MODALWÖRTER

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Partikeln / Satzadverbien / Modalpartikeln  / Modalität / Modus

 

„Traditionell werden Modalwörter als besondere Gruppe innerhalb der Modaladverbien angeführt. Mit den reinen Adverbien haben sie gemeinsam, dass sie gewöhnlich morphologisch unveränderlich sind und auch wie jene eine Satzgliedposition besetzen. Der entscheidenden Grund, der in manchen Grammatiken zu ihrer Ausgliederung geführt hat, ist der, dass man mit ihnen zum Inhalt einer Aussage in einer syntaktischen Beziehung - meistens der prädikativen, manchmal auch einer attributiven Stellung nehmen oder ihn emotional bewerten kann.

Folgende Verfahren dienen der Ermittlung der Modalwörter:

1.  Modalwörter lassen sich im Gegensatz zu Adverbien in einen Satz transformieren:

     Er ist vermutlich nach Hause gegangen > Es ist zu vermuten, dass er nach Hause ...

2.  Bei der Entscheidungsfrage ist es möglich, allein mit dem Modalwort zu antworten; dagegen kann man in der Ergänzungsfrage allein mit einem Adverb oder einem Adjektiv antworten:

     -Ist er nach Hause gegangen?                        -Sicherlich. / Vielleicht.    

3.  Im Gegensatz zum Adverb steht die Negation nicht nach dem Modalwort:

     Der Zug steht nicht hier.  (hier = Adverb) / Der Zug steht hier nicht.

     Der Besuch kommt sicherlich nicht.  (sicherlich = Modalwort) / *Der Besuch kommt nicht sicherlich.

Semantische Klassifikation der Modalwörter:

1.  Modalwörter, die die Realität der betreffenden Beziehung beurteilen: selbstredend, zweifellos, sicherlich, bekanntlich, keineswegs, mitnichten, allerdings, freilich, offenbar, anscheinend, angeblich, schwerlich

2.  Modalwörter, die die emotionale Einstellung des Sprechers ausdrücken: glücklicherweise, hoffentlich, leider, bedauerlicherweise.“   

[Sommerfeldt/Starke: Einführung in die Grammatik der deutschen Gegenwartssprache, S. 162-163]

Modalwörter wie vielleicht, wahrscheinlich, eventuell, sicherlich usw. dienen dazu, den Wahrscheinlichkeitsgrad einer Äußerung anzugeben, und graduieren den Bereich zwischen ‘völlig sicher’ und ‘unmöglich’. Der Terminus „Modalwort“ für diese Klasse ist relativ weit verbreitet und wird u. a. von Helbig/Buscha (1984: 500 ff.) verwendet. Das Element „Modal“ im Namen weist darauf hin, dass die semantische Funktion dieser Wörter die philosophische Kategorie der Modalität (etwa in der Kantischen Kategorienlehre (betrifft). Die Funktion der Modalwörter entsprechen in gewissen Hinsicht denen, die im verbalen Bereich durch den subjektiven Gebrauch der Modalverben wahrgenommen wird; vgl. so muss es gewesen sein - so ist es sicher gewesen.

Modalwörter können nicht mit Bestimmungsfragen erfragt werden (Wie kommt er? - *Vielleicht). Sie können aber die Antwort auf eine Entscheidungsfrage bilden: Kommst du morgen? - Vielleicht. Sie bilden nicht selber den Skopus (‘Ziel’; der Skopus eines Elements ist der Teil des Satzes, auf den es sich bezieht) einer Negation: *Er kommt nicht vielleicht, können aber in einem negierten Satz stehen: Wahrscheinlich kriegt der böse Wolf die Schweinchen wieder nicht.

Da sie dazu dienen, Wahrscheinlichkeiten anzugeben, sind sie vor allem mit der ontischen Bedeutung des Aussagesatzes verträglich.

Sie kommt vielleicht.

und können ferner in Entscheidungsfragen vorkommen:

Heißt du vielleicht Rumpelstilzchen?

Kommst Du eventuell selber mit=

Diese Fragen lassen sich paraphrasieren als Ist es vielleicht so, dass ... und drücken aus, dass der Satzinhalt als Möglichkeit in Betracht gezogen wird.

Schlecht oder gar nicht verträglich sind Modalwörter mit der ontischen Bedeutung von Befehlssätzen, Bestimmungsfragen, Wunsch- und Ausrufesätzen:

*Komm vielleicht her!

*Wie heißt du vielleicht?

*Hast du möglicherweise einen Bart!

(?) Wenn nur vielleicht bald alles vorbei wäre!

Die Gruppe der Modalwörter wird bei Helbig/Buscha (1984: 500 ff.) und Admoni (1986:: 209 ff.) allerdings weiter gefasst, als wir das tun. Sie umfasst dort auch Wörter, wie gern, leider, glücklicherweise, die nicht die Modalität im erwähnten Sinn betreffen, sondern statt dessen ein bewertend-emotionales Urteil über den geäußerten Sachverhalt wiedergeben und die wir zu den Satzadverbien zählen.“

[Hentschel / Weydt: Handbuch der deutschen Grammatik, S. 279-280]

„So hat z. B. Admoni (1972) die MW in morphologischer, semantischer und syntaktischer Hinsicht charakterisiert: Während sie sich morphologisch nicht von den Adverbien unterscheiden, unterscheiden sie sich von ihnen semantisch (indem sie nicht Merkmale von Vorgängen, sondern die Einschätzung des Inhalts einer syntaktischen Beziehung seitens des Sprechenden bezeichnen, folglich keine logisch-grammatische, sondern eine kommunikativ-grammatische Kategorie darstellen) und syntaktisch (indem sie sich auf den ganzen Satz beziehen und strukturell außerhalb des Satzes stehen). Aber im Hinblick auf dieses syntaktische Merkmal schlussfolgert Admoni, dass man im Deutschen nicht von einer Aussonderung des MW sprechen könne, folglich auch nicht von «Einschubwörtern» sprechen solle, weil das MW sich wie ein «vollwertiges Satzglied» verhalte – Admoni setzt das «Modalglied» als besonderes Satzglied an –, weil es die Wortstellung beeinflusse und nicht außerhalb des Satzes stehe. Demgegenüber hat Moskalskaja (1975) darauf verwiesen, dass die MW weder Satzglieder sind (wie die autosemantischen Wörter) noch sich an autosemantische Wörter anlehnen (wie die Funktionswörter). Sie seien vielmehr satzwertig oder werden in den Satz eingeschaltet (Schaltwörter), so dass sie sich auf den ganzen Satz beziehen und ihn in modaler Hinsicht (mit)prägen.

Diese unterschiedlichen Interpretationen führen zu unterschiedlichen Aussagen darüber, ob die MW innerhalb oder außerhalb des Satzzusammenhanges stehen, ob sie Satzglieder oder satzwertig sind – eine Alternative, die nur auf der Basis einer angenommenen «Mehrebenen-Organisation der Sprache» (Sebrennigkow, 1973) entschieden werden kann.”

[Helbig, Gerhard / Helbig, Agnes: Lexikon deutscher Modalwörter. Leipzig: Verlag Enzyklopädie, 1990, S. 15-16]

Arten der Modalität: Modalpartikeln und Modalwörter

"Mit der Hinwendung zur Pragmatik wuchs in der Linguistik das Interesse an  denjenigen sprachlichen Elementen, die nicht der Darstellung von  Sachverhalten dienen, sondern auf einer anderen Ebene fungieren und  beispielsweise den Sachverhalt kommentieren, die Einschätzung des Sprechers  zum Ausdruck bringen und die übermittelte Information in die aktuelle  Kommunikationssituation einbetten - mit anderen Worten, den  Ausdrucksmitteln der Modalität. In der Regel betrachtet man Modalität als  «semantische Kategorie, die die Stellungnahme des Sprechers zur Geltung des  Sachverhalts, auf den sich die Aussage bezieht, ausdrückt» (Bußmann  1983:324). Auch von Modalpartikeln wurde oft behauptet, dass sie die  Stellung des Sprechers zum Gesagten kennzeichnen. Dies trifft jedoch nur  bedingt zu und ergibt sich erst aus der Verbindung ihrer Bedeutung mit dem  sprachlichen und situativen Kontext. Im übrigen sind Modalpartikeln als  Ausdrucksmittel der Modalität noch nicht zureichend charakterisiert, denn  um solche handelt es sich - wie durch das Determinans Modal- signalisiert  wird - auch bei den Modalwörtern.

Die Abgrenzung von den Modalwörtern (z.B. wahrscheinlich, vielleicht,  vermutlich, gewiss, sicher ) ist das Hauptproblem bei der Definition von  Modalpartikeln. Ein wichtiger Unterschied zwischen Modalpartikeln und  Modalwörtern besteht darin, dass Modalpartikeln die Wahrheitsbedingungen des  Trägersatzes nicht beeinflussen; anders als Modalwörter sind sie weglassbar,  ohne dass sich der Wahrheitswert des Satzes verändert. Beiden ist gemeinsam,  dass sie zur nicht-propositionalen Ebene gehören. Für die verschiedenen  Ebenen des Satzes bzw. der Äußerung wurden u. a. die Bezeichnungen «Sachverhaltsdarstellung» und «Kommunikationssteuerung», «Inhaltsaspekt» und «Beziehungsaspekt» sowie «Darstellungs- und Intentionsebene» geprägt;  diese Abgrenzung entspricht in etwa der Unterscheidung zwischen Proposition  und Modalität und ist als erster Schritt für die Wesensbestimmung von  Modalpartikeln oder 'Abtönungspartikeln' von großer Bedeutung. Wie bereits  betont wurde, reicht sie jedoch allein nicht aus, denn auch Modalwörter  «tönen» die im Satz enthaltene Information «ab». Weydt rechnet jedoch die  Modalwörter zur «Darstellungsebene», während die Modalpartikeln seiner  Meinung nach auf der «Intentionsebene» fungieren. 

„Die Modalwörter bezeichnen nicht das objektive Merkmal des Geschehens  (wie Adverbien), sondern drücken die subjektive Einschätzung des  Geschehens durch den Sprechenden aus. Nicht die Art und Weise des   Geschehens wird von ihnen wiedergegeben, sondern die Stellungnahme des Sprechers zum Geschehen.“ (Helbig/Buscha 1981:448f)

Admoni bezeichnet die Modalwörter ihrem Bedeutungsgehalt nach als  «kommunikativ-grammatische Kategorie», während die adjektivischen  (qualitativen) Adverbien eine logisch-grammatische Wortart bilden  (1966:204). Der Bestandteil «kommunikativ» in der zitierten  Charakterisierung lässt die Nähe der Modalwörter zu den Modelpartikeln  erkennen, denn diesen werden ebenfalls kommunikative Funktionen  zugesprochen. 

Um den Unterschied zwischen Modalpartikeln und Modalwörtern  herauszuarbeiten, hat man versucht, zwischen verschiedenen Arten der  Modalität zu differenzieren. So unterscheidet z.B. Bublitz 'kognitive',  'volitive' und 'emotive' Modalität und betrachtet Modalpartikeln - neben  anderen Mitteln wie z.B. Zusatzfragen, Emphasebetonung und Intonation - als  Ausdrucksmittel der emotiven Modalität (1978:8). Diese Auffassung ist in  der Literatur häufiger anzutreffen. Es wäre eine unzutreffende Verkürzung,  wollte man behaupten, dass Modalpartikeln Emotionen ausdrücken.  Modalpartikeln bewirken mitunter emotive Nuancierungen, aber diese gehören  nicht zu ihrer Bedeutung, sondern kommen erst durch Implikatur zustande  (vgl. Franck 1980:256)."

[Beerbom, Christiane, Modalpartikeln als Übersetzungsproblem. Eine  kontrastive Studie zum Sprachenpaar Deutsch - Spanisch. Frankfurt/M. u. a.:  Peter Lang, 1992, S. 28ff]