MENTALISMUS  

Mentalismo

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Eingeborene Ideen / Nativismus  / Generative Transformationsgrammatik / Behaviorismus /  Cartesianische Linguistik

 

Mentalistisch (lat. mens = Vorstellung, Meinung)

Eigenschaft einer Sprachbetrachtung, die Bewusstseinsinhalte und damit nicht streng objektivierbare Kategorien wir Vorstellung, Mitteilungsabsicht, Emotion u.a. in die Sprachbeschreibung einbezieht; von behavioristisch geprägter Linguistik in den USA (Bloomfield) abgelehnt und durch mechanistisch-physikalische Verfahrensweisen ersetzt (jede wissenschaftliche, nicht philosophisch-spekulative Feststellung sei «made in physical terms»; deshalb sei die Bedeutung = meaning vorläufig nicht Gegenstand sprachwissenschaftlicher Forschung).” [Ulrich, Winfried, S. 72]

Mentalismus (lat. mens = Geist, Gedanke, Denken)

Bezeichnung für psychologisch-philosophische Auffassungen, die im Gegensatz zum Behaviorismus (Mechanismus, Physikalismus) Sprechakte als Resultat geistiger Fähigkeiten und Tätigkeiten des Individuums betrachten, die Kategorien wie Vorstellung, Geist, Bewusstsein, Denken usw. zulassen, deren pragmatistisch-operationanistische Ausklammerung besonders seit Boomfield zur Beschreibung von Bedeutung als social situation bzw. ethnolinguistic environment geführt hatte. Für Chomsky bedeutete mentalistische Linguistik theoretische Linguistik, deren Aufgabe in der Bestimmung der Kompetenz aufgrund von Daten der Sprachverwendung und der Introspektion besteht. Die Alternative Mentalismus oder Antimentalismus sieht er als Frage von Zielsetzung und Interesse, nicht von ‚wahr’ oder ‚falsch’.“

[Lewandowski, Th.: Linguistisches Wörterbuch, Bd. 2., S. 413-414]

Mentalismus [mlat. mentalis ‘geistig’].

Psychologisch-philosophisches Konzept, das in der Sprachwiss. von N. Chomsky [1965] in Anlehnung an den Rationalismus Descartes’ und Humboldts aufgegriffen und entwickelt wurde und das auf eine Beschreibung des inneren (angeborenen) Sprachmechanismus abzielt, der die Basis für den kreativen Aspekt von Sprachentwicklung und Sprachanwendung darstellt. Mit diesem Programm wendet sich Chomsky gegen den empiristischen Ansatz des Amerikanischen Strukturalismus (Bloomfield) und vor allem gegen die behavioristische Sprachauffassung Skinners, da beide Positionen nur die unmittelbarer Beobachtung zugänglichen sprachlichen Daten als Untersuchungsgegenstand zulassen. Durch solche Einschränkung des Untersuchungsgegenstandes auf physikalisch messbare Daten wird die sprachwiss. Beschreibung auf reine Oberflächenphänomene reduziert. Chomsky stützt sein mentalistisches Konzept auf zweifache Weise: indem er bei der gramm. Analyse von zugrunde liegenden Tiefenstrukturen ausgeht und indem er hinsichtlich des Spracherwerbs und der Kompetenzentwicklung einen eingeborenen (universellen) Mechanismus voraussetzt, der als gattungsspezifische psychische Disposition die Basis der Sprachentwicklung bildet (Cartesianische Linguistik).

Folgende Beobachtungen beim kindlichen Spracherwerb sprechen gegen die antimentalistische Auffassung, dass der sprachliche Lernprozess allein als Konditionierung durch Drill bzw. auf der Basis der Stimulus-Response-Theorie durch Assoziation und Generalisierung erklärt werden kann:

(a)  die Schnelligkeit, mit der ein Kind die Grammatik seiner Sprache in drei bis vier Jahren beherrschen lernt;

(b)  die Komplexität der zu erlernenden Grammatik;

(c)  das Missverhältnis zwischen Input (= die durch die soziale Umwelt angebotenen, zum Teil defekten sprachlichen Daten) und Output (= die aus diesen Daten abgeleitete Grammatik);

(d)  die Gleichförmigkeit der Ergebnisse in allen Sprachen und

(e)  die weitgehende Unabhängigkeit des Prozesses von der individuellen Intelligenz.

Diese Daten lassen sich adäquat nur erklären durch die Annahme eines angeborenen Spracherwerbsmechanismus, aufgrund dessen die Herausbildung der Kompetenz durch Erfahrung und Reifung dieser psychisch vorgegebenen Grundstruktur erfolgt. In diesem Sinne verfolgt die generative Transformationsgrammatik das Ziel, sowohl den Vorgang des Spracherwerbs als auch vor allem den kreativen Aspekt der Sprachverwendung, die Fähigkeit des kompetenten Sprechers, potentiell unendlich viele Sätze zu produzieren, zu erklären. Zur ausführlichen Darstellung und Kritik der mentalistischen Sprachauffassung Chomskys vgl. Bense, Leuninger, Putnam.1

[Bußmann, H., S. 480-481]

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1   Bense, E.: Mentalismus in der Sprachtheorie Noam Chomskys. Kronberg, 1973.

           Leuninger, H.: Reflexionen über die Universalgrammatik. Frankfurt, 1979.

     Putnam, H.: „The „innateness hypothesis“ an explanatory model in linguistics“. In: Synthese 17, 1967.

„Man fand, dass das linguistische System (mit anderen Worten , die Grammatik) jeder Sprache nicht nur ein reproduktives Instrument zum Ausdruck von Gedanken ist, sondern vielmehr selbst die Gedanken seiner Eindrücke und für die Synthese dessen, was ihm an Vorstellungen zur Verfügung steht. Die Formulierung von Gedanken ist kein unabhängiger Vorgang, der im alten Sinne dieses Wortes rational ist, sondern er ist beeinflusst von der jeweiligen Grammatik“.

(B.L. WHORF, Sprache, Denken, Wirklichkeit, Reinbek 1963, Seite 12)

„Die verschiedenen Muttersprachen sind die wirklichen Gegebenheiten. Wenn wir von ihnen aus nach einem Allgemeinen suchen, so wird das vielleicht nicht irgendein Universalbegriff von ‚Sprache’ sein, sondern etwas Besseres - etwas ‚Sublinguistisches’ oder ‚Superlinguistisches’ - und etwas, das, so anders es auch sein mag, nicht etwas völlig Anderes als das ist, dem wir heute das Adjektiv ‚geistig’ beilegen.

(B.L. WHORF, Sprache, Denken, Wirklichkeit, Reinbek 1963, Seite 39)

„Die englische Technik der Aussage stützt sich auf die zwei künstlichen Klassen der Substantive und Verben und auf die zweiteilende Ideologie von der Natur“.

(B.L. WHORF, Sprache, Denken, Wirklichkeit, Reinbek 1963, Seite 43)

„Es scheint, dass Dialekte, die an der Oberfläche ziemlich weit voneinander entfernt, ja sogar bei einem ersten Kontakt kaum gegenseitig verständlich sind, einen großen zentralen Fundus gemeinsamer Regeln und Prozesse aufweisen und sich in den zugrunde liegenden Strukturen, die durch lange historische Epochen hindurch unveränderlich zu bleiben scheinen, nur sehr leicht voneinander unterschieden.

(N. CHOMSKY, Sprache und Geist, Ffm 1973, Seite 131)

„Noch relevanter für unser Thema, so glaube ich, sind die Entwicklungen in der komparativen Ethologie der letzten dreißig Jahre ... auf Grund derartiger Untersuchungen spricht heute vieles dafür, dass sich die Perzeption von Linien, Winkeln, Bewegung und anderen komplexen Eigenschaften der physikalischen Welt auf eine angeborene Organisation des Nervensystems gründet.

(N. CHOMSKY, Sprache und Geist, Ffm 1973, Seite 154)

„Wir teilen also die Regeln der Sprache mit anderen, wie wir mit ihnen eine Organisation des Gesichtsfeldes teilen“.

(N. CHOMSKY, Reflexionen über die Sprache, Ffm 1977, Seite 90)

„Trotz beträchtlicher Verschiedenheiten in unseren jeweiligen Lernerfahrungen können wir ohne Schwierigkeiten miteinander kommunizieren; nichts deutet darauf hin, dass wir fundamental verschiedene Sprachen sprechen.“

(N. CHOMSKY, Sprache und Geist, Ffm 1973, Seite 147)

[Aus: Kurt Weinke: „Zum Problem der Universalgrammatik bei Noam Chomsky und Benjamin Lee Whorf“. In:

http://www.mauthner-gesellschaft.de/mauthner/tex/weinke.html]

„Das Begehren, dem Fodor heute ebenso erliegt wir früher ich selbst 1, ist also nichts anderes als das Verlangen, der Überzeugung/Wunschpsychologie zur »Wissenschaftlichkeit« zu verhelfen, indem man sie unmittelbar mit der Computerpsychologie gleichsetzt. Als ich dieses Vorhaben (unter der Bezeichnung »Funktionalismus«) vorschlug, glaubte ich, das Verfahren zu seiner Verwirklichung sei unkompliziert: Wir setzen einfach fest, dass Wünsche und Überzeugungen »funktionale Zustände« des Gehirns seien (d. h. Merkmale, die durch kalkülmäßige Parameter plus Beziehungen zu biologisch gekennzeichneten Inputs und Outputs definiert sind. So könnte man z. B. festsetzen, dass die Überzeugung, es gebe Milch im Kaufhaus, eine Hervorhebung einer der Formeln der Lingua mentis ist, deren Übersetzung in ein spezielles »Überzeugungsregister« lautet: »Es gibt Milch im Kaufhaus«. Die Hervorhebung einer weiteren Formel im »Wunschregister« könnte besagen: Es besteht der Wunsch, morgen zum Frühstück Milch zu bekommen. Und der Übergang von diesen beiden kalkülmäßigen Zuständen zur Resultante – d.h. zur Handlung des Kaufhausbesuchs und Milcheinkaufs – ist womöglich das Ergebnis der Anwendung eines bestimmten algorithmischen Verfahren auf diese beiden hervorgehobenen (sowie auf weitere) Formeln. In einer solchen Darstellung ist die normalsprachliche mentalistische Psychologie, also die Volkspsychologie, eine ungefähre Annährung an ein ideales kalkülmäßiges Modell der Vorgänge im Gehirn. Eine ideale Überzeugung/Wunschpsychologie verhielte sich isomorph zu (einem Teil) der kalkülmäßigen Beschreibung der Vorgänge im Gehirn. Man braucht nur diese Voraussetzung zu machen, und schon erhält man den Mentalismus in seiner neuesten Form.

Der Mentalismus ist lediglich die jüngste Gestalt einer allgemeineren Tendenz der Geistesgeschichte, nämlich der Tendenz, sich die Begriffe als wissenschaftlich beschreibbare (»psychisch reale«) Entitäten im Geist oder im Gehirn vorzustellen. Und diese ganze Tendenz ist, wie ich geltend machen werde, verfehlt.“

[Putnam, Hilary: Repräsentation und Realität. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1991, S. 32-33]

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1    Was mich fesselte, war natürlich die Vorstellung einer Vereinigung der Überzeugung/Wunschpsychologie mit der Computerpsychologie, während ich die Hypothese der Angeborenheit als Mittel zu diesem Zweck nie anziehend gefunden habe.

Adquisición del lenguaje

Algunos especialistas distinguen entre ‘adquisición’ y desarrollo; el primero se refiere al control de una regla del lenguaje y el segundo a su aplicación en una amplia gama de contextos. Dentro del innatismo defendido por el generativismo se postula la existencia en los niños de un mecanismo de adquisición del lenguaje llamado L. A. D. (languague acquisition devive), que consiste en una predisposición innata a ‘adquirir’ las estructuras lingüísticas de todo tipo. Este proceso es para Chomsky similar a la capacidad que los alumnos poseen para formular hipótesis o para construir teorías utilizando solamente un reducido inventario de datos. La adquisición del lenguaje, que sólo puede tener lugar hasta determinada edad, consiste fundamentalmente en la construcción de una gramática, hecha por los niños barajando hipótesis sobre las posibles reglas gramaticales y desechando las que no les sirven, por medio de la llama ABDUCCIÓN [ver: ABDUKTION]. Estas hipótesis las formulan los niños al contrastar los datos externos (input) con las bases lingüísticas innatas, y las prueban, revisándolas o abandonándolas cuando sea necesario. [...]

A pesar de que desde el principio hubo una diferenciación entre las teorías relacionadas con la ‘adquisición’ y las de aprendizaje, con el tiempo se han percibido contactos entre ellas. Dicho con otras palabras, frente a los DRILLS de tipo mecanicista del estructuralismo, el generativismo insiste en los conocimientos del código lingüístico, de las reglas, es decir, de lo racional, minimizando el papel de la repetición y la imitación. En esta participación activa del alumno no se pueden ignorar una serie de elementos personales, entre los que sobresalen (a) su iniciativa, su esfuerzo y su responsabilidad, así como (b) la función que tiene en todo proceso de aprendizaje la satisfacción que se alcanza tras obtener los frutos obtenidos.”

[Alcaraz Varó, Enrique / Martínez Linares, María Antonia: Diccionario de lingüística moderna. Barcelona: Editorial Ariel, 1997, p. 27]