POSTSTRUKTURALISMUS

Postestructuralismo

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Postmoderne / Signifikant bei Lacan und beim Poststrukturalismus / Lacan /  Signifikant / Bedeutung / Gehirn / Gehirn und Sprache / Mythos in der psychoanalytischen Theorie  / Sinn / Behaviorismus / Skinner / Nachträglichkeit

 

Poststrukturalismus

Das Signifikat ist nicht das Primäre, es ist weder durch die Realität noch das Subjekt konstituiert oder garantiert. Das Signifikat, die Realität, der Gegenstand – das sind Hervorbringungen des Signifikanten, und dieser ist allein verstehbar aus einem Spiel und System von Differenzen, dessen Spielregeln immer wieder neu entstehen, nirgends niedergeschrieben sind, sondern sich nur herauslesen lassen, und weder durch ein Esperanto noch eine Universalgrammatik ineinander transformierbar sind.

Die Grundannahme des Poststrukturalismus

besteht darin, dass die Sprache, weit davon entfernt, eine vorgegebene gesellschaftliche Realität widerzuspiegeln, die soziale Wirklichkeit für uns konstituiert. Weder die gesellschaftliche Realität noch die «natürliche» Welt haben feste inhärente Bedeutungen, die durch die Sprache widerspiegelt oder zum Ausdruck gebracht werden. Verschiedene Sprachen und verschiedene Diskurse innerhalb derselben Sprache unterteilen die Welt in verschiedener Weise und schreiben ihr in unterschiedlicher Weise Bedeutung zu. Diese Bedeutungen können nicht durch eine Übersetzung oder durch die Berufung auf universelle, allen gemeinsame Begriffe, in denen sich eine unverrückbare Wirklichkeit spiegelt, aufeinander zurückgeführt werden. So variieren beispielsweise die Bedeutungen von Männlichkeit und Weiblichkeit von Kultur zu Kultur und von Sprache zu Sprache (Weedon, Chris: Wissen und Erfahrung. Feministische Praxis und poststrukturalistische Theorie. Zürich: eFeF-Verlag, 1990, S. 36)

Keine Idee vor dem Wort also, kein Ding vor dem Zeichen, kein Element vor dem System, kein Positives vor der Differenz. Kein Ursprung, kein Rekurs, keine Referenz, keine Garantie, kein Eigentliches. Kein Anker, keine Reling und keine Sonne; Navigation nur nach dem Mond und nach Sternen, deren Präsenz unsicher und deren Licht nur noch eine Spur ist.“

[Signer, David: Konstruktionen des Unbewussten. Die Agni in Westafrika aus ethnopsychoanalytischer und poststrukturalistischer Sicht. Wien: Passagen Verlag, 1994, S. 89-90]

“«Im gesamten (abendländischen) Glauben hat man gewettet, dass Zeichen stets nur auf die Tiefe eines Sinns verweisen und sich gegen den Sinn austauschen lassen – wobei jemand als Bürger in diesem Tausch auftritt – natürlich Gott. Doch wie, wenn sich Gott selbst auf Zeichen reduzieren ließe? Wie, wenn man in der Lage wäre, Ihn zu simulieren? Dann gleitet das ganze System in Schwerelosigkeit hinab und wird selbst nur noch eingigantisches Simulakrum – nicht irreal, sondern ein Simulakrum, d.h. dass es sich niemals gegen das Reale austauschen lässt, sondern nur in sich selbst zirkuliert, und zwar in einem ununterbrochenen Kreislauf ohne Referenz (réference) und Umfang (circonférence)» (Baudrillard, Jean: Agonie des Realen. Berlin: Merve Verlag, 1978, S. 14).

Eine solche Welt als Simulakrum, nur noch Signifikanten ohne Signifikate und Referenten, nur noch Imaginäres ohne Reales und Symbolisches – ich muss gestehen, dass ich nicht weiß, ob es sich dabei um eine Erkenntnis handelt, die mehr oder weniger allgemeine Gültigkeit beanspruchen kann, die uns heute besser als bisher zu verstehen hilft, wie zum Beispiel Magie in traditionalen Gesellschaften funktioniert, oder ob es sich dabei um einen Spiegel unserer heutigen Welt handelt, ein Symptom, und also dieser hier unternommene Versuch nur eine große Projektion unseres Verlust an Realem und Symbolischem auf die Agni war, und ich weiß auch nicht, ob ich einer solcher Vision, sei sie nun eine fälschlicherweise verallgemeinerte soziologische Zeitdiagnose oder ein philosophisch-anthropologischer Wissensdurchbruch, eine Welt des Totalitarismus oder des befreiten Spiels sehen soll.”

[Signer, David: Konstruktionen des Unbewussten. Die Agni in Westafrika aus ethnopsychoanalytischer und poststrukturalistischer Sicht. Wien: Passagen Verlag, 1994, S. 166-167]