INTERFERENZ

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Entlehnung / Sprachkontakt / Transfer / Falsche Freunde

 

Interferenz

Das Einwirken sprachlicher Elemente und ihrer Situation auf andere sprachliche Elemente. M. Hartig + U. Kurz verstehen darunter den Gebrauch von bestimmten Elementen der einen Sprache, während man in einer anderen Sprache spricht oder schreibt. Interferenz ¹ Wortentlehnung; diese gehört nach E. Haugen zur Sprachintegration, da sie die Elemente der einen Sprache so benutzt, als wären sie ein Teil der anderen Sprache. Interferenzen entstehen aufgrund von Sinn- und Formähnlichkeit. Vgl. engl. to realise ¹ franz. réaliser. [Heupel, Carl, S. 104]

Interferenz: [lat. interferre ‘dazwischentragen’]. Beeinflussung eines Sprachsystems durch ein anderes

(a)  im Individuum (Transfer) oder

(b)  in der Sprachgemeinschaft (Transferenz, Entlehnung, Sprachkontakt).

Interferenz im Sinne von (a) ist eine Fehlerquelle, im Sinne von (b) eine Ursache von Sprachwandel. Der Ausdruck »Interferenz« scheint bei manchen Autoren den Begriff der »Analogie« (im Sinne von »innersprachlicher I.« mitzuumfassen. Zur Klärung der äußerst verworrenen terminologischen Lage vgl. E. Rattunde: „Transfer - Interferenz? Probleme der Begriffsdefinition bei der Fehleranalyse“. In: DNS 76, 1977, S. 4-14.“ [Bußmann, H., S. 349]

Interferenz (sprachliche)

Überlagerung von Strukturen eines Sprachsystems durch Strukturen eines anderen Sprachsystems (z.B. Interferenzen zwischen verschiedenen Dialekten oder zwischen Muttersprache und Fremdsprache): z.B. holländ. belangrijk wird von einem in Holland lebenden Deutschen «phonologisch übersetzt» und verwendet mit belangreich – was im Deutschen ungebräuchlich ist; oder umgekehrt Kop für dt. Kopf, während der Niederländer in den für Kopf gültigen Anwendungsbereich hoofd (vgl. Haupt) verwendet.

Interferenz zeigt sich auf allen Ebenen der in Kontakt stehenden Sprachen und in allen Graden: Im Bereich des Wortschatzes bewirkt sie außer Bedeutungs- und Gebrauchserweiterung einfache Entlehnung eines Zeichens (vgl. ein Film, ein Gag, ein Star, ein Western), Lehnübersetzung (calque), d.h. Verbindung zweier vorhandener Zeichen nach einem fremden Muster (z.B. Wochenende, frz. fin de semaine nach dem Muster von weekend). (Martinet 1968: 157) [Abraham, W., S. 312]