LINGUISTIK Geschichte der

Historia de la lingüística

(Recop.) Justo Fernández López

 

„Die Entwicklung der Linguistik ist charakterisiert durch ihre Subsumtion unter eine Wissenschaftstheorie, die ihre fortschreitende Formalisierung bzw. Mathematisierung mit sich brachte. [...] Wir können eine gegenläufige Entwicklungstendenz feststellen, je nachdem, ob wir auf die Formalisierung der Theorie oder den Inhaltsumfang ihrer vorgegebenen Aufgabenstellung sehen. Das folgende Schema soll diese Entwicklung andeuten, wobei die Etikette „Fortschritt“ und „Rückschritt“ natürlich nur mit großen Vorbehalten anzuwenden sind. Sie beziehen sich auf die zugrunde gelegte Fragestellung: was trägt die Entwicklung der Linguistik zur Entwicklung der Bedingungen der gesellschaftlichen Produktion und Reproduktion bei. Die skizzierte Inhaltsentleerung bedeutet, dass auf einen ganzen Aufgabebereich als Gegenstand wissenschaftlicher Arbeit verzichtet wurde, und das ist sicher ein Rückschritt.

Die Dimension B bezieht sich allerdings nur auf die Gegenstandsbestimmung der jeweiligen Sprachwissenschaft. [...] Das Fehlen eines genügend reflektierten Sprachbegriffes aber hat nicht nur die Inhaltsentleerung der Linguistik möglich gemacht, es ist auch der Grund dafür, dass die Linguistik zum Instrument destruktiver Ziele werden konnte. [...] Ich habe versucht zu zeigen, dass die Einbeziehung der formalistischen Wissenschaft Linguistik in die Ausbildung nicht zur Vermittlung der formalen Theorie selbst dient, sondern vielmehr zur systematischen Einübung in die Unterordnung unter Sachzwänge. Die Voraussetzung dafür ist allerdings die Entleerung der Beschäftigung von jedem Sachbezug, wie er die traditionelle Beschäftigung mit der Sprache im Unterricht, z. B. an literarischen Kunstwerken, auszeichnete.“

[Maas, Utz: Grundkurs Sprachwissenschaft I. Die herrschende Lehre. München: Paul List, 1973, S. 287 f.]