MODULARITÄTSPRINZIP

Principio de la modularidad

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Transformationsgrammatik (TG) / Gramatik / Parameter / Holismus / Kognitive Linguistik

 

Modularität [lat. modulus, Verkleinerungsform zu modus ‘Maß’].

Aus der Computertechnologie übernommenes Konzept von weitgehend voneinander unabhängig funktionierenden und daher isolierbaren Subsystemen mit jeweils spezifischen Aufgaben. Die modulare Struktur von Teilen eines Ganzen wird u.a. diskutiert in der Neuropsychologie, in der Linguistik, insbes. von Chomsky (z.B. Chomsky [1980]), und in der Psycholinguistik, insbes. durch die Modularität-Hypothese von Fodor [1983]. In Zusammenhang mit M. wird häufig darauf hingewiesen, dass bestimmte Schädigungen des Gehirns selektive Sprachstörungen bzw. Sprachentwicklungsstörungen hervorrufen sollen.

Nach Chomsky [1975] und [1980] sind grammatische Regularitäten nicht auf allg. kognitive, sondern auf für Sprache spezifische Prinzipien zurückzuführen. Daher ist das grammatische Wissen (die formale Kompetenz) unabhängig von anderem Wissen. »Grammatik« ist als ein Modul (neben anderen Modulen, etwa dem der visuellen Perzeption) konzipiert und besteht selbst wiederum aus einer Menge autonomer Subsysteme mit jeweils eigenen Wohlgeformtheitskriterien.

Fodor [1983] charakterisiert Module als Systeme mit bereichsspezifischen Operationen (engl. domain specific), mit automatischer Operation, sobald der Stimulus auftritt, und daher Reflexen vergleichbar (engl. mandatory operation), mit hermetisch abgeschlossener Verarbeitung, so dass Informationen im Verlauf der Verarbeitung weder hinaus- noch hineingelangen (informational encaptulation), mit schneller Verarbeitung (speed) und flachem Output (z.B. in der Art von ja/nein, engl. shallow output), im Gehirn lokalisierbar (hardwired) und mit charakteristischen Mustern beim Zusammenbruch des Systems (etwa bei Hirnschäden). Als Module sieht Fodor bestimmte Systeme in der Informationsverarbeitung an: z.B. Input-Systeme bei der Sprachperzeption (etwa der Wahrnehmung von sprachlichen Lauten, im Unterschied zu nicht-spezifischen Lauten). Keine Module sind »zentrale Prozesse«, die z.B. Zugang zu Informationen aus verschiedenen Bereichen haben, etwa Problemlöseprozesse. - Zur kritischen Auseinandersetzung vgl. Fodor [1985], Garfield [1987], Bates u.a. [1988].“ [Bußmann, H., S. 495-496]

„Der Begriff der Modularität, so populär er auch seit den 80er Jahren ist, wird in der Sprachwissenschaft durchaus nicht einheitlich verstanden: Einige verstehen darunter ein methodisches Prinzip der wissenschaftlichen Entdeckung; einige den inneren Aufbau von Theorien in Form separater Komponenten, und einige ein inneres Organisationsprinzip des menschlichen Geistes oder Gehirns. Die letztgenannte Auffassung, wie sie in verschiedenen Schriften Chomskys und vor allem in Jerry Fodors «The modularity of mind» (Fodor 1983) vertreten sind, soll den folgenden Überlegungen zugrunde gelegt werden.

Seit Fodor (1983) hat es immer wieder Versuche gegeben, die Modularität oder Nicht-Modularität der Pragmatik nachzuweisen. Fodor selbst war in dieser Hinsicht nicht sehr ermutigend; das Studium zentraler kognitiver Prozesse, wie sie sich etwa im Aufstellen und Bestätigen wissenschaftlicher Hypothesen zeigen, lasse sich mit den heute gegebenen Mitteln kaum bewerkstelligen. Und einiges spricht dafür, dass Pragmatik zentral mit dem Räsonnieren über Hypothesen befasst ist. Das hat Pragmatiker aus verschiedenen Schulen jedoch nicht davon abgehalten, über die Sache zu spekulieren, wobei für die einen sicherlich die Aussicht einer kognitiven, mentalistischen Pragmatik eine Antriebskraft war, während für die anderen die Aussicht einer Pragmatik modulo Grammatik eher abschreckend war.

Wie zu erwarten, gibt es einerseits Modularisten wie etwa Harnish & Farmer (1984), Bach & Harnish (979) und Kasher (1991ª,b,c), anderseits Anti-Modularisten wie etwa Verschueren (1987) und Sperber & Wilson (1986, 1987). Ein detaillierter Vergleich dieser und weiterer Ansätze kann hier nicht erfolgen, zumal dies eine sorgfältige Analyse der verwendeten Modularitätsbegriffe erforderlich machen würde. [...]

Während beide Ansätze sich in der Gretchenfrage «Ist die Pragmatik modular oder nicht-modular?» radikal unterscheiden, besteht doch eine Übereinstimmung darin, dass der Apparat der Griceschen Implikaturen in den Bereich der zentralen Prozesse gehört. Über die Funtionsweise der zentralen Prozesse weiß man recht wenig; so ist weitgehend ungeklärt, welche Maximen, welche Prinzipien, welche Schlussprozesse, welche Implikaturentypen und welche Repräsentations- und Verarbeitungsformen man benötigt. [...]

Modularen Charakter haben nach Fodor (1983) die Inputsysteme (dazu gehören auch Teile des perzeptuellen Systems und des Sprachverstehenssystems) und Teile des Outputsystems (dazu gehören auch Prozesse der motorischen Kontrolle und des Sprachproduktionssystems). Nich-modularen Charakter haben dagegen, so wird vermutet, das Langzeitgedächtnis und alle Komponenten, die das Weltwissen betreffen. Neben den Inputsystemen gibt es noch die zentrale Prozesse, worunter allgemeine Denk- und Problemlöseprozesse zu verstehen sind. Auch diese werden als nicht-modular betrachtet.”

[Meibauer, Jörg: “Modulare Pragmatik und Maximen der Modalität”.  In: Rolf, Eckard (Hrsg.): Pragmatik. Implikaturen und Sprechakte. Opladen: Westdeutscher Verlag, 1997, S.226-227]

„Verschiedene Module interagieren, um einen grammatischen Satz zu ermöglichen:

[Müller, Natascha / Riemer, Beate: Generative Syntax der romanischen Sprachen. Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch. Tübingen: Stauffenburg Verlag, 1998, S. 121]

„Die Komponenten der generativen Grammatik werden systematisch aufeinander bezogen. Jede Komponente der generativen Grammatik hat ihre autonome Struktur und Funktion, sie alle integrieren aber modular. Die einzelnen eigenständigen Komponenten sind die «Module» – ein Begriff, der aus der KI-Forschung (KI = Künstliche Intelligenz) übernommen wurde. Die Modularität wird über das Sprachsystem hinaus als organisierendes Prinzip der gesamten Anlagen des Menschen betrachtet.

Mit diesen Veränderungen sind die Vorbereitungen getroffen für die Ausarbeitung des «GB-Theorie» (Government and Binding Theory, vgl. Chomsky 1981), für die «Barrierentheorie» (Barriers, vgl. Chomsky 1986/1990) und für die jüngste Entwicklung bis hin zu «Minimalistische Syntax» (vgl. Chomsky 1992 und 1994).

Grammatiktheorie und Modularität des menschlichen Wissens

Probleme des Spracherwerbs, die Universalgrammatik UG und das Modularitätsprinzip kennzeichnen das eigentlichen Anliegen Chomskys, für das seine Grammatikmodelle in gewisser Weise nur Zuarbeiten waren.

In Weiterführung seiner Thesen aus dem Aspects-Modell untersuchte er das Problem (vgl. insbesondere Chomsky 1979), wieso Kinder mit sehr unterschiedlichen Erfahrungen zu vergleichbaren, eigentlich sogar identischen Grammatiken gelangen, und zwar in dem schon erwähnten kurzen Zeitraum. Chomsky nimmt an, dass alle Kinder dieselben genetisch bedingten Begrenzungen (constraints) haben in Bezug auf Grammatikerwerb. Die genetische Vorgabe erklärt dann auch, weshalb der Erstspracherwerb an einen bestimmten Reifungsgrad geknüpft ist, wodurch (ältere) «Wolfskinder» nicht mehr sprechen lernen, Erwachsene eine zweite Sprache anders erlernen als Kinder und diese mit Akzent sprechen u.a.m. Er betont, es wäre absurd anzunehmen, allein das, was man bei der Geburt hat bzw. sieht, sei genetisch bedingt; weitaus mehr als dies sei zu berücksichtigen.

Die für den Spracherwerb relevanten genetischen Anlagen sind für Chomsky die Universalgrammatik (UG). Sie ist ein System von Prinzipien, die mit Hilfe von Parametern auf die konkreten Sprachen bezogen werden. Ein Parameter ist hierbei eine Variable, für die Werte aus einer gegebenen Menge eingesetzt werden auf dem Weg von der UG zur Einzelgrammatik.

Und schließlich: Die Grammatiktheorie – mit allen Verfeinerungen, die er selbst oder seine Mitarbeiter vorgenommen haben und weiterhin vornehmen und die insbesondere durch die Einbeziehung immer neuer Sprachen erforderlich wurden – möchte Chomsky einarbeiten in das gesamte Wissenssystem des Menschen. Strikte Anwendung des bereits erwähnten «Modularitätsprinzip» bedeutet: Das menschliche Wissen in all seiner Komplexität ist modular aufgebaut insofern, als autonome Teilsysteme als Module eines Gesamtsystems zusammenwirken bei seiner Repräsentation. Eines dieser Modula ist die Sprache, weitere Modula sind z.B. die akustischen und optischen Systeme. Keines dieser Module ist durch ein anderes definiert, deshalb müssen als autonom angesehen werden. Aber erst ihr modulares Zusammenwirken gewährleistet menschliche Erkenntnis, die Fähigkeit des Menschen, Wissensstrukturen aufzubauen. Diese Hypothese veranlasst Chomsky zur Eingliederung der Sprachwissenschaft in die kognitive Psychologie.

Zusammenfassung

Kapitel 8 stellt den Versuch dar, dem Leser den Geist des Chomskyschen Anliegens zumindest in Ansätzen näher zu bringen. Es sei noch ergänzt, dass trotz vorhandener kritischer Stimmen von Anhängern und Gegnern in Zukunft in der Ausarbeitung der Grammatiktheorie nicht mehr hinter die Positionen Chomskys zurückgegangen werden kann.

An Chomskys eigenem Entwicklungsgang lässt sich deshalb nachvollziehen, wie sich das durch die behavioristische Psychologie geprägte linguistische Denken der Deskriptivisten zu einem durch die kognitive Psychologie geprägten Denken in den jüngsten Modellen der generativen Grammatik gewandelt hat.

[Bartschat, Brigitte: Methoden der Sprachwissenschaft. Von Hermann Paul bis Noam Chomsky. Berlin: Erich Schmidt, 1996. S. 184-186]

Parameter

In der generativen Transformationsgrammatik Variable (= Parameter) in Regeln oder Regelbeschränkungen der Universalgrammatik (UG), deren Werte erst in den Einzelsprachen bestimmt werden. Die Setzung eines bestimmten Parameters, d.h. die Bestimmung von Werten für die Parameter, impliziert somit eine bestimmte einzelsprachliche, mit der UG verträgliche Grammatik: Der Lernende wählt innerhalb eines von der der UG vorgegebenen Spielraums eine bestimmte einzelsprachliche Option aus. Ein solches System von universalgrammatischen »Prinzipien und Parametern« muss insbesondere mit Theorien des Spracherwerbs verträglich sein. Daher wird oft angenommen, dass die UG für bestimmte Parameter Vorgaben in Form von unmarkierten Werten macht, die im Laufe des Spracherwerbs aufgrund externer Evidenz (durch die Daten) verändert werden können.

Nach Maßgabe des jeweiligen Bereichs der Grammatik wird dabei die syntaktisch »lokalste« Domäne als unmarkiert vorausgesetzt, welche bei einem möglichen Konflikt mit einzelsprachlichen Daten dann zu einem weniger lokalen Bereich erweitert werden muss. Parameter gestatten es einerseits, kerngrammatische Prinzipien flexibler zu formulieren, indem sie bestimmte Einzelheiten »offenlassen, andererseits stehen sie aber auch mit bestimmten Prognosen über den Spracherwerbsmechanismus und mit Theorien über die Markiertheit einzelsprachlicher Phänomene in Wechselwirkung, vgl. Bindungstheorie (GB-Theorie)«. [Bußmann, H., S. 557-558]

Modularität

Der Konzeption des Modularismus zufolge ist der menschliche Geist ein zu unterteilender Komplex von verschiedenen Fähigkeiten. Im Holismus dagegen wird die These vertreten, dass der Geist ein unteilbares Ganzes darstellt, das von einer Reihe fundamentaler Prinzipien determiniert wird.

Der modulare Ansatz basiert auf Thesen, die bereits in der Neurologie des vorigen Jahrhunderts postuliert wurden. Grundannahme dieser Forschung war und ist, dass sich kognitive Funktionen voneinander abgrenzen und im Gehirn lokalisieren lassen. [...]

In der neueren linguistischen Forschung hat sich bezüglich der Frage nach der Organisation unserer kognitiven Fähigkeiten vorrangig die Modularitätskonzeption etabliert. Dieser Konzeption liegt die Annahme zugrunde, dass die menschliche Kognition ein komplexes System verschiedener Subsysteme darstellt, die sich durch bestimmte Charakteristika hinsichtlich ihrer Struktur und Funktion unterscheiden, also jeweils eigenen Gesetzmäßigkeiten folgen. Die Subsysteme fungieren als Module, d.h. jedes Modul weist als kognitives Wissenssystem eine ihm inhärente Struktur auf, die sich nicht durch die Struktureigenschaften eines anderen Moduls erklären lässt. Die Modularitätsthese besagt also, dass der menschliche Geist nach dem Prinzip der Arbeitsteilung funktioniert, d.h. so organisiert ist, dass verschiedene Subsysteme verschiedene Funktionen ausüben. So kann ein Modul für das Erkennen von Gesichtern verantwortlich sein, ein anderes für das Erkennen geschriebener Wörter. Die Effektivität und die Komplexität unseres Verhaltens erklärt sich aus den wechselseitigen Beziehungen der Kenntnissysteme. Bei bestimmten Verhaltensformen interagieren verschiedene Systeme miteinander (z.B. bei einer Objektbeschreibung das perzeptuelle, das sprachliche und das konzeptuelle Wissenssystem).

Modularität ist dabei zunächst eine strukturelle Eigenschaft kognitiver Systeme.”

[Schwarz, Monika: Einführung in die Kognitive Linguistik. Tübingen und Basel: A. Francke Verlag, 21996, S. 24-25]

„Festzuhalten bleibt, dass sich das hier nur ganz grob skizzierte Parametermodell zur Erklärung des Problems der mangelnden negativen Evidenz gut eignet. Der Vorgang der Parameterfestlegung ist aber noch zu vage und global umschrieben, um allen Erwerbsphänomenen im grammatischen Bereich gerecht werden zu können. Es bedarf zudem genauerer Angaben zur internen Struktur des Lernmechanismus, der über die Parameterbelegungen entscheidet. Welche Strategien benutzt er, und wie sind diese Strategien im Rahmen eines psychologisch plausiblen Verarbeitungsmodells zu beschreiben?“

[Schwarz, Monika: Einführung in die Kognitive Linguistik. Tübingen und Basel: A. Francke Verlag, 21996, S. 114]

Modularität

Eine Grammatik einer Einzelsprache, in unserem Fall des Deutschen, beschreibt die Regeln, Einheiten, Parameter und Prinzipien, die unsere Sprachkenntnis ausmachen (Kompetenz). Anders als traditionelle Grammatiken besteht eine Generative Grammatik aus verschiedenen Komponenten, die autonom sind, aber beim strukturellen Aufbau von Sätzen zusammenwirken. Wenn eine Theorie der Sprache ein solches Design hat, so handelt es sich um eine modulare Grammatik. Besonders ausgearbeitet  ist dieses Konzept der Modularität in der Syntax. Kasustheorie und θ-Theorie z.B. sind autonome Module mit ihren eigenen Aufgaben; wie jedoch die Sichtbarkeitsbedingung belegt, bereitet die Kasustheorie das Zusammenspiel beider Komponenten vor.

Konstruktionsunabhängigkeit der syntaktischen und lexikalischen Prinzipien ist nur möglich, wenn man eine Grammatik hat, deren Teiltheorien modular zusammenwirken. [...] Und ohne eine modulare Grammatik könnten wir nur sehr bedingt die Selektivität sprachlicher Ausfälle voraussagen. Denken Sie nur einmal an die selektive Störung funktionaler Kategorien im Agrammatismus oder an die Zerstörung der CV-Schicht bei phonologischen Paraphasien.

Psycho- und neurolinguistische Erkenntnisse belegen schließlich, dass unsere mentalen Vermögen autonome Module sind. Eine Störung der Sprache ist eben nicht gleichzeitig eine Störung der Kommunikationsfähigkeit bzw. des Wissens über die Welt. Solche Erkenntnisse begründen damit auch die Notwendigkeit, die Struktur menschlicher Sprachen unabhängig von deren Funktion zu erforschen.“

[Keller, Jörg / Leuninger, Helen: Grammatische Strukturen – Kognitive Prozesse. Ein Arbeitsbuch. Tübingen: Gunther Narr, 1993, S. 241-242]

Modularität

Der Konzeption des Modularismus zufolge ist der menschliche Geist ein zu unterteilender Komplex von verschiedenen Fähigkeiten. Im Holismus dagegen wird die These vertreten, dass der Geist ein unteilbares Ganzes darstellt, das von einer Reihe fundamentaler Prinzipien determiniert wird.

Der modulare Ansatz basiert auf Thesen, die bereits in der Neurologie des vorigen Jahrhunderts postuliert wurden. Grundannahme dieser Forschung war und ist, dass sich kognitive Funktionen voneinander abgrenzen und im Gehirn lokalisieren lassen. [...]

In der neueren linguistischen Forschung hat sich bezüglich der Frage nach der Organisation unserer kognitiven Fähigkeiten vorrangig die Modularitätskonzeption etabliert. Dieser Konzeption liegt die Annahme zugrunde, dass die menschliche Kognition ein komplexes System verschiedener Subsysteme darstellt, die sich durch bestimmte Charakteristika hinsichtlich ihrer Struktur und Funktion unterscheiden, also jeweils eigenen Gesetzmäßigkeiten folgen. Die Subsysteme fungieren als Module, d.h. jedes Modul weist als kognitives Wissenssystem eine ihm inhärente Struktur auf, die sich nicht durch die Struktureigenschaften eines anderen Moduls erklären lässt. Die Modularitätsthese besagt also, dass der menschliche Geist nach dem Prinzip der Arbeitsteilung funktioniert, d.h. so organisiert ist, dass verschiedene Subsysteme verschiedene Funktionen ausüben. So kann ein Modul für das Erkennen von Gesichtern verantwortlich sein, ein anderes für das Erkennen geschriebener Wörter. Die Effektivität und die Komplexität unseres Verhaltens erklärt sich aus den wechselseitigen Beziehungen der Kenntnissysteme. Bei bestimmten Verhaltensformen interagieren verschiedene Systeme miteinander (z.B. bei einer Objektbeschreibung das perzeptuelle, das sprachliche und das konzeptuelle Wissenssystem).

Modularität ist dabei zunächst eine strukturelle Eigenschaft kognitiver Systeme.”

[Schwarz, Monika: Einführung in die Kognitive Linguistik. Tübingen und Basel: A. Francke Verlag, 21996, S. 24-25]

„Nach der Autonomiehypothese der generativen Grammatik hat die formale Komponente der menschlichen Sprachfähigkeit, als der Grammatik, den Status eines Moduls, d.h. eines autonomen Systems, das Gesetzmäßigkeiten aufweist, die sich nicht durch die Interaktion allgemeiner kognitiver Prinzipien oder die Gesetzmäßigkeiten anderer Kenntnissysteme erklären lassen.

Das Problem der Modularität steht in engem Zusammenhag mit der Frage nach der Entwicklung der grammatischen Komponente: Stellt der Grammatikerwerb einen autonomen (nur von sprachspezifischen Prinzipien determinierten) Prozess dar, oder wird die Grammatik unter Beeinflussung allgemein-kognitiver und sozialer Faktoren und mit Hilfe von generellen Lernstrategien erworben?

Das logische Problem des Spracherwerbs besteht darin, dass Kinder trotzt unvollständiger und zum Teil fehlerhafter Evidenz in einem relativ kurzen Zeitraum die Grammatik der jeweils zu erwerbenden Sprache erschließen. [...]

In der neuesten Forschung ist ein alternativer Erklärungsansatz vorgeschlagen worden: das Parametermodell:

»We no longer consider UG [Universalgrammatik] to provide a format for rule systems and an evaluation metric. Rather, UG consists of various subsystems of principles ... many of which are associated with parameters that have to be fixed by experience. The parameters must have the property that they can be fixed by quite simple data, since this is what ist available to the child; the value of the head-parameter, for example, can be determined from such sentences as >John saw Bill< (versus >John Bill saw<).« (Chomsky 1986:30)

In der Parametertheorie nimmt man nun an, dass die für den Erwerb eines bestimmten Grammatik notwendigen universellen Prinzipien Parameter enthalten, deren Werte erst auf der Basis des sprachlichen Inputs besetzt werden. UG umfasst somit eine Menge von Prinzipien, die in jeweils begrenzten Werten für bestimmte Parameter variieren können. Die Festlegung oder Fixierung der verschiedenen Parameterwerte ergibt dann eine mögliche Grammatik. Der Spracherwerb ist damit der Prozess, der die unspezifischen Werte der UG-Parameter festlegt (s. Chomsky 1988).“

[Schwarz, Monika: Einführung in die Kognitive Linguistik. Tübingen und Basel: A. Francke Verlag, 21996, S. 110-113]

„Festzuhalten bleibt, dass sich das hier nur ganz grob skizzierte Parametermodell zur Erklärung des Problems der mangelnden negativen Evidenz gut eignet. Der Vorgang der Parameterfestlegung ist aber noch zu vage und global umschrieben, um allen Erwerbsphänomenen im grammatischen Bereich gerecht werden zu können. Es bedarf zudem genauerer Angaben zur internen Struktur des Lernmechanismus, der über die Parameterbelegungen entscheidet. Welche Strategien benutzt er, und wie sind diese Strategien im Rahmen eines psychologisch plausiblen Verarbeitungsmodells zu beschreiben?“

[Schwarz, Monika: Einführung in die Kognitive Linguistik. Tübingen und Basel: A. Francke Verlag, 21996, S. 114]

Modularität

Eine Grammatik einer Einzelsprache, in unserem Fall des Deutschen, beschreibt die Regeln, Einheiten, Parameter und Prinzipien, die unsere Sprachkenntnis ausmachen (Kompetenz). Anders als traditionelle Grammatiken besteht eine Generative Grammatik aus verschiedenen Komponenten, die autonom sind, aber beim strukturellen Aufbau von Sätzen zusammenwirken. Wenn eine Theorie der Sprache ein solches Design hat, so handelt es sich um eine modulare Grammatik. Besonders ausgearbeitet  ist dieses Konzept der Modularität in der Syntax. Kasustheorie und θ-Theorie z.B. sind autonome Module mit ihren eigenen Aufgaben; wie jedoch die Sichtbarkeitsbedingung belegt, bereitet die Kasustheorie das Zusammenspiel beider Komponenten vor.

Konstruktionsunabhängigkeit der syntaktischen und lexikalischen Prinzipien ist nur möglich, wenn man eine Grammatik hat, deren Teiltheorien modular zusammenwirken. [...] Und ohne eine modulare Grammatik könnten wir nur sehr bedingt die Selektivität sprachlicher Ausfälle voraussagen. Denken Sie nur einmal an die selektive Störung funktionaler Kategorien im Agrammatismus oder an die Zerstörung der CV-Schicht bei phonologischen Paraphasien.

Psycho- und neurolinguistische Erkenntnisse belegen schließlich, dass unsere mentalen Vermögen autonome Module sind. Eine Störung der Sprache ist eben nicht gleichzeitig eine Störung der Kommunikationsfähigkeit bzw. des Wissens über die Welt. Solche Erkenntnisse begründen damit auch die Notwendigkeit, die Struktur menschlicher Sprachen unabhängig von deren Funktion zu erforschen.“

[Keller, Jörg / Leuninger, Helen: Grammatische Strukturen – Kognitive Prozesse. Ein Arbeitsbuch. Tübingen: Gunther Narr, 1993, S. 241-242]

„El universo de este trabajo lo constituye uno de los aspectos más desconcertantes de las lenguas naturales: el valor lingüístico del silencio o, como más propiamente ha escrito Octavio Paz, «aquello que se muestra en el lenguaje sin que el lenguaje lo enuncie». Pese a la existencia de un considerable margen de variación en el uso que cada lengua hace de tales procedimientos, los fenómenos de elipsis abarcan en cualquier sistema lingüístico un amplio abanico de construcciones sintácticas. Así, todos los enunciados agrupados en (1) presentan cierto grado de elipsis, como se desprende de su comparación con (2):

(1)

a.

Luis saludó a María y Antonia ________ a Juan Carlos.

b.

Luis saludó a María y Antonia también _________.

c.

Al llegar ______ a la fiesta, María sufrió un mareo.

d.

Luis está enfadado, pero no dice por qué ________.

e.

______ Gana mucho dinero.

f.

La infancia de Antonio y la ________ de María tienen mucho en común.

g.

Por fin, Luis se decidió a comer _________.

h.

María _______.

 

(2)

a.

Luis saludó a María y Antonia despidió a Juan Carlos.

b.

Luis saludó a María y Antonia también lo hizo.

c.

Al llegar los invitados a la fiesta, María sufrió un mareo.

d.

Luis está enfadado, pero no dice por qué no nos habla.

e.

Luis gana mucho dinero.

f.

La infancia de Antonio y la niñez de María tienen mucho en común.

g.

Por fin, Luis se decidió a comer puré.

h.

María fue la que se quedó en casa.

Un enfoque radicalmente positivista de la gramática intentaría interpretar las secuencias de (1) como enunciados completos en sí mismos, sin necesidad de recurrir a la idea de que los argumentos o predicados que no tienen contenido fonético deben formar parte del análisis sintáctico de cada una de ellas. Sin embargo, tal supuesto es insostenible y ni siquiera las doctrinas más estrictamente mecanicistas lo han podido mantener en su formulación literal.

Con todo, el estudio de los fenómenos de elipsis está fuertemente condicionado por el tipo de teoría que se tome como modelo de descripción. Así, la acogida que los casos de elipsis han recibido en las dos corrientes lingüísticas más influyentes de este siglo (el estructuralismo y el generativismo) ha sido contrapuesta. La primera, pese a rechazar por lo común la introducción en el análisis de unidades que no estuvieran fonéticamente codificadas, hubo de admitir la noción de morfema cero, equivalente morfológico de las categorías sintácticas vacías. La controversia desarrollada alrededor de este concepto, que tuvo una transcendencia notable en la posterior evolución de los modelos de descripción morfológica, ilustra bien a las claras la dificultad de plantearse el estudio de la elipsis desde la perspectiva del inductismo.

Del intento de conseguir un método de análisis sintáctico que fuera capaz de recoger ciertas regularidades subyacentes que quedaban superficialmente ocultas procede el concepto de transformación, desarrollado casi simultáneamente por Harris y Chomsky, aunque bajo supuestos bien distintos. En las primeras formulaciones de la gramática generativa y transformacional (GGT), los fenómenos de elipsis sintáctica fueron tratados por medio de transformaciones de elisión que procedían a borrar unidades léxicas presentes en la estructura profunda siempre que se satisficieran ciertas condiciones de identidad. Así, por ejemplo, en la oración (1a) el hueco correspondiente a la categoría elíptica estaría ocupado en la estructura subyacente por la forma verbal saludó. Como en estas primeras formulaciones de la GGT el contenido semántico se obtenía directamente de la estructura profunda (EP), los componentes de la secuencia superficial Antonia a Juan Carlos debían interpretarse como argumentos de un predicado elíptico saludar en tiempo pasado.

En los últimos años de la década de los 60 se sometieron a revisión algunos de los supuestos básicos de la teoría estándar de la GGT. Este cambio afectó al tratamiento de los pronombres, que hasta entonces se introducían derivacionalmente por medio de transformaciones que reemplazaban sintagmas nominales plenos. La opción de generar directamente todos los pronombres en la estructura subyacente llevó a replantearse el status de las transformaciones de elisión, hasta el punto de desterrar del modelo gramatical tal tipo de operaciones.

En la nueva perspectiva con el estadio de la GGT denominado Teoría estándar ampliada (TEAR), la gramática contiene un repertorio de categorías sintácticas vacías que aparecen ya en la estructura profunda y cuy interpretación se realiza por medio de reglas que señalan cuál de las unidades del contexto oracional debe considerarse antecedente de la categoría desprovista de contenido léxico. El peligro más obvio en el modelo es esta naturaleza es el de sobregeneración, ya que una gramática que posea mecanismos irrestrictos de inserción de unidades vacías generará infinidad de secuencias agramaticales del tipo de (3):

(1)

a.

*Luis tiene ______.

b.

*Luis y ______ discutieron acaloradamente.

c.

*Luis saludó a María y Antonia ________.

d.

*Por fin, Luis se decidió a ________.

 

Para evitar la hipertrofia productiva del modelo, puesta de manifiesto además en otros muchos aspectos, Chomsky propuso en 1979 concebir la gramática como un sistema modular constituido por una serie de subteorías con funciones altamente especializadas. De la interacción de los módulos gramaticales se obtiene la generación de las oraciones gramaticales y el filtrado de todas las secuencias malformadas. Ésta será el marco en el que se desarrollará nuestro estudio: el modelo de rección y ligamiento (RL), expuesto de forma íntegra por vez primera por Chomsky (1981).

[Brucart, José M.: La elisión sintáctica en español. Bellaterra: Servei de Publicacions de la Universitat Autònoma de Barcelona, 1987, pp. 7-9]

“Por otra parte, desde mediados de los años ochenta se ha ido afianzando en los estudios del funcionamiento de la mente la concepción de una estructura mental modular, según la propuesta de Fodor (1983), articulada en ocho presupuestos (Kasher, 1984: 542):

(1)     La mente genera y manipula símbolos;

(2)    estos símbolos poseen ciertas propiedades formales;

(3)    los procesos de la mente toman la forma de operaciones computacionales;

(4)    la mente incluye varias capacidades, y éstas pueden mostrar varios grados de independencia entre sí;

(5)    la mente posee partes que son mecanismos mentales, a pesar de no ser capacidades;

(6)    algunas capacidades de la mente son ‘módulos cognitivos’, esto es, libres de otros mecanismos más elementales, y autónomos en sus operaciones computacionales;

(7)     los sistemas de entrada de información a la mente [input systems] son modelos cognitivos encapsulados según su cualidad informativa; y

(8)    la mente posee sistemas cognitivos ‘centrales’ que están destinados a desarrollar habilidades mentales generales como la elaboración de creencias y la resolución de problemas.

Esta visión modular de la mente la aleja de modelos ‘descodificadores’ anteriores, según los cuales la mente simplemente procesa el mensaje que accede a ella a través de los mecanismos humanos de captación de información. Por supuesto, no han faltado detractores de esta visión modular, con críticas centradas sobre todo en la falta de información sobre la naturaleza exacta del procesador central, o si los módulos son, en sí mismos, modulares; o acerca de la interconexión entre los módulos, o si el hecho de que el lenguaje es bidireccional (la información accede a la mente y a la vez parte de ésta) puede ser estudiado desde una perspectiva modular.

En general, el giro de la lingüística hacia la importancia de la cognición ha traído consigo una visión más contextualizada y pragmática de la comunicación. Nuyts (1987: 727-728) apunta la necesidad del estudio de la cognición cuando señala que «la preocupación por la función comunicativa de la conducta lingüística de los individuos en situaciones sociales no se opone en absoluto a la preocupación por el aspecto mental (cognitivo, psicológico) de estos individuos; al contrario, cualuquier afirmación respecto a la función comunicativa y el papel social del lenguaje implica afirmar la naturaleza de los sistemas mentales del lenguaje».

Sin embargo, esta apertura lingüística hacia la contextualización cognitiva ha introducido en la comunicación un elemento de incertidumbre en cuanto a la interpretación óptima del mensaje ya no está garantizada (de ahí la pertinencia de los estudios actuales en el marco teórico de la pragmática). La optimización de la comprensión depende ahora de la eficacia de la cognición humana y su capacidad para extraer una nueva información relevante a partir de la información ya almacenada en la mente del individuo (Sperber y Wilson, 1986). Esta idea conlleva además la separación definitiva entre la forma lógica de un enunciado (descontextualizada) y el sentido que dicho enunciado adquiere en sucesivas frases contextualizadoras. Incluso cuando el hablante desea comunicar el sentido más literal de las palabras que pronuncia es necesaria una contextualización mínima (respecto al sentido de los deícticos, por ejemplo), de tal forma que se puede afirmar que todo enunciado es, de una forma u otra, indirecto respecto al significado neutro de las palabras que lo forman (Cifuentes, J. L.: Gramática cognitiva. Fundamentos críticos. Madrid: Eudema, 1994, p. 22).”

[Alcaraz Varó, Enrique / Martínez Linares, María Antonia: Diccionario de lingüística moderna. Barcelona: Editorial Ariel, 1997, p. 335-336]