FUNKTIONALE SATZPERSPEKTIVE

Perspectiva funcional de la oración

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Thema vs. Rhema

 

= Gliederung der Äußerung nach ihrem Mitteilungswert, vereinfacht: Thema-Rhema-Gliederung.

Funktionale Satzperspektive (Aktuale Gliederung des Satzes)

Gliederung des Satzes nicht nach der formalen Subjekt-Prädikat-Struktur, sondern nach der informationstragenden Struktur, nach dem, was in dem Satz alte Information ist (das Bekannte, der Ausgangspunkt für den Sprecher, das Thema) und was neue Information ist (das Neue, das Unbekannte, der Zweck der Mitteilung, das Rhema) (Prager Schule).“ [Abraham, W., S. 223]

Funktionale Satzperspektive: Terminus der Prager Schule. Nach G. Helbig geht V. Mathesius davon aus, dass das Ziel der kommunikativen Funktion vor allem das ist: neue Mitteilungen zu vermitteln. Der Satz wird daher nicht mehr nach seiner formalen Struktur, sondern nach seiner Informationsträchtigkeit gegliedert. Das Thema ist das, was im Satz bereits bekannt ist, das Rhema das, was eine neue Mitteilung enthält. Die Position von Thema-Rhema ist der primäre formale Ausdruck dieser funktionalen Satzperspektive. In ‘objektiver’ Stellung steht das Thema vor dem Rhema, in ‘subjektiver’ umgekehrt. Thema: Bekanntes. Rhema: Unbekanntes.“ [Heupel, S. 74]

„Unter ‘funktionale Satzperspektive’ (auch: ‘aktuelle Satzgliederung’, ‘Mitteilungsperspektive’, ‘Thema-Rhema-Gliederung’ / thematic organisation of the utterance, topic-comment strukture) versteht man die zuerst besonders von V. Mathesius und derzeit vor allem von E. Beneš und J. Firbas (Neo-Prager-Schule) untersuchte Gliederung von Sätzen (nach ihrer „informationstragenden Struktur“ (Helbig)) in bekannte und neue Information, in Thema-Rhema.“

[Welte, W.: Moderne Linguistik: Terminologie / Bibliographie, Bd. 1, S. 141]

„Bei der funktionalen Satzperspektive oder Thema-Rhema-Gliederung des Satzes handelt es sich nicht etwa um eine weitere Variante der Satzgliedlehre, sondern um eine andersgeartete Betrachtungsweise, die von den kommunikativen Beziehungen zwischen Sprecher/Schreiber und Hörer/Leser ausgeht.“

[Sommerfeldt/Starke: Einführung in die Grammatik der deutschen Gegenwartssprache, S. 255]  

Funktionalen Satzperspektive (FSP)

“Lange und intensiv beschäftigte sich die Prager Schule auch mit der Analyse der Funktionalität mit Hilfe der Funktionalen Satzperspektive (FSP) im Mikrobereich auf der Ebene des Satzes und seiner näheren Umgebung. Dabei wird in Fortführung früherer Gedanken der Satz nicht linear nach seiner grammatischen Form, sondern nach seiner Informationsstruktur gegliedert. Hierbei geht man davon aus, dass ein Satz Informationen von unterschiedlicher Wichtigkeit enthält. Diese Wichtigkeit wiederum hängt davon ab, ob es sich bei den einzelnen Satzelementen um bereits bekannte oder neue Nachrichten handelt.

Vom Standpunkt des communicative dynamism (CD) wird zwischen Rhema und Thema unterschieden, wobei das Rhema Neues, und das Thema Bekanntes enthält. V. Mathesius (1882‑1945) stellt Tendenzen im Englischen fest, denen zufolge im normalen, d. h. unmarkierten Satz, im Verlaufe eines langen Entwicklungsprozesses immer häufiger das Thema dem Rhema vorangestellt werde, während im emotionalen, also markierten Satz, oft die umgekehrte Reihenfolge gelte. So decken sich besonders im Englischen, sehr vereinfacht ausgedrückt, in der Normallage eines Satzes die Stellungen von Thema und Rhema mit denen von Subjekt und Objekt.

Weitere Kennzeichen des Rhemas neben seiner meist postverbalen Stellung sind der unbestimmte Artikel und in den meisten Fällen auch noch das Vorhandensein eines Primärakzentes. Oft erweisen sich bei diesen Thema‑Rhema‑Untersuchungen eine Sprengung der zu engen Satzeinheit und die Einbeziehung größerer Kontexteinheiten in die Analyse als notwendig, da dieser Wechsel oft nur über die Satzgrenzen hinaus verständlich wird. Das gilt z. B. für die Aufeinanderfolge eines Aktiv‑ und Passivsatzes: I saw a car. The car was driven by a policeman. War im Aktivsatz car Rhema des Satzes, so wird es in dem folgenden Passivsatz zum Thema u. a. auf dem Wege eines Positionswechsels, der ausdrücken soll, dass nun dieses Nachrichtenelement als bekannt vorausgesetzt werden kann. Gewiss liegt hierin nicht die einzige Erklärung für den Wechsel zwischen Aktiv und Passiv. Es gibt daneben natürlich auch noch stilistische und semantische Gründe.

Für vergleichende Stiluntersuchungen zwischen dem Deutschen und Englischen erschließt sich hier auch eine Möglichkeit, die Kommunikationsstrukturen von Sätzen gegeneinander abzusetzen. Dabei ergibt sich, dass im Englischen die Aufeinanderfolge von Thema und Rhema innerhalb eines Satzes wesentlich häufiger vorzufinden ist als im Deutschen. Ein mit dem Rhema beginnender deutscher Satz wie Ein Wald von prächtigen Buchen nahm ihn auf wird im Englischen oft wiedergegeben mit He entered a forest of magnificent beeches. Bei der Erklärung dieser unterschiedlichen Subjektfrage wurde oft davon ausgegangen, dass das Englische 'logischer' verfahre und einer der Aktivität fähigen Person Vorrang vor anderen 'inaktiven' unpersönlichen und abstrakten Subjekten gebe. In diesem Zusammenhang muss aber darauf hingewiesen werden, dass die o. g. Aufeinanderfolge im Englischen aufgrund einer Reihe oft triftiger Faktoren außer Kraft gesetzt werden kann. Es gibt auch im Englischen Sätze mit unbelebtem Thema‑Subjekt, das als Handlungsträger fungieren kann (vgl. He stepped into the stackyard. And the fog swallowed him up.). Wichtig scheint dabei zu sein, dass dieses unbelebte Subjekt, im Gegensatz etwa zum Deutschen, meist Thema des Satzes ist. Erwähnt sei ferner, dass die Anwendung dieses funktionalen Prinzips, das im Vorgriff auf spätere Entwicklungen auch schon einen Unterschied zwischen (grammatischen) Oberflächenstrukturen und (kommunikativen) Tiefenstrukturen machte, nicht in allen Sprachen ergiebig ist.

[Nickel, Gerhard: Einführung in die Linguistik: Entwicklung, Probleme, Methoden. Berlin: Schmidt, 21985, S. 76-77]

·

„Auf die Einheitlichkeit der Mitteilungsperspektive fußt die kommunikative Ganzheitlichkeit eines Textes. Es handelt sich dabei um die Weitergeltung des Informationsgehalts vorausgehender Sätze, auf dem das für die Rezipienten Neue aufbaut, das in den folgenden Sätzen mitgeteilt wird. Darauf gründet das „Gesetz der kommunikativen Kontinuität“, das zweierlei besagt:

1) Das Prinzip der Thema-Rhema-Gliederung gilt nicht nur für den einzelnen Satz, sondern erst recht für den Text als zusammenhängende Äußerung.

2) Die kommunikative Satzperspektive spielt eine textkonstituierende Rolle. Die Struktur der Thema-Rhema-Kette ist modellierbar und auf einige Grundmodelle reduzierbar:

1.  Das verbreitete Modell der Thema-Rhema-Kette einer transphrasischen Einheit ist die so genante einfache lineare thematische Progression (= prädikatvermittelte Konnexion). Dieses Modell liegt u. a. dem folgenden Beispieltext zugrunde

1. Ein Papagei wurde in einem St.-Moritzer Ferienhaus zum Brandstifter.

2. Er knabberte an der Reibfläche eines Zündholzbriefchens, das sich entzündete.  

3. Herabfallende Streichhölzer setzten den Teppich in Brand.

4. Die erschrockenen Hausbewohner konnten schließlich das Feuer löschen und ihren Liebling retten. (Tageszeitung).

und kann in folgender Weise schematisiert werden:

(T = Thema, R = Rhema; Zahlenindices betreffen die Nummerierung der Sätze):

 

2.  Die Thema-Rhema-Kette hat ein durchgehendes Thema. Die Informationen aufeinander folgender Sätze betreffen den gleichen Kommunikationsgegenstand (= subjektvermittelte Konnexion):

1. Etwa 18 bis 20 Kilogramm wiegt die menschliche Haut.

2. Die gesamte äußere Oberfläche des Körpers wird von ihr bedeckt.

3. An den natürlichen Öffnungen geht sie in Schleimhaut über.

4. Sie ist Grenzorgan zwischen der Umwelt und unserem Organismus und dementsprechend aufgebaut. (Wochenzeitung)

3.  Ein drittes Modell wird verzweigte thematische Progression genannt. Von einem gemeinsamen Thema („Hyperthema“) werden zwei oder mehr Themen abgeleitet. Dazu folgendes Beispiel:

1. Es gibt zwei Arten, sich den großen Kunstwerken der Vergangenheit gegenüber zu verhalten.

2. Die eine ist Anbetung, Verehrung, Gläubigkeit, grenzenloses Genießen, Ausschaltung des Verstandes.

3. Die andere könnte man als eine kritisch-historische bezeichnen.

4. Sie schaltet den Verstand bei der Betrachtung eines großen Kunstwerks nicht aus, sondern benützt ihn ... (H. Eisler)

     Das Hyperthema „zwei Arten des Verhaltens gegenüber großen Kunstwerken der Vergangenheit“ verzweigt sich also in die beiden abgeleiteten Themen „die eine Art“ und „die andere Art“:

Diese Modelle der kommunikativen Progression kommen nicht nur in reiner Form, sondern in vielfältigen Kombinationen vor.“  

[Sommerfeldt, K.-E. / Starke, G.: Einführung in die Grammatik der deutschen Gegenwartssprache. Leipzig: VEB, 1988, S. 298-300]

„Es gibt weitere Einschränkungen der Stellungsfreiheit im Satz, die nicht mit formalen, sondern mit inhaltlichen Kriterien zusammenhängen: mit der Aufteilung des Satzes in Thema und Rhema. Als Rhema wird derjenige Teil des Satzes bezeichnet, der den höchsten Mitteilungswert hat; das, was im Satz neu oder am wichtigsten ist, der zentrale Kern der Information. Mit Thema hingegen ist die Hintergrundinformation gemeint, die in jedem Satz mitgegeben wird, um das Verständnis zu sichern, und die dem Hörer oft schon bekannt ist oder als bekannt vorausgesetzt wird. In der gesprochenen Sprache trägt das Rhema gewöhnlich zugleich den Hauptakzent des Satzes (d. h., die Sprecherin [sic] spricht an dieser Stelle mit dem größten Nachdruck).

Sofern es sich um bewegliche Satzteile handelt, gilt als Grundregel für die Stellung von Thema und Rhema im Satz: Das Thema steht vor dem Rhema. Dieses Prinzip kann anhand des folgenden Beispielsatzes illustriert werden:

Er hat seinen Freunden eine Geschichte erzählt.

aber:

*Er hat eine Geschichte seinen Freunden erzählt.

Der unbestimmte Artikel signalisiert, dass die „Geschichte“ bisher noch nicht erwähnt worden war. Sie stellt also eine neue Information im Satz und damit das Rhema dar. Da das Rhema nach dem Thema stehen muss, ist eine Stellung von eine Geschichte (Rhema) vor seinen Freunden (Thema) nicht möglich. Möglich ist es indessen, das Rhema bei besonderer Betonung ins Vorfeld zu stellen:

Eine Geschichte hat er seinen Freunden erzählt.

Die Regel, dass das Rhema nach dem Thema stehen muss, betrifft also nur das Mittelfeld des Satzes. Das Vorfeld bietet eine weitere Stellungsmöglichkeit für das Rhema an; dabei ist allerdings zu beachten, dass Subjekte und Adverbialbestimmungen zu den Standard-“Füllungen“ des Vorfelds zählen und deshalb in dieser Stellung nicht rhematisch wirken, solange sie nicht besonders betont werden.

Die Thema-Rhema-Verteilung im Satz hat auch Auswirkungen auf die Stellung von Adverbialbestimmungen und Abtönungspartikeln. Beide können ebenfalls nicht nach dem Rhema stehen:

*Ich bringe dir ein Buch morgen.  (aber: Ich bringe dir morgen ein Buch.)

*Er hat ein Auto doch geklaut.  (aber: Er hat doch ein Auto geklaut.)

Für Abtönungspartikeln gibt es eine weitere Stellungsregel, die dann in Kraft tritt, wenn das finite Verb das Rhema des Satzes bildet. In solchen Fällen kann die Partikel - abweichend von der üblichen Stellung - ans Ende des Satzes treten. Vgl.:

*Er hat Geld doch.

Er verachtet Geld doch.

Dass die Partikel hier an einer Stelle steht, die gewöhnlich den Konstituenten des Prädikats vorbehalten ist, weist auf eine enge inhaltliche Beziehung zwischen Abtönungspartikel und Rhema hin. Andererseits kann man aus der Stellung der Abtönungspartikel auch Rückschlüsse auf das Rhema des Satzes ziehen:

Onkel Donald hat seinen Neffen das Sparschwein doch geklaut.

Onkel Donald hat seinen Neffen doch das Sparschwein geklaut.

Onkel Donald hat doch seinen Neffen das Sparschwein geklaut.“ [Hentschel / Weydt, S. 394-396]

Thema und Rhema

«In der Äußerung

Eine Stilllegung dieses Kraftwerks würde nicht unsere Zustimmung finden.

kann man unschwer zwei Teile von ungleichem Informationsgehalt unterscheiden: im ersten Teil eine Stilllegung dieses Kraftwerkes wird etwas bloß genannt, im zweiten Teil würde nicht unsere Zustimmung finden wird über dieses Genannte etwas ausgesagt. Der erste Teil steckt den Rahmen ab, innerhalb dessen die Aussage des zweiten Teils gültig sein wird. Der erste Teil ist vorläufiger Natur, der zweite Teil trägt das Hauptgewicht der Information. Der erste Teil ist schwächer betont, der zweite Teil trägt den Hauptton. Der erste Teil nennt oft (nicht immer) Bekanntes, der zweite bringt oft (nicht immer) Neues. Der erste Teil wird von der Forschung als Thema, der zweite als Rhema bezeichnet.

Prinzipiell läßt sich jede Äußerung in Thema und Rhema gliedern. Es gibt allerdings Äußerungen, die aus so wenigen Elementen bestehen, dass eine Zweigliederung nicht mehr möglich ist, so. z. B.

Aufforderungen wie: Raus!

Fragen wie: Der?

Anreden wie: Fritz

Solche Kurzäußerungen enthalten aber in jedem Fall das Rhema. Es gibt keine vollständige – und das heißt: kommunikativ (nicht satzgrammatisch) – Äußerung ohne Rhema. Die Äußerung kann daher auch definiert werden als Texteinheit, die genau ein Rhema enthält.

Ist die Äußerung ein Verbalsatz, so fungiert als Thema häufig das Subjekt des Satzes, so auch im letztgenannten Satzbeispiel:

Eine Stilllegung dieses Kraftwerks würde nicht unsere Zustimmung finden.

Aber dieser Zusammenfall von Subjekt und Thema ist theoretisch gesehen nur Zufall. Ebenso gut können andere Satzglieder Themafunktion erhalten, so in der bedeutungsähnlichen Äußerung

An der Stilllegung des Kraftwerks sind wir nicht interessiert.

Thema ist in diesem Satz eine Präpositivergänzung, und der Rest sind wir nicht interessiert einschließlich des Subjekts wir bildet das Rhema. Dass Subjekt und Thema faktisch in so vielen Fällen identisch sind, rührt vor allem daher, dass im Deutschen das Subjekt häufig an der ersten Stelle im Satz steht: nach umfangreichen Zählungen durchschnittlich in etwa zwei von drei Sätzen. Daraus ergibt sich aber auch, dass in einem Drittel aller satzförmigen Äußerungen ein anderes Element als das Subjekt Thema ist: besonders häufig Umstandsbestimmungen (in der Regel situative Angaben), gelegentlich Akkusativergänzungen u. a. Wer Thema und Rhema in einer Äußerung erkennen und gegeneinander abgrenzen will, hat daher in jedem Fall sorgsam zu prüfen, welche Elemente die Rahmeninformation liefern und welche die Hauptinformation enthalten.

Das Thema enthält oft Bekanntes und in jedem Fall minder Wichtiges, deshalb kann es (oder mindestens Teile von ihm) auch weggelassen werden. Besonders häufig wird das Thema in der gesprochenen Sprache nicht realisiert.

Wie die bisher gebrachten Beispiele nahe legen, steht in den meisten Fällen das Thema am Anfang, das Rhema am Ende der Äußerung. Das ist unter anderem sprechpsychologisch bedingt: das zuletzt Gehörte haftet immer am nachhaltigsten im Bewusstsein, deshalb wird die wichtigste Information in der Regel zuletzt genannt.

Zwischen Thema und Rhema steht oft der Satznegator nicht oder auch Partikeln, die die Einstellung des Sprechers zum Sachverhalt markieren, wie ja, eben, wohl. Diesen Elementen kommt insofern eine Sonderrolle zu, als sie nicht – wie größtenteils Thema und Rhema – für die Beschreibung eines Sachverhaltes eingesetzt werden, sondern die Einstellung des Sprechers zu diesem Sachverhalt wiedergeben: es handelt sich um existimatorische (einschätzende) Elemente. Deshalb nehmen manche Forscher auch eine Dreigliederung der Äußerung in Thema, Rhema und (bestimmte) existimatorische Elemente an.

Funktionale Satzperspektive

Das einfache lineare Modell der zweiteiligen Äußerung (Thema links, Rhema rechts) wird relativiert und zugleich präzisiert durch das Prinzip vom steigenden Mitteilungswert der Äußerungsteile. Nach diesem Prinzip, das funktionale Satzperspektive, auch „Mitteilungsperspektive“ genannt wird, steigt der Informationswert der Elemente von links nach rechts an. An die Stelle der simplen Zweiteilung in Thema und Rhema tritt also das Konzept einer kontinuierlichen Zunahme des Informationsgewichts zum Äußerungsende hin. Die gesamte Äußerung wird so durch eine rechtsgerichtete kommunikative Dynamik charakterisiert.

Die Funktionale Satzperspektive kann viele Wortstellungserscheinungen erklären: allgemein wird das weniger Wichtig zuerst genannt, das Wichtige steht am Ende. Vor allem für die Abfolge mehrerer Ergänzungen ist dieses Prinzip wichtig. Es ist zum Beispiel dafür verantwortlich, dass in der Regel die pronominalen Ergänzungen vor den nominalen Ergänzungen stehen. Allerdings gilt diese Links-Rechts-Folge nur mit einigen wichtigen Einschränkungen:

(1)    Manche Elemente haben eine ziemlich feste Stellung im hinteren Teil der Äußerung, sie lassen sich nicht oder doch nicht ohne weiteres nach links verschieben. Solche Elemente haben dann zwar aufgrund ihrer festen Stellung meist ein hohes Informationsgewicht. Aber dieses Informationsgewicht läßt sich auch nicht durch Linksverschiebung vermindern.

(2)    Entsprechendes gilt für eine andere Art von Elementen, die (fast) immer im vorderen Teil der Äußerung stehen und daher geringes Informationsgewicht haben, das nicht durch Rechtsverschiebung erhöht werden kann.

(3)    Nicht in allen Fällen steht das Thema vor dem Rhema. Es gibt Äußerungen, in denen das Rhema die Anfangsstellung innehat. Dies gilt für Elemente, die normalerweise ganz oder sehr weit rechts stehen. Die Rhematisierung wird dann durch die Abweichung von der „Normalstellung“ bedingt. Sie ist in solchen Fällen noch stärker, als wenn das Element an seinem gewohnten Platz steht. So erscheinen etwa Akkusativergänzungen mit indefinitem Artikel oder Nullartikel in der Regel nahe dem Äußerungsende: Wir haben gestern Hummer gegessen. Wird ein solches Element an den Anfang der Äußerung gezogen – was ganz ungewöhnlich ist –, so erscheint es aufgrund dieser Stellung noch stärker rhematisiert: Hummer haben wir gestern gegessen.

(4)    Auch die Position eines Elements am Ende der Äußerung bedeutet nicht immer Rhematisierung. Wenn nämlich ein Element hinter den infiniten (und bei Nebensätzen auch hinter den finiten) Verbteilen steht, also im Nachfeld, dann gehört es unter bestimmten Umständen zu den leichttonigen und damit zu den thematischen Elementen: Bei uns hat es Spaghetti gegeben gestern.

Die Geltung der funktionalen Satzperspektive wird, wie man sieht, durch diverse Wortstellungsregeln eingeschränkt. Es existiert darüber hinaus ein Verfahren, mit dessen Hilfe man die funktionale Satzperspektive sozusagen auf den Kopf stellen kann. Dieses Verfahren, das als Satzspaltung bekannt ist, nennt zuerst das rhematische Element in einem ist-Satz, an den sich die weitere Aussage als Relativsatz anschließt. Statt

Ich muss mich um den Hund kümmern.

heißt es dann:

Es ist der Hund, um den ich mich kümmern muss.

In allen diesen Fällen wird ein ohnehin rhematische Element durch die Satzspaltung noch stärker rhematisiert, der folgende Relativsatz gehört in jedem Fall zum Thema.

Es scheint, dass Satzspaltungen auf bestimmte Ergänzungen (Nominativ-, Akkusativ-, Genitiv-, Dativ- und Präpositivergänzungen) beschränkt sind. Bei anderen Ergänzungen und bei vielen Angaben führen Satzspaltungen jedenfalls an die Grenze der Grammatikalität:

Sie wohnte damals in Paris.

*Es war in Paris, wo sie damals wohnte.

Die Herausstellung zieht ein Element vor, macht es aber dadurch lediglich zum betonten Thema, während das Rhema, durch ein Demonstrativelement eingeleitet, nachfolgt. So stehen nebeneinander:

Die Buchhändlerin ist unsere beste Verbündete.

Die Buchhändlerin, das/die ist unsere beste Verbündete.

Ich werden den kleinen Wagen nehmen.

Den kleinen Wagen, den werde ich nehmen.

Die Satzspaltung wie die Herausstellung ändert gelegentlich die funktionale Satzperspektive, dient aber im allgemeinen lediglich der hervorhebenden Thematisierung.»

[Engel, Ulrich: Deutsche Grammatik. Heidelberg: Groos, ²1988, S. 72-74]

«Perspectiva funcional de la oración:

El término ‘perspectiva funcional de la oración’ ha sido utilizado, especialmente, por lingüistas procedentes de la Escuela de Praga, como Mathesius, Daneš o Firbas. Alude a la organización del enunciado en unidades diferenciadas por su aportación al progreso informativo; esto es, por el distinto papel que desempeñan en el avance de la información que comporta el enunciado como unidad del discurso.

Así, de conformidad con Mathesius o Daneš, todo enunciado se divide, atendiendo a la ‘perspectiva funcional’, en dos partes o unidades: (1) el TEMA, o segmento del enunciado que contiene la información ya conocida; es decir, lo que el hablante presupone ya presente en la conciencia del interlocutor. (2) El rema, o parte del enunciado que conlleva la información considerada como nueva; esto es, los elementos que el emisor del mensaje supone desconocidos para el receptor. Por ejemplo, según H. Contreras (1978: 88), en

Ella está procurando enseñarte

(que puede ser una respuesta perfectamente adecuada a ¿Qué hace ella?), el constituyente ella representa el tema, es decir, lo ya conocido, lo que ya se supone presente en la mente del destinatario. El resto del enunciado se correspondería con el rema, con la información que el hablante aporta como nueva.

El concepto de ‘perspectiva funcional de la oración’ ha sido relevante, sobre todo, en el análisis del orden lineal que se asigna a los constituyentes del enunciado. De conformidad con Mathesius, por ejemplo, en el orden de constituyentes que se considera objetivo normal, o no marcado, el tema precede al rema. Así en

Ella está procurando enseñarte,

los elementos oracionales se hallan dispuestos según un orden objetivo o no marcado, puesto que el tema ella precede en la ordenación lineal al rema, está procurando enseñarte. En cambio, el orden es subjetivo enfático o marcado cuando el rema precede al tema de la disposición de las unidades componentes del enunciado. Así, si a

Juan me ha hundido el proyecto

se replica, por ejemplo,

PACO, no Juan, te ha hundido el proyecto

(el uso de versalitas indica que Paco se destaca como FOCO mediante un acento de oración), el orden de constituyentes sería subjetivo o marcado, ya que el rema, lo que se destaca como desconocido por el interlocutor, está presentado por PACO, y precede en el orden lineal al tema, a lo ya conocido o dado. Cf estructura informativa, estructura temática, función pragmática.»

[Alcaraz Varó, Enrique / Martínez Linares, María Antonia: Diccionario de lingüística moderna. Barcelona: Editorial Ariel, 1997, p. 438-439]