FOKUSPARTIKELN

(Recop.) Justo Fernández López

 

„Der Name Fokuspartikeln lehnt sich an die engl. Bezeichnung „focusing adjunct“, „focusing adverb“ an. Unter „Fokus“ (von lat. focus ‘Brennpunkt’, ‘Herd’) versteht man das Zentrum einer Aussage, also den Teil des Satzes, der den höchsten Mitteilungswert hat. Die Fokuspartikeln stellen eine recht umfangreiche und relativ heterogene Gruppe von Partikeln dar; zu ihnen gehören allein, auch, ausgerechnet, bereits, besonders, bloß, einzig, eben, erst, genau, gerade, insbesondere, lediglich, noch, nur, schon, selbst, sogar, wenigstens usw. Sie verdanken ihren Namen der Eigenschaft, mit ihrem Skopus eine gemeinsame Konstituente zu bilden, die den Fokus des Satzes darstellt, z. B. Nur du kannst mir helfen (der Skopus von nur ist du, beiden zusammen bilden den Fokus des Satzes).

Die Fokuspartikel lässt sich nicht erfragen, kann aber zusammen mit ihrem Skopus die Antwort auf eine Frage bilden: Wer kann mir helfen?  -Nur du. Die übliche Bezeichnung für Fokuspartikel, „Gradpartikel“, erklärt sich durch die Annahme, dass diese Gruppe von Partikeln immer graduierend sei. Die Bezeichnung ist insofern unglücklich, als nur einige dieser Partikeln graduierende Funktion haben; Partikeln wie auch oder einzig sind nicht graduierend, gehören aber in die gleiche Gruppe.

Die semantische Funktion von Fokuspartikeln besteht darin, Beziehungen zu anderen Propositionen als denen, in denen sie selbst stehen, herzustellen, wobei diese Propositionen explizit geäußert oder nur implizit mitverstanden werden können. Die Fokuspartikeln implizieren also Alternativen zu ihrem Beziehungselement und schließen sie als mögliche Werte in einem größeren Zusammenhang ein oder aus. Wenn die implizierten Werte ausgeschlossen werden, handelt es sich um „restriktive“, wenn sie eingeschlossen werden, um „additive“ Partikeln.

Zu den additiven Partiklen (auch „inklusive“ genannt) gehören auch, gleichfalls, sogar. Die Elemente, die den Skopus dieser Partikeln bilden, werden durch sie einer größeren Gruppe oder Menge zugeordnet, für die dieselbe Proposition gilt. Im Satz Sogar Fritz hat mitgeholfen bildet Fritz den Skopus; sogar impliziert, dass außer Fritz noch weitere Menschen geholfen haben.

Restriktive Partikeln (auch „exklusive“) sind demgegenüber z. B. nur, einzig, allein. Sie zeigen an, dass ihr Skopus das einzige Element ist, auf das die Proposition zutrifft. So drückt nur in Nur Hans hat diese Aufgabe richtig gelöst aus, dass die Proposition ‘X hat das Problem richtig gelöst’ nur auf das Individuum Hans zutrifft.

Die Fokuspartikel muss nicht in unmittelbarer Nachbarschaft des Fokus stehen: vgl. Ich habe den Film auch gesehen, wo ich den Skopus von auch darstellt.“

[Hentschel, Elke und Weydt, Harald: Handbuch der deutschen Grammatik. Berlin: de Gruyter, ²1994, S. 291]