LPS-Maschinelle Übersetzung

(Recop.) Justo Fernández López

 

Maschinelle Übersetzung mit LPS

LPS ist eine modular konzipierte, deklarative linguistische Programmiersprache. Bei der Entwicklung von LPS richtete sich das Hauptaugenmerk auf die Erstellung eines für Sprachwissenschaftler einfach zu verwendenden Werkzeugs zur maschinellen Sprachverarbeitung auf der Grundlage der Rektions- und Bindungstheorie von Noam Chomsky. Mit Hilfe dieser neueren sprachwissenschaftlichen Theorie werden allgemeine Prinzipien untersucht, nach denen Sprachen funktionieren. Daneben werden auch solche Eigenschaften beschrieben, die in verschiedenen Sprachen unterschiedlich sind, so genannte einzelnsprachliche Parameter.

Mit LPS ist es nun möglich, diese beiden Komponenten, über die der Sprecher einer Sprache verfügt, in ein System zur automatischen Übersetzung zu integrieren. Neue Sprachen werden für das System durch Hinzufügung weniger sprachspezifischer Parameter erschlossen. Das System selbst ist somit sprachunabhängig.

Die Wahl der Rektions- und Bindungstheorie als theoretische Basis bietet darüber hinaus folgende Vorteile:

LPS und das damit entwickelte System zur maschinellen Übersetzung sind darüber hinaus maschinenunabhängig. Vorgeführt wird hier ein unter MS-WINDOWS implementierter Prototyp.

Die graphische Oberfläche, die in Zusammenarbeit mit dem Rechenzentrum der Universität zu Köln (RRZK) entwickelt wurde, ermöglicht es dem Benutzer, das Vorgehen des Systems bei der Übersetzung eines Satzes zu verfolgen. Zunächst wird der zu übersetzende Satz grammatisch analysiert. Das Ergebnis ist eine Baumstruktur, die am Bildschirm dargestellt wird. Diese Baumstruktur wird danach in die entsprechende Struktur der Zielsprache transformiert.

Die weitere Entwicklung von LPS hat folgende Schwerpunkte:

1.  Atomatische Lexikonerstellung:

     In theoretischer und praktischer Sicht nimmt das Lexikon eine zentrale Stellung bei der Verarbeitung von Sprache ein. Besondere Bedeutung kommt der Wiederverwertung von bereits vorhandenen Wörterbüchern zu.  Pragmatisch gesehen kann kein manuell erstelltes Lexikon mit der Evolution des Wortschatzes gerade in Fachsprachen Schritt halten. Ein neuerer Ansatz ist das automatische Extrahieren von lexikalischem Wissen aus bereits mehrsprachig vorliegenden Texten. Auf dem Gebiet des Lexikons arbeitet das Institut mit der Universität Sevilla (Prof. Dr. Miguel Angel de Pineda Pérez) zusammen.

2.  Auflösung von Mehrdeutigkeiten:

Eines der Hauptprobleme der maschinellen Übersetzung liegt in der Behandlung von mehrdeutigen sprachlichen Elemente (z.B.  engl. to put = dtsch. setzen, stellen oder legen). Verfolgt wird in dieser Hinsicht ein viel versprechender Ansatz mit Hilfe Neuronaler Netze. Die Forschungen auf diesem Gebiet werden durch ein gemeinsames Projekt mit der Universität Paris (Prof. Dr. Pierre Cadiot) unterstützt.

3.  Implementierung des Systems auf verschiedenen Rechnertypen:

LPS ist grundsätzlich als maschi-nenunabhängige Programmiersprache konzipiert. Vorgesehen ist eine Implementierung des Systems auf SUN-SPARC-Workstations. Die Mitarbeit der Abteilung für Sprachliche Informationsverarbeitung an dem vor kurzem in Köln gegründeten Zentrum für Paralleles Rechnen (ZPR) eröffnet längerfristig die Implementation von LPS auf einem PARSITEC 1024-Prozessor-Parallelrechner.

Prof. Dr. Jürgen Rolshoven / Universität zu Köln / Sprachliche Informationsverarbeitung /

rols@SPINFO.UNI-KOELN.DE

[Quelle: http://spinfo1.spinfo.uni-koeln.de/lps/lpsdtsch.html]