GRAMMATIK-MODELLE

Teorías gramaticales

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Grammatik und Grammatiktheorie / Inhaltsbezogene Grammatik / Montague-Grammatik / Lexical-Functional-Grammar / Funktionalismus / Konstituentenstruktur-Grammatik / Generalized Phrase Structure Grammar / Generative / IC-Analyse / Transformationsgrammatik / Kasusgrammatik / Generative Semantik / Textgrammatik / Sprechakttheorie / Dependenzgrammatik / GB (Government and Binding) / Traditionelle Grammatik / Finite State Grammar / Formationsgrammatik / Phrasenstrukturgrammatik / Grammatik von Port Royal / Funktional-Typologische Grammatik (FG) / Relationale Grammatik (RG)

 

Der Metabereich:  Linguistische Modelle und Theorien

Arten von Theorien und Adäquatheitsstufen

Beobachtungs-, Beschreibungs-, Erklärungsadäquatheit.

Theorien über Einzelsprache und Sprache.

Modelle als Theorienrahmen.

Die Generative Grammatik

(alias Prinzipien- und Parametertheorie alias Rektions- und Bindungstheorie)

(Chomsky et al.)

Mentalismus: “Language is a mental system of knowledge, a relatively stable brain state.” Angeborene universelle Prinzipien und erlernte einzelsprachliche Parameterwerte.

Dem generativen Linguisten geht es nicht primär um eine klare Darstellung der sprachlichen Produkte (externe oder E-Sprache), sondern um das mentale System, das diese produziert (interne oder I-Sprache).

Phrasenstrukturen werden durch das X-quer-Schema bestimmt, dazukommen Bewegungstransformationen.

Teiltheorien:

Theta-Theorie, X-quer-Theorie, Begrenzungstheorie, Rektionstheorie, Kasustheorie, Kontrolltheorie, Bindungstheorie.

Die Verallgemeinerte Phrasenstrukturgrammatik (Gazdar et al.)

Die VPSG ist eine monostratale Theorie: Grammatiken haben nur eine Repräsentationsebene und keine Transformationen.Kompositionale Semantik.

Trennung von Konstituenz- und Serialisierungsinformation.

Die Lexikalisch-Funktionale Grammatik (Bresnan et al.)

Syntakische Relationen werden nicht auf Konfigurationen von Kategorien zurückgeführt, sondern als Grundbegriffe eingeführt. Passivkonstruktionen und ähnliche werden nicht wie in der TG durch

Transformationen beschrieben, sondern aus den entsprechenden Lexikoneinträgen direkt erzeugt.

Die Verallgemeinerte Kategorialgrammatik (Bach et al.)

Während die VPSG nur die Transformationen abschafft, eliminiert die VKG auch noch die Phrasenstrukturregeln. Die syntaktische Struktur ist ausschließlich eine Projektion der Kategorienstrukturen der Lexikoneinträge. In den reinen VKGs ist das Lexikon die einzige Stelle, an der sprachspezifische Stipulationen Platz haben, die Syntax ist eine freie Algebra, eine von komplexen Kategorienstrukturen gelenkte universale Kombinatorik.

Die Montague-Grammatik (Montague et al.)

1. Bedeutung wird über Denotation (Bezeichnung) definiert.

2. Die Denotation eines Eigennamens ist eine Entität in einem Bezugsbereich.

3. Die Denotation eines Satzes ist eine Menge von Wahrheitsbedingungen.

4. Die Zuordnung von Wahrheitsbedingungen zu Sätzen sollte kompositional sein und die Intuitionen über semantische Relationen wie Ambiguität, Synonymie und Bedeutungsinklusion wiedergeben.

Die Kopfgesteuerte Phrasenstrukturgrammatik(Pollard et al.)

Natürliche Sprachen sollten unter dem Aspekt der Information betrachtet werden, die sie zugänglich machen. Ideologische Neutralität in der Mentalismus-Realismus-Debatte. Das adäquate Analysemittel für sprachliche Einheiten sind partielle Informationsstrukturen, die Werte für Attribute spezifizieren.

Informationsstrukturen sind teilgeordnet nach relativer Informativität durch die Subsumptionsrelation, sie sind unifikationsbasiert, monoton, deklarativ und reversibel (neutral bezüglich Analyse oder Produktion).

Der formale Apparat der KPSG stellt eine ‚linguafranca’ dar, in der praktisch alle zeitgenössischen Sprachtheorien formuliert und verglichen werden können, er ist also (so gut wie) theorieneutral.

Die Relationale Grammatik (Perlmutter et al.)

Die RG hält den universalistischen Anspruch der TG-PPT für nicht einlösbar, weil grammatische Relationen (GRs) zwar in allen Sprachen der Welt eine Rolle spielen, aber nicht in allen Sprachen der Welt konfigurationell,d.h. via Konstituenz definiert werden können. Sie weist den GRs daher die Rolle von Grundbegriffen zu.

Die Dependenzgrammatik am Beispiel der Wortgrammatik (Hudson)

Die WG ist eine kognitive Theorie, nach der sprachliches Wissen nur ein Spezialfall von Wissen ist, und nach der die grundlegende kognitive Einheit des sprachlichen Wissens das Wort ist.

Grammatische Relationen als Grundbegriffe und als Spezialfälle der fundamentalen grammatischen Relation der Dependenz. Relationshierarchie: Objekt < Komplement < Dependent. (< lies: ist Unterbegriff / Spezialfall von). Klassifikationshierarchie: Interrogativpronomen < Pronomen < Nomen < Wort. Die Relations- und die Klassifikationshierarchie erlauben Vererbung als Ausdrucksmittel für Generalisierungen. Die Darstellung von Parallelen zwischen sprachlichen und nichtsprachlichen Phänomenen wird erleichtert (wie in der KPSG, gegen die PPT): Wort < kommunikative Handlung < Handlung < Ereignis.

Die Funktionale Grammatik (Dik et al.)

1.  Das Sprachsystem ist nicht autonom, sondern als Kommunikationsinstrument gewissen Gebrauchsbedingungen unterworfen.

2. Die FG erstrebt (a) pragmatische, (b) psychologische und (c) typologische Adäquatheit.

3. Die FG benutzt relationale und funktionale Begriffe auf drei Ebenen: (a) semantische Funktionen (Partizipiantenrollen), (b) syntaktische Funktionen (Perspektiven, unter denen ein Sachverhalt gezeigt wird), (c) pragmatische Funktionen (Informationsgewichtung).

4. Abstrakte zugrunde liegende Repräsentationen mit einem lexikalischen und einem Regelteil liegen der Beschreibung sprachlicher Ausdrücke zugrunde.

5.  Terme, Prädikate, Prädikatsrahmen und Prädikationen sind die grundlegenden Beschreibungsmittel.

6.  Die durch Prädikationen repräsentierten semantischen Strukturen können mit semantischen und pragmatischen Funktionen versehen werden.

7. Zugrundeliegende Prädikationen werden durch Ausdrucksregeln auf sprachliche Ausdrücke abgebildet.

Die Kognitive Grammatik (Langacker et al.)

 

 

Mehrheit

KG

  1.  

Die Sprache ist ein abgeschlossenes System.

Ja

Nein

  1.  

Sprache kann algorithmisch charakterisiert werden.

Ja

Nein

  1.  

Sprache ist ein autonomes System und kann ohne Rückgriff auf allgemeine kognitive Verarbeitungsprinzipien beschrieben werden.

Ja

Nein

  1.  

Die Grammatik, insbesondere die Syntax ist ein unabhängiger Aspekt der 

Sprachstruktur und sowohl vom Lexikon wie von der Semantik getrennt.  

Ja

Nein

  1.  

Sprachliche Bedeutung kann mit Hilfe einer formalen Logik, die auf Wahrheitsbedingungen basiert, angemessen beschrieben werden

Ja

Nein

[http://www.fak14.uni-muenchen.de/~h505abfl/tl-1.htm#]

Typ einer Grammatik

Die wesentliche Kennzeichnung des Typs einer Grammatik erfolgt mithilfe von Bedingungen für die Ersetzungsregeln. Bestimmte Mengen von Symbolketten (= „Sprachen“) lassen sich auch nur durch bestimmte Typen von Grammatiken erzeugen. Die wichtigste Unterscheidung ist die zwischen kontextfreien (= umgebungsabhängigen) und kontextsensitiven (= umgebungsabhängigen) Ersetzungsregeln.“  (Wunderlich 1971b: 132)

[Abraham, Werner: Terminologie zur neueren Linguistik. 2 Bde., Tübingen: Niemeyer, 1988, Bd. 1, S. 246]

Grammatik

Grammatik kann als Fähigkeit (Kompetenz) des Sprechers einer natürlichen Sprache verstanden werden, in systematischer Weise Beziehungen zwischen bestimmten Lautreihen (Phonemik) und den zugehörigen Bedeutungen herzustellen. Jede Grammatiktheorie ist mit dem Faktum konfrontiert, dass ein kompetenter Sprachbenutzer eine unbegrenzte Menge von zuvor nie gehörten Sätzen verstehen bzw. selbst in für andere verstehbarer Weise produzieren kann. Die Prinzipien, die die Herstellung unbegrenzt vieler bzw. langer Sätze aus einem endlichen Elemente- und Regelrepertoire ermöglichen, werden rekursive Regeln genannt.

Die strukturelle Beschreibung (SB) macht Angaben über die Konstituenten von Sätzen, ihre gegenseitigen Beziehungen, ihre Abfolge, fernen über die zur Satzinterpretation nötige grammatische Information. Für SB gibt es verschiedene Grammatikmodelle, wie z.B. die generative Transformationsgrammatik (Chomsky, 1970), deren Analyse nach den „immediate constituents“ (erste Ebene: Subjekt-Prädikat), genauer „Ersetzungsregeln“, die so genanten Basis- oder Tiefenstruktur (Chomsky) betrifft, die der Bedeutung, der semantischen Interpretation des Satzes entspricht. Tatsächliche Sprachäußerungen können andere, z.T. komplizierte Strukturen annehmen (Oberflächenstruktur), die in linguistischer Analyse von der Basisstruktur aus durch Transformationsregeln erreichbar sind. Oberflächenstrukturen erfahren beim Sprechen phonologische Interpretation und phonetische Realisierung (Phonemik).“ 

[Abraham, Werner: Terminologie zur neueren Linguistik. 2 Bde., Tübingen: Niemeyer, 1988, Bd. 1, S. 245]

Grammatik [griech. grammatiké (téchne) zu grammatikós ‘die Buchstaben betreffend’].

In ursprünglichen Sinne nur die »Lehre von den Buchstaben« bezeichnend, im Mittelalter die gesamte Sprach- und Stillehre des Lat. (inklusive Rhetorik) umfassend, wird der Terminus G. in der neueren Sprachwissenschaft für unterschiedliche Gegenstandsbereiche verwendet:

(1)  Grammatik als Wissen bzw. als Lehre von den morphologischen und syntaktischen Regularitäten einer natürlichen Sprache. In diesem »traditionellen« Sinne bezieht sich Grammatik auf den formalen Aspekt von Sprache, so dass Phonetik, Phonologie und die Bedeutungsseite der Sprache als spezielle Teilbereiche der Sprachwissenschaft ausgeklammert bleiben.

(2) Grammatik als strukturelles Regelsystem (im Sinne von de Saussures Langue), das allen sprachlichen Produktions- und Verstehensprozessen zugrunde liegt.

(3)  Grammatik als Sprachtheorie, d.h. als Modell zur Abbildung der Kompetenz (vgl. z.B. generative -Transformationsgrammatik).

(4)  Systematische Beschreibung der formalen Regularitäten einer natürlichen Sprache in Form eines Nachschlagewerkes oder Lehrbuchs.

Entsprechend dem mehrdeutigen Verwendungssinn des Begriffs überlappen sich auch die wissenschaftlichen Kriterien zur Klassifizierung von Grammatik. Folgende Aspekte sind für eine Typologie von Grammatik relevant:

(a)  Gegenstandsbereich: je nach dem Untersuchungsziel unterscheidet man zwischen Kompetenz-Grammatik, die im Sinne von (3) ein Modell zur Erklärung des unbewussten Regelapparates liefert, und Korpus-Grammatik, die auf eine umfassende Beschreibung der beobachtbaren Regularitäten einer Sprache bzw. eines repräsentativen Ausschnitts abzielt.

(b)  Je nach theoretischer Zielsetzung bezieht sich die grammatische Beschreibung auf eine Einzelsprache oder strebt ein universelles Beschreibungskonzept an, auf dessen Fundament die einzelsprachlichen Besonderheiten dann in Grammatik der Einzelsprachen erklärt werden können.

(c)  Je nach methodischen Prämissen unterscheidet man zwischen deskriptiven, d.h. synchronische Tatbestände objektiv beschreibenden Grammatiken und normativen Grammatiken, die auf eine Belehrung über den richtigen Sprachgebrauch abzielen (Deskriptive Linguistik, Normative Grammatik). Distributionelle Grammatiken sind an der Klassifizierung von Oberflächenstrukturelementen nach Kriterien ihrer Verteilung interessiert (Distributionalismus), während operationale Grammatiken den Prozess der Regelfindung akzentuieren (Operationale Verfahren).

(d)  Sprachauffassung: je nach ihrer sprachtheoretischen Basis stehen sich so unterschiedliche (z.T. miteinander konkurrierende) Grammatik-Modelle gegenüber wie:

·      Allgemeine Grammatik

·      Dependenzgrammatik

·      Funktionale Grammatik

·      Inhaltsbezogene Grammatik

·      Kasus-Grammatik

·      Strukturelle Grammatik

·      Generative Transformationsgrammatik

·      Valenzgrammatik

(e)  Im Hinblick auf ihre Benutzer wird zwischen wissenschaftlichen und pädagogischen Grammatiken unterschiede, und hier wieder zwischen Volksg. (vgl. DUDEN) sowie muttersprachlich oder fremdsprachlich orientierten Schulgrammatiken.

Grammatiken werden in neuerer Zeit nach Kriterien wie Angemessenheit, Einfachheit, Vollständigkeit, Explizitheit, Kohärenz und Widerspruchsfreiheit bewertet, vgl. hierzu Adäquatheitsebenen.“ [Bußmann, H., S. 287-288]

Grammatiktheorie

Die Grammatiktheorie untersucht die Kriterien, denen Grammatiken von Einzelsprachen, aber auch eine allgemeine Grammatik gerecht werden müssen, wenn sie mehr als zusammenhanglose ad-hoc-Beschreibungen sein wollen. Die traditionelle Grammatik z.B. folgt keiner im deduktiven Sinne einheitlichen Theorie, wenn sie etwa die Wortarten nach ganz unterschiedlichen Gesichtspunkten gliederte.

Besonders S. K. Saumjan und M. Bierwisch (auch K. Baumgärtner und H. J. Heringer) haben im Anschluss an L. Hjelmslev, V. Brøndal und N. Chomsky betont, dass das Grundprinzip der modernen Linguistik im Gegensatz zum Induktivismus der traditionellen Grammatik und des Deskriptivismus die deduktive Analyse bildet, die z.B. in der Physik erst die revolutionierenden Entdeckungen ermöglicht hat. Gewiss sei heute schon, dass die Linguistik mit den überlieferten Begriffen und »oft viel zu anschaulichen Vorstellungen« nicht auskommen kann. Die Fülle intuitiver Einsichten der traditionellen Grammatik werde nun in theoretischen Zusammenhang gebracht, damit ungelöste Fragen präzise formuliert und der Lösung näher gebracht werden können. Die G. weitet sich zu einer formalen Theorie der allgemeinen Eigenschaften von Grammatiken, die nicht nur Resultat bleibt, sondern als Hypothese auch Mittel der Forschung wird.

Die Grammatik als die Beschreibung einer Sprache muss Forderungen erfüllen, die allgemein an wissenschaftliche Beschreibungen zu stellen sind, d.h. sie muss ein in sich widerspruchsfreies System von Sätzen bilden, die den zu beschreibenden Gegenstand vollständig erfassen. Die Beschreibung soll so einfach wie möglich sein und darf nicht im Widerspruch zu Beschreibungen anderer Gegenstandsbereiche stehen. Eine solche Beschreibung ist eine Theorie, wenn ihre Sätze in logisch-deduktiven Zusammenhang stehen. Die Theorie soll streng formal aufgebaut sein; sie bezieht sich ausschließlich auf die dem Gegenstand immanente Struktur, d.h. auf seine Teile und ihre Relationen zueinander. Entscheidend ist nun, dass die von der deduktiven Theorie zu erklärenden empirischen Daten nur im Zusammenhang dieser Theorie gesehen werden können.

Von einer axiomatisierten Theorie spricht man, wenn alle Sätze im Sinn der der formalen Logik aus einer begrenzten Anzahl voneinander unabhängiger Sätze abgeleitet werden können.

Beschreibungen, die sich direkt auf den Gegenstandsbereich beziehen (die z.B. dem Begriff Substantiv die »außertheoretisch und scheinbar unmittelbar gegebene Vorstellung Ding oder Substanz zuordnen«, jedoch in keinem theoretischen Zusammenhang stehen, gelten als prätheoretisch. Unter dem Aspekt der deduktiven Theorie geht die unmittelbare Bindung an Sinnesdaten auf Kosten der Kohärenz der Gesamtbeschreibung, deren Einheiten und Relationen nicht mit ‘intuitiven’ Klassifizierungen dieser Daten identisch zu sein brauchen, deren Aussagen nur als Ganzes auf die Beobachtungsdaten zutreffen müssen. Indem eine solche Theorie »nicht eine abgeschlossene Menge von Beobachtungsdaten« zu ihrem Gegenstand hat und sich auch auf noch nicht Untersuchtes bezieht, wird sie prognostisch oder prädiktiv. Die Generative Grammatik einer Sprache ist eine prädiktive Theorie dieser Sprache; ihre Verifizierbarkeit entscheidet über ihre Bestätigung oder Widerlegung. Wie jede Hypothese kann eine G. deduktiven Typs erschüttert werden, indem

         Fehler im deduktiv-logischen Aufbau festgestellt werden,

  sprachliche Strukturen aufgewiesen werden, die die Theorie unzureichend, falsch oder überhaupt nicht erfasst,

  man eine angemessenere Theorie aufstellt.

Die forma G. bestimmt die Grammatik einer Sprache als Beschreibung aller Beziehungen, die zwischen akustischen oder graphischen Sinnesdaten bestehen. Beziehungen, die zwischen Ausdrücken aufgrund von Beziehungen auf einen bestimmten Gegenstandsbereich existieren (indirekte Beziehungen), werden nur erfasst, soweit sie »von den direkten Beziehungen abhängen und nicht von den Gegenstandsbereichen«. Die Entwicklung der gTG hat aber gezeigt, dass eine adäquate G. viele Phänomene einzubeziehen hat, die man bisher aus der Grammatik oder sogar aus der Linguistik ausklammerte und dass – ganz allgemein – die Forderungen nach logisch-deduktiver, streng formaler Theorienbildung zwar ihre volle Berechtigung hat, jedoch für die Linguistik zu früh kommt. Die logisch-formale (oder formalisierte) Behandlung sprachlicher Erscheinungen hat – befangen in ihrem eigenen systematischen Apparat, der zu seinem Funktionieren relativ viel Energie verbraucht – nur bei ihren führenden Vertretern beachtliche Ergebnisse erbracht; sonst traten Missverständnisse, Überlastung und Überforderung durch Theorie, Leerlauf sowie unnötig aggressive Polemik auf, in der man offenkundige Schwächen zu verteidigen suchte oder sein eingeengtes Wissenschaftsverständnis dadurch bekundete, dass man jeden gegenstandsorientierten linguistischen Ansatz als »kuriosen Versuch« bezeichnete. Auf der anderen Seite ist man eigenartig inkonsequent, wenn man feststellt, dass Theorie und Modellbildung zur Zeit die einzigen Möglichkeiten sind, die »biologischen und physiologischen Fakten und Abläufe« bei der Kommunikation zu beschreiben, dann aber sich um empirische Rechtfertigung der Automatentheorie bemüht. Die bekannte Tatsache, dass elektronische Schaltsysteme mit neurophysiologischen Prozessen in Beziehung gebracht werden, dürfte kaum ein gutes Argument für eine automatenorientierte Humanlinguistik sein, wenn die kybernetische Forschung längst erkannt hat, dass menschliches Sprachverhalten zu einem wesentlichen Teil als eigen gesteuert und selbst regulierend aufgefasst werden muss. Das eine G. nicht unabhängig von einer Sprachtheorie existieren sollte, betonen K. Ammer und G. F. Meier. Texte sind immer sinnvolle Anordnungen von Zeichen; sie müssen formal und semantisch beschreibbar sein. Aus der methodisch gerechtfertigten formalen Abstraktion darf keine sprachtheoretische Konzeption abgeleitet werden.

Aus größerer Distanz erscheint die Bindung eines Teils der neueren G. an die moderne Logik und Mathematik als eine Phase, die trotz aller Berufung auf mentale Kategorien als durch die Weiterentwicklung der Naturwissenschaften bedingte Ablösung des pragmatisch und behavioristisch orientierten Deskriptivismus verstanden werden kann. Die vermeintliche Eigenständigkeit der Sprachwissenschaft/Linguistik allerdings ist wohl schon immer ein Missverständnis gewesen.

Eine grundsätzlich objektorientierte Theorie der Grammatik, die ihrem vielschichtigen und aspektreichen, sich diachron aus sehr heterogenen Faktoren aufbauenden Gegenstand gerecht werden kann, schlägt W. G. Admoni vor; er weist darauf hin, dass der komplizierte Bau der Sprache schlecht durch logische Systeme abgebildet wird, dass aber umgekehrt die dialektisch-korrelativ erarbeitete Sprachstruktur Modell auch für andere Wissenschaften werden könne.“ [Lewandowski, Bd. 1, S. 242-245]

„Der Ausdruck Grammatik (von gr. gramma ‘Buchstabe’) bezeichnet sowohl die interne Struktur einer Sprache als auch ihre Beschreibung. Die erste abendländische Grammatik wurde von Dionysius Thrax, einem Philologen aus dem ersten vorchristlichen Jahrhundert, verfasst. Sein Werk, das die Lautlehre ebenso enthält wie die Etymologie und die Dichtungskritik, hat in seiner Struktur alle später kommenden Grammatiken direkt oder indirekt beeinflusst.

In einem geläufigen neueren Sinn wird unter ‘Grammatik’ die Gesamtheit der morphologischen und syntaktischen Beschreibungen einer Sprache verstanden; zuweilen wird auch die Lautlehre dazugerechnet.

Man unterscheidet zwischen normativen und deskriptiven Grammatiken. Die normative Grammatik möchte ihren Leserinnen [sic] sagen, wie man korrekt spricht/schreibt. Eine deskriptive Grammatik hat dagegen lediglich das Ziel, den existierenden Sprachgebrauch festzuhalten. Sie enthält sich jeglicher Werturteile über die festgestellten Formen.

Der Gegenstandsbereich der Grammatik wird verschieden abgesteckt. Traditionell bestimmt man ihn als Gesamtheit der morphologischen und syntaktischen Phänomene; zuweilen werden auch die Lautlehre (Phonetik, Phonologie) sowie die Graphemik (Wissenschaft von der schriftliche Wiedergabe der Laute) und die Orthographie dazugezählt.“ 

[Hentschel / Weydt: Handb. der dt. Grammatik, S, 5-7]

'Grammatik' wird auf dreierlei Weise verwendet:

1.     Grammatik als (Lehr-)Buch bzw. Nachschlagwerk.

2.     Grammatik als vom Linguisten entworfenes System formaler Regeln zu modellhafter Abbildung der sprachlichen Kompetenz.

3.     Grammatik als ein dem idealisierten Sprecher / Hörer internalisiertes (d.h. in dessen Gehirn gespeichertes) Regelsystem.

Gängige Dichotomien:

Pädagogische

vs.

wissenschaftliche Grammatik

Deskriptive

vs.

präskriptive / normative Grammatik

 

Die wichtigsten Typen von Grammatiken:

Der Aufbau einer Grammatik hängt von der ihr zugrunde gelegten linguistischen Theorien ab.

·       "muchos planteamientos de la gramática tradicional son de corte nocional" [Hernanz / Brucart]

·       Die traditionelle Grammatik wird in der Linguistik als tertium comparationis verwendet.

Stratifikationsgrammatik: S. M. LAMB (1966)

Tagmemische Grammatik: K. L. PIKE (1957)

                           

Der Metabereich – Linguistische Modelle und Theorien:

Arten von Theorien und Adäquatheitsstufen

Beobachtungs-, Beschreibungs-, Erklärungsadäquatheit.

Theorien über Einzelsprache und Sprache. Modelle als Theorienrahmen.

Die Generative Grammatik (alias Prinzipien- und Parametertheorie alias Rektions- und Bindungstheorie) (Chomsky et al.)

Mentalismus: „Language is a mental system of knowledge, a relatively stable brain state.“ Angeborene universelle Prinzipien und erlernte einzelsprachliche Parameterwerte.

Dem generativen Linguisten geht es nicht primär um eine klare Darstellung der sprachlichen Produkte (externe oder E-Sprache), sondern um das mentale System, das diese produziert (interne oder I-Sprache).

Phrasenstrukturen werden durch das X-quer-Schema bestimmt, dazukommen Bewegungstransformationen.

Teiltheorien: Theta-Theorie, X-quer-Theorie, Begrenzungstheorie, Rektionstheorie, Kasustheorie, Kontrolltheorie, Bindungstheorie.

Die Verallgemeinerte Phrasenstrukturgrammatik (Gazdar et al.)

Die VPSG ist eine monostratale Theorie: Grammatiken haben nur eine Repräsentationsebene und keine Transformationen.Kompositionale Semantik. Trennung von Konstituenz- und Serialisierungsinformation.

Die Lexikalisch-Funktionale Grammatik (Bresnan et al.)

Syntaktische Relationen werden nicht auf Konfigurationen von Kategorien zurückgeführt, sondern als Grundbegriffe eingeführt. Passivkonstruktionen und ähnliche werden nicht wie in der TG durch Transformationen beschrieben, sondern aus den entsprechenden Lexikoneinträgen direkt erzeugt.

Die Verallgemeinerte Kategorialgrammatik (Bach et al.)

Während die VPSG nur die Transformationen abschafft, eliminiert die VKG auch noch die Phrasenstrukturregeln. Die syntaktische Struktur ist ausschließlich eine Projektion der Kategorienstrukturen der Lexikoneinträge.

In den reinen VKGs ist das Lexikon die einzige Stelle, an der sprachspezifische Stipulationen Platz haben, die Syntax ist eine freie Algebra, eine von komplexen Kategorienstrukturen gelenkte universale Kombinatorik.

Die Montague-Grammatik (Montague et al.)

Die Kopfgesteuerte Phrasenstrukturgrammatik (Pollard et al.)

Natürliche Sprachen sollten unter dem Aspekt der Information betrachtet werden, die sie zugänglich machen. Ideologische Neutralität in der Mentalismus-Realismus-Debatte.

Das adäquate Analysemittel für sprachliche Einheiten sind partielle Informationsstrukturen, die Werte für Attribute spezifizieren.

Informationsstrukturen sind teilgeordnet nach relativer Informativität durch die Subsumptionsrelation, sie sind unifikationsbasiert, monoton, deklarativ und reversibel (neutral bezüglich Analyse oder Produktion).

Der formale Apparat der KPSG stellt eine ‚linguafranca’ dar, in der praktisch alle zeitgenössischen Sprachtheorien formuliert und verglichen werden können, er ist also (so gut wie) theorieneutral.

Die Relationale Grammatik (Perlmutter et al.)

Die RG hält den universalistischen Anspruch der TG-PPT für nicht einlösbar, weil grammatische Relationen (GRs) zwar in allen Sprachen der Welt eine Rolle spielen, aber nicht in allen Sprachen der Welt konfigurationell, d.h. via Konstituenz definiert werden können. Sie weist den GRs daher die Rolle von Grundbegriffen zu.

Die Dependenzgrammatik am Beispiel der Wortgrammatik (Hudson)

Die WG ist eine kognitive Theorie, nach der sprachliches Wissen nur ein Spezialfall von Wissen ist, und nach der die grundlegende kognitive Einheit des sprachlichen Wissens das Wort ist.

Grammatische Relationen als Grundbegriffe und als Spezialfälle der fundamentalen grammatischen Relation der Dependenz.

Relationshierarchie: Objekt < Komplement < Dependent. (< lies: ist Unterbegriff / Spezialfall von).

Klassifikationshierarchie: Interrogativpronomen < Pronomen < Nomen < Wort.

Die Relations- und die Klassifikationshierarchie erlauben Vererbung als Ausdrucksmittel für Generalisierungen.

Die Darstellung von Parallelen zwischen sprachlichen und nichtsprachlichen Phänomenen wird erleichtert (wie in der KPSG, gegen die PPT): Wort < kommunikative Handlung < Handlung < Ereignis.

Die Funktionale Grammatik (Dik et al.)

Das Sprachsystem ist nicht autonom, sondern als Kommunikationsinstrument gewissen Gebrauchsbedingungen unterworfen.

Die FG erstrebt (a) pragmatische, (b) psychologische und (c) typologische Adäquatheit.

Die FG benutzt relationale und funktionale Begriffe auf drei Ebenen: (a) semantische Funktionen (Partizipiantenrollen), (b) syntaktische Funktionen (Perspektiven, unter denen ein Sachverhalt gezeigt wird),(c) pragmatische Funktionen (Informationsgewichtung).

Die Kognitive Grammatik (Langacker et al.)

[Quelle: http://www.fak14.uni-muenchen.de/~h505abfl/tl-1.htm#1]

Grammatiken

 

Ch. Fillmore

Kasusgrammatik

Tiefenstruktur, Theta-Rolle

L. Tesnière

Valenz-, Dependenzgrammatik

actants, circonstants;
Valenz (Selektion, Subkategorisierung)

N. Chomsky

Konstituentengrammatik
Phrasenstrukturgrammatik

S, NP, VP; Komplemente, Adjunkte (zum Unterschied zwischen K.- und Ph.grammatik)

N. Chomsky

generative Grammatik
Transformationsgrammatik

Lexikon, D-Struktur, S-Struktur, Head, X'-Schema, Satzgrundkonstituenz, move - alpha, Theta-Theorie, Logische Form, Semantische Form, Phonetische Form

[Erstellt und bearbeitet von Dora Warth (nach einer Vorlesung von Prof. Dr. Huber). In:

http://www.fask.uni-mainz.de/inst/iaspk/Linguistik/Syntax/Grammatiken.html]

„Una gramática dependiente de contexto es una gramática que contiene al menos una regla dependiente de contexto.

Una gramática independiente de contexto contiene solamente reglas independientes de contexto.

Una gramática regular contiene reglas, exclusivamente, de la forma A > a, A > Ba, o de la forma A > a, A > aB. Las gramáticas regulares se clasifican a su vez en ramificando a la izquierda o a la derecha de acuerdo con la clase de reglas que contenga.

Un lenguaje dependiente de contexto es un lenguaje generado por una gramática dependiente de contexto. De la misma manera llamaremos lenguaje independiente de contexto, si es generado por una gramática independiente de contexto, y lenguaje regular si lo es por una gramática regular.“

[Serrano, Sebastián: Lógica, lingüística y metemáticas. Madrid: Editorial Anagrama, 1977, p. 197]

«La gramática nace en la antigua India, cuando se siente la necesidad de manejar con absoluta corrección litúrgica los textos sagrados, a cuyas sílabas se atribuía un valor mágico, evocador; la necesidad de evitar el pecado de equivocación engendró la Gramática. La historia india nació de la necesidad de fijar con fidelidad las grandes acciones pretéritas de los dioses; la fidelidad y no la simple curiosidad engendró la historia de aquel país. Ninguna ciencia escapa a esta condición. Por esto, el hecho de que las ciencias adquieran un carácter extrahistórico y extramundano es índice inequívoco de que el mundo se halla afectado de interne descomposición.»

[Zubiri, Xavier: Naturaleza, Historia, Dios. Madrid: Editora Nacional, 1963, p. 9]