KASUSTHEORIE

(Recop.) Justo Fernández López  

 

Vgl.:

Generative Transformationsgrammatik / GB / Generative Semantik / Dependenz-Grammatik / Kasusgrammatik

 

Kasustheorie

Auf dem Rektionsbegriff der GB-Theorie gründende Theorie der Kasuszuweisung, nach der bestimmte lexikalische Kategorien in strukturell definierten Bereichen bestimmte Kasus zuweisen können. Die K. unterscheidet zwischen

(a)  von Lexemen abhängigen Kasus wie z. B. dem von helfen regierten Dativ oder dem von gedenken regierten Genitiv, zwischen

(b)  solchen Kasus, die von der Thematischen Rolle ihres Kasusträgers abhängen (z. B. dem Instrumentalis oder dem Pertinenz-Dativ zum Ausdruck bestimmter thematischer Rollen) und

(c)  den von bestimmten grammatischen Funktionen, d.h. von bestimmten Positionen abhängigen, mit keiner thematischen Rolle identifizierbaren Kasus wie z.B. dem Genitiv innerhalb einer NP wie in Ottos Buch, die Liebe Gottes, sie werden auch als »lexikalischer«, »inhärenter« oder »struktureller« Kasus bezeichnet. Als strukturell gelten auch die von syntaktischen Kategorien zugewiesenen (bezüglich der jeweiligen Kategorie als unmarkiert angesehenen) Kasus, die nicht lexikalisch sind: so der Akkusativ beim Verb, der Dativ beim Adjektiv und der Nominativ als der von INFL-Knoten zugewiesene Kasus.

Die Kasustheorie der GB-Theorie beschreibt, innerhalb welcher lokalen Domänen lexikalische und strukturelle Kasus von einem Regens abhängig sein können; generell sind maximal Projektionen im Sinne der X-Bar-Theorie solche Domänen, d.h. sie sind Grenzen oder Barrieren für die Kasuszuweisung. Die rein strukturelle Beziehung zwischen einer X0-Kategorie und einem Element innerhalb dieser Domäne wird als Rektion (engl. government) bezeichnet. Über die K. hinaus erweist sich der Rektionsbegriff auch in anderen Modulen der GB.Theorie als zentral.“ [Bußmann, S. 370-371]