MAGIE

Magia

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Kultur / Mythos / Phantasie / Fiktion / Symbol / Phantasie und das Unheimliche

 

«Von der Magie müsste die Tiefe behalten werden. Ja, das Ausschalten der Magie hat hier den Charakter der Magie selbst. Denn wenn ich damals anfing, von der „Welt“ [Tractatus: § 1 Die Welt ist alles, was der Fall ist] zu reden (und nicht von diesem Baum oder Tisch), was wollte ich anders als etwas Höheres in meine Worte bannen. [...]

Man muss beim Irrtum ansetzen und ich in die Wahrheit überführen. D. h., man muss die Quelle des Irrtums aufdecken, sonst nützt uns das Hören der Wahrheit nichts. Sie kann nicht eindringen, wenn etwas anderes ihren Platz einnimmt.

Einen von der Wahrheit zu überzeugen, genügt es nicht, die Wahrheit zu konstatieren, sondern man muss den Weg vom Irrtum zur Wahrheit finden.

Ich muss immer wieder im Wasser des Zweifels untertauchen.

Frazers Darstellung der magischen und religiösen Anschauungen der Menschen ist unbefriedigend: sie läßt die Anschauungen als Irrtümer erscheinen.

So war also Augustinus im Irrtum, wenn er Gott auf jeder Seite der Confessionen anruft?

Aber – kann man sagen – wenn er nicht im Irrtum war, so war es doch der Buddhistische Heilige, dessen Religion ganz andere Anschauungen bringt. Aber keiner von ihnen war im Irrtum, außer wo er eine Theorie aufstellte. [...]

Wenn Frazer uns erklärt, der König müsse in seiner Blüte getötet werden, weil nach den Anschauungen der Wilden sonst seine Seele nicht frisch erhalten würde, so kann man doch nur sagen: wo jener Gebrauch und diese Anschauungen zusammengehen, dort entspringt nicht der Gebrauch der Anschauung, sondern sie sind eben beide da.

Es kann schon sein, und kommt heute oft vor, dass ein Mensch einen Gebrauch aufgibt, nachdem er einen Irrtum erkannt hat, auf den sich dieser Gebrauch stützte. Aber dieser Fall besteht eben nur dort, wo es genügt, den Menschen auf seinen Irrtum aufmerksam zu machen, um ihn von seiner Handlungsweise abzubringen. Aber das ist doch bei den religiösen Gebräuchen eines Volkes nicht der Fall und darum handelt es sich eben um keinen Irrtum.

Frazer sagt, es sehr schwer, den Irrtum in der Magie zu entdecken – und darum halte sie sich so lange –, weil z. B. eine Beschwörung, die Regen herbeiführen soll, früher oder später gewiss als wirksam erscheint. Aber dann ist es eben merkwürdig, dass die Menschen nicht früher daraufkommen, dass es ohnehin früher oder später regnet.

Ich glaube, dass das Unternehmen einer Erklärung schon darum verfehlt ist, weil man nur richtig zusammenstellen muss, was man weiß, und nichts dazusetzen, und die Befriedigung, die durch die Erklärung angestrebt wird, ergibt sich von selbst.

Und die Erklärung ist es hier gar nicht, die befriedigt. Wenn Frazer anfängt und uns die Geschichte von dem Waldkönig von Nemi erzählt, so tut er dies in einem Ton, der zeigt, dass hier etwas Merkwürdiges und Furchtbares geschieht. Die Frage aber «warum geschieht dies?» wird eigentlich dadurch beantwortet: Weil es furchtbar ist. Das heißt, was uns bei diesem Vorgang furchtbar, großartig, schaurig, tragisch, etc., nichts weniger als trivial und bedeutungslos vorkommt, das hat diesen Vorgang ins Leben gerufen.

Nur beschreiben kann man hier und sagen: so ist das menschliche Leben.

Die Erklärung ist im Vergleich mit dem Eindruck, den uns das Beschriebene macht, zu unsicher.

Jede Erklärung ist eine Hypothese.

Wer aber, etwa, von der Liebe beunruhigt ist, dem wird eine hypothetische Erklärung wenig helfen. – Sie wird ihn nicht beruhigen. [...]

Einem religiösen Symbol liegt keine Meinung zu Grunde. Und nur der Meinung entspricht der Irrtum.

Man möchte sagen: Dieser und dieser Vorgang hat stattgefunden; lach’, wenn Du kannst. [...]

In effigie verbrennen. Das Bild des Geliebten küssen. Das basiert natürlich nicht auf einen Glauben an eine bestimmte Wirkung auf den Gegenstand, den das Bild darstellt. Es bezweckt eine Befriedigung und erreicht sie auch. Oder vielmehr, es bezweckt gar nichts; wir handeln so und fühlen uns dann befriedigt.

Man könnte auch den Namen der Geliebten küssen, und hier wäre die Stellvertretung durch den Namen klar.

Derselbe Wilde, der, anscheinend um seinen Feind zu töten, dessen Bild durchsticht, baut seine Hütte aus Holz wirklich und schnitzt seinen Pfeil kunstgerecht und nicht in effigie.

Die Idee, dass man einen leblosen Gegenstand zu sich herwinken kann, wie man einen Menschen zu sich herwinkt. Hier ist das Prinzip das der Personifikation.

Und immer beruht die Magie auf der Idee des Symbolismus und der Sprache.

Die Darstellung eines Wunsches ist, eo ipso, die Darstellung seiner Erfüllung.

Die Magie aber bringt einen Wunsch zur Darstellung; sie äußert einen Wunsch.

Die Taufe als Waschung. – Ein Irrtum entsteht erst, wenn die Magie wissenschaftlich ausgelegt wird.

Wenn die Adoption eines Kindes so vor sich geht, dass die Mutter es durch ihre Kleider zieht, so ist es doch verrückt zu glauben, dass hier ein Irrtum vorliegt und sie glaubt, das Kind geboren zu haben.

Von den magischen Operationen sind die zu unterscheiden, die auf einer falschen, zu einfachen, Vorstellung der Dinge und Vorgänge beruhen. Wenn man etwa sagt, die Krankheit zieht von einem Teil des Körpers in den andern, oder Vorkehrungen trifft, die Krankheit abzuleiten, als wäre sie eine Flüssigkeit oder ein Wärmezustand. Man macht sich dann also ein falsches, das heißt hier, unzutreffendes Bild.»

[Wittgenstein, L.: “Bemerkungen über Frazers «The Golden Bough»”. In: Wiggershaus, Rolf (Hrg.): Sprachanalyse und Soziologie. Die sozialwissenschaftliche Relevanz von Wittgensteins Sprachphilosophie. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1975. S. 38-41]

"So einfach es klingt: der Unterschied zwischen Magie und Wissenschaft kann dahin ausgedrückt werden, dass es in der Wissenschaft einen Fortschritt gibt, aber nicht in der Magie. Die Magie hat keine Richtung der Entwicklung, die in ihr selbst liegt."

[Wittgenstein, L.: “Bemerkungen über Frazers «The Golden Bough»”. In: Wiggershaus, Rolf (Hrg.): Sprachanalyse und Soziologie. Die sozialwissenschaftliche Relevanz von Wittgensteins Sprachphilosophie. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1975. S. 50]

„Marvin Minsky, der Vordenker der «Künstlichen Intelligenz», sagt: «Es kann keine ‘Ursachen’ geben in einer Welt, in der alles, was geschieht, in mehr oder weniger gleichem Umfang von allem anderen Geschehen abhängt» (zit. nach Strauss, B.: Beginnlosigkeit. Reflexionen über Fleck und Linie. München: Carl Hanser Verlag, 1992, S. 38). Das ist natürlich die Prämisse, von der jeder Magier beim Manipulieren seiner Mikrokosmen ausgeht: Dass das Geschehen prinzipiell von überallher beeinflussbar sei, da alles mit allem in Beziehung stehe.

Unser reflexartiges Abwehren der Möglichkeit von Magie hat viel damit zu tun, dass wir uns die Welt als Ansammlung von Gegenständen vorstellen, gegenübergestellt einer inneren, insularen Nomenklatur, die diese Dinge vertritt. Es ist klar, dass sich solcherart kein Tisch durch noch soviel Worthuberei wirklich verschieben lässt.

Jedoch: «Wörter vertreten nicht die Dinge selbst. Sie vertreten die Ordnung, die unser Geist den Dingen gibt» (Zimmer, Dieter E.: So kommt der Mensch zur Sprache. Über Spracherwerb, Sprachentstehung und Sprache & Denken. Zürich: Hoffmans Verlag, 1988, S. 130). Und: Es gibt in der Sprache nur Verschiedenheiten, und zwar «Verschiedenheiten ohne positive Einzelglieder» (Saussure, F. de: Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft. Berlin: Walter de Gruyter & Co., 1967, S. 143). «Überall und immer dieses selbe beziehungsreiche Gleichgewicht von Gliedern, die sich gegenseitig bedingen. Mit andern Worten: die Sprache ist eine Form und nicht eine Substanz» (ebenda: 146).

Ausgehend von einer Ethnologie als verallgemeinerter Semiologie müsste das auch auf die (soziale) Wirklichkeit übertragen werden. Jeder Magier ist ein Deduktionist (oder ein Strukturalist): Er verschiebt oder verwandelt oder verzaubert nicht Gegenstände, sondern er nimmt Verschiebungen im System (der «langue» sozusagen, im Saussureschen Sinn) vor, in der Matrix, die den Elementen erst ihren Platz (und das heißt ihre Seinsweise) zuweist; und es ist ohne Zweifel, dass dort jede Verschiebung Verschiebungen im ganzen Netzwerk nach sich zieht.

Allerdings hat das nichts mit Beliebigkeit, Willkür, «anything goes» zu tun. Es geht um notwendige Beziehungen, kulturelle Mathematik: Man muss dieses Netzwerk kennen, um zu wissen, an welchem Faden man ziehen muss, damit ...

Man könnte sagen, dieses Netzwerk ist das Gehirn, das wir uns teilen, unser Gruppen-Ich. Wir sind aneinander angeschlossen wie siamesische Zwillinge, eine siamesische Gruppe. Das telepathische Band ist nichts anderes als die analoge Struktur, die verbundenen Informationen im überpersonalen Computer der Kultur. Die Realität ist «selbstgemacht», aber nicht vom Einzelnen.”

[Zit. Signer, David: Konstruktionen des Unbewussten. Die Agni in Westafrika aus ethnopsychoanalytischer und poststrukturalistischer Sicht. Wien: Passagen Verlag, 1994, S. 160-161]

«Magia

Cualquier consideración en torno a la acepción antropológica de “magia” pasa por reconocer que su aparición y su existencia en la historia de la disciplina sólo se ha producido en contradistinción con otra categoría igualmente difícil de definir: la de “religión”. La idea básica es la de que existen rituales y creencias relacionados con una cierta idea de “lo extraempírico” (lo no fundado en la experiencia “objetiva” del mundo), que no pueden ser incorporadas al ámbito religioso. Por ello, la “magia” suele ser equiparada con la “superstición”, el “paganismo”, la brujería, el ritualismo mecanicista, un vago concepto de “lo extraordinario” y, en general, con todas las zonas por una causa u otra no homologables religiosamente de la praxis simbólica de la cultura. [...]

El grueso de las especulaciones en torno a la magia, concebida como parte de la humanidad inferior de los inicios y de la salvajidad, se debió a James C. Frazer, inventor de una completa y compleja teoría sobre la cuestión. La magia se basa en la aplicación de leyes de semejanza y contagio y de principios de casualidad no demasiado distintos de los que utiliza la ciencia moderna. La diferencia estriba en que sus premisas son falsas y que se plasma en torpes operaciones técnicas condenadas, en la mayoría de los casos, al fracaso. [...]

Por su parte, Sigmund Freud (1913 y 1927) identificó la calidad de lo mágico con otras modalidades de alteridad, además del salvajismo y la primitividad, como son la infancia y la neurosis. Asociada con las formas inmaduras o patológicas de la condición humana, la magia era, para Freud, la expresión de la desmesurada confianza que en ocasiones puede demostrar el ser humano con relación al poder de sus deseos. Los actos mágicos que el niño, el neurótico o el primitivo llevan a cabo no son sino la representación imitativa del deseo satisfecho o, como recogiera Bergson (1930) más adelante en un sentido análogo, su exteriorización.

La concepción de la magia como una entidad puesta al servicio de la lógica de las necesidades psicológicas individuales vertebra a su alrededor toda la teoría al respecto de Malinowski (1948). La utilidad psicofuncional de la magia reside en su capacidad para contrarrestar la tendencia a la ansiedad y a la incertidumbre que se originan en las restricciones físicas y mentales del hombre y en las dificultades con que se enfrenta para dominar y comprender el mundo en que vive. Malinowski aceptó la división de Frazer “magia-religión-ciencia” y su categorización del acto mágico como técnica pseudocientífica, aunque sin las involucraciones evolucionistas originales. [...]

La categoría de lo “mágico” resulta más bien indistinguible en la práctica etnográfica de la de lo “religioso”. El mismo Marcel Mauss (1902) reconocía que, entre la magia brujeril y la religión, que se sitúa en sus antípodas, hay un inmenso territorio en el que el desglose magia-religión resulta tan arduo como inoperante, por la sencilla razón de que ambos niveles aparecen continuamente yuxtaponiéndose o en intersección.

Esa fue la misma conclusión que aquella a la que llegó Lévi-Strauss (1958). Descartando la validez del concepto de lo “sobrenatural” (la razón occidental otorgando a la naturaleza los poderes de su autoconsideración como superhumanidad), la religión para a ser la humanización de las leyes naturales, mientras que la magia es entendida como la naturalización de ciertas acciones humanas, y ambas dos sistemas de conceptualización más a disposición de la organización significativa de la experiencia del mundo. El antropomorfismo de la naturaleza, la religión, y al fisiomorfismo de la naturaleza, la magia, forman dos componentes siempre presentes, de los que sólo varía la dosis. No hay religión sin magia, como no hay magia que no implique un grado u otro de religiosidad.

La diferenciación entre “religión” y “magia” es un problema del que hace ya mucho que no se ocupan los antropólogos. La mayor parte de ellos han seguido el consejo que diera en tono de ironía Radcliffe-Brown (1939): “en la medida en que resulta ostensible una total falta de acuerdo de lo que cabe entender por magia y por religión y de cual es la naturaleza de la diferencia, es razonable que se adopte la única actitud sensata dado nuestro actual nivel de conocimientos antropológicos, que es la de que, en la medida de lo posible, se evite el uso de tales términos”.»

[Delgado, M.: “Magia”. En: Aguirre, Ángel (Ed.): Diccionario temático de Antropología. Barcelona: Promociones y Publicaciones Universitarias (PPU), 1988, p. 453 ss.]