ISOTOPIE

Isotopía

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Text / Klassem / Lexikalische Solidaritäten

 

Isotopie: griech. ísos tópos = ‘derselbe Ort’ bzw. ‘gleiche Ebene (im Text)’.

Isotopie [griech. ísos tópos ‘derselbe Ort’]. Von A. J. Greimas aus der Chemie übernommener Begriff der Textlinguistik; Wiederkehr von Wörtern desselben Bedeutungs- bzw. Erfahrungsbereichs in einem Text z.B. Arzt, Fieber, Spritze, Honorar. Die I. beruht auf der Wiederholung eines Semantischen Merkmals, ist also ein Sonderfall der Wortwiederholung, der Rekurrenz, und damit ein textbildendes Mittel der Kohäsion bzw. Kohärenz. In der Anzahl der I.-Ebenen spiegelt sich die thematische Komplexität eines Textes. Im weiteren Sinne umfasst I. auch die Wiederholung syntaktischer und phonologischer Elemente. Vgl. auch Lexikalische Solidaritäten.“ [Bußmann, H., S. 357]

Isotopie:

Terminus der strukturalen Semantik von A. J. Greimas. Er meint dort die Eindeutigkeit und Homogeneität der Realitätsebenen, die wie beim Witz durchbrochen/unterbrochen werden.“ [Heupel, S. 197]

Die Isotopie als gefügte Klassem-Hierarchie

In einem Text erfüllen die rekurrierenden Klasseme eine äußerst wichtige Funktion: sie garantieren den Zusammenhang der Rede, schließen Widersprüchlichkeit aus und sorgen so für Verständlichkeit. In einem geschlossenen Textabschnitt ordnen sich die rekurrierenden Klasseme zu eine einheitlichen Gesamtstruktur zueinander. Der Text ist nur die Entfaltung dieser Struktur, die wie Isotopie (griech. = gleiche Ebene) nennen wollen. Nehmen wir noch einmal den Text über ein Abs-Interview:

«Abs sprach sich in der Sendung für absolute Priorität der Währungsstabilität aus, auch auf Kosten des Wachstums, und interpretierte ausführlich seine ablehnende Meinung aus den Jahren 1968 und 1969 gegen die Aufwertung der Deutschen Mark.»

Das rekurrierende Klassem ist ‘Währung’. Diesem Klassem sind weitere rekurrierende Klasseme untergeordnet, vor allem die Opposition stabil vs. instabil. Die Gruppe Währung als ganze steht in Opposition zu einer Klassemgruppe ‘Konjunktur’, die durch das Lexem ‘Wachstum’ projiziert wird. Die Isotopie wird durch diese binäre Opposition von Klassemgruppen konstituiert. Viele Isotopien sind auf eine Binäropposition aufgebaut.”

[Link, Jürgen: Literaturwissenschaftliche Grundbegriffe. Eine programmierte Einführung auf strukturalistischer Basis. München: Wilhelm Fink Verlag, 1974, S. 73]

Aktanten und Prädikate in der Isotopie

Diejenigen Sememe eines Textes (Substantive), die rekurrieren oder potentiell rekurrieren (durch Pronomina substituiert werden können), bezeichnen wir als die Aktanten (zu lat. acta, frz. actions = Handlungen) der Isotopie. Die übrigen Sememe (außer Relationspartikeln) sind Prädikate dieser Aktanten. Um Missverständnisse zu vermeiden, muss betont werden, dass die beiden Begriffe nicht identisch mit den grammatischen Kategorien Subjekt und Prädikat sind. In dem Satz «Peter liegt im Bett» haben wir es mit zwei Aktanten zu tun: ‘Peter’ und ‘Bett’, da der Text fortfahren könnte: «Er ist krank»; oder «Es steht in der Küche». – ‘Liegt’ ist Prädikat, ebenso aber ‘krank’.”

[Link, Jürgen: Literaturwissenschaftliche Grundbegriffe. Eine programmierte Einführung auf strukturalistischer Basis. München: Wilhelm Fink Verlag, 1974, S. 75]

Bruch der Isotopie

Als Erscheinungsweise psychischer oder geistiger Störungen findet sich der Bruch der Isotopie in der alltäglichen Rede. So fallen manche Sprecher aus einer beliebigen Isotopie (etwa der romantischen Klaviermusik) plötzlich in eine andere Isotopie, die Isotopie ihrer «fixen Ideen» (etwa die gelbe Gefahr [= chinesicher Kommunismus]). Bekannt ist der «freudsche Versprecher», bei dem sich eine Isotopie auf der Ebene des Unbewussten in die Isotopi auf der Ebene des Bewussten drängt.

Beim «freudschen Versprecher» handelt es sich meistens um eine lautliche Ähnlichkeit zwischen einem Semem der bewussten Isotopie und einem Semem der unbewussten Isotopie. Wird dieser Bruch bewusst angewandt, so sprechen wir von Isotopiemodulation (zum musikal. Terminus Modulation = Tonartenwechsel).

Eine ganze Gattung von Witzen ist auf Isotopiemodulation aufgebaut. Ein Beispiel:

- So, Sie waren in Rom. Haben Sie denn auch die Sixtinische Kapele gesehen!

- Ja, tolle Burchen, besonders der Schlagzeuger.

Hier wird zuerst eine Isotopie 1 mit den Klassemen Kunst, historische Monumente usw. aufgebaut. Dagegen wird plötzlich eine Isotopie 2 mit dem Klassem Musik, Schlager usw. gestellt. Der Wechsel, d. h. die Modulation, geschieht über einen Aktanten, der ein Homonym darstellt und deshalb beiden Isotopien angehört.“

[Link, Jürgen: Literaturwissenschaftliche Grundbegriffe. Eine programmierte Einführung auf strukturalistischer Basis. München: Wilhelm Fink Verlag, 1974, S. 78-79]

Isotopía.

Término tomado por Greimas de la física y de la química para referirse a la interacción de los clasemas que confiere al discurso su homogeneidad.“ [Cardona, G. R., p. 157]

«Isotopía

Consiste en la repetición de unidades lingüísticas relacionadas entre sí por su forma o por su significado. Puede ser de tres tipos:

§       categoría gramatical (sustantivo, adjetivo, etc.),

§      categoría léxico-semántica (palabras sinónimas, polisémicas, antónimas, hipónimas, hiperónimas, es decir, mediante asociaciones de significado, etc.) y

§      categoría fónica, que se manifiesta en la repetición de los sonidos.»

[Sánchez Lobato, Jesús: Saber escribir. Madrid: Santillana, 2006, p. 508]