OXYMORON

Oxímoron

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Paradoxon / Aprosdoketon / Rhetorische Figuren / Rhetorik

 

Traurigfroh, wie das Herz, wenn es, sich selbst zu schön,

Liebend unterzugehn

In die Fluten der Zeit sich wirft.

(Friedrich Hölderlin)

Oxymoron

Eine besonders starke Verfremdung des Signifikats ergibt sich, wenn die zwei Glieder einer semantischen Binäropposition auf der syntagmatischen Ebene des Textes identisch gesetzt werden, z.B. «Dein Schweigen spricht sehr laut» (‘lautlos’ vs ‘laut’). Eine solche Verfremdung heißt Oxymoron (griech. = ‘scharfer Unsinn’).”

[Link, Jürgen: Literaturwissenschaftliche Grundbegriffe. München: W. Fink, 1974, S. 114-115]

Oxymoron [griech. oxýmoros ‘scharf(sinnig)-dumm’]

Rhetorische Figur der semantischen Kürzung: paradoxe, scheinbar unsinnige Verknüpfung zweier unsinnige Verknüpfungen zweier gegensätzlicher Begriffe in einem Wort oder in einer Phase, z. B. beredtes Schweigen, schaurig-schön, dummschlau oder - unter diachronischem Aspekt - trockener Humor (zu lat. humor ‘Feuchtigkeit’).“ [Bußmann, H., S. 552]

Oxymoron

Als rhetorische oder Stilfigur die sinnreich pointierte Verbindung zweier einander scheinbar widersprechender, sich gegenseitig ausschließender Begriffe zu e. Einheit in addierender Zusammensetzung oder Contradictio in adjecto: »traurigfroh (Hölderlin), helldunkel, bittere Süße, beredtes Schweigen, alter Knabe«, oft wirkungsvoll mit Paronomasie verbunden: »concordia discors, sinnvoller Unsinn«. Bei tatsächlichem Widerspruch Übergang zum Paradoxon. Zum Ausdruck des Gefühlsmäßigen, Komplexen, Unsagbaren häufig in der Sprache antiker Rhetorik, der geblümten Rede des MA, der Mystik und des Barock (Petrarkismus), bei Shakespeare und Hölderlin.“

[Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. Stuttgart: Alfred Kröner, 51969, S. 542]

Oxymoron: [gr. oxys = scharf, moros = dumm: scharfsinnige Dummheit], rhetor. Figur:

Verbindung zweier sich gedanklich-logisch ausschließender Begriffe, sei es in einem Kompositum (»traurigfroh«, Hölderlin) oder bei einem attribuierten Substantiv, z. B. »stets wacher Schlaf«, »liebender Hass«, »kalte Glut« (G. Marino, sog. contradictio in adiecto [lat. = Widerspruch im Beiwort], umgangssprachlich als fehlerhaft gewertet, vgl. z. B. kleinere Hälfte). Das Oxymoron ist kennzeichnend für manieristische Stilhaltungen oder ein gebrochenes Weltgewühl (z. B. »jauchzender Schmerz«, H. Heine, vgl. Dekadenzdichtung), aber auch für das Bestreben, polare Gegensätze zu vereinen (z. B. »übersinnlicher sinnlicher Freier«, Goethe, Faust I).“

[Metzler – Literatur Lexikon, Stuttgart, 1993, S. 338]

Oxímoron (F. Alliance de mots)

Enfrentamiento de dos palabras de significado contrario: la música callada, la soledad sonora. Pueden oponerse dos frases:  y abatime tanto, tanto, / que fui tan alto, tan alto ...“ [Lázaro Carreter, F., p. 306-307]

Oxímoron [gr. oksúmoron, lit. ‘(dicho) agudo (a pesar de ser) absurdo’]

Figura estilística que consiste en unir dos formas de significado contrario: lat. concordia discors, docta ignorantia.“ [Cardona, G. R., p. 205]