MARKOV PROZESS

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Finite State Grammar / Stochastischer Prozess

 

Markov-Prozess.

Nach dem russ. Mathematiker A. A. Markov (1856-1922) benanntes, auf Wahrscheinlichkeitsgesetzen basierendes Verfahren, das die Voraussage zukünftiger Zustände eines Geschehens vollständig aus dem gegenwärtigen Zustand des Geschehens leisten kann. Im Jahre 1913 hat Markov dieses Verfahren der statistischen Voraussage auf Puschkins Novelle »Eugen Onegin« angewendet und die Häufigkeitsverteilungen im Auftreten russ. Vokale und Konsonanten berechnet. Über die Brauchbarkeit des Verfahrens für psycholinguistische Fragestellungen vgl. H. Hörmann [1967]: Psychologie der Sprache. Berlin.“ [Bußmann, H., S. 469-470]

Markoff-Prozess [stochastischer Prozess]

Nach H. Hörmann begreift die Auffassung des sprachlichen Geschehens als Markoff-Prozess den gegenwärtigen und den zukünftigen aus dem Gegenwärtigen. Es wird also nach den Wahrscheinlichkeitsbeziehungen gefragt, welche das einzelne Sprachereignis mit dem folgenden verbindet. Dieses Modell seht den Kommunikationsprozess vor allem vom Empfänger her.“ [Heupel, C., S. 140]

Markov-Prozess

Der Markov-Prozess erfasst diejenigen Stadien, die eine Aussage von der ersten gesprochenen (bzw. geschriebenen) sprachlichen Einheit bis zu ihrer endgültigen Gestaltung durchläuft. Diese Stadien sind durch die Aneinanderreihung von sprachlichen Einheiten nach den Regeln der jeweiligen Sprache bedingt; jede neu hinzugefügte Einheit bedeutet ein neues Stadium in der Gestaltung der Aussage. (Ivic 1971: 202).“ [Abraham, W., S. 469]

Markov-Prozess [Markov process / processus markovien]

Unter einem (finiten) Markov-Prozess versteht man ein nach dem russischen Mathematiker A. A. Markov benanntes Verfahren zur Berechnung der statistischen Häufigkeitsverteilung von sprachlichen Einheiten in einer gesprochenen (bzw. geschriebenen) Kette. Markov ermittelte 1913 an einem Korpus von 20 000 (in Vokale und Konsonanten unterteilten) Buchstaben in Puschkins Eugen Onegin die wahrscheinlichkeitstheoretischen Gesetzmäßigkeiten für die Abfolge von Vokalen und Konsonanten.

Oft (z.B. N. Ruwet 1968, p. 93) bezeichnet man als Markov-Prozess auch jenen einfachsten finiten (endlichen) Mechanismus, der die Generierung einer infiniten Menge von Sätzen gestattet. In solcher Verwendung ist der Terminus synonym  mit ‘Automat mit endlich vielen Zuständen’.“

[Welte, W.: Moderne Linguistik. Terminologie / Bibliographie. München: Hueber, 1974, Bd. I, S. 357]

Markov-Modell

Endlicher Automat, der sich bei der Wahl zwischen zwei oder mehr Listen nach vorher festgelegten Wahrscheinlichkeitswerten entscheidet (beispielsweise besteht eine Chance von 0,7 für Liste A und von 03, für Liste B).“

[Pinker, Steven: Der Sprachinstinkt. Wie der Geist die Sprache bildet. München: Knaur, 1998, S. 532]