FUNKTIONAL-TYPOLOGISCHE GRAMMATIK

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Relationale Grammatik vs. Funktionale Grammatik / Kasusgrammatik

 

Funktional-typologische Grammatik (FG)  vs. RG

Funktional-typologische Grammatik (fg)  vs. Relationale Grammatik (rg)

FG und RG erkennen eine hierarchische Ordnung der grammatischen Relationen an. Das Subjekt ist an erster Stelle und das oblique Objekt an letzter Stelle plaziert. Aber

in der FG werden

·       syntaktische Kategorien als funktionale Einheiten nur der diskurspragmatischen Ebene zugeordnet – sie kodieren, was Clausal Topic wird;

·       daneben existiert eine zweite Ebene, diejenige der semantischen Rollen, die mehr Gewicht erhält, da die Rollen zur Erklärung des syntaktischen Sachverhalts herangezogen werden – also semantische Interpretation grammatischer Relationen;

in der RG

·       stellen die syntaktischen Beziehungen zwischen den hierarchisch geordneten Elemente im Satz den eigentlich Gegenstand einer linguistischen Theorie dar;

·       die semantische Ebene wird nicht als primär angesehen;

·       es wird überlegt, wie eine Repräsentation semantischer Rollen in das RG-Modell aufgenommen werden könnte;

·       der Überwechsel von der semantischen auf die syntaktische Ebene ist auch ein Ziel der RG, aber die semantische Ebene ist für die RG nicht primär – semantische Bestimmungen wirken sich nicht eindeutig auf die syntaktische Konstruktionen, manche semantische Sachverhalte sind nicht in der Oberflächenstruktur sichtbar;

erst in einem Mehr-Schichten-Modell wie dem RG-Modell lassen sich semantische Verhältnisse auf der syntaktischen Ebene abbilden – „die RG wird somit der semantischen als auch der syntaktischen Ebene eher gerecht als andere Theorien.“ (Maier, I.)

„Der Vorwurf, der dem funktional-typologischen Ansatz von generativer Seite immer wieder gemacht wird besteht darin, dass behauptet wird, es handele sich um einen reduktionistischen Ansatz, der grammatische Phänomene direkt auf außerlinguistische Prinzipien (d.h. kommunikative, pragmatische, kognitive etc.) reduziert, oder von diesen deduziert. Mit einem sehr simplen Typ von Argumenten wird von generativer Seite versucht zu zeigen, dass Sprache nicht aus ihren situativ-pragmatischen oder kognitiven Funktionen erklärbar ist, womit zugleich auf die epistemologische Willkürlichkeit des funktional-typologischen Ansatzes geschlossen wird.

Entgegen diesem simplifizierenden Vorurteil, das seine Wurzel möglicherweise in der Hypostasierung eines mathematisch-logischen Funktionsbegriffs hat, versucht der funktionale Ansatz gerade monofunktionale Erklärungen für sprachliche Phänomene zu vermeiden, und stattdessen zu zeigen, dass sprachliche Phänomene das Resultat oder die Lösung verschiedener Prinzipien und Funktionen darstellen, die ihren letzten Grund in den universellen anthropologischen Bedingungen der Sprecher / Hörer, als auch den Zwecken und der Mittel natürlicher Sprachen haben.

Der Begriff der Funktion, den die funktional-typologische Ansatz zugrunde legt, ist ein teleologisch-erklärender. Die allgemeinen Zwecke und Bedingungen der Sprache dienen sowohl als Heuristik zur Identifikation der intersprachlich relevanten Daten, und zugleich als Fundament, auf das die Erklärungen der Daten immer bezogen werden müssen, oder von dem die spezielleren erklärenden Begriffe abgeleitet werden können.

Die allgemeinen Ziele und Zwecke der Sprache – kognitive, pragmatische, kommunikative etc – zusammen mit den biologisch-physiologischen und kognitiven Beschränkungen der Sprachproduktion, Sprachrezeption, des Spracherwerbs, des Gedächtnisses etc. und den Gebrauchskontexten und –situationen – physikalisch, sozio-kulturell, als auch sprachlicher Art – bilden das funktionale Erklärungsraster für die Organisation sprachlicher Äußerungen und sprachlicher Ausdrucksformen.

Doeses Raster funktionaler Grunderfordernis und Beschränkungen, deren Prinzipien und Funktionen durchaus gegenläufig oder widerstreitend sein können (z.B. das Prinzip der Ikonizität und das Prinzip der Ökonomie) definiert den Lösungshorizont für die sprachbildende Arbeit des menschlichen Geistes und damit «possible human language». Wie die Prinzipien und Strukturen des Begriffs «possible human language» zu bestimmen ist, kann a priori nicht beantwortet werden, sondern muss durch den typologischen Rekurs auf die Einzelsprachen aufgeklärt werden. Die faktische Variation der Ausdrucksformen wird gefasst als ein «continuous competition betwenn different functional prerequisites; the actual synchronic design of language is a compromise solution, a precarious balance in efficasy with respect to different functional prerequisites» (Dik 1986: 10).

Die funktionale Sich auf Sprache und die funktionale (semantische, pragmatische etc.) Heuristik sind der methodische Ausgangspunkt der linguistische Forschung. Durch die möglichst präzise und typologisch möglichst breite Untersuchung der tatsächlichen einzelsprachlichen Lösungen der funktionalen Vorbedingungen können auf induktiv-generalisierenden Weg die Sprache determinierenden Faktoren genauer bestimmt werden und die funktionale Heuristik zur linguistischer Erkenntnis werden.”

[Helmbrecht, J.: Universalität und Vagheit. Untersuchungen zum funktionalen Zusammenhang morphosyntaktischer und kognitiver Kategorien der Sprache. Diss., Univ. Bonn, 1994, S. 103-105]

Funktionsbegriff

Der Begriff der Funktion wird in der Mathematik gebraucht, um eine eineindeutige Abhängigkeitsbeziehung zwischen zwei Variablen, von denen die die Freie, und die andere die Abhängige ist, zu beschreiben. Die abhängige Variable ist eine Funktion der unabhängigen Variable und kann auf sie reduziert werden.“

[Helmbrecht, J.: Universalität und Vagheit. Untersuchungen zum funktionalen Zusammenhang morphosyntaktischer und kognitiver Kategorien der Sprache. Diss., Univ. Bonn, 1994, S. 103 Anm.143]