MYTHOS und SYMBOL

Mito y Símbolo

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Mythos / Mythologem / Mythos und Logos / Phantasie / Einbildungskraft / Phantasma / Literatur / Poesie / Narrativität / Symbol / Symbolik

 

„Die Verwandtschaft von Mythos und Symbol ist evident. Nach Bachofen ist Mythos «Exegese des Symbols». Für Jung sind die archetypischen Symbole das tragende Wesen auch der Mythen. Im Mythos entfaltet der Symbolinhalt seine Fülle. Die Gewissheit des Symbols wird durch die konstante Wiederholung in verschiedenen Mythen bewährt. Die symbolische Deutung des Mythos kann jedenfalls auf Schwierigkeiten stoßen. Die symbolische Relation kann so aufgefasst werden, dass sie einen Unterschied zwischen Symbol und dem verborgenen nicht-symbolischen Sinn voraussetzt, welcher im echten mythischen Bewusstsein vollständig fehlt. Gäa symbolisiert nicht die Erde, sondern ist die Erde, Prometheus symbolisiert nicht den schöpferischen Mut des Menschen, sondern ist dieser Mut. Das mythische Bewusstsein trennt nicht Bild und Gedanken, Erlebnis von Reflexion. Sie bilden für dieses ein ungeschiedenes Ganzes. Nach dem Ausgang des mythischen Bewusstseins verwandeln sich aber seine Gestalten und Geschehnisse in Symbole. Das nachmythologische Denken bewahrt das Mythische eben in einem «nur symbolischen» Sinn auf. Die reflektive Zergliederung sprengt das unmittelbare Für-Wahr-Halten der Mythen, distanziert sich innerlich von ihnen und gebraucht sie lediglich als Symbole (Eros als Symbol des vitalen oder geistigen Aufschwungs, Athenes Geburt aus des Zeus’ Kopf als Symbol eines plötzlichen Entstehens von etwas in sich Vollendetem oder nur durch das Geistige Erwirktem). In dieser Optik ist das Symbol eher als eine Abschwächung des Mythos zu deuten. Einer solchen Interpretation kann man entgehen, wenn man im voraus das Symbolhafte breiter definiert und die innere Gegliedertheit von ihm entfernt. (Vgl. Ernst Cassirer)”

[Lurker, Manfred: Wörterbuch der Symbolik. Stuttgart: Kröner,1988, S. 497]