolle.1 Die beiden anderen Bedeutungskonzeptionen sind hingegen beide relevant für Lacan. Seine Behauptung, die Bedeutung sei zunächst imaginär, legt ein psychologisches Verständnis der Bedeutung nahe: Bedeutung wird als bildartiger Glaubensinhalt des einzelnen gefasst. Hier werden wir an Foucaults frühe Analyse des (Traum-)Bildes bei Freud erinnert. Foucault kritisiert, dass Freud diese Bilder lediglich ihrem semantischen Wert nach, nicht jedoch in ihrem syntaktischen Funktionieren anerkennt. So verstandene Bilder implizieren ein Sprechen, das nicht formuliert (Foucault 1992, 17) – ein Sprechen, das alles in allem nicht als Sprechen aufzufassen ist. Bei Lacan, so konzediert Foucault, hat das Sprechen zwar größere Bedeutung als bei Freud. Aber auch Lacan gelingt es nicht, die Bilder zum Sprechen zu bringen. (Vgl. Kadi 1999, 110) Die Imago wird den Gesetzen des Wortes unterworfen und wird zum "Moment des Schweigens [...], in dem die Bedeutungsdialektik des Sprechens erstarrt und sich von ihrem Gesprächspartner faszinieren lässt". (Foucault 1992, 20) Lacans Bilderwelt verdankt ihren paranoischen Beigeschmack nicht zuletzt dieser verkürzten Perspektive auf das Bild. Seine psychologische Auffassung der Bedeutung umfasst jene Wahnmomente, die für ihn konstitutiv zur Erkenntnis dazugehören.

Das Aussprechen eines Wortes markiert einen qualitativen Sprung in der Genese der Bedeutung: "Der Signifikant liefert nicht nur die Hülle, den Behälter der Bedeutung, er polarisiert sie, er strukturiert sie, er führt sie in die Existenz ein." (Lacan 1997, 308) Im Symbolischen verliert die Bedeutung ihre solipsistische Konnotation, aber, was hier wichtiger ist, auch die Starrheit ihrer Relation zum Bedeutungsträger. Sie wird zur Momentaufnahme, denn das "Verhältnis des Signifikats und des Signifikanten erscheint immer flüssig, immer bereit sich aufzulösen." (Lacan 1997, 309) Dies entspricht dem oben beschriebenen konventionellen Bedeutungsverständnis, das auf strukturalistischen Prämissen aufruht. Denn Lacan besteht darauf, dass das Signifikat eine Bedeutung sei, die stets auf eine andere Bedeutung verweist. (Vgl. Lacan 1997, 42) Alles scheint zu gleiten. Die Festlegung einer Bedeutung erfordert aber eine Begrenzung der Beliebigkeit. Deshalb werden Bedeutungen von Lacan auch als Widerstände gegen das Gleiten zwischen den beiden Strömen aus Signifikanten und Signifikaten aufgefasst, ja sogar als Punkte, als Steppunkte, an denen Signifikant und Signifikat momentan verknüpft sind.2 Die gesteppte Verbindung braucht als konventionelle im Unterschied zur psychologischen Auffassung von Bedeutung einen Konsens in der Sprachgemeinschaft.

Lacan verwendet den Ausdruck "Bedeutung" auf zweifache Weise: Ein konventionelles Verständnis ist mit einem psychologischen eng durchflochten. Die Psychose bildet das Kriterium. Lacan setzt beide Interpretationen ein, um zu beschreiben, wie der so genannte Normale der Psychose entkommt. Psychotiker ist, wie oben gesagt, wer zur Beute der Bedeutungen der anderen wird. Wie schützt sich ein Mensch vor diesem Übergriff? Im Sinne einer psychologischen Bedeutungsinterpretation muss er eine gewisse Zahl an grundlegenden Bindungspunkten etablieren, Bedeutungen, die dem kontextuellen Wechselspiel der Signifikanten widerstehen. Demgegenüber sind die imaginären Bedeutungen im Sinne eines konventionellen Bedeutungsverständnisses dem Signifikanten zu unterstellen, denn ein Verharren im Imaginären gilt gemäß dem Spiegelstadium als paranoisch.

Für Lacans widersprüchliche Bemerkungen zur Bedeutung und zur Rolle der Frau lassen sich aus dem Gesagten folgende Schlüsse ziehen: Das psychologische Moment an seiner Bedeutungskonzeption erlaubt ihm, eigene Erinnerungen und Umschriften dieser Erinnerungen zum Bestandteil der Bedeutung zu erklären, die er der Frau zuschreibt. Schließlich braucht auch er eine unbestimmt große Zahl an grundlegenden Bindungspunkten, die ihn vom Psychotiker unterscheiden. Diese Zuschreibungen bieten wenig Zündstoff, können sie doch als Privatmeinung eines Psychiaters rasch entschärft werden. Dort, wo die Frau als Signifikant in eine Bewegung gerät, die ihre Bedeutung zwischen Naturobjekt und Gesetz schwanken lässt, ist ebenso wenig Aufregung angezeigt, denn die Beliebigkeit des Verhältnisses zwischen Signifikant und Signifikat erlaubt rasche Umschriften. So scheinen fast alle Widersprüche gelöst.

Der Eindruck einer gewissen Selbstunterbietung Lacans ist allerdings nicht leicht zu verwischen, wären doch strukturale Lesarten des Geschlechts denkbar, die spielerischer und weniger traditionell aufgebaut sind. Es bleiben entscheidende Fragen offen, für die stellvertretend die folgende genannt sei: Weshalb tritt der Mann bei Lacan unter Bedingungen der Signifikantenbewegung niemals als instinktgebundenes Naturobjekt auf? Wenn Bedeutung fest und verschiebbar in einem gedacht und die Frage nach einem sachlichen Referenten ausgespart werden kann, verliert doch auch eine solche Behauptung ihre Schrecken.

Zusammenfassung:

Die Bedeutung der Frau steht im Verlauf von Lacans theoretischer Entwicklung nicht fest. Aspekte seines Blicks auf Frauen zu untersuchen, führt zu seiner Theorie der Psychose. Dort spielt die Bedeutung als solche, die für ihn auch mehrere Aspekte hat, eine wichtige Rolle. Es scheint möglich, einige seiner misogynen Bemerkungen in ein breites Konzept von Bedeutung zu integrieren.“

_________

1    Wie Gondek zurecht bemerkt, versteht Lacan Saussure teilweise falsch und verlagert dessen Postulat von der Beliebigkeit der Beziehung zwischen dem Signifikanten und dem Signifikat an vielen Stellen in die Beziehung zwischen dem Signifikanten und dem Referenten. (Vgl. Gondek 1990, 324)

2   Diese Konzeption erinnert an Freud, der das Symbol "als dünne Kontaktfläche [auffasst], die eine innere und eine äußere Welt trennt und zugleich verbindet." (Foucault 1992, 18).

[Kadi, Ulrike: „Von der Mutterbrustimago zum Gesetz der Mutter“. In:  texte,  4/1999, S. 19ff. Vgl. auch: Kadi, U.: Bilderwahn: Arbeit am Imaginären. Wien: Turia und Kant, 1999]

Nach Lacans Theorie ist Bedeutung eine Funktion von Zeichen, und Zeichen existieren nur im Kontext einer Sprache. Im Anschluss an Ferdinand de Saussure vertritt Lacan die Auffassung, dass ein Zeichen die im Grunde arbiträre Verbindung eines Signifikanten – etwa dem Laut oder der Inschrift ›Baum‹ – und einem Signifikat ist. Wenn Saussure diese Verbindung als arbiträr bezeichnete, meinte er erstens, dass jeder andere Laut genauso gut hätte Bäume bezeichnen können, und zweitens, dass jedes Zeichen den Wert, den es hat, nur durch seine Beziehungen zu anderen Zeichen in der Sprache hat: die Bedeutung eines ›Signifikanten‹ ist durch seine Stellung in einer Kette von Signifikanten gegeben, insbesondere durch seine Unterschiede von diesen. Außerdem kann sich die Bedeutung eines Wortes mit der Zeit verändern. (Saussure meinte nicht, wie Lacan unterstellt, dass dies in jedem Augenblick geschehen könne.) Lacan fasst nun den Umstand, dass die Verbindung zwischen Signifikant und Signifikat in allen diesen Sinnvarianten arbiträr ist, dahingehend, dass die Signifikanten ihrem Wesen nach verschiebbar sind, und eben diese Verschiebung hält er nun für die Metapher.

Eines der Probleme in Saussures Erklärung – ein Problem, das Lacan übernimmt – liegt darin, dass Saussure die Unterscheidung zwischen einem Begriff – z. B. ›Baum‹ – und der Klasse von Dingen verwischt, die der Begriff miteinander vernetzt: geistige Bilder und Abbildungen von Bäumen, aber auch reale Bäume in der Welt. Ist der Signifikant das Wort plus der Begriff und das Signifikat somit die Klasse jener Dinge, die der Begriff herauspickt (seine Bezeichnung/Bezugnahme)? Oder ist der Begriff ein Teil des Bezeichneten? Dieser Punkt ist wichtig, denn welchen Laut oder welche Inschrift wir benutzen, um den Begriff ›Baum‹ zu markieren oder auf Bäume Bezug zu nehmen, ist arbiträr in dem Sinne, dass jeder andere Laut oder jede andere Inschrift ebenso gut dafür geeignet wären. Dies gilt jedoch nicht für die Beziehung zwischen dem Begriff ›Baum‹ und der Klasse von Dingen, auf die er Bezug nimmt. Wegen der Art, wie wir die Dinge in der Welt sortieren, das heißt aufgrund der Eigenschaften, die wir für Bäume als wesentlich erachten, pickt ›Baum‹ Ulmen, Eichen, Weiden usw. heraus und nicht Rosen, Einhörner, Mineralwasser oder Hunde.

Könnten wir denn die Dinge nicht anders sortieren? Ist nicht das von uns so genannte ›Wesen‹ des Baumes davon abhängig, was für uns wichtig ist?

Und könnten sich unsere Kriterien nicht verändern? Gewiss. Begriffe verändern sich. Freilich nicht über Nacht. Sie verändern sich den Entdeckungen entsprechend, die wir über die Welt machen, oder nach den Verschiebungen in unseren Werten und in den Eigenschaften, die wir für prägnant halten, und nach den Gründen, warum wir sie dafür halten. Wir pflegten die Wale für Fische zu halten, bis wir entdeckten, wie die Wale ihre jungen ernähren; dass Männer, und nur Männer ›Präsidenten‹ und ›Geldverdienen‹ sein konnten, bis wir einige unserer Vorstellungen über Männer und Frauen anzuzweifeln begannen. Ihre jeweilige Bedeutung haben Begriffe jedoch nur in einem bestimmten Gebrauchskontext. Welche Objekte in der Welt ein Begriff auswählt, ist unter der Voraussetzung dieses Kontextes jedoch nicht arbiträr.

Dies besagt außerdem, dass die Wechselbeziehung zwischen Begriffen eine wichtige Bedeutungseinschränkung ist, allerdings nicht die einzige. Die Bedeutung von ›Baum‹ ist teilweise durch ihre Verbindung zu anderen Begriffen wie zum Beispiel Busch, wachsendes Ding usw. festgelegt und teilweise durch die Wechselbeziehung zwischen Wörtern und Sprechern sowie zwischen Wörtern, Sprechern und Welt. Lacan will die Sprache als unpersönliches System denken, das unabhängig von gesprochener Sprache und Sprechern existiert; als ein System, in das jeder von uns als denkendes Wesen hineingeboren wird, und das uns allmählich voneinander entfremdet. Sprache läßt sich jedoch nicht auf diese Weise von der Rede abtrennen und Begriffe nicht von den Begriffsbenutzern.

Natürlich werden nicht alle Begriffe von realen materiellen Objekten exemplifiziert, zum Beispiel ›Einhorn‹. Gerade die Wissenschaft ist in dieser Hinsicht voll von komplexeren Problemen. Jede Theorie der Zeichen (und der Sprache) muss jedoch eine Theorie der Bezugnahme enthalten: darüber, wie die Wörter sich an der Welt festmachen. Sie muss uns sagen können, wie Bedeutung oder Sprache überhaupt in Gang kommt. Es gibt viele verschiedene Versuche, diese Geschichte zu erzählen. Sie brauchen jedoch alle jene ehrwürdige Unterscheidung zwischen dem Begriff und den Dingen, die den Begriff exemplifizieren, oder zwischen Konnotation und Denotation oder zwischen Sinn und Bezugnahme – eine Unterscheidung, die Lacan verwischt. (Diese Paare von Termini sind zwar nicht austauschbar, aber sie sind alle dazu benutzt worden, um so etwas wie die angesprochene Unterscheidung zu kennzeichnen.) Eine Bedeutungstheorie braucht also mindestens drei kritische Termini: Laut oder Inschrift, Begriff und Bezugsobjekt [referent] des Begriffs. Weil Lacan die Unterscheidung zwischen den letzten beiden Termini vernachlässigt, kann er behaupten, dass es keine außer sprachliche Realität gibt, auf die die Wörter Bezug nehmen, und dass »die Welt der Wörter die Welt der Dinge erschafft«, wie er dunkel formuliert.

Indem Lacan die Verbindungen zwischen Außenwelt und Begriffen sowie zwischen Begriffen und Sprechern ignoriert, ignoriert er auch die Unterscheidung zwischen Bedeutung und Gebrauch eines Terminus. Eben diese ist jedoch für das Verständnis der Metapher entscheidend. (Siehe Davidson, «What Metaphors Mean», in: ders. Wahrheit und Interpretation, Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1986).”

[Cavell, Marcia: Freud und die analytische Philosophie des Geistes. Überlegungen zu einer psychoanalytischen Semantik. Stuttgart: Klett-Cotta, 1997, S. 247-2249]

„El análisis lógico se había mostrado capaz de descomponer el pensamiento sin que por ello perdiere su unidad. Por ello, y en tanto la lógica era considerada como universal, habría principios universales que todas las lenguas debían acatar. No está demás recordar que el efecto práctico de una tal concepción fue el intento de construcción de una gramática que expresara adecuadamente al pensamiento lógico.

Puede inferirse de esto que estamos comentando que en la época clásica todo el interés estaba puesto en el cómo se representa, cómo se encadenan las representaciones, cómo se articulan. Esta concepción del signo, en la cual las palabras representan a las cosas, es una organización binaria, pues queda establecida una relación entre el representante y lo representado.

Con el nacimiento de la lingüística en sentido moderno, hecho que tiene lugar en la obra de Ferdinand de Saussure, la relación sufre un traslado, encontrándonos con una caída del referente, quedando entonces separado el orden de las cosas del campo de la lingüística, habiéndose trasladado el problema al interior del signo. Todo se jugará en la relación entre significante y significado. Saussure no solamente rompe con la gramática de la época clásica, que consideraba a la lengua como representación del pensamiento, sino que asimismo rompo con sus predecesores inmediato, los historicistas y comparativistas, quienes sostenían en el origen de las lenguas una actividad del espíritu que las fue modelando a fin de representarse a sí mismo. Para Saussure la lengua no es ni representación del espíritu ni representación del pensamiento. Pero sin embargo el problema de la representación del lenguaje subsiste, pues el signo, cualquiera sea la concepción del mismo, siempre representa algo para alguien. Aún cuando el lenguaje no tenga función de representar, sino sólo de comunicar, que es lo que Saussure sostiene, persiste el problema de la representación.

Para Lacan no se trata del signo, sino del significante, y de lo que el significante represente. Digamos, aunque esto aún resulte para muchos incomprensible, que el significante representa a un sujeto, y no a un significado, y al sujeto no lo representa para otro sujeto, para alguien, sino que lo representa para otro significante.“

[Alemán, J. / Larriera, S.: „Encuentro de Manuela Malasaña“. En: Serie Psicoanalítica. Boletín de psicoanálisis. 2/3, 1983, p. 86-87]

„Un lapsus permite a Lacan discernir lo siguiente: el inconsciente está estructurado como un lenguaje, y la única manera de aprehender el trabajo del inconsciente es en el mismo discurso. [...] Suponer al inconsciente la estructura de un lenguaje es estar provistos de algún elemento que aplicado sobre las formaciones del inconsciente muestre en dichas formaciones la estructura de ese lenguaje. Ese elemento en la teoría lingüística no es otro que el signo Saussuriano,

El signo es ese concepto que pone en juego una teoría del lenguaje para decir que algo es lenguaje y que aplicado sobre cualquier elemento lo somete a estos procedimientos y operaciones de lenguaje para mostrarlo constituido en tanto signo por un significado y un significante, con una relación indecidible entre ambos, donde uno conduce al otro: el significante „casa“ remite al significado „casa“, esta sería la unidad elemental que le permite a Saussure formular los fundamentos científicos de su concepción del lenguaje.

En sus trabajos sobre esa materia prima que es la obra de Freud, Lacan formula la concepción del lenguaje en la cual se sostiene su tesis central. El algoritmo fundacional lacaniano de lo que es la estructura del lenguaje es este:

S

s

La teoría del signo lingüístico en Saussure dijimos que conducía a mostrar como relacionados al significante y al significado, lo que era la materialidad fónica, la imagen acústica y lo que era el concepto, el significado. Es decir, significante: materialidad fónica y significado: concepto. Las flechas indican un tránsito en ambos sentidos de manera que la barra no los separa sino que más bien los relaciona, ejemplo de esta relación es el círculo que la rodea, como para indicar una univocidad o tránsito entre significante y significado. Ahora bien, en Lacan hay una modificación fundada en su concepción del lenguaje, por ello desaparece el círculo y las flechas mostrando desde allí una preeminencia del significante indicándolo con mayúscula, sobre el significado indicado con minúscula. La barra ahora será de resistencia para mostrar la no adecuación de ambos términos tal como lo sostenía la lingüística clásica.

Disponer de este matema – matema en tanto que se trata de letras a las que es difícil darles un sentido – una “S” mayúscula, “s” minúscula, una barra, en sí mismas carecen de sentido, sólo en su articulación nos permiten darle el sentido de un algoritmo mediante el cual el psicoanálisis se plantea la concepción del lenguaje. Al aplicar este matema sobre cualquier producto, una formación del inconsciente, lo que producimos automáticamente es una separación del significante y el significado para reducir todo a un hecho del significante. Si yo aplico este algoritmo sobre un lapsus, un chiste, se pierde toda ilusión de que entre las palabras que se dicen y los significados que parecieran corresponderles existe alguna adecuación. Esto quiere decir que muy otra sería la posición de la teoría del signo sobre la producción de un lapsus con respecto a la concepción que tiene el psicoanálisis. Para la teoría lingüística este lapsus estaría formado por algunas unidades que en sí mismas forman una reunión del significado y significante, mientras que la aplicación del algoritmo lacaniano a las formaciones del inconsciente produce una reducción de este hecho a su pura dimensión significante, ya que hay una barra resistente.

De esta manera dejamos acotado en qué sentido en la fórmula “el inconsciente está estructurado como un lenguaje”, el término lenguaje tiene su definición formal, porque esto es una formalización, un algoritmo, un matema, que ya no es la de la ciencia lingüística sino que es una formalización específica del pisocoanálisis.”

[Alemán, J. / Larriera, S.: „Encuentro de Manuela Malasaña“. En: Serie Psicoanalítica. Boletín de psicoanálisis. 2/3, 1983, pp. 90-92]