PERLOKUTION

Acto perlocutivo o perlocutorio

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Sprechakte / Sprechaktheorie / Illokution / Lokutiver Akt

 

Lokutiver / illokutiver / perlokutiver Akt

Der Sprechakt umfasst – nach J. L. Austin – drei Teilaktivitäten: der lokutive Akt umfasst den phonetischen, phatischen und rhetischen Teil (oder Artikulation – Konstruktion-Proposition). Der illokutive Akt umfasst die kommunikative Funktion, der perlokutive Akt die Konsequenzen der «Sprechhandlung».” [Heupel, C., S. 138]

Perlokutionärer Akt (engl. perlocutionary act)

Von J. L. Austin eingeführter Ausdruck zur Bezeichnung für diejenige Handlung, mit der ein Sprecher durch seine Äußerung eine Wirkung auf seinen Zuhörer erzielt. Wenn A durch seine Äußerung «Der Stier ist ausgebrochen» B erschreckt, handelt es sich also um einen p. A.”

[Hügli, Anton/Lübcke, Poul (Hg.): Philosophielexikon. Personen und Begriffe der abendländischen Philosophie von der Antike bis zur Gegenwart. Reinbek: Rowohlt, 1991, S. 443]

“Austin unterscheidet zunächst zwischen performativen und konstativen Äußerungen. Während für konstative Äußerungen gilt, dass sie wahr oder falsch sein können, haben performative Äußerungen zwei Merkmale: dass sie den Vollzug von Handlungen darstellen und dass sie weder wahr noch falsch sind. Die für sie relevante Beurteilungsdimension ist nicht die der Wahrheit, sondern die des Glückens bzw. Nicht-Glückens. [...]

Später hat Austin diese Unterscheidung aufgrund theorieimmanenter Schwierigkeiten zugunsten einer neuen aufgegeben. Diese neue Distinktion beruht auf der Einsicht, dass nicht bloß mit einigen sprachlichen Ausdrücken, sondern mit allen Äußerungen Handlungen vollzogen werden. Seine Theorie der Sprechakte untersucht systematisch diesen Handlungscharakter. Austin beschreibt nun drei Aspekte eines S.:

1.  den lokutionären,

2.  den illokutionären und

3.  den perlokutionören Akt.

Während der lokutionäre Akt bloß den Akt des Etwas-Sagens bedeutet («Der Hund ist bissig»), wird mit dem illokutionären Akt das Gesagte in einer bestimmten Weise verwendet, etwa als Warnung, Rat oder Empfehlung. Dieser Akt kennzeichnet den eigentlichen Handlungscharakter der Äußerung. Der perlokutionäre Akt schließlich bezeichnet eine Handlung, die darauf abzielt, einen bestimmten Effekt hervorzurufen, z.B. den, dass jemand aufgrund meiner Warnung (illokutionärer Akt) «Der Hund ist bissig» den Weg durch den Garten zum Haus meidet (perlokutionärer Akt). Der Unterschied dieses Akts zum illokutionären besteht in erster Linie darin, dass er nicht wie letzterer kraft einer Sprachkonvention nach Regeln vollzogen wird.”

[Hügli, A. / Lübcke, P. (Hg.): Philosophielexikon. Personen und Begriffe der abendländischen Philosophie von der Antike bis zur Gegenwart. Reinbek: Rowohlt, 1991, S. 544]

„Der dritte Begriff in der Sprechaktanalyse von Austin, der der Perlokution, ist am unklarsten geblieben und auch in der Weiterentwicklung der Sprechakttheorie wegen seiner Vagheit (und wegen seiner Psychologieverdächtigkeit) beiseite gelassen worden. Diese - meines Erachtens ungerechtfertigte - Vernachlässigung der Perlokution erklärt sich teilweise daraus, dass Austin den Begriff zunächst nur einführte, um deutlicher zu machen, was Illokution, an der es ihm eigentlich lag, im Gegensatz dazu ist. Er versucht die Begriffe »intention«, »effect« und »convention« zu klären und entschließt sich, die Unterscheidung an der Konventionalität festzumachen: konventionelle Illokutionen einerseits, der nicht konventionell geregelte Bereich der Perlokution andererseits. Stawson stellt dann die Konventionalität von Sprechakten insgesamt in Frage und schlägt am Rande eine andere Unterscheidung zwischen beiden Typen vor: Illokution und Perlokution seien durch ihre »avowability« (Zugebbarkeit) unterschieden, d. h. dadurch, dass Illokutionen offen (»overtly«) geäußert werden, während Perlokutionen nicht-zugebbar (»non-avowable«) seien. Bei Searle und Wunderlich sind Perlokutionen nur am Rande erwähnt. Im weiteren Verlauf der Sprechaktdiskussion ist auch die Frage aufgeworfen worden, ob es denn überhaupt sinnvoll sei, von Perlokutionen als Handlungen zu sprechen, wenn sie doch an den Effekt beim Hörer gebunden und damit weitgehend unabhängig von der Sprecherintention seien. Allerdings scheint es nur dann sinnvoll zu sein, von Perlokutionen als Handlungen zu sprechen, wenn nicht die völlig zufälligen Effekte beim Hörer gemeint sind, sondern solche Effekte, die auch in gewisser Hinsicht intendiert und kalkuliert werden können. [...]

Zum Vollzug eines illokutionären Aktes genügt es, wenn der Sprecher eine Äußerung tut, mit der er bestimmte Handlungsverpflichtungen eingeht, und der Hörer diese Äußerung versteht und ihre Bedingungen akzeptiert. Zum Vollzug einer Perlokution ist es dagegen nötig, dass beim Hörer ein einer Sprecherintention entsprechender Effekt eintritt. Illokutionäre Akte treten auf in der Form »ich ... hiermit« (oder sie können jedenfalls in dieser Form auftreten). Perlokutionäre Akte können nie in dieser Form auftreten, sondern sind allenfalls nennbar und erkennbar in Rückfragen oder Feststellungen in der 2. Person oder in Berichten in der 3. Person: »Du hast mich mit dieser Unterstellung beleidigt« - »Er hat sie damit ziemlich gekränkt«. Das tatsächlich Eintreten des vom Sprecher intendierten Effekts beim Hörer kennzeichnet also die perlokutionären Akte. [...]

Bei den Illokutionen nimmt der Sprecher gerade konventionelle Verpflichtungen auf sich. Bei den Perlokutionen will der Sprecher zunächst außerhalb der Verantwortung bleiben. Die Entscheidung über die Annahme steht beim Angesprochenen. Das schließt aber nicht aus, dass die perlokutiven Akte in doppelter Weise in Konventionalität eingebunden sind: 1. Die Verfolgung gewisser perlokutionärer Ziele ist durchaus sanktioniert: von strafrechtlichen bis zu Lächerlichkeitssanktionen. 2. Die Verfahren bei Verfolgung perlokutiver Akte sind selbst in gewisser Weise konventionalisiert. Dieser ganze Bereich ist gänzlich unbearbeitet. Dabei steht zu vermuten, dass sich ein Großteil sprachlicher Handlungen gerade in diesem Raum der Nicht-Zugebbarkeit und Verpflichtungslosigkeit abspielt.

Der Begriff der Perlokution ist aber tatsächlich in mehrerlei Hinsicht schwer abzugrenzen:

1. Die Bestimmung durch »non-avowability« rückt den Begriff in die Nähe der »indirekten« Sprechakte.

2.  Weiterhin sind die perlokutiven Akte von bestimmten Ausdrucksmodalitäten zu unterscheiden. »Ironische« oder »doppelbödige« Rede ist keine sprachliche Handlung, sondern eine Redeweise, die an ein bestimmtes Diskursuniversum gebunden ist. [...]

Ein Sprechakt ist dann indirekt ausgedrückt, wenn der mit sprachlichen Mitteln angezeigt Illokutionstyp nicht mit der primär intendierten illokutiven Funktion übereinstimmt. Diese Möglichkeit ist nur bei jenen Sprechakten nicht vorhanden, die stark ritualisiert und institutionalisiert sind. Sie müssen direkt ausgedrückt werden, damit die institutionelle oder rituelle Vorschrift erfüllt ist. [...]

Das Auseinanderklaffen von Sprechakten und Verfahren bei ihrer Äußerung hat die Sprechaktheorie in letzter Zeit stark beschäftigt. Searle lehnt es ab, indirekten Sprechakte einen eigenen Status zuzuerkennen und erklärt sie aus der »background information« der Interaktionspartner. [...]

Interessanter scheint mir noch eine andere Frage zu sein: Weshalb gibt es überhaupt indirekte Sprechakte? War wird durch Indirektheit ermöglicht, was verhindert? Wir haben gesehen, dass die Möglichkeit und Wahrscheinlichkeit indirekter Sprechakte zunimmt mit abnehmender Institutionalisierung.

     „Die Funktion indirekter Sprechakte kann z. B. sein: Tabuvermeidung, Umgehung unerwünschter commitments oder unberechtigter Beanspruchung (oder Verschleierung) eines Status oder Rechts ... Diese Operationen sind meist Erscheinungsformen des Prinzips der Höflichkeit, d. h. vorwiegend protektiver Taktiken der sozialen Interaktion.“  (Dorothea Franck 1975: 225).

Der Grad der Wahrscheinlichkeit indirekter Sprechakte lässt also offensichtlich wichtige Schlüsse zu auf die Wertsysteme der jeweils untersuchten Gesellschaften. Sind wenig indirekte Sprechakte möglich, so ist die Gesellschaft stark durchinstitutionalisiert. Sind dagegen viele indirekte Sprechakte möglich, so ist anzunehmen, dass die Möglichkeiten der Selbstdarstellung hoch bewertet werden.“ 

[Schlieben-Lange, Brigitte: Linguistische Pragmatik. Stuttgart,1975, S. 86-91]

Perlocutivo o perlocutorio: En la teoría de Austin p. es la finalidad que nos proponemos en el acto lingüístico, y fuerza p. es la que debe ser atribuida de forma efectiva al enunciado, independientemente de su fuerza ilokutiva.“ [Cardona, G. R., p. 215]

„Q. Skinner distingue en el escritor dos tipos de voluntad a los que hay que referirse en la interpretación de la obra: la voluntad ilocutiva - qué es lo que él ha querido escribir realmente y la voluntad perlocutiva - lo que se proponía hacer escribiendo lo que escribió.“ [Cardona, G. R., p. 289-290]