INKORPORIERENDER SPRACHTYPUS

Lenguas incorporantes

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Sprachtypologie / Inkorporation

 

Inkorporierende Sprachen:

Das Objekt und zum Teil auch andere vom Verb abhängige Bestimmungen werden ins Verb aufgenommen.

Inkorporierender Sprachtypus [Auch: polysynthetisch]

Sprachtyp, für den die ‚Einverleibung’ anderer Satzteile (Objekte) in den Verbalkern charakteristisch ist. Stark inkorporierend sind die Indianersprachen. Auch einige indoeuropäische Sprachen zeigen teilweise inkorporierende Züge (franz. je – le – lui – donnerai, noch stärker portug.: cantâ – lo – hei = wörtlich ‚singen – es – ich werde’, deutsch: ‚ich werde es singen’.“ [Heupel, Carl, S. 103]

«Inkorporierender Sprachbau

[mlt. incorporare 'in einen Körper einfügen'. - Auch: Polysynthetischer Sprachbau]

Von W. v. Humboldt [1836] unter morphologischen Aspekten aufgestellter Klassifikationstyp für Sprachen, die die Tendenz haben, die syntaktischen Beziehungen im Satz durch Aneinander- und Ineinanderfügen lexikalischer und grammatischer Elemento zu komplexen Wörtern auszudrücken. Syntaktische Funktionen wie Objekt oder Adverbiale werden dem verbalen Prädikat "einverleibt" (Beispiel: Grönländisch, Irokesisch, tendenziell auch im Frz., vgl. die lautliche Verschmelzung in Je ne l' entends pas ('Ich höre ihn nicht').»

[Bußmann, Hadumod: Lexikon der Sprachwissenschaft. 2. völlig neu bearbeitete Auflage, Stuttgart: Kröner, ²1990, S. 343]

Gegenstand der Morphologie

Die Morphologie behandelt die Strukturen bei der Kombination und der Alternierung von Morphemen. Die dabei einschlägigen Phänomene sind diejenigen, die innerhalb von Wörtern auftreten. Die Kombination von Morphemen zu größeren Komplexen (Phrasen, Sätzen) gehört nicht zum Gegenstand der Morphologie.

Die Morphologie ist somit die Theorie der Wörter und ihrer Struktur, wobei auch nach unten eine Grenze zu ziehen ist: Die Wörter werden nicht als Kombinationen von Phonemen behandelt. Morphologie ist somit die Theorie, die dem Weg vom Morphem zum Wort beschreibt. Eine Definition des Begriffes 'Wort' kann hier allerdings nicht gegeben werden. Diese Definition ist (als universelle Charakterisierung!) unerwartet schwierig. Es gibt Sprachen (typologisch: inkorporierende Sprachen, z.B. nordamerikanische Indianersprachen, bei denen die gewohnte Abgrenzung 'Wort vs. Satz' nicht mehr gilt.

Der allgemeine Begriff 'Wort' wird daher als gegeben betrachtet. Schon für das Deutsche ergeben sich verschiedene Einzelfragen, die später behandelt werden.

Die angedeutete Hierarchie

Phonem - Morphem - Wort - Satz - Text

bedeutet nicht, dass bestimmte Einheiten nicht gleichzeitig auf verschiedenen Ebenen angesiedelt sein können:

engl. I ist Phonem, Morphem und Wort.
dt. sprich ist Morphem, Wort und Satz.

Eine erste Einteilung der Morphologie ist folgende (anhand des Deutschen):

A.

Flexion (ein terminologisches Problem!):

A.1.

Deklination (Substantive, Adjektive, Pronomina) nach Kasus, Numerus, [Genus].

A.2.

Konjugation (Verben) nach Person, Numerus, [Tempus, Modus]. Dazu noch die analytischen Formen: hat gesagt, würde kommen, wird geschlagen.

A.3.

Komparation (Adjektive, Adverbien, zum Status später)

A.4.

weitere Formen von Verben (Partizipien, Infinitive, zum Status später)

 

B.

Wortbildung:

B.1.

Ableitung (Schönheit, beschenken)

B.2.

Komposition (Fensterkreuz)

Dieser Einteilung, die auf Kategorien und Funktionen beruht, steht eine weitere nach morphologischen Prozessen gegenüber:

C.

Affigierung (Auswahl)

C.1.

Präfigierung (beschenken, Unmensch, gesagt)

C.2.

Suffigierung
(a) 'echte' Suffixe (sichtbar, Bewegung, Seilschaft)
(b) Endungen (Bären, sprichst, höher)

C.3.

(unechte) Infigierung (anzunehmen, angenommen)

 

D.

Stammveränderung (Auswahl)

D.1.

Ablautung (spreche, sprichst, sprach, gesprochen; Spruch)

D.2.

Umlautung (spräche, Sprüche, höher)

D.3.

(Unsystematische) Konsonantische Stammveränderung (nimmst, dachte, Sicht)

D.4.

Weitere Prozesse:
'Rückumlautung' (brennen, brannte)
Reduplikation (dt. rudimentär in tun, taten, got. haldan, haihald (halten), lat. tango, tetigi (berühren))

 

E.   

Anreihung (Fensterkreuz, haushoch)

Ein weiteres Mittel (kein Prozess!) zur Formenbildung sind Suppletivformen:
sein - bin - ist - war; gut - besser (bas); go - went (wend).“

[Jürgen Kunze: Vorlesung Morphologie, Gegenstand der ... – Institut für deutsche Sprache und Linguistik – Lehrstuhl für Computerlinguistik – HU Berlin.

In: www.compling.hu-berlin.de/Lehrstuhl/Skripte/Morphologie/1_1.html]

Lenguas incorporantes [A. Einverleibende, Inkorporierende]

Con esta denominación y con las de aglomerantes, encapsulantes, holofrásticas y polisintéticas, se designan diversas lenguas (el esquimal, por ejemplo) que funden en una palabra una serie de elementos semánticos y de relación gramatical. Por tanto, muchas veces los límites de la frase coinciden con los de la palabra.” 

[Lázaro Carreter, Diccionario de términología filolológica, p. 233-234]