METAPHER und METONYMIE  bei Lacan

(Recop.) Justo Fernández López

 

Metapher und Metonymie bei Jacques Lacan

„Die syntagmatische Ebene betrifft die lineare Verkettung oder Aneinanderreihung von Zeichen zu Sätzen (Kombination von Zeichen). In ihr wird eine Beziehung zwischen den jeweiligen Gliedern ‚in praesencia’ hergestellt. Sie bildet die Achse der grammatikalischen Wortverknüpfung.

Die paradigmatische Ebene dagegen meint die Auswahl eines Zeichens aus der Vielzahl bedeutungsähnlicher Zeichen. Diese semantische Seite der Sprache beruht auf Assoziationsbeziehungen, deren Glieder sich ‚in absentia’ mit einer möglichen Gedächtnisreihe verbinden.

Der Phonologe R. Jakobson nimmt diese Polarität der Zeichenkette auf und betrachtet sie im Licht der Rhetorik bzw. Stilistik. Die syntagmatische Ebene, die den Mechanismen der Kombination und Kontextbildung gehorcht, scheint ihm für die Bildung der Metonymie, die in der prosaischen Sprache vorherrscht, zuständig zu sein. Diese stellt sich dadurch her, dass ein Zeichen mit einem anderen kombiniert wird. Dies kann durch eine Wort-für-Wort-Verknüpfung geschehen (z.B. ‚Bonn’ = ‚Bundesregierung’) oder auch dadurch, dass ein Teil für das Genze steht (z.B. ‚er sitzt’ = ‚er ist im Gefängnis’). Zwischen beiden Ausdrücken besteht eine Kontiguitätsbeziehung.

Auf der paradigmatischen Achse, die dem Prinzip der Selektion gehorcht, erkennt Jakobson jene Bildung, die die poetische Sprache auszeichnet: die Metapher. Diese entsteht dadurch, dass ein Wort stellvertretend für ein anderes, bedeutungsähnliches, stehen kann, wie wir es z.B. in dem Ausdruck Mimose (= empfindsamer Mensch) vorfinden. Weil die Substitution auf dem Prinzip der Ähnlichkeit beruht, spricht man auch von Similaritätsbeziehung.

Folgendes Schaubild mag dazu dienen, diese komplizierten Relationen besser zu verdeutlichen:

Was Lacan nun in dieser Struktur der signifikanten Kette aufdeckt, sind die Mechanismen des Unbewussten, die Freud bereits in der Traumdeutung als Verschiebung und Verdichtung beschrieben hat und deren Manifestationen uns in den Äußerungen des neurotischen Symptoms, in den Fehlleistungen und Versprechern, nicht zuletzt auch im Witz begegnen. Das linguistische Instrumentarium, das Freud zur sprachwissenschaftlichen Erfassung dieser unbewusst ablaufenden Prozesse noch fehlte, stellt in seiner Nachfolge Lacan bereit. Er sieht in der metonymischen ‚Wort-für-Wort’-Verknüpfung die grundlegende Möglichkeit des Subjekts, in der Sprache etwas ganz anderes zu sagen, als das, was scheinbar zu Gebote steht. In jenem Gleiten der Bedeutung, das die Metonymie zeigt, erkennt er den Mechanismus der Verschiebung, in der Freud das hervorragende Mittel des Unbewussten sah, die Zensur zu überlisten und zwischen den Zeilen zu lesen. Die Verschiebung konstituiert sich also in jenen Bewegungen, die dem Verkettungs- und Kombinationsprinzip der Signifikanten gehorchen, wobei der Signifikant seine metonymische Funktion nur durch den Verweis auf einen anderen – latenten – Signifikanten erfüllen kann. Dieser bestimmt den Schluss der einen Kette, aber auch den Anfang einer anderen. Das Signifikat wird dabei durch die Zensur ausgesperrt.

‚Ein-Wort-für-ein-anderes’: das ist die Formel für die Metapher, deren Bedeutung daraus erwächst, dass sie einen Signifikanten durch einen anderen ersetzt. In dieser Struktur der Überlagerung von Signifikanten sieht Lacan die Freudsche Verdichtung am Werk. Hier wird der ursprüngliche Signifikant auf die Stufe des Signifikats verdrängt. Dort aber operiert er als latenter Signifikant weiter, und zwar sowohl im Bereich der Signifikate als auch durch seine bestimmte Abwesenheit im Bereich der Signifikantenkette.

Die Metapher bewirkt also einen Sinneffekt, indem sie verdrängt, versteckt, verstellt, wobei das Verdrängte latent präsent bleibt im Sinne einer abwesenden Anwesenheit. Damit wird die Metapher zum ausgezeichneten Moment der Beziehung zwischen bewusster und unbewusster Rede.

Vor dem Hintergrund dieser Sprachmechanismen mag nun deutlich werden, wieso Lacan seine zentrale These »Das Unbewusste ist strukturiert wie eine Sprache« vertreten kann, gelingt es ihm doch, in Auseinandersetzung mit der Linguistik nachzuweisen, dass die Gesetzmäßigkeiten und Regeln der Sprache auch in den Bereichen jenseits des Bewusstseins Geltung haben. Lacan kann nicht nur zeigen, dass die Struktur des Unbewussten einer ‚symbolischen Ordnung’ genügt, sondern er erhellt damit zugleich die wesentlichen Begriffe der Freudschen Metapsychologie.

Mit seiner Neuinterpretation des Unbewussten, das sprachförmig strukturiert und als solches den Möglichkeiten linguistischer Analyse zugänglich ist, verleiht Lacan nicht zuletzt der Psychoanalyse eine linguistisch fundierte wissenschaftliche Form.“

[Pagel, Gerda: Lacan zur Einführung. Hamburg: Ed. SOAK im Junius Verl., 1989, S. 47-50]

„Es en las dimensiones de la cadena significante donde debe leerse el paso de la fórmula de Jakobson (metáfora y metonimia [selección y combinación] son los dos ejes del lenguaje) a las dos fórmulas de Lacan: la condensación [die Verdichtung] es una metáfora donde se dice como sujeto el sentido reprimido de su deseo, y: el desplazamiento es una metonimia donde se marca aquello que constituye el deseo, deseo de otra cosa que siempre falta. Pues el principio que gobierna ambas fórmulas es que para hacer un tropo no basta poner una palabra en lugar de otra, en virtud de sus significados respectivos. Más exactamente, la metáfora es el surgimiento, en una determinada cadena significante de un significante que llega desde otra cadena: este significante franquea la barrera („resistente“) del algoritmo para perturbar con su „irrupción“ el significado de la primera cadena, donde produce un efecto de no-sentido al testimoniar que el sentido surge desde antes del sujeto. En cuanto a la metonimia, su función es mucho menos remitir de un término a otro, contiguo, que marcar la función esencial de la ausencia en el interior de la cadena significante: la conexión de los significantes permite realizar el „viraje“ en un discurso desde aquello que, sin embargo, no deja de ser en él una ausencia, es decir, en definitiva, el goce.“

[Ducrot, Oswald / Todorov, Tzvetan: Diccionario enciclopédico de las ciencias del lenguaje. Buenos Aires: Siglo XXI, 1974, p. 396]