SENSISMUS

Sensismo

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Nominalismus / Konzeptualismus / Platonismus / Sprache und Realität / Sprache und Denken / Denken / Positivismus

 

Sensismus (Sensualismus)

ist die Lehre, dass zwischen Denken und anschaulicher Vorstellung kein wesentlicher Unterschied bestehe, dass vielmehr die Denkfunktionen sich in solche der Sinnesvorstellungen auflösen lassen. Im englischen Empirismus (Hume) und der französischen Aufklärung (Condillac) grundgelegt, wurde der Sensismus unter dem Einfluss des Positivismus (Comte) in der Psychologie des 19. Jhts. für Jahrzehnte vorherrschend. Man erklärte z.B. die Allgemeinbegriffe als bloße Typenbilder (Galton); als Mitschwingen vieler unbewusster Bilder mit einem einzigen im Bewusstsein stehenden, wodurch der Allgemeinheitseindruck entstehe (James); das Urteil fasste man als bloße feste Assoziation zwischen zwei Vorstellungen (Ziehen); oder man nannte alle Denkfunktionen anschauliche «Denkgestalten» (Kofka). Diese Erklärungen zielten an dem, was zu erklären war, vorbei. Typenbilder sind den Einzeldingen mehr oder minder in einer Hinsicht ähnlich, aber nicht gleichsinnig von allen diesen Dingen aussagbar wie Allgemeinbegriffe. Diese stehen «als solche» reflex deutlich erfasst im Vollbewusstsein. Assoziationen erklären zwar die sinnblinde Abfolge von Vorstellungen nach pschologischer Notwendigkeit, nicht aber die Evidenz der logisch notwendigen Verbindung zweier Begriffe. Das Wort  Denkgestalt wäre gut, wenn es die Vieleinheit der Denkvorgänge allein bezeichnete, erklärt aber in keiner Weise die Sonderart des Denkens gegenüber den Sinnesvorstellungen.”

[Brugger, Walter: Philosophisches Wörterbuch. Freiburg, Basel, Wien: Herder, 111964, S. 287]

Nominalismus

ist jene Lehre, die dem Allgemeinen weder in der Dingwelt noch im Denken eine Existenz zugesteht. In der radikalsten Form erscheint der Nominalismus im 11. Jh., wo Roscellin von Compiègne nur den Namen (darum Nominalismus) Allgemeinheit zuschreibt. Diese Ansicht widerspricht dem klaren Bewusstseinsbefund, der außer den Gemeinnamen auch allgemeine Denkinhalte aufweist. Von der mittelalterlichen Form des Nominalismus ist der Nominalismus der neueren Zeit, auch Sensismus genannt, zu unterscheiden. Die englischen Philosophen Berkeley, Locke, Hume, St. Mill, Spencer, die deutschen Philosophen Wundt, Ziehen, Mach greifen unter dem Eindruck mangelhafter Bewusstseinsanalyse zu sinnlichen Schemen als Ersatz für echte Allgemeinbegriffe. Der Grund dafür liegt im Verkennen der geistigen Abstraktion, die allein erklärt, wie wir zwar in der Bildung der Begriffe von der Erfahrung abhängig sind, wie aber die Allgemeinbegriffe trotzdem die Erfahrung übersteigen. Meist nennt man auch den Konzeptualismus des Spätmittelalters, insbesondere Ockhams, Nominalismus oder Terminismus; mit einem gewissen Recht, da die Allgemeinbegriffe im Sinne des Konzeptualismus für den Aufbau der Wissenschaften kaum geeigneter sind als die sinnlichen Schemen des Nominalismus.”

[Brugger, Walter: Philosophisches Wörterbuch. Freiburg, Basel, Wien: Herder, 111964, S. 217]