MODALVERBEN

Verbos modales

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Modalität / Modifizierende Verben / Funktionsverben

Sechs Wörter nehmen mich in

Anspruch jeden Tag:

Ich soll, ich muss, ich kann,

ich will, ich darf, ich mag.

[Friedrich Rückert (1788-1866)]

Modalverb

Nebenverb, das immer mit dem „reinen“ Infinitiv eines anderen Verbs kombiniert wird und dieselbe Subjektgröße wie dieses hat.“ [Engel, U.: Dt. Grammatik, S. 875]

Modalverb; Modales Hilfsverb

Verben, die in Verbindung mit einem Infinitiv (Du sollst gehen) eine modale Funktion haben, d.h. sie besagen, dass der Satzinhalt nicht als Realität gesehen werden soll, sondern als möglich, erwünscht, notwendig gefordert usw.. Im Deutschen sind dies die Verben dürfen, können, mögen, sollen, wollen, lassen, werden, (brauchen).

Alle diese Modalverben haben außer im periphrastischen Perfekt prinzipiell zwei unterschiedliche modale Lesarten, je nachdem ob sich der Modaloperator auf den Kenntnisstand des Sprechers der Äußerung bezieht (epistemische Lesart) oder auf die Art des Sprechakts, d.h. die Wunsch- oder Erlaubnishaltung vom Sprecher zum Hörer oder der referierten Person in Bezug auf einen Sachverhalt (normal modale Lesart). Vgl.: Rolf kann jetzt zuhause sein mit der epist. Lesart «Sprecher schließt, daß Rolf jetzt zuhause ist» (deswegen auch inferentielle Lesart) und der normalmodalen Lesart «Rolf ist imstande jetzt zuhause zu sein».

Morphologisch-diachron gehen die Modalverben auf Präteritalformen zurück (keine t-Endung in der 3. Person der Einzahl, Ablaut zwischen Ein- und Mehrzahl).” [Abraham, Werner, S. 491]

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„Die sechs Modalverben des Deutschen (dürfen, können, mögen, müssen, sollen, wollen) weisen morphologische, syntaktische und semantische Besonderheiten auf. Morphologisch fallen sie durch ihre Endung in der 3. Person Singular Präsens Indikativ auf, die normalerweise durch das Suffix -t markiert wird [die spanischen Modalverben weisen solche morphologische Besonderheiten nicht auf]. Bei fünf der Modalverben handelt es sich um sog. Präterito-Präsentia (Sing.: Präterito-Präsens), also um Verben, die der Form nach im Präteritum stehen, aber eine präsentische Bedeutung haben. Alle sechs Modalverben können mit beliebigen Infinitiven anderer Verben (ohne zu) verbunden werden.   A.c.I.-Konstruktionen (‘Akkusativ mit Infinitiv: ich höre ihn schnarchen) kommen nach Modalverben nicht vor. Auch in der Perfektbildung [im Gegensatz zu den spanischen Modalverben] zeigen die Modalverben Eigentümlichkeiten. Sie bilden, wenn sie mit einem Infinitiv verbunden sind, kein normales Perfekt (Hilfsverb + Partizip), sondern benutzen statt des Partizips den Infinitiv

(sog. Ersatzinfinitiv): ich habe dich nicht beleidigen wollen [sp.: no he querido ofenderte], aber: das habe ich nicht gewollt (Partizip des Modalverbs). Dieselbe Perfektkonstruktion tritt auch bei den Verben lassen, hören, sehen auf (ich habe sie kommen lassen / hören / sehen) [sp.: la mandé venir /la oí venir / la vi venir].

Die Modalverben weisen Akkusativ-Rektion auf, auch wenn diese bei einigen sehr eingeschränkt ist. Vgl. Willst / magst du einen Apfel?  Sie kann Japanisch [sp.: ¿quieres / te gustaría comer una manzana? Ella sabe (können als gelernte Fähigkeit) japonés] gegenüber ich darf/ muss/soll es [sp. kann das Infinitiv nicht ausgelassen werden: lo puedo/tengo que/ debo hacer]. Eine Passivformation ist bei Modalverben nicht möglich. Eine Ausnahme bildet mögen in der Bedeutung von ‘gern haben’, wenn das Agens durch ein Indefinitpronomen ausgedrückt wird: er wird von keinem/allen/einigen gemocht [sp. es querido por todos/algunos; nadie lo quiere]. Ebenfalls möglich sind Passivformen, wenn das Agens eine relativ unbestimmte Personengruppe bezeichnet: Er wird von seinen Kollegen gemocht [sp. sus colegas lo quieren mucho / es muy querido entre sus colegas]. Möglich ist bei wollen ein Zustandspassiv (ohne Agens): Dieser Effekt ist gewollt [sp. so nicht möglich; este efecto ha sido provocado voluntariamente / el efecto no ha sido casual]. Das vom Modalverb anhängige Vollverb kann im Passiv gebraucht werden, vgl.: Vampire können mit Knoblauch bekämpft werden [sp.: a los vampiros se los puede ahuyentar con ajos].

Semantische Klassifikation

Die gemeinsame semantische Funktion der Modalverben besteht darin, eine Aussage im Hinblick auf bestimmte Geltungsbedingungen zu modifizieren. Diese Grundfunktion teilen sie mit den sog. „modifizierenden Verben“ wie lassen (als Gegenpart zu dürfen), nicht brauchen (‘nicht müssen’) und werden (in Sätzen wie Das wird Ulla sein, die da klingelt [sp.: ésa que llama a la puerta va a ser Ulla / ésa que llama a la puerta puede que sea Ulla]. Diese drei Verben werden auf Grund ihrer großen semantischen Nähe, aber auch wegen einiger syntaktischen Gemeinsamkeiten von manchen Autoren daher ebenfalls zu den Modalverben gerechnet.

Bei objektivem Gebrauch der Modalverben werden „objektiv“ vorhandene Voraussetzungen oder Bedingungen für das Zutreffen der im Vollverb enthaltene Aussage zum Ausdruck gebracht: Er kann lesen kann praphrasiert werden: durch ‘Er ist befähigt zu lesen’ oder ‘Er hat die Möglichkeit, zu lesen’ (nicht aber durch: ‘Es ist möglich, dass er lesen kann’).

Bei subjektivem Gebrauch drückt die sprechende Person demgegenüber aus, welche Bedingungen ihrer Einschätzung nach für das Zutreffen der gesamten Aussage gegeben sind. Ein Satz wie Er muss krank sein [sp.: tiene que estar enfermo] kann nicht mit ‘Er hat die Verpflichtung, krank zu sein’ paraphrasiert werden; eine angemessene Paraphrase könnte hingegen lauten: ‘zu der Annahme, dass er krank ist, gibt es keine Alternative’.

 

Objektiver Gebrauch                     

 

Subjektiver Gebrauch

 

Das Kind darf langer aufbleiben

El niño puede ir más tarde a la cama

 

Sie dürfte ausgegangen sein

Debe de haber salido

 

Sie kann lateinisch schreiben

Ella sabe escribir en latín

 

Sie könnte schon da sein

Podría haber llegado ya

 

Ich möchte dir etwas zeigen

Quisiera mostrarte algo

 

So mag es gewesen sein

Puede que haya sido así

 

Er muss jetzt gehen

Se tiene que marchar ahora

 

Er muß krank sein

Tiene que estar enfermo

 

Ich soll dir Grüße bestellen

Dijo que te saludara de su parte

 

Sie soll verreist sein

Parece que está de viaje

 

Sie will morgen wiederkommen

Quiere volver mañana

 

Sie will dich gesehen haben

Dice que te ha visto

                                                                        Subjektiver Gebrauch: Modus                                                                                           

 

Indikativ

 

Konjunktiv

 

Sie muß zu Hause sein

Tiene que estar en casa

 

Sie müsste zu Hause sein

Tendría que estar en casa

 

Er kann es gewesen sein

Puede haber sido él

 

Er könnte es gewesen sein

Podría haber sido él

 

So mag es gewesen sein

Puede que haya sido así

 

So möchte es gewesen sein

Podría haber sido así

 

Sie soll ausgewandert sein

Parece que ha emigrado

 

-

 

Er will krank gewesen sein

Ha estado enfermo, según dice él

 

-

 

-

 

So dürfte es gewesen sein

Es muy probable que haya sido así

Das Wortfeld der Modalverben:

Die Modalverben lassen sich eindeutig in drei Paare unterteilen, die mit den Kategorien

·      Möglichkeit’ (können, dürfen)

·      Notwendigkeit’ (müssen, sollen)

·      Wille’ oder ‘Wunsch’ (wollen, mögen)

erfasst werden können.

Im Bereich ‘Möglichkeit’ impliziert dürfen im Gegensatz zu können notwendig eine - wie auch immer geartete - dritte Instanz. Der gleiche Unterschied lässt sich bei müssen und solle feststellen; hier ist es sollen, das die ‘dritte Instanz’ impliziert. Auf wollen und mögen hingegen ist diese Unterscheidung naturgemäß nicht anwendbar, da sich ‘eigener Wille’ und ‘dritte Instanz’ ausschließen. Der Unterschied zwischen diesen beiden Verben kann als ein Intensitätsunterschied dargestellt werden: wollen ist gegenüber  mögen sozusagen durch das Merkmal ‘+ intensiv’ abgegrenzt. Ein Unterschied in der Intensität lässt sich auch bei müssen und sollen feststellen; hier ist müssen das Verb, das gegenüber sollen einen höheren Gran an Notwendigkeit ausdrückt. Die Modalverben müssen und sollen haben somit an beiden zusätzlichen Kriterien teil:

Beim subjektiven Gebrauch der Modalverben verändern sich die hier dargestellten semantischen Eigenschaften. Die Kategorie ‘dritte Instanz’ kommt hier nur noch bei sollen, nicht aber bei dürfen zum Tragen (vgl. sie soll krank sein [sp.: parece que está enferma] gegenüber sie dürfte krank sein [sp.: debe de estar enferma], und mögen kann in dieser Funktion nur in seiner alten Bedeutung ‘können’ verwendet werden (so mag es gewesen sein [sp.: pudo haber sido así]).

Aber auch der negierte (objektive) Gebrauch der Modalverben führt zu interessanten semantischen Verschiebungen. Während sich die Negation bei sollen auf den abhängigen Infinitiv bezieht, bezieht sie sich bei müssen auf das Modalverb selbst. Vgl. du sollst nicht vor 8°° kommen => [du sollst] [nicht vor 8°° kommen] [sp.: no debes venir antes de las ocho], ‘es besteht die Notwendigkeit, dass du nicht vor 8°° kommst’, gegenüber du musst nicht vor 8°° kommen > [du musst nicht] [vor 8°° kommen] [sp.: no necesitar venir antes de las ocho] ‘es besteht keine Notwendigkeit, dass du vor 8°° kommst’.

Im Bereich der Negation stehen sich somit die Kategorien ‘Verbot’ (im Sinne der Notwendigkeit, etwas nicht zu tun) und ‘Nicht-Notwendigkeit’ gegenüber. Wenn man das Verb brauchen mit einbezieht, ergeben sich hier abermals zwei Paare, die sich durch unterschiedliche Grade an Intensität unterscheiden.“

[Hentschel, E. / Weydt, H.: Handbuch der deutschen Grammatik. Berlin · New York: de Gruyter, 1994, S. 66-75]

Verbos modales

«Obsérvese – decía Amado Alonso – las variaciones que admite una misma oración de cantar: “Yo quiero cantar”, “yo sé cantar”, “yo suelo cantar”, “yo puedo cantar”, “yo debo cantar”. Gramaticalmente el giro consta de un infinitivo dependiente de un verbo, ambos con el mismo sujeto. Por la significación es el infinitivo el que la representa, y el otro verbos designa un modo subjetivo de ella. La acción del infinitivo se modifica por el modo de encararla el sujeto: “yo canto” significa el cantar de hecho; “yo quiero cantar” significa el cantar de no hecho, sino de deseo; “yo puedo cantar” el cantar en potencia; “yo suelo cantar” el cantar en costumbre; “yo sé cantar” el cantar en habilidad adquirida o saber. Se llaman estos verbos modales porque indican el modo con que el sujeto encara la acción del infinitivo».

Gili Gaya por su lado determina: «El verbo deber unido a un infinitivo (deben trabajar) presenta a éste como una obligación del sujeto. De igual manera quieren trabajar, saben trabajar  y pueden trabajar añaden al concepto del infinitivo una modificación que indica la actitud del sujeto ante la acción de trabajar. Los verbos deber, querer, saber y poder denotan el modus explícito de las oraciones citadas como ejemplos; el infinitivo es el dictum, el contenido esencial de la representación. Por eso se llaman verbos modales».”

[Abad, Francisco: Diccionario de lingüística de la escuela española. Madrid: Gredos, 1986, p. 171]