GENITIVOBJEKT

(Recop.) Justo Fernández López

 

Genetivobjekt

Der Genetiv ist als Objekt-Kasus außerordentlich selten geworden und kommt fast nur noch auf einer sehr gehobenen, archaischen Stilebene sowie in einigen wenigen festen Wendungen vor. In der Dependenzgrammatik Tesnières sind solche Objekte nicht vorgesehen; vergleichbare Fälle im Französischen (il change de chaussures) werden nicht als Aktanten, sondern als Angaben eingestuft. Die deutschen Vertreter der Dependenzgrammatik sehen in Genetivobjekten hingegen Ergänzungen, die durchweg als E2 (Engel 1988: Egen) bezeichnet werden. Auch Genetivobjekte werden normalerweise durch Substantive (einschließlich der substantivierten Formen anderer Wortarten) und Pronomina repräsentiert:

archaischer Stil:

Man bezichtigte ihn des Verrats.

Sie konnte sich seiner nicht entsinnen.

feste Wendungen:

Er erfreut sich bester Gesundheit.

Man verwies sie des Landes.

Im Unterschied zu Dativobjekten werden Relativsätze ohne Beziehungswort Genetivobjekten gewöhnlich vermieden:

(?)Sie entsann sich mühelos, wessen sie wollte.

Dagegen sind Relativsätze nach dem Demonstrativum dessen/derer als Korrelat möglich, und auch andere Nebensätze sowie erweiterte Infinitive können so gebraucht werden:

Sie entsann sich dessen, was er ihr gesagt hatte.

Sie entsann sich dessen, dass er noch zu kommen beabsichtigte.

Sie bezichtigte ihn dessen, seine Ideale verraten zu haben.

Wegen ihres Bezuges auf das Demonstrativum können solche Nebensätze und erweiterten Infinitive auch als Attribute angesehen werden. Gelegentlich treten jedoch auch Fälle ohne korrelierendes Element im Hauptsatz auf:

Sie konnte sich nicht entsinnen, wann sie ihn zuletzt gesehen hatte.

Sie bezichtigte ihn, seine Ideale verraten zu haben.

Ein solcher Gebrauch ist nicht bei allen Verben mit Genetivrektion möglich. Man kann daher argumentieren, dass Verben wie entsinnen oder bezichtigen eine doppelte Rektion aufweisen und Nebensätze bzw. erweiterte Infinitive auch als direkte Objekte regieren können.

Genetivobjekte können entweder als einziges Objekt oder zusammen mit Akkusativobjekten vorkommen. Außer bei gedenken, bedürfen, entraten und dem völlig veralteten harren kommen allein stehende Genitivobjekte nur bei reflexiven Verben vor. In den meisten Fällen wird statt eines Genetivobjekts im modernen Deutsch ein Präpositionalobjekt verwendet, wobei das Verb oft verändert wird (sich jemandes erinnern Õ sich an jemanden erinnern; jemandes gedenken Õ an jemanden denken; jemanden einer Sache beschuldigen Õ jemandem die Schuld an etwas geben usw.).“

Auch Genetivobjekte sind unter den Objekten zweiten Grades noch häufiger als Akkusativobjekte, obwohl sich hier ebenfalls (wie bei den Genetivobjekten der Verben) ein Rückgang abzeichnet.

Ich bin mir dessen bewusst.

Sie ist der Tat verdächtig.

Er ist des Lesens nicht kundig.  usw.“ 

[Hentschel / Weydt, S. 336-337 und 342]

«Objekt

deutsch Ergänzung; Objekte sind notwendig nominale/substantivische Satzglieder im Prädikat (Satzaussage). Anzahl und Art der Objekte richten sich nach dem Verb (Tätigkeitswort).

Vater repariert der Mutter den Geschirrspüler.

Nun spült der Geschirrspüler das Geschirr wieder.

Es gibt zwei Typen: die fallbestimmten Objekte und die Objekte mit Präpositionen (Verhältniswörtern). Sie können mit Hilfsfragen wie Wen oder Was?, Wem? und Wessen?, Auf wen?, Auf was? usw. ermittelt werden, wie die Tabelle zeigt:

 

Satz

Hilfsfrage

Objekt

Vater holt den Apfelsaft

Wen oder Was? holt der Vater?

den Apfelsaft

Akkusativobjekt

Ein Glas reicht mir.

Wem reicht ein Glas?

mir

Dativobjekt

Sie gedenken der Toten.

Wessen gedenken sie?

auf den Chef

Objekt mit Präposition

 

In welchen Fällen die Objekte stehen, welche und wie viele es gibt, hängt häufig vom Verb ab. Die folgenden Satzmuster geben einen Hinweis:

Vater

hat

Durst.

Er

holt  

den Apfelsaft.

 

 

Akkusativobjekt

Prädikat

 

Ein

Glas

reicht

ihm.

 

 

 

Dativobjekt

Prädikat

 

Die Mutter

hat

ihm

das Glas

gegeben.

 

 

Dativobjekt

Akkusativobjekt

 

Prädikat

 

Genitivobjekte gib es nur noch bei ganz wenigen Verben: sich erinnern, gedenken, bedürfen, sich schämen, sich brüsten,...

Bei einigen werden sie auch hier schon durch präpositionale Objekte verdrängt:

Ich erinnere mich an den Vorfall.

Sie denken an die Toten, statt ... gedenken der Toten.

Er schämt sich über sein Aussehen, statt ... seines Aussehens.

Er brüstete sich mir seiner guten Leistung, statt ... seiner guten Leistung.

Präpositionale Objekte sind nominale Satzglieder mit Präposition und benennen Personen oder Sachen. Sie werden mit Hilfsfragen Auf Wen? Auf Was? Für Was? Für Wen? Mit Wem? usw. ermittelt.

Ich warte auf meinen Vater. – Auf wen warte ich? – auf meinen Vater.

Ich freue mich über die Sonne. – Über was? – über die Sonne.

Ich spreche mit meinem Trainer. – Mit wem? – mit meinem Trainer.

Sie sind abzugrenzen gegen die notwendigen Ergänzungen und die Adverbiale (Umstandsbestimmungen), die Raum, Richtung, Zeit, Dauer, Art und Weise, Grund und Ursache angeben.

Die folgenden Muster zeigen präpositionale Objekte, z.T. zusammen mit anderen. Welche präpositionale Objekte stehen, kommt auf die Verben an. Einige Verben kommen fast immer mit Präpositionen vor wie z.B. warten auf, zweifeln an, absehen von, fahnden nach, sich kümmern um, ...

 

Vater wartet

auf das Glas Apfelsaft.

 

präpositionales Objekt

 

Der Kommissar fahndet

nach dem geflohenen Tier.

 

präpositionales Objekt

 

Mutter bestellt

eine Flasche

für Vater.

 

Akkusativobjekt

präpositionales Objekt

 

[Bünting, K.-D. / Eichler, W.: Grammatik-Lexikon. Frankfurt a.M.: scriptor, 1989, S. 114-115]