MOTIVIERUNG

Motivación

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Arbitrarität / Zeichen / Idioma / Lexikalisierung / Demotivierung / Idiomatisierung / Wortbildung

 

Motivierung [Auch: Motiviertheit].

Eine Wortbildung gilt als motiviert, wenn sich ihre Gesamtbedeutung aus der Summe der Bedeutungen ihrer einzelnen Elemente ableiten lässt, z.B. Zeitungsleser, Theateraufführung, Tischlampe. Unter synchronischem Aspekt unterliegt Motivierung vielfältigen Abstufungen, vgl. die abnehmende Motivierung von Bildungen wie der vollmotivierte Weinkeller über den teilmotivierten Fahrstuhl, Morgenmantel bis hin zu idiomatisierten Bezeichnungen wie Armutszeugnis, Holzweg. Augenblicksbildungen sind - weil regelgeleitet - immer voll motiviert.“ [Bußmann, H., S. 507]

Motiviertheit der Zeichen

F. de Saussures These von dem Wort als „signe arbitraire“ ist nach W. Luther zu einseitig. Nach letzterem sind die Wörter weder nur naturgegeben (physei) noch nur beliebig (thesei), da überall - nicht nur bei den Onomapoetika - die Nachbildungen des Realen angestrebt werden. Einen ausgleichenden Standpunkt nimmt auch H. Glinz ein, wenn er sagt, dass das sprachliche Zeichen zwar determiniert ist, wohl aber relativ motiviert sein kann. Wird heute ein neues Wort geschaffen, so gelten nicht mehr die Bedingungen absoluter, erstmaliger Zeichenschaffung, da bei dem großen Vorrat an Zeichen und Zeichenklassen ein neues Zeichen in Analogie zu schon vorhandenen Zeichen- und Zeichenklassen geschaffen wird. Fast alle Zusammensetzungen sind daher relativ motiviert.“ [Heupel, C., S. 151]

Motivation, die (lat. motivum = antreibend; causa motiva = bewegende Ursache): Durchsichtigkeit einer Wortbildung im Hinblick auf ihre Zusammensetzung (Konstituentenstruktur);

a) phonologische Motivation: direkte Beziehung zwischen Lautkörper eines Wortes und dem außersprachl. Gemeinten (Denotat) ist erkennbar (z. B. onomatopoetische Schallnachahmung wie in Kuckuck, engl. cuckoo, franz. coucou);

b) morphologische Motivation: sämtliche Morpheme eines Wortes sind durch Oppositionspaarvergleiche segmentierbar (z. B. hörbar durch hörig und fassbar; Dachfensterscheibe durch Dachfensterrahmen, Glasscheibe, Dachziegel, Giebelfenster);

c)  semantische Motivation: Morpheminhalte sind als Bestandteile des Wortinhalts erkennbar (z. B. Erdbeere = <Beere, die an der Erde wächst>, dagegen nicht Himbeere; täglich = <jeden Tag>, ängstlich = <Angst habend>, schädlich = <Schaden verursachend>, aber nicht hässlich; Verdienst, aber nicht Vernunft).

Motivation ist Terminus der synchronischer Sprachbetrachtung; diachronisch betreibt die Etymologie Rekonstruktion ehemaliger Motivation, die im Laufe historischer Entwicklung verloren gegangen ist: Himbeere <mhd. hintber = <Hindenbeere, Beere der Hirschkuh>; hässlich von <Hass erregend> über <hassenswert> zu ästhetisch <unschön>; Vernunft von <Tätigkeit des Vernehmens, Erfahrens, Begreifens> über <Vorgang des Begreifens> zu <Fähigkeit des Begreifens>.“ [Ulrich, W., S. 76]

Motiviertheit des sprachlichen Zeichens:

Nach Saussure das Prinzip, das die Beliebigkeit (die Arbitrarität bzw. Konventionalität oder Traditionsgebundenheit) des sprachlichen Zeichens einschränkt. Nur ein Teil der Zeichen/Wörter ist völlig beliebig; es lassen sich Grade der Beliebigkeit feststellen, ein Zeichen kann relativ motivier sein, z. B. drei-zehn gegenüber elf, Schäfer, Dichter gegenüber Schaf und dichten. Die Motiviertheit ist „um so vollständiger, je leichter sich die Anreihung zerlegen lässt und je deutlicher der Sinn der Untereinheiten ist“; allerdings ist die M. niemals vollständig, denn die Bestandteile eines motivierten Zeichens sind selbst beliebig (herzlich). Sprachliche Einheiten sind durch die Beliebigkeit einschränkenden assoziativen und syntagmatischen Beziehungen bzw. Abhängigkeiten miteinander verknüpft. Beliebigkeit (= lexikalische Mittel) und relative Motiviertheit (= Grammatik) „sind gewissermaßen die zwei Pole, zwischen denen sich das ganze System bewegt“.

Gauger (1970) vertritt im Anschluss an Ullmann (gegen Bally) die Auffassung, dass Arbitrarität und Motiviertheit ausschließlich auf den Signifikanten (die Form des Wortes) zu beziehen sind; der Begriff der Motiviertheit meine keine restlose Verursachung, sondern lediglich das Vorhandensein eines Motivs für die Form der Lautung. Zum Wesen des M.-begriffs gehöre das subjektive Element, seine Bezogenheit auf ein Bewusstsein (u. zw. das des durchschnittlichen Sprechers); andererseits beruht das Problem der M. auf einer bewusstseinsfremden, sprachäußerlichen Fragestellung, es ist „Teil einer philosophischen Aufklärung über die Sprache“ (S. 106).

Ullmann unterschied nach der Frage, ob es einen inneren, synchron wahrnehmbaren Grund dafür gebe, „dass ein Wort gerade diese und keine andere Form hat“, phonetische (splash/platsch, totter/trippeln), morphologische (Führer/leader, Schwarzdrossel/blackbird) und semantische Motivierung (der Fuß eines Berges). Aus lexikologischer Sicht nennt v. Polenz (1973) die phonetische/onomatopoetische/natürliche (Kuckuck), die morphologische/synplerematische (Tischbein) und die semantische/metaphorische M., auch (wie Ullmann) die sekundäre M. bzw. Nachdeutung durch Volksetymologie. Schippan (1972, S. 49: „‘motiviert’ will sagen, dass ein Zeichen durch die Eigenart des Sprachbaus dem System inkorporiert wird“) unterscheidet neben der Motivation von Eigennamen die phonetische, morphematische, semantische und etymologische M. und hinsichtlich des Grades der M. drei Gruppen.“

[Lewandowski, Th.: Linguistisches Wörterbuch, Bd. 2, S. 432-433]

Motivación

La relación normalmente arbitraria que une el significado al significante de un signo puede, en un momento dado, mostrarse al hablante en el momento de su constitución inicial. Si la motivación de un signo puede ser advertida por el hablante, el signo se podrá denominar motivado o transparente, en caso contrario se habla de signo desmotivado u opaco. Existen varios tipos de motivación: etimológica (barista respecto a bar), fonética o fonosimbólica (en las palabras basadas en una analogía, no importa cuánto sea subjetiva y arbitraria, entre significante y cosa designada), metasémica (si tenemos una  transformación del sentido             primario del signo,  como  en  el  it.  bonaccia <‘esp. bonanza’> del gr. malkia ‘id.’), morfológica (interna al sistema de la lengua con uso de los procedimientos de derivación y composición propios de la lengua misma: beso, besar, besuquear), paronímica (por fusión de formas homónimas y parónimas, como en el it. disguido <‘extravío’> percibido como dis- y guido, cuando, en cambio, procede del esp. descuido). ¹ desmotivación.“ [Cardona, G. R., p. 188-189]

Motivación

Frente a la teoría de la absoluta arbitrariedad del signo lingüístico, algunos lingüistas oponen la creencia de que, en algunos signos, el significado influye de alguna manera en la forma que posee el significante. Se establece así, frente a la relación arbitraria entre significado y significante, una especie de relación necesaria, que es lo que se suele  llamar motivación. Así, por ejemplo, las onomatopeyas serían signos motivados. Saussure, que les niega tal carácter, habla, sin embargo, de signos relativamente motivados: „Veinte es inmotivado, pero diecinueve no lo es en el mismo grado, porque evoca los términos de que se compone y otros que le están asociados; por ejemplo, diez y nueve, veintinueve, diez y ocho, diez mil, etc. Tomados separadamente, diez y nueve están en las mismas condiciones que veinte, pero diecinueve presenta un caso de motivación relativa“. Bally considera un tipo de motivación que llama interna, la cual se da „en signos que, siendo absolutamente simples en su constitución fónica, son motivados por el hecho de que sugieren una asociación interna necesaria. Dicho de otro modo, son sintagmas implícitos y, por tanto, signos motivados“. Así, por ejemplo, ciego = ‘no vidente’, negar = ‘decir no’, etc.“

[Lázaro Carreter, F.: Diccionario de términos filológicos. Madrid: Gredos, 1981, p. 284-285]

«Tanto el concepto de signo como el concepto de motivación de Saussure se llevan en la lingüística cognitiva hasta sus últimas consecuencias, ya que no se limitan al léxico sino que se extienden a la sintaxis. Sin embargo, no se postula la motivación total: hay en la lengua un cierto grado de arbitrariedad que impide las predicciones absolutas. (Langacker 1993).»

[Fernández, Susana S.: La voz pasiva en español: un análisis discursivo. Frankfurt am Main: Peter Lang, 2007, p. 71 n. 55]