FEMINISTISCHE LINGUISTIK

(Recop.) Justo Fernández López

 

Vgl.:

Genus und Geschlecht

 

Feministische Linguistik

Von der neuen Frauenbewegung in den USA (Women’s Liberation Movement) ausgelöste sprachwissenschaftliche Richtung, die die Erfahrung der Ungleichstellung von Frau und Mann in Familie, Ausbildung, Laufbahn und vor dem Gesetz auch als Ungleichheit im Sprachsystem und als geschlechtsspezifische Unterschiedlichkeit in der Sprachverwendung aufzuweisen versucht und unter der sprachkritischen Perspektive der Veränderbarkeit diskutiert:

(a)  Während im engl. Sprachsystem die Mehrdeutigkeit von man (‘Mensch’, ‘Mann’), Probleme der Pronominalisierung und des Wortschatzes (weibliche Bezeichnungen werden in der Regel von männlichen abgeleitet) kritische Ausgangspunkte bilden, werden im Dt. und Frz. die Probleme der sprachlichen Ungleichsbehandlung durch das Genus-System und seinen Zusammenhang mit der außersprachlichen Kategorie „Sexus“ noch verstärkt.

(b)  Empirische Untersuchungen der Sprachverwendung im Rahmen der Konversationsanalyse beziehen sich vor allem auf geschlechtstypisches Gesprächsverhalten sowie auf Probleme des Einflusses des Geschlechts auf die sprachliche Sozialisation. Um überprüfbare Ergebnisse (nicht nur ungesicherte Tendenzen) als Basis für angestrebte Veränderungen begründen zu zu können, bedarf es noch größerer Differenzierbarkeit in der Hypothesenbildung, wobei insbesondere die Isolierung der Variablen „Geschlecht“ aufgehoben werden müsste zugunsten anderen Variablen wie Alter, Ausbildung, Status, Nationalität.“ [Bußmann, H., S. 240-241]