NOTWENDIGE vs. HINREICHENDE BEDINGUNG

Condición necesaria vs. Condición suficiente

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Wissenschaftstheorie und Linguistik

 

»Denn zur Richtigkeit einer ästhetischen Analyse gehört die Zustimmung desjenigen, dem man die Analyse vorlegt. Der Unterschied zwischen Grund und Ursache lässt sich folgendermaßen verdeutlichen: Zur Ermittlung eines Grundes gehört als wesentlicher Bestandteil die Zustimmung des Betreffenden, während die Ermittlung einer Ursache experimentell durchgeführt wird« (Vorlesungen 1930-1935, 197/8).

[Ludwig Wittgenstein, zitiert nach Frank, Manfred: „Wittgensteins Gang in die Dichtung“. In: Frank, M. / Soldati, G.: Wittgenstein – Literat und Philosoph. Pfullingen: Verlag Günther Neske, 1989, S. 70, Anm. 13]

„Die Beziehung zwischen Gebären und Geschlechtsverkehr (diagnostisches Zeichen) geht von der Wirkung zur Ursache zurück, während die Beziehung zwischen Wunde und Tod (prognostisches Zeichen) von der Ursache zu den möglichen Wirkungen geht. Jedoch ist diese Unterscheidung nicht gleichwertig mit der Unterscheidung zwischen notwendigen Zeichen und schwachen Zeichen. Nicht jede Ursache verweist notwendigerweise zurück auf dieselbe Ursache (schwaches diagnostisches Zeichen). Wer trägt die Fackel, der Feind oder die Verbündeten? Man sollte also ebenfalls eine Unterscheidung zwischen notwendigen Ursachen und hinreichenden Ursachen machen. Sauerstoff ist eine notwendige Ursache für einen Brand (also: wenn da ein Brand ist, dann ist da Sauerstoff), aber das Anzünden eines Streichholzes ist nur eine hinreichende Ursache für einen Brand (zusammen mit anderen möglichen Ursachen). Man könnte dann sagen, dass Aristoteles’ schwaches Zeichen von der Wirkung zur hinreichenden Ursache geht (wenn man Schwierigkeiten mit der Atmung hat, dann hat man Fieber); wenn man es aber genauer betrachtet, beweist auch das schwache Zeichen einen gewissen Grad von «Notwendigkeit» – nur dass sich dieses Zeichen auf eine Klasse von Ursachen bezieht, nicht auf eine einzige Ursache; wenn da eine Fackel ist, dann muss jemand sie entzündet haben und muss sie tragen. Wenn es Schwierigkeiten mit der Atmung gibt, bedeutet das notwendigerweise eine Veränderung des Herzrhythmus (eine Klasse von Ereignissen, die auch Fieber einschließt). Diese Zeichentypen hätten also eine notwendige Konsequenz, aber diese ist immer noch zu weit und muss (um von der Klasse zu einem Mitglied der Klasse überzugehen) auf der Grundlage anderer kontextueller Schlüsse eingegrenzt werden (wie Hippokrates sehr wohl wusste).

In der verbalen Sprache findet ein ähnlicher Prozess statt, da ich eine Größe durch Synekdoche von der Gattung zur Art benennen kann. Anstelle von «Mensch» kann ich «Sterblicher» sagen.

Auch das prognostische Zeichen von der Ursache auf die Wirkung schließt eine Anzahl von Probleme ein.”

[Eco, Umberto: Semiotik und Philosophie der Sprache. München: Wilhelm Fink Verlag, 1985, S. 63-64]