KONJUNKTIV

Subjuntivo

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Subjuntivo / Indikativ / Modus und Modalität

 

Der Name

lateinisch

conjungere = 'verbinden' | conjunctivus = 'abhängig'

subjungere = subjuntivo = 'durch Unterordnung verbinden'

„Wir bleiben bei den Termini „Konjunktiv“ (für das Deutsche) und ‘subjuntivo’ (für das Spanische).  Beide Termini gehen auf das Lateinische zurück: „coniunctivus“ („modus  coniunctivus“) und „subiunctivus“ („modus subiunctivus“); die lateinischen Ausdrücke sind Lehnübersetzungen der griechischen Bezeichnung „énklisis hypotaktiké“, die sich schon bei Dionysios Thrax (100 v. Ch.) findet; diese Ausdrücke meinen ursprünglich: zur Unterordnung dienende Aussageform oder Beugung („énklisis“) oder auch: Form, die in untergeordneten Sätzen erscheint. Der Rückgang auf die Etymologie hilft auch in diesem Fall kaum weiter. Dies gilt für das Deutsche ganz besonders. Die gelegentlich gebrauchten deutschen Termini „Möglichkeitsform“ und „Heischeform“ sind, eben weil sie sich, eine Deutung enthaltend, zu genau festlegen, irreführend: sie treffen jeweils bloß eine der semantischen Komponenten der unter „Konjunktiv“ zusammengefassten Formen. Es ist zweckmäßiger, bei einem bloß etikettierenden Terminus zu bleiben.“ [Cartagena / Gauger, Bd. 2, S. 474]

Die Formen des Konjunktivs im Dt.

Konjunktiv I

=         Konjunktiv Präsens

Konjunktiv II

=         Konjunktiv Präteritum

Konjunktiv III  („Ersatzform des Konjunktivs“)

=         Konditional II  (Zusammengesetzte Form)

„Im Dt. finden sich im Konjunktiv die folgenden drei Formengruppen: Konjunktiv I (Konjunktiv Präsens) er komme; Konjunktiv II (Konjunktiv Präteritum) er käme; Konjunktiv III (meist „Ersatzform des Konjunktivs“ genannt) er würde kommen.

Hinzuzufügen sind die zusammengesetzten Formen: Er sei gekommen (I), er wäre gekommen (II), er würde gekommen sein (III).

Die Formen des Konjunktivs II sind materiell insgesamt besser markiert als die des Konjunktivs I: damit wird, unter anderem, das Vordringen des Konjunktivs II zugunsten des Konjunktivs I erklärt (Erben 1972: 102). Am besten markiert ist natürlich der Konjunktiv III. Die Lebendigkeit des Konjunktivs insgesamt gegenüber dem Indikativ liegt vor allem in der Lebendigkeit des Konjunktivs II und in der des - immer verfügbaren, sowohl die Funktion von Konjunktiv I als auch von Konjunktiv II vertretenden - Konjunktivs III.

Die von uns als Konjunktiv III bezeichneten Formen werden üblicherweise „Ersatzformen“ genannt, weil sie anstelle des Konjunktivs verwendet werden. Jedoch entspringt diese Sicht einer verkappt historischen Perspektive. Faktisch findet sich die analytische, periphrastische Form mit würde, also dem Konjunktiv II von werden - oft bei Vorliegen identischer Ausdrucksabsicht - neben Konjunktiv I und Konjunktiv II: es ist, synchronisch gesehen, nicht ausgemacht, was hier was ersetzt; eher geht die Ersetzung in die umgekehrte Richtung: „Die häufigsten Personalformen für den Konjunktiv II sind ‘würde, würden’ ... Es gibt aber auch einen Konjunktiv II in einem Wort, so dass man kein ‘würde’ braucht“ (Glinz 1980: 121). Neben würde findet sich, besonders süddeutsch und auch außerhalb, bei Näherung an die gesprochene Umgangssprache, auch täte (schwäbisch tät, bayerisch und österreichisch, ohne Umlaut, tat): Wenn der kommen täte, das wäre was anderes!  Der Konjunktiv III ist bei bestimmten Verben, besonders bei haben und sein, erheblich seltener: er ist aber auch hier keineswegs ausgeschlossen: wenn er gesagt hätte, dass du da bist  =  wenn er gesagt haben würde, dass du da bist; wäre er früher gekommen = würde er früher gekommen sein.

Die normativ gegebene „Faustregel“ für die Verwendung der drei Konjunktive lautet:

§         Konjunktiv I, wo dies angeht

§         Konjunktiv II anstelle von Konjunktiv I, wenn dieser materiell nicht markiert ist gegenüber dem Präsens (er sagte, sie kämen morgen statt er sagte, sie kommen morgen); so genannter gemischter Konjunktiv (dies gilt besonders für die 3. Person des Plurals: er schläft - er schlafe  gegen  sie schlafen - sie schlafen, dann also: sie schliefen).

§         Konjunktiv III anstelle von Konjunktiv II, einmal wenn dieser gegenüber dem Präteritum materiell nicht markiert ist (Das würde ganz gut klappen statt Das klappte ganz gut), zum anderen, wenn die Form des Konjunktivs II ungebräuchlich und/oder altertümlich ist: Er würde mir sicher helfen statt Er hülfe mir sicher. Bei den sehr häufigen Verben mit klar markierter Form des Konjunktivs II - wäre, hätte, wollte, sollte, könnte, müsste, dürfte, käme, ginge, nähme, gäbe - wird oft, von den Lehrbüchern, diese Form empfohlen („weil sie kürzer und prägnanter ist“). Diese „Faustregel“ - Konjunktiv II als Ersatz für Konjunktiv I, Konjunktiv III als Ersatz für Konjunktiv II, wenn Markierung nicht klar - ist nicht unangemessen, sie spiegelt aber, wie man sich denken kann, die faktische Verwendung nicht genau. Man kann nicht sagen, dass alles inkorrekt sei, was dieser Regel nicht entspricht.

Der inhaltliche Unterschied zwischen Konjunktiv I und Konjunktiv II ist kaum je zeitlich:

Sie sagte, sie lese viel zur Zeit - Sie sagt, sie läse viel zur Zeit; Sie sagt sie habe in den letzten Jahren viel gelesen - Sie sagt, sie hätte in den letzten Jahren viel gelesen ; Sie sagt, sie werde in den nächsten Jahren viel lesen - Sie sagt, sie würde in den nächsten Jahren viel lesen.

Der inhaltliche Unterschied zwischen Konjunktiv I und Konjunktiv II ist auch nicht durchweg modaler Natur.

Hervorzuheben ist der enge Zusammenhang zwischen Konjunktivverwendung (besonders was Konjunktiv I und II betrifft) und Sprachniveau sowie individueller Sprachbildung. Es gibt die ‘stilistische’ Konjunktivverwendung als metasprachliches Signal, wenn auch nicht so ausgeprägt wie beim ‘imperfait du subjonctif’ des Französischen. Dieser Feststellung widerspricht nicht die Tatsache, dass zum Teil die Dialekte, auch zum Teil das regionale Deutsch, reich an Differenzierungen zwischen Indikativ und Konjunktiv und zwischen Konjunktiv und Konjunktiv sind. Es geht hier um die Frage, was der Mensch sei ist eleganter, gewählter, auch unter Umständen gezierter, als die entsprechende indikativische Formulierung.“ [Cartagena / Gauger, Bd. 2, S. 474-477]

Der Grundmodus der Aussagen ist der Indikativ. Der Konjunktiv, der in der deutschen Gegenwartssprache ohnehin recht selten geworden ist, dient vor allem der Kundgabe und lässt sich in dieser Funktion durch performative Prädikate darstellen. Er dient als Ausdruck des Sollens «Das bleibe dahingestellt!» – «Das soll dahingestellt bleiben»), des Wunsches («Käme er doch!» – «Ich wünsche, dass er kommt», des Hortativs («Seien wir beruhigt!» – «Wir wollen beruhigt sein»), des Zugeständnisses («Sei es also!» – «Es soll so sein!»). Daneben dient der Konjunktiv aber auch zum Ausdruck der Enthaltung von behauptender Stellungnahme, wie im Satz «Fritz behauptet, dass er den Unfall nicht verschuldet habe».

[Kutschera, F. v.: Sprachphilosophie. München: Wilhelm Fink Verlang, ²1975, S. 249-250]

„Reichenbach fasst in [47], § 57 neben dem Konjunktiv auch den Indikativ als Ausdruck der Kundgabe, der Einstellung des Sprechers zum Satz auf. Der Indikativ soll eine Behauptung ausdrücken, wo wie der Konjunktiv Verneinung (im Irrealis), Wunsch, Ermahnung oder Enthaltung von Behauptung («Fritz sagte, er sei unschuldig») ausdrückt. Der behauptende Charakter ist aber allen Aussagensätzen gemeinsam, selbst wenn in ihnen kein Indikativ vorkommt. So ist auch der Satz «Wenn er dein Freund wäre, so würde er die helfen» eine Behauptung, die Reichenbach als Nicht-Behauptung charakterisiert. Und umgekehrt tritt der Indikativ auch in Sätzen auf, die keine behauptende Kraft haben, wie z.B. in dem Nebensatz «Hans behauptet, dass er unschuldig ist». Insofern ist die Charakterisierung des Indikativs als Grundform der Aussage wohl adäquater.”

[Kutschera, F. v.: Sprachphilosophie. München: Wilhelm Fink Verlang, ²1975, S. 250 Anm. 32]