LEGENDE

Leyenda

(Recop.) Justo Fernández López

 

Zum Begriff Legende

Die Entstehung des Begriffs Legende:

Entstanden ist der Begriff Legende aus dem abgeleiteten Gerundiv des lateinischen Verbs legere, legenda, mit der Bedeutung „das zu Lesende“.

Die religiöse Form der Legende hat ihren Ursprung in der Lesung der Lebensgeschichte des Heiligen, der an dem jeweiligen Tag seinen Gedenktag feiert. Ursprünglich hieß das Buch, in dem die Lebensgeschichten der einzelnen Heiligen gesammelt waren Legenda, doch wurde dieser Begriff bald auf die einzelnen Abschnitte des Buches angewandt. Somit ist die Form der hier zu behandelnden Legende klar abzugrenzen von den im 15. Jahrhundert entstehenden Bedeutungen, die der Legende einen weiter gefassten Begriffsrahmen zudachten. Ab dem 16. Jahrhundert versteht man unter Legende auch eine „unglaubhafte und unwahrscheinliche Erzählung“22, was sicher nicht im Sinne der eigentlichen Bedeutung für Legende steht. In der Aufklärung erreichte die Abwertung der Legendeninhalte ihren Höhepunkt und wurde von Schriftstellern wie Voltaire, Lessing oder Wieland massiv verspottet.23 Zwar lassen sich bei vielen Heiligen Zweifel an ihrer historischen Existenz anbringen, doch können diese Zweifel nicht in die Entstehungszeit der Legende gelegt werden.

Bevor man den Versuch beginnt, eine Heiligenlegende zu untersuchen, sollte man sich mit dem Begriff der Legende genauer auseinander setzen. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts hat es eine weit reichende Diskussion über die Gattung Legende gegeben, die bis heute noch nicht abgeschlossen ist, aber auch keine endgültige Definition von Legende hervorgebracht hat. Was sollte man sich also genau unter einer Legende im wissenschaftlichen Sinn vorstellen können?

Sprachliche Verbreitung und Unterschiede

Das Problem des Begriffes Legende beginnt bereits in der Abgrenzung zu anderen Gattungsbegriffen wie Sage, Märchen oder Mythos. Jedoch ist die strikte Trennung dieser Gattungen ein deutschsprachiges Phänomen, das sich in anderen Sprachen nicht stellt.  Im französischen Sprachgebrauch werden Legende und Sage unter einem Wort, ,,légende“ zusammengefasst, nur die Wissenschaft unterscheidet in ,,légende hagiographique“ für Legende und ,,légende populaire“ für Sage. Ebenso verhält es sich mit dem spanischen ,,legenda“ für sowohl Sage als auch Legende. Im englischen Wortschatz kann man wiederum sowohl ,,legend“ als auch ,,myth“ für die beiden Begriffe einsetzen, womit neben der Sage auch der Mythos als Gattung hinzukommt. Der italienische Sprachraum kennt für Legende und Sage ,,leggenda“, das sich von der lateinischen Form ableitet. Das Deutsche ist somit in der Unterscheidung der einzelnen Gattungsformen ein Sonderfall. Eben dieses Bestreben nach klar abgegrenzten Gattungen ließ den Inhalt der Legende zu einem wissenschaftlichen Problemfall werden, der seinen Ursprung am Ende des 19. Jahrhunderts hat.

Verschiedene Legendentheorien

Legendentheorien am Ausgang des 19. Jahrhunderts

1879 erkannte Hermann Usener in den Protagonisten der christlichen Heiligenlegenden Nachfahren der antiken Götter und Halbgötter. Zu dieser Schlussfolgerung kam er, indem er die Legenden den antiken Überlieferungen der Göttersagen gegenüberstellte. In seinen Studien24 verglich er unter anderem die heilige Pelagia mit Aphrodite, Tychon mit Priapos, versuchte also, den Ursprung vieler Heiliger in den Überlieferungen der Griechen und Römer zu finden. Obwohl einige Heiligenlegenden, wie die des Christopherus, der Marina oder des heiligen Georg, tatsächlich vorchristlichen Ursprung aufweisen, kann dieses Muster nicht auf alle Heiligen angewendet werden. Die Legenden dieser und anderer Heiliger wurden ab dem 7. Jahrhundert mit orientalischen Mythen, die Einzug in das Frankenreich fanden, kombiniert und zeichneten somit ein neues Bild von Legende.25 Die Märtyrerlegenden wurden wunderlicher und glichen mehr und mehr einem Märchen mit erbauendem Inhalt. Die Legende des Heiligen Christopherus lässt sich bis Indien zurückverfolgen und wurde vom Christentum adaptiert und für seine Zwecke umgeschrieben. Allerdings lassen sich nur bei wenigen Heiligen die Ursprünge der Legende so weit zurückverfolgen, bei den meisten ist man auf Mutmaßungen angewiesen wie Usener sie getätigt hat.

Nach Usener sollte Sebastian in Phöbos Apollon seinen vorchristlichen Pedant finden, da sein Patronat zwar vor den Tod bringenden Pfeilen der Pest schützen soll, es Sebastian aber ebenso ermöglicht wird, diese Pfeile Unheil bringend in die Richtung seiner Wahl zu lenken. Diese Doppelbödigkeit des Gebrauchs seiner Pfeile entstand jedoch erst lange nach den ersten Aufzeichnungen seines Martyriums.

Sebastian wurde erst ab dem 7. Jahrhundert n. Chr. als Pestheiliger angesehen, womit die Symbolik der Pfeile in der ursprünglichen Fassung der Legende noch keine Bedeutung hatte. Die Erzählungen, welche Sebastian zum Überbringer der Pestilenz stilisieren, entstanden ebenso erst mit Beginn der Renaissance, einer Zeit also, welche die Heiligenlegenden belächelte und ironisierte. Die Schriftsteller der Renaissance entwickelten ein zweites Bild Sebastians, dass ihn als Unglücksboten darstellt und nicht als Wunderheiler, doch lebt dieses Bild nur in der Ironie des Schreibers und hat nichts mit der ernsthaften Bedrohung durch Apollon in der antiken Literatur zu

tun. Wenn nun Phöbos Apollon seine Pfeile gegen die Kinder Niobes richtet, so bringt auch Sebastian einem spanischen Dorf die Pest, wie es in Francois Rabelais‚ ,,Gargantua und Pantagruel“ ironisch geschildert wird.

Dieser Gebrauch der Pfeile bildet jedoch eine Ausnahme in der Literatur, da Sebastian fast ausschließlich als Schutzherr gegen die Pest angesehen wird, als dass er diese durch seinen Willen herbeiführt.

Eine andere Parallele zur Antike, auf die Usener und seine Schüler nicht hingewiesen haben, besteht zwischen Sebastian und Prometheus, geht man von der ikonographischen Sichtweise aus.  Zwar haben die schriftlichen Überlieferungen der beiden nur wenig Schnittpunkte, in der Malerei lassen sich dafür um so mehr Gemeinsamkeiten finden, da beide in den bekanntesten Werken als nackte Männer dargestellt werden.

Durch die Theorien Useners wurde der Gattung Legende zu Beginn des 20. Jahrhunderts wieder größere Aufmerksamkeit geschenkt, was man vermutlich als größte Leistung der Studien Useners bezeichnen kann. Man suchte zwischen den Gattungen Märchen, Sage, Legende und Mythos eine Unterscheidung zu finden, sowie eine haltbare Definition der einzelnen Begriffe.

Legendentheorien zu Beginn des 20. Jahrhunderts

Eine erste große Differenzierung der einzelnen Gattungen traf Wilhelm Wundt 1906.27 Er unterschied zwischen Märchen, Sage, Legende und Mythos und erfasste die Legende als Unterform des Göttermythos, deren Merkmal ein erbaulicher Zweck sei und Beziehung zum Kult darstellen solle. Der Göttermythos selbst stellt jedoch eine Mischung aus mythischem Märchen und mythischer Sage dar, dem noch die Mythendichtung hinzugefügt wird. Die Legende müsse nach Wundt einem religiösen Kontext entspringen und könne ohne denselben nicht existieren.  Allerdings macht Wundt mit dieser Aussage keine Unterscheidung zwischen christlichen und vorchristlichen Religionen, womit die von Usener angeführten Heldensagen ebenfalls als Legenden angesehen werden. Eine Abgrenzung zwischen Sage, Märchen, Legende und Mythos ist nach Wundt in motivischer Hinsicht nicht möglich, da dieselben Motive in allen vier Bereichen unter anderen Bedingungen abgehandelt werden können.

Nach welchen Kriterien sollte man die Legenden dann beurteilen? Ab den 20er Jahren des 20.Jahrhunderts beschäftigte sich die Forschung zusehends mit der Quellensituation der Legenden.  Hippolyte Delehaye und Heinrich Günther betrachteten in ihren Nachforschungen über die Legende als erste deren Abhängigkeiten zu den Quellen. Ebenso wurde zusehends auf den Einfluss der Bildenden Kunst auf die literarische Form aufmerksam gemacht. Diesen Ansatz hatte im Jahr 1963 Emma Brunner-Traut wieder aufgegriffen28. Sie zeigt eine Verwandtschaft der Legende mit ägyptischen Mythen, die vor ihrer Verschriftlichung als Bild existierten. Die Inhalte der Legenden existierten jedoch nicht nur in Bildern, bevor sie niedergeschrieben wurden, sie wurden auch mündlich verbreitet, sodass man von regionalen Lokalkulten bestimmter Heiliger sprechen kann.  Besonders bei den frühchristlichen Märtyrern entstand die schriftliche Form der Legende erst lange nach ihrem Tod. Ihr Wirken und Leiden war in den Geschichten des Volkes noch soweit bekannt, dass man hunderte Jahre später ihre Geschichte niederschrieb, nicht ohne den tatsächlichen Geschehnissen eine neue und spektakulärere Bedeutung zuzumessen. Auch bei der Sebastianlegende kann dieser Prozess beobachtet werden.

1930 versuchte Günther Müller eine ,,Phänomenologie der Legende“ zu erstellen, wobei er als Merkmal der Legende deren Bindung zu Kult und Religion betonte, was eine rein literaturwissenschaftlich begründete Gattungsbestimmung in seinen Augen schwierig mache29.  Ebenso verglich er die Grundstruktur der Legende mit jener der Novelle, in deren Mittelpunkt ein einzigartiges Ereignis steht, das durch eine Wendung im zweiten Teil der Novelle erklärt und aufgelöst wird. Bei der Legende besteht dieser Mittelpunkt in der Heiligkeit der jeweiligen Hauptfigur und ihrer Wirkung von Wundern. Allerdings wurde Müller sehr bald dagegengehalten, dass es auch Legenden ohne detaillierte Beschreibungen von Wundern gibt, was seine These widerlegen würde. Im spezifischen Fall der Sebastianlegende ist die Anwendung von Müllers Ansicht problematisch, da Sebastian selbst in den antiken Formen der Legende über weite Strecken zu einer Nebenfigur verblasst. Seine Wundertätigkeit wird vor allem zu Beginn der Legende unter Beweis gestellt, als er die Frau des Kerkermeisters, Zoë, von ihrer Stummheit heilt und von einem Engel aufgesucht wird.

In den folgenden Kapiteln bis zu der Zerstörung der Ikonen im Hause des Chromatius tritt Sebastian jedoch in den Hintergrund und die Legende konzentriert sich auf andere Christen, die im Laufe der Legende ebenfalls den Märtyrertod erleiden. Insofern kann man in der Legende keinen Mittelpunkt finden, wenn man von Sebastian als Leitfigur ausgeht, da zu viele Personen charakterisiert werden, als dass man von einem einzigen, die Legende bestimmenden Ereignis sprechen könnte.

Diesen Aspekt von Müllers Theorie, der sich auf die Nähe der Legende zur Novelle konzentriert, hat Andre Jolles in seinem heute noch umstrittenen Buch ,,Einfache Formen“ aus dem Jahr 1930 in anderer Weise aufgenommen, in dem er Gattungsformen wie Sage, Mythe, Rätsel, Spruch und andere neben der Legende zu charakterisieren versucht. Er beschreibt die Form der Legende als Erstes, weil sie in einem bestimmten Abschnitt der abendländischen Kultur als abgeschlossenes Ganzes vor uns liegt.30 Jolles betrachtet die christliche Heiligenlegende als eine ausgeprägte Besonderung31, die sich seit ihrem Beginn in der frühchristlichen Zeit bis zum heutigen Tag erhalten hat. Ihr Hauptinteresse besteht darin, das Leben eines Menschen zu schildern, der sich durch tätige Tugend32 ausgezeichnet hat. Diese tätige Tugend wirkt dann auf die anderen Menschen im Sprachlichen der Legende, wie auch im Gegenständlichen im Falle der Reliquie. Die Legende soll die Leser derselben zur imitatio, zur Nachahmung anregen. Diese Nachahmung soll durch bestimmte sprachliche Gebärden erzielt werden, die für die Gattung der Legende, laut Jolles, typisch sind.  So enthält die Legende nur solche Abschnitte aus dem Leben des Heiligen, in denen man seine Heiligkeit erkennen kann und die für den ,,normalen“ Menschen eine imitatio zulassen. Sprachliche Gebärden werden in der Legende dann angewandt, wenn sie von der Gottnähe der Protagonisten verkünden sollen.

Sie erscheinen in Form von Engeln, Wundern und dem Überstehen von unmenschlichen Qualen.  Allerdings geht Jolles bei diesen Analysen nicht auf die Religiosität des Themas ein. Seine sprachliche Gebärden kann man mit gutem Willen auch auf Helden umlegen, die mit der Legende nichts zu tun haben und historisch eine klare Erfindung der jeweiligen Autoren darstellen.  Bei der Sebastianlegende ergibt sich das bereits oben angesprochene Problem, dass Sebastian selbst in vielen Kapiteln nicht die Hauptperson darstellt. Während der Götzenzerstörung im Hause Chromatius‚ ist er nur eine Nebenfigur gegenüber Polycarpus dem Priester, der die Dialoge mit Chromatius als auch mit Tiburtius führt. Nach Jolles Annahme wäre dann die Sebastianlegende eine Legende mit mehreren Personen, denen man imitatio zollen müsste und jene Stellen, die Sebastian zum Statisten degradieren, symbolisieren die weltliche Gestalt Sebastians und nicht den Heiligen. Ab wann beginnen jedoch bei Jolles die sprachlichen Gebärden und wie fest gebunden ist die Handhabung derselben an das Leben eines Heiligen?  Zu Beginn der Sebastianlegende haben wir bereits die erste sprachliche Gebärde, und zwar als der Engel im Kerker von Nicostratus erscheint und Sebastian ein Buch vorhält, aus dem er die bekehrenden Worte für Marcus und Marcellianus vorliest. Spätestens ab diesem Zeitpunkt müsste Sebastian ein Heiliger sein, der dem Leser oder Zuhörer der Legende eine imitatio vorgibt. Diese imitatio wird jedoch in den Dialogen des Tranquillinus, oder bei den Märtyrertoden von Tiburtius oder Zoë in den Hintergrund gestellt, da Sebastian an diesen nicht teilnimmt. „Pausiert“ in solchen Fällen die imitatio und wird sie auf andere Personen der Legende übertragen und in wie weit kann eine imitatio überhaupt pausieren, wenn die Legende mit dem Namen nur eines Heiligen betitelt ist? In der Sebastianlegende müssten die meisten Personen für den Leser eine imitatio vorgeben, da sie ebenso durch sprachliche Gebärden charakterisiert werden.  Hier stellt sich bereits die Frage, ob die Legende des Heiligen Sebastian als Einzellegende gesehen werden kann, oder ob nicht auch die Leben anderer Heiliger darin vereint wurden.  Joseph Dabrock lehnte 1934 Jolles‚ Definition für Legende ab und meinte statt dessen, dass die Funktion der Legende die Beweisführung zur Existenz Gottes sei. Dem widersprach Hellmut Rosenfeld mit der Begründung, dass die Legende die Existenz Gottes bereits voraussetze und sich die Legende auf die dichterische Wiedergabe des irdischen Lebens heiliger Personen33 beschränke, womit auch Mirakelberichte von der Legende auszuschließen wären. Somit sei für die Existenz der Legende nicht nur der Glaube an Gott notwendig, sondern der Glaube als solcher. Da die Legende ausschließlich im Bereich des Christentums erwuchs und nur am Rande und zum eigenen Nutzen von anderen Kulturen beeinflusst wurde34, wurde ihre Form immer gleich behalten. Die Märtyrer sind somit in ihrer Marter austauschbar, das Eigentliche ist die Durchdringung des Heiligen durch Gott und seine dadurch entstehende Hilfsbereitschaft für die Christen.

Robert Petsch kam 1932 zu einem ähnlichen Schluss, dass die Legende den Heiligen in seiner Ähnlichwerdung mit Gott zeigen sollte. Petsch relativierte diese Aussage jedoch bald wieder und näherte sich in seinen späteren Theorien wieder Jolles an, da er die Legenden in Kultlegenden, Heiligenlegenden und Antilegenden unterteilte und somit eine Hierarchie innerhalb der Gattung herstellen wollte35.

Legendentheorien ab 1945

Nachdem die Feststellung gemacht wurde, dass Legende nur unter dem Einfluss der Kirche gedichtet, gesammelt und verbreitet wurde, konnte die Legendenforschung auf andere Bezüge dieser literarischen Gattung übergehen. Durch die historischen Fakten, auf denen die meisten Legenden beruhen, steht die Legende in einem Nahverhältnis zur Sage. Wie bereits oben erwähnt wurde, kennt die Differenzierung zwischen Sage und Legende, in dieser semantischen Deutlichkeit nur das Deutsche.

Gustav Mensching versuchte 1962 diese beiden Gattungen voneinander abzugrenzen, indem er die Sage auf Grund ihres Mangels an historischer Fixiertheit in die Nähe des Mythos stellte36. Diese Ungeschichtlichkeit gilt jedoch auch für die Legende.

Zwar verweist sie auf historische Persönlichkeiten, doch können die Protagonisten mit einem anderen Hauptaugenmerk im Laufe der Geschichte betrachtet werden.  Sebastian war in der Fassung Arnobius des Jüngeren ein Christ, der dank seiner hohen Stellung im römischen Heer zum Tode verurteilte Christen in ihrem Glauben stärken konnte. Sein im Mittelalter und der Renaissance weit verbreitetes Patronat als Schutzheiliger gegen die Pest wird in der ersten Fassung der Legende in keiner Weise angesprochen und war auch nicht von Bedeutung. Erst durch die Verlegung seiner Reliquien und das dadurch herbeigeführte Abklingen einer Pestwelle, brachte ihm diese Aufgabe ein. Paulus Diakonus berichtete 680 n. Chr. von dieser Pestepidemie, während Arnobius der Jüngere seine Fassung der Sebastianlegende 432 n. Chr. verfasste und somit noch keine Hinweise auf das Patronat zur Abwendung der Pest eingefügt hatte.  Somit wird auch hier nach Menschings Meinung die Darstellung eines christlichen Märtyrers verklärt, wie in der Sage weltliche Figuren, mit der Berufung auf ihre tatsächliche Existenz entfremdet werden.

Die wissenschaftlichen Nachforschungen, für die Legende eine gültige Definition zu finden, verebbten Mitte der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts und soll in dieser Arbeit auch nicht wieder aufgenommen werden. Es zeigt sich jedoch, dass von den vorgestellten Theorien zu diesem Thema, keine die Legende des Heiligen Sebastians vollständig erfassen kann. Das ist auch das Problem bei einer allgemein gültigen Definition für Legende, dass die zahlreichen Legenden die geschrieben wurden und werden nicht so austauschbar sind wie man annehmen könnte. Die meisten Märtyrerlegenden unterscheiden sich durch verschiedene Merkmale voneinander und können nicht generalisierend zusammengefasst werden.

Im Fall von Sebastian ist die Vielzahl der vorkommenden und handelnden Personen ein Merkmal, dass diese Legende von den anderen Märtyrerlegenden abgrenzt. Eine genauere Behandlung der Personen soll innerhalb des inhaltlichen Aufbaus gegeben werden.

Der inhaltliche Aufbau der Legende

Die Legende des heiligen Sebastians lässt sich in der heute bekannten Fassung in drei große Teile 37 gliedern. Diese Gliederung gilt jedoch nicht für die gängigen Überlieferungen, wie sie aus ELA, MB und PP bekannt sind, da in diesen Fassungen bereits einige Elemente der Urfassung fehlen. Das Fehlen dieser Elemente dürfte auf Jacobus de Voragine zurückgehen, der in seiner LA bestimmte Kapitel von Arnobius dem Jüngeren nicht übertragen hat.

Da die LA als ein Sammelbecken für Heiligenlegenden gilt, wie es im 17. Jahrhundert die AS werden sollte könnte man davon ausgehen, dass in der LA nur komplette Legenden gesammelt sind. Warum Jacobus bestimmte Teile der Sebastianlegende ausgespart hat, kann nur mehr erahnt werden, lässt sich jedoch mit einer fragmentarischen Vorlage am plausibelsten erklären. In den mittelalterlichen Legendaren besteht die Legende des heiligen Sebastians aus den folgenden drei Teilen.

Mit der inhaltlichen Darstellung jedes Teiles wird auch ein Überblick über die handelnden Personen geboten, sowie die Unterschiede zu den ursprünglichen Acta.“

[Ters, Osckar: Die Legende des heiligen Sebastian.  SS 2000 - Fachbereich: Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik. Hochschule/Schule: Universität Wien. Art des Textes: Magisterarbeit. In:

http://www.hausarbeiten.de/cgi-bin/superDBdruck.pl/archiv/germanistik/germ-1712001-2361.shtml]