MORPHOLOGIE

Morfología

(Recop.) Justo Fernández López

 

Im weiteren Sinne: Lehre von der Funktion der kleinsten sprachlichen Zeichen (Morpheme) unter dem Aspekt ihres Vorkommens (Distribution) und ihrer Kombination bei der Wortbildung sowie ihrer Stellung im Sprachsystem (Langue).

Im engeren Sinne: Lehre von der Gestalt, der Struktur, den Bauformen sprachlichen Zeichen: Flexionslehre, Formenlehre (Deklinations-, Konjugations- und Komparationsformen).

Gegenstand der Morphologie

Die Morphologie behandelt die Strukturen bei der Kombination und der Alternierung von Morphemen. Die dabei einschlägigen Phänomene sind diejenigen, die innerhalb von Wörtern auftreten. Die Kombination von Morphemen zu größeren Komplexen (Phrasen, Sätzen) gehört nicht zum Gegenstand der Morphologie.

Die Morphologie ist somit die Theorie der Wörter und ihrer Struktur, wobei auch nach unten eine Grenze zu ziehen ist: Die Wörter werden nicht als Kombinationen von Phonemen behandelt. Morphologie ist somit die Theorie, die dem Weg vom Morphem zum Wort beschreibt. Eine Definition des Begriffes 'Wort' kann hier allerdings nicht gegeben werden. Diese Definition ist (als universelle Charakterisierung!) unerwartet schwierig. Es gibt Sprachen (typologisch: inkorporierende Sprachen, z. B. nordamerikanische Indianersprachen, bei denen die gewohnte Abgrenzung 'Wort vs. Satz' nicht mehr gilt.

Der allgemeine Begriff 'Wort' wird daher als gegeben betrachtet. Schon für das Deutsche ergeben sich verschiedene Einzelfragen, die später behandelt werden.

Die angedeutete Hierarchie

Phonem - Morphem - Wort - Satz - Text

bedeutet nicht, dass bestimmte Einheiten nicht gleichzeitig auf verschiedenen Ebenen angesiedelt sein können:

engl. I ist Phonem, Morphem und Wort.
dt. sprich ist Morphem, Wort und Satz.

Eine erste Einteilung der Morphologie ist folgende (anhand des Deutschen):

A.

Flexion (ein terminologisches Problem!):

A.1.

Deklination (Substantive, Adjektive, Pronomina) nach Kasus, Numerus, [Genus].

A.2.

Konjugation (Verben) nach Person, Numerus, [Tempus, Modus]. Dazu noch die analytischen Formen: hat gesagt, würde kommen, wird geschlagen.

A.3.

Komparation (Adjektive, Adverbien, zum Status später)

A.4.

weitere Formen von Verben (Partizipien, Infinitive, zum Status später)

 

B.

Wortbildung:

B.1.

Ableitung (Schönheit, beschenken)

B.2.

Komposition (Fensterkreuz)

Dieser Einteilung, die auf Kategorien und Funktionen beruht, steht eine weitere nach morphologischen Prozessen gegenüber:

C.

Affigierung (Auswahl)

C.1.

Präfigierung (beschenken, Unmensch, gesagt)

C.2.

Suffigierung
(a) 'echte' Suffixe (sichtbar, Bewegung, Seilschaft)
(b) Endungen (Bären, sprichst, höher)

C.3.

(unechte) Infigierung (anzunehmen, angenommen)

 

D.

Stammveränderung (Auswahl)

D.1.

Ablautung (spreche, sprichst, sprach, gesprochen; Spruch)

D.2.

Umlautung (spräche, Sprüche, höher)

D.3.

(Unsystematische) Konsonantische Stammveränderung (nimmst, dachte, Sicht)

D.4.

Weitere Prozesse:
'Rückumlautung' (brennen, brannte)
Reduplikation (dt. rudimentär in tun, taten, got. haldan, haihald (halten), lat. tango, tetigi (berühren))

 

E.   

Anreihung (Fensterkreuz, haushoch)

Ein weiteres Mittel (kein Prozess!) zur Formenbildung sind Suppletivformen:
sein - bin - ist - war; gut - besser (bas); go - went (wend).“

[Jürgen Kunze: Vorlesung Morphologie, Gegenstand der ... – Institut für deutsche Sprache und Linguistik – Lehrstuhl für Computerlinguistik – HU Berlin. In: www.compling.hu-berlin.de/Lehrstuhl/Skripte/Morphologie/1_1.html]