LEXIKALISTISCHE vs. TRANSFORMATIONALISTISCHE  HYPOTHESE

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Generative Transformationsgrammatik

 

Lexikalistische vs. Transformationalistische Hypothese [Auch: L. vs. Syntaktische H.].

Unterschiedliche Beschreibungsstrategien von Prozessen der Wort- und Satzbildung im Rahmen der generativen Transformationsgrammatik.

Bei der Wortbildung geht die auf Chomsky (1970) sich stützende transformationalistische Position davon aus, dass die Wortbildung und die Produktion von Sätzen hinsichtlich Rekursivität und Generativität ähnliche Eigenschaften aufweisen, außerdem sind zahlreiche syntaktisch-semantische Eigenschaften von komplexen Wörtern weitgehend vorhersagbar auf der Basis der ihnen zugrunde liegenden Lexeme. Unter Berufung auf das Postulat von der Ökonomie des Lexikons im Rahmen einer generativen Grammatik plädieren die Vertreter der T. Hypothese dafür, komplexe Wortbildungsstrukturen als Überführung einer syntaktischen Tiefenstruktur in eine entsprechend komplexe morphologische Form der Oberflächenstruktur zu beschreiben. Das Lexikon wird als Sammlung aller Irregularitäten aufgefasst und dadurch entlastet, dass Wortbildungsprozesse als reguläre transformationelle Prozesse beschrieben werden. Gegen diese  »syntaktische« Position sprechen verschiedene Fakten: So lässt sich die Beschränkung von potentiell möglichen Bildungen durch existierende konkurrierende Termini ebenso wenig durch syntaktische Regeln erfassen wie semantische Restriktionen (vgl. affig vs. *katzig), der unterschiedliche Ausnutzungsgrad von Regularitäten sowie pragmatisch motivierte Akzeptabilitätsprobleme.

Diese Probleme, ebenso wie die Wirkung analogischer Prozesse bei der Wortneubildung lassen sich im Rahmen einer L. Theorie, die sowohl einfache als auch komplexe Wörter gleichermaßen im Lexikon auflistet, adäquater beschreiben. Den de facto bestehenden Verwandtschaften und Regularitäten wird durch Redundanzregeln Rechnung getragen, die systematisch vorhersagbare Information innerhalb von Wortbildungsprozessen formulieren. Bei der Beschreibung von syntaktischen Prozessen im Rahmen der L. Position wird eine syntaktische Beziehung zwischen zwei Konstruktionstypen (etwa Aktiv-Passiv, die engl. Dativ-Alternation I gave him the book vs. I gave the book to him) mittels einer Lexikonregel repräsentiert, die auf Lexikoneinträgen (bzw. auf lexikalisch unspezifizierten Satzformen) operiert, wohingegen die klassische transformationalle Repräsentation mit Transformationsregeln über lexikalisch spezifizierten P-Markern operiert.

Die Kontroverse wird fortgesetzt auch auf dem Hintergrund der neueren generativen Syntaxtheorien.“ [Bußmann, S. 452-453]