MODIFIZIERENDE VERBEN

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Modalverben / Funktionsverben

 

„Die gemeinsame semantische Funktion der Modalverben besteht darin, eine Aussage im Hinblick auf bestimmte Geltungsbedingungen zu modifizieren. Diese Grundfunktion teilen sie mit den sog. „modifizierenden Verben“ wie lassen (als Gegenpart zu dürfen), nicht brauchen (‘nicht müssen’) und werden (in Sätzen wie Das wird Ulla sein, die da klingelt [sp.: ésa que llama a la puerta va a ser Ulla / ésa que llama a la puerta puede que sea Ulla]. Diese drei Verben werden auf Grund ihrer großen semantischen Nähe, aber auch wegen einiger syntaktischen Gemeinsamkeiten von manchen Autoren daher ebenfalls zu den Modalverben gerechnet.“

[Hentschel / Weydt: Handbuch der deutschen Grammatik, S. 69-70]

lassen

Drückt die Einwirkung des Willens des Subjets auf ein Objekt aus:

Er ließ mich kommen.   

[sp. me mandó venir / me hizo venir / me mandó llamark]

Er ließ mich gehen.        

[sp. me dejó marcharme / me permitió irme / dejó que me fuera]

Wie die Beispielsätze zeigen, macht das Verb lassen keinen Unterschied zwischen ‘veranlassen’ und ‘zulassen’, ‘ermöglichen’, so dass ein Satz wie

Er ließ mich arbeiten.

ohne Kontext zwei Interpretationen erlaubt: ‘Er gab mir die Möglichkeit, zu arbeiten’ und ‘Er bewirkte, dass ich arbeite’. In beiden Fällen handelt es um einen A.c.I. (accusativus cum infinitivo); nur die modale Komponente ist jeweils eine andere. Das Verb lassen kann aber auch äußerlich einem A.c.I. gleichende Konstruktionen bilden, die passivische Bedeutung haben:

Er lässt seine Frau beschatten.          

[sp. mandó vigilar a su mujer / hizo que vigilaran a ...]

In diesem Fall ist die modale Komponente ‘veranlassen’. Welche Bedeutung jeweils gemeint ist, kann nur anhand des Kontextes entschieden werden; vgl. sie ließ das Kind baden ‘sie veranlasste, dass das Kind gebadet wurde’ / ‘sie ließ zu, dass das Kind badete’ / ‘sie veranlasste, dass das Kind badete’. Bei reflexivem Gebrauch (z. B. Das lässt sich machen) liegt schließlich eine modale Passivperiphrase mit dem Bedeutung ‘können + Passiv’ (‘Das kann gemacht werden’) vor.“ [Hentschel / Weydt, S. 75-76]

„Die Gruppe de modifizierenden Verben („Modalitätsverben“, Engel 1988: 477) wird in vielen Grammatiken nicht als eigene Verbklasse aufgeführt. Wenn man den Begriff aufrechterhalten will, ließe sie sich syntaktisch als die Menge derjenigen Verben definieren, die andere Verben im Infinitiv (mit oder ohne zu) direkt an sich binden. Neben den bereits genannten wären dies beispielsweise Verben wie beginnen, beabsichtigen, aufhören, versuchen usw. Nicht zu den modifizierenden Verben gehört sein mit erweitertem Infinitiv; die durch diese Konstruktion ausgedrückte modale Passiv-Periphrase (‘die Arbeit muss/kann heute noch erledigt werden’) wird gewöhnlich als Gerundivum interpretiert.“ [Hentschel / Weydt, S. 77]