PERFORMATIVE ÄUßERUNG

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Sprechakte / Sprechakttheorie

 

Performativ sind nach J. L. Austin Aussagen, die nicht nur Handlungen beschreiben, sondern selbst Handlungen sind: «Hiermit taufe ich dich auf den Namen ...», «Hiermit bestätige ich ...». Performative Äußerungen sind immer präsentisch und affirmativ. «Ich verspreche euch ...».” [Heupel, C., S. 170]

Performatorisch (lat. performare = hervorbringen)

Nach Austin Eigenschaft einer Äußerung, mit der die beschriebene Handlung in der außersprachlichen Wirklichkeit zugleich vollzogen wird; Koinzidenz, Zusammenfall von Sprachhandeln und referentieller Aktion; formale Kennzeichen: Subj. in 1. Pers., direktes oder indirektes Obj. in 2. Pers., Verb im Präs.; z.B.: Ich gratuliere dir zum Geburtstag. Wir versprechen euch, dass wir pünktlich erscheinen werden.“ [Ulrich, Winfried, Ling. Grundbegriffe, S. 87]

Performativ (von engl. performative, abgeleitet von dem Verb to perform, ausführen, durchführen)

Von J. L. Austin eingeführter Ausdruck zur Bezeichnung von Äußerungen wie «Ich verspreche zu kommen», die als Äußerungen selbst Handlungen darstellen, in diesem Fall das Abgeben eines Versprechens. Austin unterschied ursprünglich zwischen Performativa und Konstatativa (Beschreibungen oder Behauptungen der Art wie «Ich schreibe Schreibmaschine», gab diese Unterscheidung später aber mit der Einführung des Begriffs des illokutionären Akts (Sprechakt) auf.”

[Hügli, Anton/Lübcke, Poul (Hg.): Philosophielexikon. Personen und Begriffe der abendländischen Philosophie von der Antike bis zur Gegenwart. Reinbek: Rowohlt, 1991, S. 443]

Performative Äußerung [engl. to perform ‘vollziehen’]. Terminus von J. L. Austin (in einer Vorstufe zu seiner Sprechakttheorie) zur Bezeichnung von Äußerungen, mit denen man jeweils bestimmte Handlungen vollzieht, im Unterschied zu Konstativen Äußerungen, die nur etwas beschreiben oder konstatieren. Diese Unterscheidung von zwei unterschiedlichen Typen von Äußerungen wurde dann in der weiteren Entwicklung der Sprechakttheorie durch die Unterscheidung von zwei verschiedenen Sprechhandlungen, dem lokutionären und dem illokutionären Akt. Nachdem somit alle Sprechhandlungen unter einem bestimmten Aspekt als performative Äußerungen zu betrachten sind, wird die ursprüngliche Unterscheidung zwischen „konstatativ“ vs. „performativ“ hinfällig. Notwendig hingegen bleibt die Unterscheidung von

(a)  implizit performativen Äußerungen (auch: primäre/primitive) und

(b)  explizit performativen Äußerung:

Mit der (primären) implizit performativen Äußerung von Du irrst kann man genauso gut behaupten, dass der Adressat irrt, wie mit der explizit performativen Äußerung von Ich behaupte, dass du irrst. Primäre performative Äußerungen weisen im allgemeinen keine lexikalischen illokutionären Indikatoren auf, explizit performative Äußerungen hingegen haben meist die Form eines Matrixsatzes mit einem performativem Verb in der 1. Pers. Ind. Präsens, einem (den Adressaten bezeichnenden), meist indirekten Objekt und einem eingebetteten Satz. Der Selbstbezug der explizit performativen Äußerung lässt sich durch hiermit unterstreichen: Ich taufe dich (hiermit) auf den Namen „Stadt Passau“.“

[Bußmann, Hadumod: Lexikon der Sprachwissenschaft. Stuttgart: Kröner, ²1990, 567-568]

„Von J. L. Austin in How to do Things with Words (1955, 1962 posthum erschienen) eingeführter Begriff, um den Handlungsakt sprachlicher Äußerungen zu bezeichnen. Austin untersucht in seinen Vorlesungen, inwiefern mit dem Äußern von Sätzen folgender Art Handlungen vollzogen werden: «Ich warne dich vor dem Hund», «Morgen komme ich», «Ich verspreche, dich nie wieder zu verlassen», «Öffne das Fenster» usw. Um das alte Vorurteil, Sprache diene ausschließlich zur deskriptiven Beschreibung der Welt, zu widerlegen, weist Austin auf Äußerungen hin, die zwar eine deskriptive Form haben, aber nichts feststellen, sondern Handlungen vollziehen.

Austin unterscheidet zunächst zwischen performativen und konstativen Äußerungen. Während für konstative Äußerungen gilt, dass sie wahr oder falsch sein können, haben performative Äußerungen zwei Merkmale: dass sie den Vollzug von Handlungen darstellen und dass sie weder wahr noch falsch sind. Die für sie relevante Beurteilungsdimension ist nicht die der Wahrheit, sondern die des Glückens bzw. Nicht-Glückens. Austin stellt einen Katalog von fünf Punkten zusammen, die erfüllt sein müssen, wenn eine sprachlich performierte Handlung erfolgreich sein soll: Sie muss z.B. aufgrund einer Konvention formuliert sein, die ihrerseits auf die richtige Situation angewendet werden muss; sie muss korrekt im Sinn der Konvention und vollständig sein; sofern sie Absichten und Gefühle darstellt, muss der Sprecher diese auch tatsächlich haben – eine performative Äußerung kann nicht erfolgreich sein, wenn ich zwar verspreche zu kommen, aber gar nicht die Absicht habe zu kommen.

Später hat Austin diese Unterscheidung aufgrund theorieimmanenter Schwierigkeiten zugunsten einer neuen aufgegeben. Diese neue Distinktion beruht auf der Einsicht, dass nicht bloß mit einigen sprachlichen Ausdrücken, sondern mit allen Äußerungen Handlungen vollzogen werden.”

[Hügli, A. / Lübcke, P. (Hg.): Philosophielexikon. Personen und Begriffe der abendländischen Philosophie von der Antike bis zur Gegenwart. Reinbek: Rowohlt, 1991, S. 544]

„In einem berühmten Buch mit dem Titel How to do things with words hat der Oxforder Philosoph J. L. Austin darauf hingewiesen, dass es eine Reihe von Äußerungen gibt, die nichts aussagen oder ‘konstatieren’ und daher nicht ‘wahr oder falsch’ sein können, sondern dass solche Äußerungen eine Handlung, oder Teile einer Handlung, darstellen, wie z. B. Ich taufe dieses Schiff auf den Namen Queen Elizabeth, Ich wette um eine Mark, dass es morgen regnet. Durch die Äußerung solcher Sätze tauft der Sprecher tatsächlich das Schiff bzw. schließt er die Wette ab, aber er trifft keine Feststellung, die als wahr oder falsch angesehen werden kann. Solche von im geäußerten Sätze sind im grammatischen Sinn Aussagen, aber sie sind nicht KONSTATIV, sonder PERFORMATIV. Austin schließt in die performative Sätze (die auch einfach Performativa genannt werden) auch ich verspreche ... ein und sagt, dass sich eine Liste performativer Verben aufstellen lässt, die u. a. sich entschuldigen, danken, tadeln, akzeptieren, gratulieren enthält. Ein Satz, der eines dieser Verben im Präsens und ich enthält, ist ein performativer Satz.

Austin geht jedoch weiter: Er unterscheidet diese Äußerungen als EXPLIZIT Performativa von den IMPLIZIT Performativa, die nichts enthalten, was die Handlung ausdrücklich bezeichnet. Auf dem Feld ist ein Bulle kann eine Warnung sein (muss aber nicht sein), während Ich werde dort sein ein Versprechen sein kann (aber nicht sein muss). Dies führt zu der Unterscheidung zwischen einem LOKUTIONÄREN und einem ILOKUTIONÄREN AKT. Beim lokutionären Akt ‘teilen wir etwas mit’, aber wir können die Mitteilung für bestimmte Zwecke benutzen - um eine Frage zu beantworten, ein Urteil zu verkünden, eine Warnung zu geben, etc. In diesem Sinne führen wir einen illokutionären Akt aus. Dies hat dazu geführt, dass Austin und seine Nachfolger von SPRECHAKTEN sprachen, d. h., dass sie Äußerungen als Versprechen, Warnungen etc. klassifizierten und schließlich zu dem Ergebnis kamen, dass es sich bei Aussagen (Konstativa) nur um eine Art von Sprechakten handele.

Man sollte sich darüber im klaren sein, dass ein Sprechakt nicht notwendigerweise mit einer tatsächlichen performativen Funktion zusammenfällt. Wenn ich z. B. während des Bridge-Spiels Verdoppeln sage, habe ich - performativ - einen bestimmten Vertrag geschlossen, habe dies aber unter Umständen lediglich getan, um meinen Partner zu warnen. Merkwürdigerweise ist der Begriff der Sprechakte vom Begriff der Performativa hergeleitet worden; dabei bewegt man sich aber auf ziemlich unsicherem Grund.

Einige Linguisten haben den Austinschen Begriff der Performativa in einer anderen, sehr viel eingeschränkteren Weise verwendet, doch auch das hat, wie ich meine, zu keinem großen Erfolg geführt. Man unterscheidet in der Grammatik drei Arten von Sätzen - Aussagen, Fragen und Befehle, oder, in mehr technischen Ausdrücken, deklarative, interrogative und imperative Sätze, die formal voneinander abgrenzbar sind. Wie haben festgestellt, dass der Interrogativ, und ganz besonders der Imperativ, interpretatorische Probleme hinsichtlich der kognitiven Bedeutung aufwerfen. Einige Linguistenhaben dieses Problem ignoriert oder sind ihm dadurch ausgewichen, dass sie alle drei Satz-Typen als grundsätzlich gleich hinstellen und lediglich ein Element ansetzen, das den Interrogativ- bzw. Imperativ-Status angibt. Die Behandlung dieser Fragen trägt nichts zu unserer Kenntnis über Syntax oder Semantik bei, da zu viele Thesen angreifbar sind. Sätze, die mit Ich konstatiere ..., Ich frage ..., Ich befehle ... beginnen, sind Berichte von Feststellungen, Fragen und Befehlen und werden daher in der traditionellen Grammatik zu Recht als indirekte Feststellungen, Fragen bzw. Befehlen hergeleitet, nicht etwa umgekehrt. Die Sprache besteht nun einmal aus Befehlen, Fragen usw. sowie aus Feststellungen - so wie Austin und seine Nachfolger dies überzeugend dargestellt haben.“

[Palmer, Frank: Semantik. München: C. H. Beck, 1977, S. 137 ff.]

«Performativo

En la teoría de los actos de habla (Austin, 1962) son verbos preformativos o realizativos aquellos que expresan con claridad el objeto del acto ilocucionario. Por ejemplo, si digo

Te sugieron que te vayas, o

Te ruego que te levantes,

son ‘performativos’ los verbos sugerir en el primer caso, y rogar en el segundo porque el hablante está realizando un acto (sugerir, rogar), no se está describiendo a sí mismo en la ejecución del acto. Los verbos preformativos no tienen condiciones de verdad sino condiciones de felicidad, y son muy frecuentes en el lenguaje oficial, contractual y escrito, en el que se dice con claridad acuerdan, prometen, renuncian, convienen, etc.»

[Alcaraz Varó, Enrique / Martínez Linares, María Antonia: Diccionario de lingüística moderna. Barcelona: Editorial Ariel, 1997, p. 434-435]

«Acto de habla directo e indirecto

Los actos de habla pueden ser ‘directos’ e ‘indirectos’. Son actos de habla directos aquellos en los que se emplea un verbo performativo o realizativo

Te sugiero que vengas, o

Te ruego que te levantes.

Los ‘actos de habla directos’, con sus correspondientes ‘verbos preformativos o realizativos’, son más propios del lenguaje oficial, contractual y escrito, en el que se dice con claridad acuerdan, prometen, renuncian, convienen, etc.

Pero la realidad es que la mayoría de los actos de habla se llevan a cabo de forma indirecta, por medio de lo que se llama ‘actos de habla indirectos’. En el primero de los casos anteriores podría haber dicho

¿Por qué no te vas ya?,

que sintácticamente es una pregunta, o cualquier otra oración, ya aseverativa, ya interrogativa, para sugerir, y también podría haber empleado una pregunta como

¿Puedes levantarte?

en el segundo de los casos para rogar. En la conversación o comunicación coloquial entre amigos o colegas se prefieren los ‘actos de habla indirectos’, y la utilización de ‘actos de habla directos’; en estos casos habría de interpretarse como énfasis puesto en el mensaje ordinario.

Algunos enunciados se pueden interpretar como ‘actos de habla directos’ o como ‘actos de habla indirectos’. Los interlocutores deciden sobre la marcha, pudiendo producirse situaciones de cierta hilaridad. Por ejemplo, si le decimos a una persona de rango superior

¿Puedo hablar con Vd.?

y nos contesta

Inténtalo,

debemos deducir que ha interpretado el enunciado como un ‘acto de habla directo; pero lo más probable es que se debería haber interpretado como un ‘acto de habla indirecto’ en el sentido de petición o solicitud, en cuyo caso, nuestro interlocutor habría preferido que le hubiera presentado mi ruego con

¿Podría hablar con Vd.?,

más aproximativo y, por tanto, de mayor cortesía, que el directo

¿Puedo hablar con Vd.?

que, por carecer de dicho valor, ha de interpretarse en su estricto sentido de capacidad. Igualmente, si le decimos a alguien

¿Puedes bajar la voz?

debe interpretarlo como un ‘acto de habla indirecto’ mediante el cual rogamos que la intensidad o volumen de su voz sea reducido.»

[Alcaraz Varó, Enrique / Martínez Linares, María Antonia: Diccionario de lingüística moderna. Barcelona: Editorial Ariel, 1997, p. 15-16]