PRAGMATISMUS

Pragmatismo

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Peirce, Charles Sanders / Pragmatik / Behaviorismus

 

Pragmatismus (von griech. pragma, Sache, Handlung)

Der Ausdruck Pragmatismus ist ursprünglich von Peirce 1878 als Bezeichnung für seine Theorie des Sinns eingeführt worden. Nach dieser ist der Inhalt eines Urteils mit dem praktischen Unterschied identisch, der sich daraus ergibt, ob das Urteil wahr oder falsch ist. Später wurde der Ausdruck von James, Dewey und F. C. S. Schiller übernommen. Er bezeichnet dort eine allgemeine Erkenntnistheorie mit dem Grundgedanken, dass Wahrheit als eine Form von Nutzen oder als gebrauchsmäßiger (instrumenteller) Wert zu verstehen sei. Nach James ist eine Überzeugung wahr, wenn sie für den nützlich oder befriedigend ist, der sie hat. Dewey legt entscheidendes Gewicht auf die instrumentelle Funktion der Erkenntnis für die Praxis und bestimmt Wahrheit als das, was als Handlungsgrundlage verwendet fruchtbare Konsequenzen in Form der Erfüllung von Voraussagen und in geglückten Problemlösungen zeitigt.

Der Ausdruck Pragmatismus wird heute in einem weiteren Sinn für die Hauptströmung in der Philosophie der USA in diesem Jh. gebraucht, die in verschiedener Weise den älteren Pragmatismus mit Einsichten aus der empirischen Tradition verbindet. Charakteristisch für den Pragmatismus ist, dass die Begriffe und Theorien, mit denen wir die Wirklichkeit beschreiben und erklären, als durch Konvention bedingte Mittel ausgelegt werden und nicht als gegebene Widerspiegelungen der unveränderlichen Beschaffenheit der Wirklichkeit. In diesem Zusammenhang weist der Pragmatismus die dem Rationalismus und Empirismus gemeinsame Auffassung zurück, dass Erkenntnis eine sichere Grundlage habe, sei es in der Form gewisser vorgegebener Daten oder in einem absolut sicheren Erkenntnisvermögen. Satt dessen verficht der Pragmatismus den von Peirce ausgehenden Fallibilismus, nach dem alles Wissen vorläufig und im Prinzip fehlbar ist. In der Philosophie der Wissenschaften ist der Pragmatismus hauptsächlich als Instrumentalismus im Gegensatz zum Realismus aufgetreten. In der Frage nach der wissenschaftlichen Methode kritisiert er den Induktismus und vertritt eine hypothetisch-deduktive Denkauffassung. In der Bewusstseinsphilosophie und in der Sprachphilosophie ist der Pragmatismus überwiegend behavioristisch geprägt; in der Form, die Quine dem Pragmatismus gegeben hat, werden die zentralen Unterscheidungen der traditionellen Philosophie zwischen analytisch und synthetisch und zwischen a priori und a posteriori scharf kritisiert.“

[Hügli, A. / Lübcke, P. (Hg.): Philosophielexikon. Personen und Begriffe der abendländischen Philosophie von der Antike bis zur Gegenwart. Reinbek: Rowohlt, 1991, S. 471-472]